Wir in Bayern: Abenteuer Livesendung

22. Mai 2021

Im Gespräch über Knöpfe mit Michael Sporer, dem Moderator des BR-Magazins „Wir in Bayern“

Es passiert ja nicht so oft, dass es mir die Sprache verschlägt. Eher bin ich dafür bekannt, selbst dem Teufel ein Ohr abzuquatschen, und als Redakteurin mit einigen Jahrzehnten Berufserfahrung sind Interviews für mich Alltag. Aber erstens bin normalerweise ich diejenige, die Fragen stellt, zweitens bin ich in den guten alten Printmedien zu Hause, und live im Fernsehen locker zu plaudern – das ist auch für mich eine Herausforderung. Aber die Chance, das alte Handwerk der Knopfmacherei einem breiten Publikum zu präsentieren, habe ich gern angenommen, als mich der BR-Redakteur Markus Kampp in die Sendung „Wir in Bayern“ des Bayerischen Fernsehens einlud. Zum Glück lagen zwischen seinem Anruf und der Sendung nur ein paar Tage, sodass ich nicht allzu viel Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Was am Ende dabei herausgekommen ist, seht ihr hier:

Schon die Tage vor der Sendung waren spannend, denn ich musste Fotos an die BR-Redaktion schicken, in einem Telefoninterview vorab einige Informationen über die Knopfmacherei und über meine Arbeit liefern, Knöpfe und Material fürs Studio zusammenstellen und mir ein Outfit zurechtlegen. Alles, was ich mitnehmen wollte, musste in eine große Tasche passen. Außerdem wollte ich die einzelnen Arbeitsschritte des Augsburger Knopfes vorbereiten, den ich während der Sendung anfertigen sollte, um den Werdegang eines solchen Knopfes zu demonstrieren.

Zum Glück erklärte sich mein unvergleichlicher Mann Franz bereit, mich nach München-Fröttmaning zu chauffieren und wieder abzuholen, obwohl er wegen der Corona-Einschränkungen nicht mit aufs BR-Gelände und ins Studio durfte.

Auf geht’s nach München! (Symbolbild: In Wirklichkeit ist Franz gefahren.)

Beim BR begleitete mich Kian, ein junger Mitarbeiter, als Erstes zum Corona-Schnelltest, wo wir auch Deborah Ferrini Kreitmair trafen, die in der Sendung kochen sollte. Mit negativem Testergebnis, aber immer mit FFP2-Maske ging es weiter in Richtung Studio.

Auch wenn es in der Sendung aussieht, als sei die Pandemie schon vorbei – auf dem BR-Gelände herrschen strenge Hygieneregeln.

Um mir einen Kaffee zu servieren, focht Kian anschließend einen heldenhaften Kampf gegen den Vollautomaten im Gästeraum neben dem Studio aus: „Ich bin zwar Ingenieur, aber warum die Maschine jetzt zickt, weiß ich auch nicht …“ Am Ende kapitulierte das Gerät doch vor dem Ingenieur, und ich wartete bei Kaffee und Plätzchen, bis der Redakteur Thomas Köck mich samt meinen Knopfkisten, Garnen und Kleidungsstücken ins Studio eskortierte.

Zwei Schneiderpuppen standen schon bereit. Der einen zog ich ein traditionelles Hemd mit handgearbeiteten Zwirnknöpfen über, das ich vor Jahren in einem Kurs von Ute Palmer-Wagner genäht hatte. Für die zweite Puppe hatte ich eine meiner historischen Schwälmer Trolljacken mit gewebten Sternknöpfen mitgebracht.

Mein Hemd aus lauter rechteckigen Stoffteilen mit handbedruckten Borten und passenden Zwirnknöpfen

Die Schaukästen mit Posamenten- und Zwirnknöpfen und einige Kärtchen mit alten und neuen Zwirnknöpfen arrangierten wir auf den Tischchen vor dem Gästesofa. Weil die Glasdeckel spiegelten, wurde der eine kurzerhand abgeschraubt und der andere aufgeklappt und abgestützt – alles unglaublich effizient und professionell. Ich hatte noch kurz Zeit, um die Knöpfe in den Fächern dekorativ anzuordnen – beim Transport waren einige verrutscht oder lagen mit der Rückseite nach oben –, dann ging es in die Maske.

Wie schon bei der Ankunft an der Pforte, beim Schnelltest, im Studio und später beim Verkabeln des Mikrofons galten auch dort strenge Regeln. Die Mitarbeiterin reichte mir einen eigens desinfizierten Pinsel, mit dem ich mein Gesicht selbst abpuderte. Bei aufgesetzter FFP2-Maske half sie mir anschließend beim Schminken der Augen. Ihr Kollege in der Technik ließ mich das Mikrofon selbst am Ausschnitt meiner Bluse anklipsen, fixierte es aber zur Sicherheit mit einem Stückchen Leukoplast und ermahnte mich, in den Einspielerpausen während der Live-Sendung immer wieder darauf zu achten, dass das Mikrofon nicht vom Revers der Jacke verdeckt würde.

Im Gästezimmer traf ich schließlich den Moderator Michael Sporer und den Redakteur Thomas Köck zu einem letzten Vorgespräch. Allzu viel wollten die beiden nicht im Voraus absprechen, lediglich die erste Frage an mich: „Wer braucht heutzutage überhaupt noch Knöpfe?“ Wunderbar – dann konnte ich mich darauf ja schon einstellen!

Inzwischen waren fast zwei Stunden seit meiner Ankunft in Fröttmaning vergangen, aber für Nervosität war keine Zeit geblieben. Kurz vor 16 Uhr fanden sich alle an der Sendung Beteiligten im Studio mit den drei Bereichen Wintergarten, Küche und Gästesofa ein. Statt der üblichen drei Kameras durften wegen der Corona-Bestimmungen nur zwei drehen. Michael Sporer probte mit dem Livehack-Experten Nico Hilebrand im Wintergarten das Intro zur Sendung, während Deborah Ferrini Kreitmair und ich unsere Plätze einnahmen, auf den Monitoren die letzten Minuten der Rundschau zu sehen waren und Aufnahmeleiterin Petra Kyriss die verbleibende Zeit bis zum Beginn von „Wir in Bayern“ herunterzählte: „Noch dreißig Sekunden … noch zehn Sekunden, und Ruhe!“

Nach dem etwas holperigen Start läuft’s zunehmend besser.

Tja, und dann ging es tatsächlich los. „Wer braucht heute überhaupt noch Knöpfe?“ Knöpfe? Hä? Obwohl ich mir allerlei mehr oder weniger geistreiche Antworten auf diese Frage zurechtgelegt hatte, war mein Kopf für einen Moment praktisch leer. Freies Assoziieren also über Knöpfe, individuelle Gestaltung und Aufwertung handgearbeiteter Modelle und – klick! – die „Generation Klettverschluss“. Hurra! Jetzt hatte ich meinen Faden wieder, und nach der nächsten Einspielerpause ging’s deutlich lockerer weiter. Ich erzählte von den Anfängen meiner Leidenschaft für die Knopfmacherei, von besonderen Knöpfen und vom Knopfmacherzertifikat.

Mit diesem Sternknopf hat vor mehr als acht Jahren alles angefangen – und deshalb musste mein Erstlingswerk natürlich mit ins Studio.
Während ich über die Knopfmacherei erzählte, bereitete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini vor.

Ursprünglich war mir eine Sendezeit von 75 Minuten, in denen ich immer an derselben Stelle sitzen sollte, sehr lang vorgekommen. Zwei Gesprächsblöcke waren geplant, und dazwischen sollte ich an meinem Augsburger Knopf arbeiten, während Filmbeiträge über Modellautorennen, Sebastian Kneipp und fränkische Turmhügel gezeigt wurde, Michael Sporer mit den Zuschauern „Host mi“ und „Kennst mi“ spielte, sich von Nico Hilebrand Sandwichtoast mit Schokoladenfüllung servieren und von Deborah Ferrini Kreitmair in die Kunst des Tortellini-Formens einführen ließ.

Die Tortellini – ach ja! 🤤
Schnelltest, FFP2-Maske, Abstände im Studio, all das war ein Klacks gegen die Tatsache, dass wegen der Corona-Bestimmungen niemand von den Köstlichkeiten aus der Wir-in-Bayern-Küche probieren durfte. In diesem Fall aß das Auge nicht mit, sondern es aß ganz alleine …

Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat – in Corona-Zeiten leider nur zum Anschauen

Einen Augsburger Knopf vom blanken Holzrohling bis zu den fertig abgenähten Flügelchen innerhalb der Sendezeit anzufertigen stellte sich als allzu ambitioniertes Projekt heraus. Aber immerhin konnte ich am Ende den gewebten Stern mit der begonnenen Messerspitzen-Stickerei vorweisen. Den kompletten Werdegang zeigten die einzelnen Arbeitsschritte, die ich vorbereitet und auf einem Kissen arrangiert hatte.

Während der Livesendung ist dieser gewebte Sternknopf entstanden. Messerspitzen und „Flügelchen“ für den Augsburger Knopf wurden während der Sendezeit nicht ganz fertig.
Der Werdegang eines Augsburger Knopfes in mehreren Schritten

Außerdem hatte ich einen Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen als Mitbringsel dabei und wollte ihn Michael Sporer kurz vor Ende der Sendung überreichen, aber auch hier gab es Corona-Regeln zu beachten: Um die vorgeschriebenen Abstände zu wahren, musste ich den Knopf auf der Armlehne des Sofas platzieren, wo er ihn aufnahm und mit den Worten „Ein echter Weinold!“ in die Kamera hielt. Nun ja – eher ein echter Weinold für Arme, denn unter „echten Weinolds“ verstehen die meisten die Werke meines Bruders Felix Weinold. 😄

Michael Sporer mit dem eigens für die Sendung angefertigten Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen
Mein Wir-in-Bayern-Zwirnknopf

Schließlich richtete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat fotogen an, Nico Hilebrand nahm auf dem Sessel neben dem Sofa Platz, und Michael Sporer verabschiedete sich von uns allen. Punkt halb sechs wurden die Kameras abgeschaltet, und das Studio leerte sich innerhalb von Minuten. Kurz darauf war der Deckel wieder auf meinen Schaukasten geschraubt. Ich verstaute all mein Hab und Gut in meiner Riesentasche und saß neun Minuten nach Ende der Sendung bereits im Auto.

Schon auf der Heimfahrt erreichten mich einige WhatsApp-Nachrichten von Freundinnen und Bekannten, die die Sendung gesehen hatten. Danke euch allen fürs Zuschauen, fürs Daumenhalten und für euer freundliches Feedback!

Überrascht und gefreut haben mich einige Anrufe an den folgenden Tagen, in denen mir Frauen aus allen Teilen Deutschlands von ihrer Begeisterung für die Zwirn- und Posamentenknöpfe berichteten. Eine alte Dame aus Norddeutschland, mit der es das Schicksal in jüngster Zeit nicht gut gemeint hat, sagte mir, sie habe die Sendung „wie einen Sonnenstrahl“ empfunden. Wie schön, wenn meine kleinen Knöpfe hier und da solche Freude ausgelöst haben!

Schon vorbei: Abspann der Sendung mit Debora Ferrini Kreitmair, Michael Sporer und Nico Hilebrand (von rechts)

Online-Kurse zur digitalen Textile Art Berlin

Meine Workshops zur Textile Art Berlin 2021 finden in diesem Jahr online statt.

Eigentlich wollte ich am 19. und 20. Juni wieder einmal bei der Textile Art Berlin auf dem Phorms Campus Berlin Mitte meine Knöpfe präsentieren und Workshops geben. Wegen der Corona-Pandemie ist das leider auch in diesem Jahr nicht möglich. Die gute Nachricht: Die Textile Art Berlin 2021 findet digital vom 19. bis zum 21. Juni statt – und an meinen Kursen könnt ihr online teilnehmen. Die Termine bleiben wie geplant, aber wir treffen uns via Zoom-Konferenz in meiner Knopfwerkstatt.

Folgende Workshops biete ich an:

Posamentenknöpfe – die Quadratur des Kreises
Samstag, 19. Juni 2021, 11.30–13.30 Uhr
20 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Yubinuki – japanische Fingerhutringe
Samstag, 19. Juni 2021, 14.30–17.30 Uhr
30 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Blütenbaum im Zwirnknopf
Sonntag, 20. Juni 2021, 10.30–13.30 Uhr
30 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Zwirnknopf mit Inhalt (Kronkorken, Münze …)
Sonntag, 20. Juni 2021, 14–16 Uhr
20 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Wenn du teilnehmen möchtest, schick mir eine E-Mail an helene@knopfwerkstatt.de und lass mich wissen, ob du das Material bestellen möchtest. (Dann brauche ich bitte auch die Postanschrift.)

Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Jahr wieder nach Berlin kommen kann, freue mich aber sehr darauf, die eine oder den anderen von euch bei meinen Online-Kursen zu treffen.

Neue Anleitungsblätter

Update!
Frisch ausgepackt: Die Ringbücher im Knopfwerkstatt-Design von Marion Waldmann sind da – und ich finde sie wunderschön. Endlich haben alle Anleitungsblätter (und Mitschriften aus Kursen, Fotos, Inspirationen …) einen festen Platz. Schluss mit den fliegenden Blättern und dem „Ich weiß genau, ich hatte doch …“!
Leider finden zurzeit ja keine Märkte und Textilkunstmessen statt, sodass ihr den Ordner nur direkt bei mir in der Knopfwerkstatt abholen oder per Post bestellen könnt. Das Ringbuch selber kostet 12 Euro, der Versand innerhalb Deutschlands als unversichertes Päckchen 4,39 Euro (als Paket mit Nachverfolgung 4,99 Euro). Den Ordner-Karton spendiere ich.
Hier könnt ihr das Ringbuch im Knopfwerkstatt-Stil bestellen:
knopfwerkstatt@t-online.de

Ganz neu: das Ringbuch für Anleitungen & Inspirationen

Besonders viel Freude bereitet es mir, meine Begeisterung für die Knopfmacherei weiterzugeben: in Schnupperworkshops auf Messen und Märkten Menschen für dieses alte Handwerk zu begeistern und in mehrstündigen oder gar mehrtägigen Kursen mit anderen tief in die kreativen Möglichkeiten dieses alten Handwerks einzutauchen. Das fällt dieses Jahr leider völlig weg. Ich bin sehr traurig darüber, aber tatsächlich lässt sich mit eineinhalb Metern Abstand kaum sinnvoll etwas an einem 30 Millimeter großen Objekt erklären. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen!

Die Unterrichtspause habe ich genutzt, um neue Anleitungsblätter zu erarbeiten: drei für Posamentenknöpfe und zwei für Zwirnknöpfe. So habe ich inzwischen 13 Blätter für verschiedene Knopftechniken und eines für Yubinuki, die japanischen Fingerhutringe, im Angebot. (Apropos Angebot: Weiter unten gibt’s eine Sonderaktion!)

Anleitungsblätter für Posamentenknöpfe

Posamentenknöpfe
– Sternknopf
– Glatter Knopf
– Augsburger Knopf
– Ottobeurer Knopf
– Einfacher Viereckknopf
– Viereckknopf mit gewebtem Muster
– Einfassung mit Languettenstichen

Anleitungsblätter für Zwirnknöpfe

Zwirnknöpfe
– Einfacher Zwirnknopf und Strahlenkranz-Zwirnknopf
– Wagenrad
– Zwirnstern mit Variante
– Sticken im Zwirnknopf
– Bäumchenknopf
– Zwirnknopf mit Inhalt (Münze, Kronkorken o.Ä.)

Jedes Anleitungsblatt im Format DIN A4 umfasst vier Seiten mit vielen Schritt-für-Schritt-Fotos und kostet 2 Euro plus Porto. (Bei mehreren Blättern kommt natürlich nur einmal das Porto dazu.)
Bestellen könnt ihr die Blätter per E-Mail an
knopfwerkstatt@t-online.de.

Sonderaktion zur Einführung: Wer alle 13 Knopfanleitungen bestellt, bekommt das Anleitungsblatt „Yubinuki“ gratis dazu.

Eine faszinierende Technik und ausgesprochen dekorative Ergebnisse:
Yubinuki – japanische Fingerhutringe.

Und bitte seid fair: Die Anleitungen zu fotografieren, zu texten, layouten (Danke an Marion Waldmann!) und drucken zu lassen bedeutet einen ziemlich hohen Aufwand. Bitte widersteht der Versuchung, die Blätter zu kopieren und weiterzugeben oder für eigene Kurse zu verwenden.

Ich selbst bin den Knopfmacherinnen sehr dankbar, von denen ich viel gelernt habe und mit denen seit Jahren ein reger Austausch besteht, allen voran Monika Hoede von der Trachtenberatungsstelle des Bezirks Schwaben, die das Thema textile Knöpfe erforscht und wieder zugänglich gemacht hat, Sandra-Janine Müller, deren Posamentenknopf-Manufaktur mich mit Holzrohlingen versorgt, und Sabine Krump, die mich für die Zwirnknopfmacherei begeistert und viele zauberhafte Motive kreiert hat. Wir alle bauen auf dem auf, was Generationen von Knopfmachern vor uns schon vor Jahrhunderten entwickelt (und ge-wickelt) haben. Ihr Erbe lebendig zu erhalten und weiterzugeben ist uns allen Freude und Ansporn.

Gesundheit geht vor!

20. April 2020

Knopfwerkstatt im Freien: Schöner geht’s kaum – aber vorerst leider nur allein.

Als ich im Dezember die Terminliste für dieses Jahr zusammengestellt und mich auf viele schöne Begegnungen in ganz Deutschland gefreut habe, konnte niemand ahnen, was auf uns zukommen würde. Die Corona-Pandemie hat nicht nur den Terminkalender der Knopfwerkstatt, sondern auch den aller VeranstalterInnen durcheinandergebracht. Seit März sind alle Knopfmacherei–Kurse ausgefallen, und es sieht nicht aus, als ob in nächster Zeit welche stattfinden könnten. Mir blutet das Herz!
Bereits abgesagt sind der Wochenendkurs „Posamentenknöpfe wickeln“ am 25./26. April in der Kunststätte Bossard in Jesteburg und der Tageskurs „Knopflust im Quadrat – Viereckknopf gewebt“ am Samstag, 17. Mai, in der Trachtenberatungsstelle in Krumbach, das Wollfest in Guntersblum am ersten Juni-Wochenende und die Schnupperkurse beim Wollfest „Der Drache spinnt“ auf dem Hilshof am 27./28. Juni. Für den Wochenendkurs „Posamentenknöpfe“ im Atelier KRASS von Ricarda Aßmann in der Krummhörn suchen wir gerade nach einem neuen Termin.
Die Textile Art Berlin, die für den 20./21. Juni geplant war, ist auf den 5./6. September verschoben.
Alles Weitere wird sich finden. Die Gesundheit geht vor! Wenn wir die aktuelle Krise durchgestanden haben, können wir gemeinsame kreative Stunden bei der Knopfmacherei umso mehr genießen.
Bleibt alle gesund!

Frühling in der Knopfwerkstatt

20. April 2020

Freiluftwerkstatt unterm Apfelbaum

War das ein schönes Frühlingswochenende! Hier in Violau stehen die Apfelbäume in voller Blüte. Da hält es mich nicht in meiner Werkstatt. Zum Glück haben liebe Freunde mir einen edlen alten Thonet-Tisch zu einem transportablen Knopfmachertisch umgebaut, sodass ich meinen Arbeitsplatz kurzfristig ins Freie verlegen kann. Den passenden Stuhl hab ich selber aufgetrieben und eigenhändig knopfwerkstattfarben gestrichen.

Der Stuhl muss zum Tisch passen!

Und weil das Wetter so schön und ich so in Schwung war, hab ich gleich noch einige weitere Accessoires für die Knopfwerkstatt abgeschliffen und bemalt: ein Tablett mit Halterungen für Garnknäuel und ein paar Kästchen für Material und Werkzeug. An den verschiedenen Blaugrün-, Petrol- und Türkistönen kann ich mich nicht sattsehen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass sogar meine Kaffeetasse ins Farbschema passt.

Stillleben in Blaugrün: Meine Lieblingsfarbe? Fifty Shades of Teal. 🙂

Diese Woche geht’s dann mit neuen Anleitungsblättern weiter. Die Schritt-für-Schritt-Fotos sind gemacht, jetzt werde ich die Texte schreiben und die Dateien an die Grafikerin weitergeben. Irgendwann werde ich ja hoffentlich wieder Kurse und Workshops geben können.
Ich freue mich darauf, euch dann wieder im analogen Leben zu treffen!

Masken statt Knöpfe

4. April 2020

Knopfmaske für die Knopfmacherin

In Österreich sind jetzt Masken im Supermarkt Pflicht. Bei uns sei das nicht geplant, hieß es gestern, deshalb rechne ich Anfang nächster Woche mit der Maskenpflicht: Das war ungefähr die Zeitspanne zwischen „Es wird keine Ausgangssperre geben“ und dem Beginn der Ausgangsbeschränkungen vor zwei Wochen.
Und auch ohne Pflicht scheinen selbst einfache Stoffmasken das Risiko zu reduzieren, andere anzustecken – und sei es auch nur mit banalem Schnupfen oder Husten. Stoff ist in der Knopfwerkstatt reichlich vorhanden. Warum also nicht ein paar Masken für die Familie nähen? Wenn Autobauer Beatmungsgeräte produzieren und Modefirmen im großen Stil Behelfs-Mund-Nasen-Masken nähen, kann auch die Knopfmacherin vorübergehend flexibel umsatteln.

Jedes Familienmitglied bekommt eine motivisch passende Maske.

Im Internet finden sich inzwischen zahllose Anleitungen für solche Behelfs-Mund-Nasen-Masken. Ich habe mir mindestens fünf heruntergeladen und bisher zwei davon verwendet: Die rechteckigen Faltmasken sind nach der Anleitung des frechverlags genäht, die formgenähte Maske, die ihr auf meinem Porträtfoto seht, ist nach der Burda-Anleitung entstanden. Beide Anleitungen sind kostenlos.

Ich liebe diese Stunden im Nähzimmer, und ein interessantes Hörbuch steigert das Vergnügen noch. Beim Maskennähen unterhält mich Ilja Richter mit der Lesung von Gabriele Tergits Roman „Käsebier erobert den Kurfürstendamm“ aufs Beste. Meine geschätzte Journalistenkollegin Birgit Böllinger, die mir in Sachen Literatur immer meilenweit voraus ist, hat dieses Buch schon 2017 in ihrem Blog „Sätze und Schätze“ vorgestellt, und ich kann mich ihrem begeisterten Urteil nur anschließen. Als Redakteurin, die ihr Volontariat gerade noch in der Bleizeit absolviert hat, fühle ich mich bei diesem Roman aus dem Jahr 1931 geradewegs in den Metteurssaal versetzt, höre die Linotype-Setzmaschinen, rieche die feuchten Bürstenabzüge – und muss mich beim Nähen vergewissern, keine Druckerschwärze an den Fingern zu haben.
Fünf von elf Stunden „Käsebier“ liegen noch vor mir. Ich freu mich drauf!
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Knopfplätzchen für die Seele

28. März 2020

Eigentlich wollte ich in diesen Wochen viel unterwegs sein, um meine Begeisterung für die Knopfmacherei mit Menschen in ganz Deutschland zu teilen. Und ich wollte in diesem Jahr ab und zu in mein eigenes Atelier einladen – zu Kursen und zu Knopfmachertreffen in kleiner Runde bei Kaffee oder Tee. Da kämen dann auch meine Knopfplätzchen auf den Tisch: extrafeine Spitzbuben aus Butter-Mandel-Teig.

Knopfplätzchen: Spitzbuben aus feinem Butter-Mandel-Teig (Foto: Georg Drexel)

Auf diese Gelegenheit müssen wir alle wohl noch eine ganze Weile warten.
Um euch die Corona-Klausur ein bisschen zu versüßen, bekommt ihr hier das Rezept. (Ich habe es bereits in dem Buch „Die ganze Welt der Knöpfe“ veröffentlicht, das 2016 im Verlag Droemer Knaur erschienen, aber leider schon länger vergriffen ist.)
Und das Beste: Ihr braucht keine Hefe für diese Plätzchen!

Hoede/Krump/Müller/Weinold: Die ganze Welt der Knöpfe (vergriffen)

Knopfplätzchen – feine Spitzbuben

Zutaten
Für den Teig:
300 g Mehl
100 g gemahlene Mandeln
150 g feiner Backzucker
200 g kalte Butter, in kleine Stückchen geschnitten
2 Eigelb
1 Päckchen Vanillezucker (bitte Bourbon-Vanille, kein Vanillin)
etwas abgeriebene Schale einer Bio-Orange
1 Prise Salz
Mehl zum Ausrollen des Teigs
Zum Ausstechen und Backen:
1 runder Ausstecher, Ø ca. 6 cm
1 runder Ausstecher, Ø ca. 5 cm (alternativ ein Trinkglas)
1 dicker Cocktail-Trinkhalm
Backpapier
Zum Füllen und Bestäuben:
1/2 Glas Johannisbeergelee
Puderzucker

Zubereitung
Mehl, Mandeln, Zucker, Butterstückchen, Eigelbe, Vanillezucker und Salz rasch zu einem glatten Teig verkneten, in Frischhaltefolie wickeln und mindestens 1 Stunde im Kühlschrank ruhen lassen.
Den Backofen auf 175 °C vorheizen.
Den Teig kurz durchkneten. (Er darf nicht warm und klebrig werden.) Die Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben und den Teig portionsweise darauf 3–4 mm dick ausrollen.
Mit dem größeren runden Ausstecher Plätzchen ausstechen und auf ein mit Backpapier belegtes Blech legen. Bei der Hälfte der Plätzchen mit der Oberseite eines kleineren runden Ausstellers oder einem Glas mit etwas kleinerem Durchmesser den typischen Rand der Knöpfe eindrücken. Mit einem Cocktail-Strohhalm 4 Löcher ausstechen.
Die Plätzchen etwa 10 Minuten lang backen. Sie sollen hellgelb bleiben und nicht braun werden. Das Blech aus dem Ofen nehmen und die Plätzchen kurz abkühlen lassen.
Das Gelee vorsichtig erwärmen, damit es flüssig wird. Die ganzen Kreise mit dem Gelee bestreichen. Die Plätzchen mit Rand und Löchern mit Puderzucker bestäuben, auf die mit Gelee bestrichenen Plätzchen setzen und auskühlen lassen.

Lasst euch die Knopfplätzchen schmecken! Ich bin sicher: Eines Tages werden wir sie auch wieder gemeinsam genießen. Und darauf freue ich mich schon jetzt!