Erinnerung an eine glänzende Vergangenheit

Historische Perlmuttknöpfe aus Bärnauer Produktion, eine Muschelschale, aus der Knöpfe ausgestanzt wurden, und zwei Eintrittsknöpfe für das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau

3. Mai 2024

Das Deutsche Knopfmuseum widmet sich schwerpunktmäßig den Perlmutterknöpfen, die einst in Bärnau produziert wurden, zeigt aber auch eine Fülle anderer dekorativer Knöpfe aus verschiedenen Epochen.

Eigentlich ist ein Besuch im Deutschen Knopfmuseum ja ein Muss für jede Knopfmacherin, und gebitzelt hat mich das seit Jahren immer wieder, zum Beispiel als meine Kollegin Jutta Kohlbeck dort ihre unverwechselbaren Knopfkreationen in einer Sonderausstellung zeigte. Vor einigen Wochen hat auch noch Hans Dill, der Geschäftsführer der gleichnamigen Knopffabrik in Bärnau, mir auf der Fachmesse h+h cologne von dem Museum vorgeschwärmt und seinen Tipp mit einem Marzipanknopf bekräftigt. Aber leider liegt Bärnau in der Oberpfalz in Rufweite zur tschechischen Grenze auf den wenigsten Strecken am Weg, und für einen Tagesausflug sind knapp 300 km bzw. drei Stunden einfache Fahrtzeit ein bisschen weit.

Die lang erhoffte Gelegenheit bot sich jetzt auf der Rückfahrt aus Prag, wo wir einen viertägigen Kurzurlaub verbracht hatten. Mein rotes Knopfmobil wurde quasi vom böhmischen Wind samt Schnee nach Bärnau geweht. Dort wurden mein Mann und ich im Museum sehr herzlich empfangen und freundlich informiert. Dass wir anstelle von Eintrittskarten je einen Knopf bekamen, versteht sich fast von selbst.

Perlmuttknöpfe aus Bärnauer Produktion

In Bärnau, einer der ältesten und zugleich wohl kleinsten Städte Bayerns, werden seit rund 130 Jahren Knöpfe hergestellt. Den Grundstein für diese zeitweilig blühende Industrie legte Johann Müller, der im Jahre 1895 die erste Perlmutterknopffabrik gründete. Ihren Höhepunkt erreichte die Herstellung von Perlmutterknöpfen in Bärnau in den 1950er-Jahren, bevor billigere Verfahren die Massenproduktion von Knöpfen aus Kunststoff und Metall ermöglichten. Von einst mehreren Dutzend Betrieben (auf der Website des Museums ist von 32, auf Wikipedia sogar von 70 die Rede) ist nur noch die oben erwähnte Knopffabrik Dill geblieben. Im 1975 gegründeten Museum lässt ein Film, zum Teil in historischen Aufnahmen, die buchstäblich (perlmutter-)glänzende Vergangenheit der Knopfstadt Revue passieren.

Auch die Dauerausstellung widmet sich schwerpunktmäßig den Knöpfen aus Perlmutter sowie den Muscheln und Schnecken, deren Schalen dieses einzigartige Material liefern.

Die schimmernden Schalen von Muscheln und Schnecken aus den wärmeren Meeren in Äquatornähe liefern das Material für Perlmutterknöpfe.

Mindestens zehn Arbeitsschritte sind nach Informationen des Museums nötig, bis ein Perlmutterknopf fertig ist. Dabei entsteht auch eine große Menge an Abfall: Für ein Kilo fertige Knöpfe sind drei Kilo Muschelschalen und Meeresschneckengehäuse erforderlich.

Auch bei materialsparender Technik bleibt bei der Herstellung von Knöpfen aus Perlmutterschalen viel Abfall übrig.

Die verschiedenen Arbeitsgänge werden in einem großen Raum im Erdgeschoss des Museums anhand alter Maschinen dokumentiert.

Blick in den Maschinenraum des Knopfmuseums
Die Knopfrohlinge wurden aus den Muschelschalen herausgebohrt.

Nach dem Ausbohren der Rohlinge, die zunächst noch rau, matt und unscheinbar wirken, und vielen weiteren Arbeitsschritten bis hin zum Polieren der Scheiben und dem Bohren der Löcher mussten die Knöpfe – oft in Heimarbeit – sortiert, gezählt und auf Karten aufgenäht werden. Ein solcher Arbeitsplatz ist im Museum dargestellt:

Oft in Heimarbeit wurden die Knöpfe sortiert und für den Verkauf auf Kärtchen aufgenäht.

Doch nicht nur Knöpfe entstanden aus dem irisierend schillernden Material, sondern auch allerlei andere kunsthandwerkliche Arbeiten. Eine Fülle an Schenkungen und Leihgaben, darunter dekorative Dosen, Schmuck und ein Schachspiel, zeigt, wie Perlmutter die Menschen einst inspiriert hat und noch heute inspiriert, denn im Museumsshop gibt es neu angefertigte Anhänger und andere Schmuckstücke aus sorgsam ausgewählten und aufeinandergenähten (nicht geklebten!) historischen Perlmuttknöpfen zu kaufen.

Mich als Zwirn- und Posamentenknopfmacherin hat natürlich der große Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss besonders angezogen, denn dort sind Hunderte Knöpfe aus unterschiedlichen Epochen und Materialien zu bestaunen: bescheidene Wäscheknöpfe, die Metallknöpfe vom Jackett eines Lufthansa-Piloten, elegante Knöpfe von Kleidern aus vergangenen Epochen – und nicht zuletzt auch einige textile Knöpfe.

In der Dauerausstellung des Knopfmuseums sind unzählige Knöpfe aus verschiedenen Epochen zu sehen, darunter metallene Buckelknöpfe aus dem 14.–17. Jahrhundert, sogenannte „Schwabenscheiben“ (links), und ein Häkelknopf aus dem 18. Jahrhundert (rechts).
In einer Vitrine sind die bescheidenen Wäscheknöpfe ausgestellt.
Ein Perlmutterknopf und ein handgearbeiteter Zwirnknopf am selben Hemd.
Alte Bekannte gab es auch zu entdecken: Posamentenknöpfe in viktorianischer Technik von einem Damen-Abendmantel aus dem Jugendstil (links) und einen Schwälmer Knopf mit dem charakteristischen gewebten Stern, Messerspitzen und Languetten-Einfassung.

Über die Knöpfe und die interessante Dokumentation zur Perlmuttknopfherstellung hinaus bietet das Museum in Bärnau noch einiges mehr an Sehenswertem und bisweilen Skurrilem: Redewendungen und Aberglauben rund um den Knopf, Wandbehänge mit Mustern aus Hunderten von Knöpfen, ein Paar in Kleid und Anzug aus mehr als 18500 Knöpfen und sogar ein Knopfporträt des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, das ihm 2015 als damaligem Heimatminister des Freistaats überreicht worden war (und das er unverzüglich dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat).

Omas berühmte Knopfschachtel dürfte nicht ausreichen, um einen solchen Wandbehang zu gestalten. Das Knopfmuseum zeigt gleich mehrere solcher Arbeiten.
Glänzender Auftritt: Kleid und Anzug bestehen aus mehr als 18500 Perlmuttknöpfen und dürften ein ziemliches Gewicht auf die Waage (und die Trägerin bzw. den Träger) bringen.
Zum Jubiläum „800 Jahre Hofmark Thanhausen“ der Stadt Bärnau überraschte das Knopfmuseum den Ehrenschirmherrn und damaligen Heimatminister Markus Söder 2015 mit diesem Knopfporträt. Der solchermaßen Geehrte bedankte sich artig und schrieb in einem Brief: „[Das Bild] macht für mich auf amüsante Weise anschaulich, was auch unsere Politik und Gesellschaft ausmacht: Das Zusammenspiel vieler Einzelner lässt erst das bunte Gesamtbild entstehen.“ Das Werk selbst blieb als Dauerleihgabe in Bärnau.

Das oberste Stockwerk des ehemaligen Kommunbrauhauses, in dem das Knopfmuseum seit 1998 untergebracht ist, wird für Sonderausstellungen genutzt. Noch bis zum 16. Juni 2024 wird dort unter dem Titel „Winke, winke – ein kleines Tuch verabschiedet sich!“ des guten alten Stofftaschentuchs gedacht, das (außer in den Hosentaschen meines Ehemannes, der auf Stoff schwört) allenthalben vom Papiertaschentuch verdrängt wird. Katinka Matthiessen hat eine beachtliche Sammlung von Taschentüchern aus verschiedenen Ländern zusammengetragen: umhäkelt, bestickt, mit Klöppel- oder Occhispitze verziert.

Noch bis zum 16. Juni dauert die Sonderausstellung „Winke, winke – ein kleines Tuch verabschiedet sich!“ mit Exponaten aus der Sammlung von Katinka Matthiessen.

Fazit: Der Abstecher nach Bärnau hat sich gelohnt, auch wenn die textilen Knöpfe im Museum nur eine Nebenrolle spielen, was angesichts der Perlmutter-Vergangenheit der örtlichen Knopfindustrie nicht anders zu erwarten ist. Die mit Liebe zum Detail gestaltete Ausstellung, der freundliche Empfang und die entspannte Atmosphäre haben den Museumsbesuch zu einem großen Vergnügen gemacht. Schade, dass es über einige Faltblätter mit Informationen über Perlmutter, die Herstellung verschiedener Knopftypen sowie Aberglauben und Redensarten hinaus offenbar keinen Katalog des Museums mit farbigen Abbildungen oder eine Chronik der Bärnauer Knopfgeschichte gibt! Das ist sicher eine Frage des Budgets, aber ich hätte eine solche Publikation sehr gerne meiner Knopfbibliothek hinzugefügt. (Falls es sie doch gibt und ich sie nur übersehen haben sollte, bin ich für einen Hinweis dankbar.)

Für alle, die auch Lust auf einen Ausflug in die Welt der (Perlmutter-)Knöpfe bekommen haben, hier die Kontaktdaten:

Deutsches Knopfmuseum
Tachauer Straße 2, 95671 Bärnau
Telefon (0 96 35) 18 30 oder 3 45 00 28
E-Mail info@deutsches-knopfmuseum.de
Öffnungszeiten: April bis Oktober, Donnerstag bis Sonntag (und an Feiertagen) 13 bis 17 Uhr
deutsches-knopfmuseum.de

Die Knopfwerkstatt auf Zeitreise ins Mittelalter

Die Knopfwerkstatt im Schatten des Lichtenberger Bergfrieds.

Manchmal ist es kaum zu glauben, wie abwechslungsreich und bisweilen sogar abenteuerlich die Arbeit in der Knopfwerkstatt ist. Im Januar erreichte mich eine Mail von den Burgfreunden Lichtenberg mit der Einladung zum Mittelaltermarkt im Rahmen des Burgfestes Anfang September: „Mittelalterlicher Stand wäre Voraussetzung. Könnten wir dir aber stellen … Viele Grüße, Stefan“.

Kurz gegoogelt: Lichtenberg – nein, nicht der gleichnamige Stadtteil Berlins, sondern eine der kleinsten Städte Deutschlands und zweitkleinste Stadt Bayerns, liegt in Oberfranken im Landkreis Hof an der Grenze zu Thüringen. Nun, für jemanden, der in Violau mit rund 120 Einwohnern lebt, erscheint Lichtenberg mit knapp zehnmal so vielen Einwohnern fast schon wie eine Großstadt.

Die Knopfwerkstatt war zwar schon auf diversen Kunsthandwerker- und Trachtenmärkten zu Gast, aber noch nie bei einem Mittelaltermarkt. Freilich haben die sogenannten umsponnenen Knöpfe, also die Posamentenknöpfe, und die Zwirnknöpfe nur bei äußerst großzügiger Auslegung etwas mit dem Mittelalter zu tun, aber die Gelegenheit, mein immerhin einige Jahrhunderte altes Handwerk beim Lichtenberger Burgfest zu präsentieren, war äußerst verlockend. Mein (fränkischer!) Mann Franz und ich überlegten nicht lang, sagten zu und bekamen im Frühjahr alle Informationen und den Vertrag für Marktkaufleute.

Was aber trägt man bei einem Mittelaltermarkt? Ganz sicher nicht meine geliebten grauen Knopfwerkstatt-Polohemden mit aufgesticktem Logo. In unseren Kleiderschränken fand sich nichts, was auch nur annähernd als mittelalterlich durchgehen konnte. Also stöberte ich online bei Ritterladen.de und erstand Rock, Leibchen, Bluse und Haube für mich und eine braune Bundhose für Franz. Die Haube schmückte ich mit drei Zwirnknöpfen als Markenzeichen.

Um den Stand mussten wir uns zum Glück keine Gedanken machen, freuten wir uns. Stoffe könnten uns zur Verfügung gestellt werden hatte Stefan Eckardt, der Vorsitzende der Burgfreunde geschrieben – wunderbar! Fehlte nur noch ein stilvolles Schild für den Stand. Ich erinnerte mich an die legendäre 680-Jahr-Feier unseres Nachbardorfes Unterschöneberg im Jahr 2007, für die ganze Lastwagenladungen von Schwartenbrettern zu Schildern, Ständen und zum Verkleiden von Abfallkörben verarbeitet worden waren. Aber ein neues Brett aus dem Sägewerk in der Nähe kam uns zu wenig malerisch vor. Die Lösung fand sich auf einem Altholzstapel unseres Freundes Martin, der gerade ein ruinöses Haus auf einem Baugrundstück abriss: ein pittoresk verwitterter Fensterladen in ausgeblichenem Grün mit zwei rostigen Scharnieren als perfekten Aufhängern für das künftige Schild, auf dem „Knopfmacherey“ stehen sollte, denn jedes Kind weiß ja, dass bei mittelalterlichem Tanderadey Endungen auf ei mit y geschrieben werden müssen. So will es das Gesetz! 😅

Vom Laden zum Ladenschild: Aus einem alten, verwitterten Fensterladen wurde das Schild für die Knopfmacherey.

Am Computer (also höchst unmittelalterlich 🙈) setzte ich das Wort in einigermaßen historisch anmutenden Lettern, vergrößerte es am Kopierer und übertrug es mit Kohlepapier (zum Glück hatte unser Nachbar Josef noch welches) auf den grob abgebürsteten Fensterladen. Dann malte ich die Buchstaben mit Acrylfarbe in fast schwarzem Petrol aus – fertig!

Mit unserem Zafira voller Kisten, einigen Metern Rupfen und anderen Stoffen für den Stand, unserer mittelalterlichen Gewandung und Hunderten von Knöpfen machten wir uns schließlich am Tag vor dem Festwochenende auf den Weg in den Frankenwald. Vor dem Lichtenberger Rathaus wurden wir von Kerstin Eckardt sehr freundlich empfangen und von Max aus dem Organisationsteam zum Burgplatz begleitet, wo schon Dutzende anderer Marktkaufleute ihre Stände aufbauten: eindrucksvolle Pavillons und Zelte aus Holz und naturfarbener Leinwand mit Spannseilen aus Hanf und dekorativen Wimpelketten oder Zinnenbehängen an der Front. Als wir unseren eigenen Stand sahen, wurde uns klar, dass wir hätten ausführlicher kommunizieren sollen: Der war bis dahin nämlich nur ein Gestell aus Bodenleisten, vier Eckstützen und einigen Dachsparren. Wir hatten schlichtweg keine Ahnung vom Auf und Zu bei einem Mittelaltermarkt gehabt und nicht gewusst, dass wir hätten Planen und Tische mitbringen sollen. In meiner Einfalt hatte ich vor meinem geistigen Auge eine Art Christkindlmarkt-Bude vor mir gesehen und nicht weiter nachgefragt. Wieder was gelernt!

Aber das ungeheuer freundliche und hilfsbereite Burgfreunde-Team stand uns sofort zur Seite. Günther, der uns am nächsten Tag in der Kutte der Bibamus-Mönche wiederbegegnen sollte, schleppte zusammen mit Franz einen riesigen Ballen Möbelstoff herbei, der zu meiner Freude auch noch knopfwerkstattfarben war. (Etwa die Farbe, die neuerdings als Cadenabbia-Blau bezeichnet wird.) Mit seiner Unterstützung, einer Elektroschere und einem Akkuschrauber zauberten wir gemeinsam innerhalb von einer Stunde einen höchst ansehnlichen Stand mit Seitenwänden und Dach, bevor ein anderer Trupp mit Traktor und Anhänger uns einige Bierzelttische und -bänke anlieferte. Unser unermüdlicher Helfer Günther konnte es sich nicht verkneifen, augenzwinkernd anzumerken: „Jetzt muss ich schon mal blöd fragen: Was habt ihr eigentlich überhaupt dabei?“

Das Knopfmacherey-Schild hängt!

Eine weitere Stunde später war die Bude möbliert, mit Stoffen dekoriert und mit Ware ausgestattet. Das Tüpfelchen auf dem i (oder besser: auf dem y) war unser Knopfmacherey-Schild, das wir mit Sisalstricken an einer der Dachleisten befestigten.

Bereit für den Mittelaltermarkt!

Tags darauf stärkten wir uns beim gemeinsamen Frühstück mit den anderen Marktleuten vor der örtlichen Sporthalle am Burgplatz. Die Burgfreunde sorgten nämlich ausgezeichnet für ihr mittelalterliches Völkchen. Den ganzen Tag über hielt Melli im Gesindekeller Getränke und einen Imbiss für die historische Schar bereit. Bevor das Fest mit Böllerschüssen und einer gereimten Begrüßung offiziell begann, hatte ich Gelegenheit, mich ein bisschen umzuschauen, beispielsweise bei dem jungen Schildmacher und seiner Freundin, die sogar ihr Schlafzelt mit Bausatz-Bett auf dem Markt aufgeschlagen hatten – nicht ohne allerlei Kraftausdrücke, weil sich die Häringe nicht in den steinharten Boden schlagen ließen. Zum Glück half der Schmied, ein paar Stände weiter, mit massiven, handgeschmiedeten Pflöcken aus.

Unsere Standnachbarin Paula aus der Nähe von Prag fertigt hinreißende Hüte aus Kaninchenhaar-Filz an.

Händler, die Edelsteine, Messer aus Damaszenerstahl, Lederartikel, Räucherwerk und Gewürze aus dem Orient oder irdenes Geschirr feilboten, waren ebenso vertreten wie eine Badstube und ein Feldlager. Unsere Standnachbarin Paula aus Tschechien bot sehr schöne Hüte aus Kaninchenhaar-Filz an, und an einem Stand wanden drei bis vier Frauen von früh bis spät zauberhafte Kränze aus Blüten und Zweigen, die dann Köpfe und Buden schmückten.

Den ganzen Tag über, besonders aber bei den täglichen Umzügen der teilnehmenden Gruppen bot sich ein buntes, fröhliches Bild. Auf den beiden Bühnen beim Rathaus und im Schatten des Bergfrieds, aber auch den ganzen Marktplatz hinauf bis zur Burg unterhielten Musikgruppen wie die Amici Musicae Antiquae, Musica Vagantium, Arcus und Irregang die Besucher, die Ritterschaft Equitatus Monocerotis und der Schwarzenberger Ritterorden lieferten sich viel bejubelte Schaukämpfe, und hinter dem Turm gab das Puppentheater Knuth mehrmals täglich Vorstellungen. Zwischendurch zogen die Bibamus-Mönche (Nomen est Omen!) singend an unserem Stand vorbei, ein Kamel stattete uns einen Kurzbesuch ab, und sechs historisch gewandete junge Trommler präsentierten quasi mittelalterliche Sambarhythmen. Hier ein paar optische und akustische Impressionen der beiden Tage:

Sambarhythmen? Nein, hier wird mittelalterlich getrommelt.
Die Amici Musicae Antiquae waren eine der Musikgruppen, die das Volk beim 21. Burgfest zu Lichtenberg unterhielten.

Zwirn- und Posamentenknöpfe hatte bis dato kaum jemand gekannt, der an unserem Stand vorbeikam. Deshalb schauten mir viele der Besucherinnen und Besucher bei der Arbeit über die Schulter, und einige von ihnen nahmen sich sogar eine gute Stunde Zeit, um mit mir zusammen ihren ersten Sternknopf zu wickeln. Einer davon fand sofort seinen Platz am historischen Gewand.

Ein selbst gefertigter Sternknopf ziert das Gewand einer Burgfreundin.

Mit von der Partie war natürlich auch mein Alter Ego, die kleine Knopfmacherin Helene, die mit ihrem Outfit perfekt ins mittelalterliche Ambiente passte. Die Nadelfilz-Figur ist ein Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin Silke Sordyl und begleitet mich zu vielen Kursen und Märkten, wo sie immer sehr bewundert wird. Natürlich hat sie stets ihre Knopfmacherinnen-Ausrüstung dabei: Mini-Rohlinge, Garnröllchen, Schere, Nadel und einige winzige Knöpfchen.

Meine kleine Kollegin, die Knopfmacherin Helene, passte mit ihrem Outfit gut ins mittelalterliche Ambiente. Die Nadelfilzfigur ist ein Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin Silke Sordyl aus Illinois.

Am Sonntagabend endete das 21. Burgfest zu Lichtenberg so, wie es tags zuvor begonnen hatte: mit Böllerschüssen. Zugegeben: Finanziell hielt sich der Erfolg der Knopfwerkstatt durchaus in engen Grenzen, aber wir kehrten reich an Eindrücken und Erfahrung zurück. Es war eine Freude, von den sympathischen und hilfsbereiten Burgfreunden unterstützt zu werden und einen Beitrag zu diesem fröhlichen Fest bei Kaiserwetter zu leisten. Auf jeden Fall sind wir für kommende Mittelalterspektakel vorbereitet – nicht nur mit dem passenden Gewand. Jubel, Jubel, Jubel für das Organisationsteam der Burgfreunde Lichtenberg und vielleicht bis zum Mittelaltermarkt im kommenden Jahr!

Inzwischen sind wir wieder im ganz und gar modernen Alltag in Violau angekommen, wo ich die Veranstaltungen der nächsten Zeit vorbereite: Ich freue mich schon darauf, am Wochenende 7./8. Oktober beim Trachtenmarkt in Krumbach dabei zu sein, und in der darauffolgenden Woche geht’s wieder in die Schweiz, wo ich zwei Zwei-Tages-Kurse am Ballenbergzentrum gebe, die erfreulicherweise sehr gut gebucht sind. Alle Termine für die nächsten Wochen und bereits einige fürs neue Jahr findet ihr hier auf der Website. Wer immer auf dem Laufenden bleiben will, kann gern den Newsletter abonnieren. Keine Sorge: Ich werde euch nicht wöchentlich zuspammen, sondern informiere euch etwa alle sechs bis acht Wochen über neue Blogeinträge und anstehende Termine.

Viktorianische Variationen

Eine spannende und ereignisreiche Trachtenwerkwoche liegt hinter mir und wird sicher noch eine ganze Weile nachklingen. Nachdem ich im vergangenen Jahr einer Gruppe die Grundlagen der Posamenten- und Zwirnknopfmacherei beibringen durfte, hatte sich Monika Hoede, die Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben, diesmal ein ganz besonderes Thema gewünscht: Posamentenknöpfe im viktorianischen Stil, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode waren. (Einige Originale kann man online an Kostümen aus dem Fundus des Metropolitan Museum of Art, New York, bewundern.)

Blüte und Stern, Empire, Snowflake und Pinwheel: Die Posamentenknöpfe im viktorianischen Stil waren Thema meines fünftägigen Workshops bei der Trachtenwerkwoche.

Bei dieser Art textiler Knöpfe wird über einem mit Stoff oder Garn bezogenen Rohling ein speichenartiges Grundgerüst aus Fäden, die sogenannte Tortenschnürung, gespannt und kunstvoll bestickt. Je nach Art der Stickerei entstehen Blüte oder Stern, Empire, Snowflake oder Pinwheel, wie die englische Knopfmacherin Gina Barrett die unterschiedlichen Muster in ihrem Buch Buttons – A Passementerie Workshop Manual (Lincolnshire 2013) nennt. Sie hat übrigens eine ganze Reihe interessanter Originale auf Pinterest zusammengetragen.

Über viele Wochen hinweg habe ich mich in dieses interessante Thema vertieft, Musterknöpfe angefertigt, Schritt-für-Schritt-Fotos aufgenommen, Anleitungsblätter und eine Powerpoint-Präsentation erarbeitet und war dann ziemlich enttäuscht, dass der Kurs im Februar wegen geringer Anmeldezahlen auf der Kippe stand. Umso schöner, dass schließlich ein knopfbegeistertes Quartett zusammenkam, das mit mir die Möglichkeiten der historischen Techniken erkundete.

Mit Stoff oder Garn bezogene Holzrohlinge dienen als Grundlage für viktorianische Knöpfe. Nicht historisch korrekt, aber interessant zu bearbeiten sind außerdem Abschnitte von Filzkugeln.

Womöglich wähnte sich meine Gruppe gleich zu Beginn auf dem falschen Dampfer, denn statt Holzrohlingen und Garn gab es erst einmal Vlies- und Kammzugwolle, warmes Wasser in Schüsseln, Seife, Handtücher und genoppte Silikontopflappen. Wir filzten tischtennisballgroße Kugeln, aus denen wir später kuppelförmige Rohlinge schneiden wollten. Und weil die Filzkugeln einige Tage zum Trocknen brauchen, mussten wir sie möglichst früh herstellen.

Anschließend umwickelten wir Holzrohlinge mit Baumwollsticktwist oder überzogen sie mit Stoff. Was für ein Glück, dass in den anderen Workshops genäht wurde! So bekamen wir zusätzlich zu den von mir mitgebrachten Patchworkstoffen wundervolle Reste von Jacquardgeweben, Seiden-, Samt- und sogar Tweedstoffen, mit denen wir experimentieren konnten. Da wurden winzige Rohlinge mit feiner Seide umhüllt und Kreise aus grobem Tweed um Holzkuppeln mit 5 cm Durchmesser gespannt. Jedes neue Stückchen Stoff, das aus einem der anderen Räume in unsere Knopfwerkstatt wanderte, inspirierte uns, sodass am Ende jede und jeder von uns mindestens ein halbes Dutzend vorbereitete Rohlinge vor sich liegen hatte.

Work in progress: Hier entstehen Blütenknöpfe im viktorianischen Stil – und jeder wirkt anders.

An Blüte und Stern erkundeten wir tags darauf die unterschiedliche Wirkung von Rückstichen und Stielstichen in Runden, widmeten uns an den folgenden Tagen der dekorativen Randgestaltung am Empire- und Snowflake-Knopf und schlossen schließlich mit dem Windrad- oder Pinwheel-Knopf ab, bei dem durch geschicktes Sticken ein spitzenartiges Muster auf der Grundlage aus Stoff oder Garn entsteht. Besonders gefreut und beeindruckt haben mich dabei die Fantasie und die Kreativität, mit der die drei Frauen und der Mann in meinem Kurs Stiche und Gestaltungsmöglichkeiten kombinierten oder neue Varianten erfanden. Als wir die Ergebnisse der Kurswoche für das Abschlussfoto arrangierten, staunten wir selbst über die Vielfalt an unterschiedlichen Knöpfen.

Kaum zu glauben, dass eine der Teilnehmerinnen sich noch nie zuvor mit dem Thema Posamentenknöpfe beschäftigt hatte! Ihr gelangen von Anfang an ebenso schöne und kunstvolle Werke wie allen anderen, und in einer Pause holte sie mal eben mit mir die Grundlagen für Sternknopf und Glatten Knopf nach. Chapeau!

Wie schon im vergangenen Jahr war es wunderbar, ein Thema über mehrere Tage hinweg zu entwickeln und dabei – anders als bei Tages- oder Abendkursen – auch die Muße für eigene Gestaltungsvarianten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu haben. Ein großer Luxus, den ich sehr zu schätzen weiß!

Einige Dutzend fantasievoll gestalteter Knöpfe im viktorianischen Stil kamen in der Trachtenwerkwoche zusammen – und zusätzlich einige Harlekinknöpfe aus den Schnupperkursen.

Immer wieder wurden wir durch zusätzliche Angebote aus unseren Workshop-Räumen gelockt, zum Beispiel bei der Stoff- und Garn-Tauschbörse, bei der allerlei Schätze aus den Schränken und Nähstuben der Teilnehmerinnen ans Licht kamen: altes Leinen, Zählstoffe und Stickbänder aus einem aufgelassenen Handarbeitsladen, überzählige Strickgarnknäuel, Bänder, Borten, Knöpfe, historische Nadelmäppchen und Skurrilitäten wie alte Bügeleisen, die sich hervorragend als Gewichte beim Nähen eignen, und eine Pelzstola aus Urgroßmutters Zeiten. Gut eine Stunde lang wurde gesichtet, getauscht und gefeilscht, bis viele der Raritäten eine neue Besitzerin gefunden hatten.

Stoffe, Bänder, Borten, Garne und allerlei Skurriles wie diese historischen Bügeleisen wechselten bei der Tauschbörse die Besitzerinnen.

Am Donnerstagnachmittag und -abend hatten die Teilnehmerinnen aller Workshops die Gelegenheit, in andere Bereiche hineinzuschnuppern. Bei Maria Tyroller wurden Ringtaschen als edle Alternative zur Plastiktüte geschneidert, Monika Hoede zeigte, wie dekorative Schachteln aus Graupappe nach Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert genäht werden, Ute Palmer-Wagner erklärte das Sticken von sogenannten Flohfenstern, und ich lud zum Gestalten von Harlekinknöpfen ein.

Harlekinknöpfe, mal knallbunt, mal dezent Ton in Ton, wurden in den beiden Schnupperkursen gewickelt und gewebt.

Zehn Teilnehmerinnen in zwei Gruppen ließen sich auf das Knopf-Abenteuer ein und kreierten sechseckige Knöpfe mit Rhombenmuster – manche in den typischen Harlekinfarben Gelb, Rot, Blau und Grün oder anderen stark kontrastierenden Farbkombinationen, manche in Blau- und Grüntönen mit leuchtend kontrastierenden Rasterlinien in Orange oder zurückhaltend Ton in Ton.

Ein abendlicher Ausflug führte uns alle ins rund 15 Kilometer entfernte Krumbach zum Landauer-Haus, dem Sitz der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben. Dort informierte uns der Historiker Alexander Smit, wissenschaftlicher Volontär der Einrichtung, über die Geschichte des traditionsreichen Hauses, das einst der Familie jüdischer Geschäftsleute gehört hatte, und führte durch die Knopfausstellung mit historischen Originalen und modernen Interpretationen der alten Knöpfe .

Der Historiker Alexander Smit, wissenschaftlicher Volontär der Trachtenkultur-Beratung, führte die Teilnehmerinnen der Trachtenwerkwoche durch die Räume des Landauer-Hauses und zeigte unter anderem die dort ausgestellten Mustertrachten.
Der Knopftisch verbindet meine beiden Berufe: Der alte Setzkasten aus einer Druckerei steht für das Redaktionsbüro, die Knöpfe darin kommen aus der Knopfwerkstatt. Foto: Georg Drexel

Dort gab es auch ein Wiedersehen mit meinem Knopftisch, der schon einige Jahre mit der Ausstellung gewandert ist und nun dauerhaft seinen Platz bei der Trachtenkultur-Beratung gefunden hat, was mich sehr freut.

1 Kugel = 2 viktorianische Knöpfe: Die Filzkugel habe ich wie zwei halbkugelförmige Filzrohlinge mit Blütenmotiven und Snowflake-Borte bestickt.

Während des anschließenden Gedankenaustauschs bei Getränken und Gebäck habe ich eine Idee umgesetzt, die mir am Nachmittag durch den Kopf geschossen war: Wenn man zwei Filzhalbkugeln als Knopfrohlinge verwenden kann, müsste doch eine vollständige Kugel ebenfalls mit einer Tortenschnürung versehen und im viktorianischen Stil bestickt werden können. Also verpasste ich einer Kugel einen provisorischen „Äquator“ aus Garn, überspannte sie mit einer Tortenschnürung und stickte erst zwei Snowflake-Borten ober- und unterhalb der Äquatorlinie und anschließend je eine doppelte Blüte auf die Pole – einmal im Rück- und einmal im Stielstich, bevor ich den Hilfsfaden für den „Äquator“ wieder entfernte. Das Ergebnis ermutigt mich, an diesem Experiment weiterzuarbeiten.

Auch ein anderes Projekt reizt mich schon lange: das sogenannte Strunz- oder Schnorrtäschchen, wie es Monika Hoede schon vor Jahren für unser gemeinsames (und inzwischen leider längst vergriffenes) Buch „Die ganze Welt der Knöpfe“ angefertigt und beschrieben hat. Sie schreibt dazu: „Strunztäschchen dienen als zusätzliche Tasche zur Eingrifftasche im Rock. Die Strunztäschchen wurden unter der Schürze umgebunden; ihre individuelle Schönheit verbarg sich also im Alltag. […] Ein Strunztäschchen mag Taschentücher, Geld und kleine Habseligkeiten enthalten; für den Kirchgang Klingelbeutelgeld und ein Sträußchen zum Dran-Riechen und Wachhalten; für den Besuch bei der Freundin ein Strickzeug als Ausrede, damit man nicht dem Müßiggang verfiel. Die mir aus Hessen und Franken bekannten Taschen kenne ich als Schnorrtaschen; das steht für Müßiggang und hat nichts mit dem Schnorren im Sinne von Betteln […] zu tun.“

Dieses Strunztäschchen hat Monika Hoede aus einer Stickerei von Trudel Hoede angefertigt.

Inzwischen gestaltet Monika Hoede gern als Erinnerung an eine bestimmte Zeit Strunztäschchen, die sie mit allerlei Elementen aus eben dieser Lebensphase versieht. Die Tasche, die während der Trachtenwerkwoche in Babenhausen entstand, ist unter anderem mit Schneckenknöpfen von den Knopfmachertagen vor einigen Wochen und mit einem bunten Harlekinknopf verziert.

Dieses reich mit Bändern, Borten, Quasten und Knöpfen verzierte Strunztäschchen erinnert Monika Hoede an das Frühjahr 2023.

Die Idee fasziniert mich. Und weil ich während der Trachtenwerkwoche einige Stoffreste in hinreißenden Blaugrüntönen geschenkt bekommen oder gegen Knöpfe eingetauscht habe, liegt das Material für mein Strunztäschchen schon bereit. Jetzt fehlt nur noch die Zeit.

Aus diesen zauberhaften Stoffen könnte mein Strunztäschchen entstehen.

Apropos Zeit: Auch wenn am Beginn der Trachtenwerkwoche der Abschied in weiter Ferne zu liegen schien, verflogen die Tage im Nu. Trotzdem habe ich in einer Mittagspause einen kleinen Spaziergang ins Städtchen geschafft und die sehr sehenswerte Pfarrkirche St. Andreas mit einem ungewöhnlichen Kreuzweg-Treppenhaus besucht.

Das Fuggerschloss und die Pfarrkirche St. Andreas prägen die Innenstadt von Babenhausen.

Bei einem gemeinsamen Frühstück im Café Rosa haben wir einander schließlich am Sonntagvormittag gegenseitig die Werke der Woche präsentiert und endlich auch die Spenzer, Röcke und Leibchen als Ganzes gesehen, mit deren Stoffresten wir unsere Knopfrohlinge überzogen hatten. An manch einem der Modelle hat zu unserer Freude auch einer der viktorianischen Knöpfe Platz gefunden.

Bevor wir alle die Heimreise antraten, hat Monika Hoede uns verraten, dass die Planung für die nächste Trachtenwerkwoche schon läuft: Sie wird wieder mit mehreren Workshops in der Woche nach Ostern vom 2. bis zum 7. April 2024 stattfinden. Es lohnt sich, die Tage schon jetzt im neuen Kalender zu blocken und im Urlaubskalender einzutragen!

Mit einem üppigen Frühstück im Café Rosa endete die Trachtenwerkwoche am Sonntag.

Von Brandenburg ins Berner Oberland

18. September 2022

Mal die weiten Ebenen Brandenburgs, mal das bergige Berner Oberland: Auch in den vergangenen Wochen bin ich mit meiner Knopfwerkstatt weit herumgekommen, um Menschen für die Knopfmacherei zu begeistern.

Knöpfe, Kühe und Tomaten:
Kurswochenende auf dem Werenziahof

Sabine Reichert-Kassube macht aus ihrem Werenziahof im brandenburgischen Werenzhain ein Kunstprojekt.

Bei der Filzkünstlerin Sabine Reichert-Kassube war ich schon zum vierten Mal zu Gast: Zweimal habe ich in ihrem früheren Atelier in Berlin-Friedrichshagen Workshops gegeben. 2020 sollte mein Kurs der letzte dort vor dem Umzug nach Werenzhain sein, doch der fiel schon coronabedingt aus. So lernte ich das Kunstprojekt Werenziahof im vergangenen Jahr kennen und kam nun sehr gerne zurück, um wieder zwei Tage lang dort zu unterrichten.

Sabine Reichert-Kassube mit einer ihrer Laufenten

Seit meinem Besuch im August 2021 hatte sich einiges verändert: Der auf einer Seite offene Durchgang, in dem damals die Schwalben genistet hatten, ist nun auf beiden Seiten durch große Glasfronten geschlossen und mit einem fantasievollen Mosaikboden gepflastert, sodass ein lichter Wintergarten als Ausstellungs- und Aufenthaltsraum entstanden ist. Am Tag vor dem Workshop waren außerdem drei junge Laufenten auf dem Hof eingezogen, und im Waschhaus gab es eine kleine Ausstellung zum Thema „Kuh“ zu sehen.

Einige der Exponate in der Ausstellung zum Thema „Kuh“

Ihr Filzatelier hatte unsere Gastgeberin fast vollständig für den Knopfworkshop ausgeräumt, an dessen erstem Tag auch zwei Männer teilnahmen: Vater und Sohn einer vierköpfigen Familie aus Berlin, die immer wieder gemeinsam Kreativkurse besucht – vor einiger Zeit einen über das Drehen von Glasperlen, nun eben einen über Posamentenknopfmacherei. Eine Teilnehmerin hatte mich im vergangenen Jahr im Bayerischen Fernsehen entdeckt und sofort eine Freundin überredet, mit ihr gemeinsam den Workshop in Werenzhain zu buchen. Eine andere hatte bereits einen Knopfmachereikurs in der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach absolviert und freute sich, ihre Kenntnisse näher an ihrem Wohnort Dresden erweitern zu können. Und Sabine Reichert-Kassubes Schwester Birgit verzichtete sogar einige Stunden lang auf das Programm des Sängerfestes in Finsterwalde, um ihre ersten Knöpfe zu gestalten. Begeistert nähte sie ihre Werke sofort an, sodass wir fürs Abschlussfoto ihre Jacke mit ins Bild drapieren mussten.

Wie immer übten wir die Grundtechniken am Sternknopf. Einige ambitionierte Teilnehmerinnen wagten sich dabei schon bald an zweifarbige Grundgerüste oder arbeiteten Folienspiegel ein. (Die sind immer eine willkommene Ausrede dafür, zwischendurch ein bisschen süße Nervennahrung zu naschen, um an gold- oder silberglänzende Folienstückchen zu kommen.)

Weil nicht alle am zweiten Tag dabei sein konnten, aber großes Interesse an der Zwirnknopftechnik äußerten, änderten wir das Programm kurzfristig und gestalteten Zwirnsterne, zum Teil schon mit integriertem Kronkorken.

Am Folgetag kehrten wir dann wieder zu den Variationen des Sternknopfs zurück und befassten uns mit meinem Lieblingsmodell, dem Augsburger Knopf, der nicht nur außerordentlich dekorativ ist, sondern sich wegen der dicht verwebten und überstickten Fäden auch sehr gut als Gebrauchsknopf eignet. Ich bin wirklich stolz darauf, welch schöne Exemplare im Kurs entstanden sind.

Die Ergebnisse der beiden Kurstage in Werenzhain

Zwischendurch haben wir uns ein wenig die Füße vertreten und einen ebenso begeisterten wie erfolgreichen Hobbygärtner in der Nachbarschaft besucht, der uns eingeladen hatte, seine mehr als dreißig Tomatensorten zu besichtigen und zu verkosten: Kaum zu glauben, wie unterschiedlich Tomaten schmecken können. Fasziniert haben uns auch die Bohnenpflanzen, die am Balkon hinauf ranken und große Mengen an dicken Bohnen in allen Größen und Farben liefern – fast so bunt wie unsere Knöpfe.

Besuch in der Tomatenausstellung (mit Exkurs zu dicken Bohnen): eine überwältigende Vielfalt!

Fazit: Der Wochenendkurs auf dem Werenziahof war über die Knopfmacherei hinaus bereichernd und überaus spannend. Ich komme gerne wieder.

Wir freuen uns über den gelungenen Wochenendkurs: Helene (links) und Sabine.

Bei den Textil-Profis in der Abegg-Stiftung

Kurz nach dem Wochenende in Brandenburg hat mich der Weg in die andere Richtung geführt: zur Abegg-Stiftung in Riggisberg in der Schweiz. Die Stiftung betreibt in der Nähe von Bern ein sehr sehenswertes Museum mit textilen Schätzen und anderen Kunstwerken aus mehreren Jahrtausenden sowie ein Atelier für Textilkonservierung und -restaurierung, in dem auch Studierende ausgebildet werden.

Das Museumsgebäude der Abegg-Stiftung in Riggisberg

Das Kollegium des Textil-Ateliers wollte der Restauratorin Corinna H. zum Übertritt in den Ruhestand ein außergewöhnliches Geschenk machen: einen gemeinsamen Knopfkurs. Eine wunderbare Idee, wie ich finde, und eine echte Herausforderung für mich, denn die Mitarbeiterinnen des Ateliers sind allesamt Koryphäen in diversen textilen Techniken.

Eine Herausforderung war der Kurs aber auch in anderer Hinsicht: Während ich sonst die Teilnehmerzahl auf acht bis zehn begrenze, ließ ich mich in Riggisberg wegen der textilen Expertise und des Abschieds-Events auf rund zwanzig ein, die zudem zwölf Nationen repräsentierten. Aber wie erwartet, waren alle mit großer Fertigkeit und Kompetenz bei der Sache, sodass weder die Klassengröße noch die unterschiedlichen Muttersprachen (alle verstanden und sprachen sehr gut Deutsch) ein Problem darstellten und wir zügig vorankamen.

Einige Impressionen aus dem Knopfmachereikurs an der Abegg-Stiftung

Wir begannen wieder mit dem Sternknopf und dem Glatten Knopf und gingen nach dem Mittagessen (einer köstlichen Bohnenquiche in der hauseigenen Cafeteria) direkt zum Viereckknopf mit gewebtem Muster über, weil einige Teilnehmerinnen Motive in ihren Knopf einweben wollten.

Völlig sprachlos war ich am Ende, als eine von ihnen ohne Anleitung einen gewebten Sternknopf allein nach einem Foto anfertigte und fand: „Das ist doch ganz logisch.“ Lakonischer Kommentar ihrer Nachbarin: „Sie kann das, schließlich ist sie Weberin.“ Ja dann … Leider wurde dieses erstaunliche Werk erst nach dem Abschlussfoto fertig.

Ergebnisse des Tageskurses an der Abegg-Stiftung

Nach knapp acht Stunden waren sage und schreibe 95 Knöpfe entstanden – auch bei der großen Teilnehmerzahl ein beachtliches Ergebnis. Freilich ist ein Kurs vor so vielen Menschen anstrengend, aber die Organisatorinnen haben alles dafür getan, dass ich mich rundherum wohlfühlen konnte. Falls sich eine Kollegin beispielsweise einen Zwirnknopfkurs zum Ausstand wünschen würde – ich wäre dazu gern bereit.

Am Tag nach dem erfolgreichen Kurs habe ich etwas wehmütig von der gastfreundlichen Abegg-Stiftung Abschied genommen und auf dem Heimweg noch einen Abstecher nach Bern gemacht. Dort wurde nämlich im Kunstmuseum just an dem Tag die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ über den Nachlass von Cornelius Gurlitt bzw. seinem Vater, dem Kunsthändler und Sammler Hildebrand Gurlitt, eröffnet. Ich hatte auf der Fahrt in die Schweiz einen Radiobeitrag über dieses Legat, die extrem aufwendige Provenienzforschung (Stichwort: Raubkunst) und die daraus entstandene Ausstellung gehört und spontan einer kunstsinnigen Freundin aus Zürich ein Treffen in Bern vorgeschlagen. Wir haben es nicht bereut! Wer bis Mitte Januar nach Bern kommt, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen.

Sehr empfehlenswert: die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ im Kunstmuseum Bern

Ausblick auf die nächsten Wochen

Inzwischen stehen die Kisten mit Kursmaterial, Anschauungsobjekten und Technik wieder in der Knopfwerkstatt. In den nächsten Tagen müssen einige Projekte im Redaktionsbüro fertig werden.

Aber schon Anfang Oktober geht die Knopfwerkstatt wieder auf Tour: Am Mittwoch, 5. Oktober, zeige ich in einem Workshop bei MEZ in Herbolzheim am Sternknopf die Grundlagen der Posamentenknopfmacherei. Und sozusagen als Bonus-Track fertigen wir einen Yorkshire Button an, der sich zu einem niedlichen Teddykopf weiterverarbeiten lässt.

Aus einem Yorkshire Button lässt sich ein hübscher Teddykopf zaubern.

Am darauf folgenden Wochenende 8./9. Oktober präsentiere ich meine Knöpfe auf dem 22. Schwäbischen Trachtenmarkt der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach.

Das Maut-Pickerl für die Schweiz rentiert sich in diesem Jahr, denn am 11. Oktober zieht es mich wieder in die Schweiz: zum Ballenbergzentrum, wo ich vom 12. bis zum 15. Oktober zwei Knopfmachereikurse gebe.

Anfang November schließlich rollt die Knopfwerkstatt zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder nach Wien: Dort gebe ich am Mittwoch/Donnerstag, 2./3. November, einen Knopfkurs im Atelier von Sawatou Mouratidou und nehme am Wochenende 5./6. November am Markt „Kunst im Handwerk“ in Perchtoldsdorf teil.

Reichlich Gelegenheit also, einander (wieder) zu sehen! Ich freu mich drauf!

Knöpfe und Lavendelduft

14. Juli 2022

Wenn Knopfmacherinnen auf Reisen gehen, ist zumindest eine Grundausstattung an Material und Werkzeug immer mit dabei – so auch, als ich mit meinem Mann und guten Freunden für zwei Wochen in die Provence aufbrach. Dorthin zieht es uns seit Jahrzehnten immer wieder. Nur die Lavendelblüte hatten wir noch nie erlebt, weil wir immer erst im Spätsommer nach Südfrankreich gefahren waren. Das sollte diesmal anders werden! Deshalb legten wir unseren Urlaub auf Ende Juni/Anfang Juli und nahmen Temperaturen bis zu 37 Grad in Kauf. Es hat sich gelohnt!

Weil ich selber mich noch mit leichtem Schauder an die stundenlangen Diavorträge von einst erinnere, habe ich hier eine Art Urlaubstagebuch in Knöpfen zusammengestellt, die ich zu bestimmten Erlebnissen und Orten gestaltet habe.

Blick auf Saignon im Luberon

Los geht’s natürlich mit dem Lavendel, dem wir auf unseren Ausflügen ständig begegnet sind – ebenso wie den Touristinnen, die sich offensichtlich mit großer Sorgfalt auf Fotoshootings in den Lavendelfeldern vorbereitet hatten: weißes, weites Kleid, Sonnenhut, gegebenenfalls die Kinder im passenden Outfit, mal Smartphone, mal mehrere Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven und Stativ. Die ultimative Kulisse ist natürlich die Abbaye de Sénanque, vor der neben all den vorsorglich mit Elektrozäunen eingefriedeten Lavendelfeldern eine Art Spielplatz-Feld angelegt ist, in dem sich die Fotofans vergnügen können.

Die Auswahl an köstlichen Tomaten auf den südfranzösischen Märkten ist überwältigend.

Kein Provence-Urlaub ohne Märkte! Wir lieben besonders den Samstagsmarkt in Apt (was wirklich kein Geheimtipp ist, denn dorthin pilgern alle Reisenden), aber auch in Reillanne und in Forcalquier haben wir allerlei fürs Abendessen in unserem Quartier bei Saignon eingekauft. Vor allem die unglaubliche Fülle an Tomatensorten, die alle umwerfend schmecken, begeistert uns jedes Mal wieder.

Ich komme an den Ständen mit den provençalischen Stoffen, Tischsets und Servietten nie vorbei und bedaure stets, dass die Auswahl an den typischen Baumwolldrucken, den Indiennes, immer geringer wird. Offensichtlich sind die Muster, die ich so liebe, aus der Mode gekommen. Immerhin habe ich diesmal noch einige Meter ergattert und aus einem winzigen Eckchen einen Singleton-Knopf angefertigt.

Fort von Buoux

Mindestens jeden zweiten Tag haben wir die Wanderschuhe geschnürt, um atemberaubende Schluchten und Hänge mit fantastischen Ausblicken zu erkunden. Während sich an den bekannten Hotspots die Touristen drängen, waren wir auf diesen Wegen fast für uns, zum Beispiel auf dem eindrucksvollen Fort von Buoux oder auf dem Weg zwischen der Abbaye de Sénanque und Gordes.

Aussichtspunkt im Forêt des Cèdres

Auch die Wege im Forêt des Cèdres, dem Zedernwald bei Bonnieux, waren keineswegs überlaufen, und der Blick vom Aussichtspunkt ist einfach großartig.

Ockerfelsen in Roussillon

Keine Reise in den Luberon ohne einen Abstecher zu den Ockerfelsen in Roussillon! Ich liebe es, wie diese Felsen im Abendlicht glühen und freue mich jedes Mal wieder auf diesen Anblick.

Alter Hafen in Marseille mit Blick auf Notre Dame de la Garde

Auch die Stadt Marseille, mit der mich seit meiner Geburt freundschaftliche Beziehungen verbinden, steht immer auf unserer Ausflugsliste. Diesmal haben wir zum ersten Mal mucem, das vor neun Jahren eröffnete Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers, besucht und waren beeindruckt.

Aber natürlich durften auch ein Bummel am Vieux Port, dem alten Hafen, und durch das Viertel Panier nicht fehlen. Savon de Marseille, der traditionellen Marseiller Seife und sicher vielen Nachahmungen, begegnet man nicht nur dort auf Schritt und Tritt.

Tartarin de Tarascon – eine Romanfigur von Alphonse Daudet und einer der Hauptakteure bei den Fêtes de la Tarasque
Die wahrlich furchteinflößende Tarasque

Ein überraschendes Erlebnis waren die Fêtes de la Tarasque in Tarascon. Wir hatten eine Touri-Falle im ganz großen Stil erwartet, weil das Drachenfest als besonderes Highlight im provençalischen Sommer angekündigt worden war. Doch als wir kurz nach elf Uhr durch die fast menschenleere Stadt auf das mit Fahnen geschmückte Rathaus zugingen, glaubten wir schon, uns im Datum geirrt zu haben, bis aus einer Seitenstraße Musik erklang und sich ein Zug von Musikgruppen, Schützen und historisch kostümierten Menschen auf genau diesen Platz zubewegte. Innerhalb von einer Viertelstunde versammelte sich eine große, fröhliche Menge Einheimischer vor dem Rathaus. Dort hatten wir bereits einen Logenplatz unter einem Granatapfelbaum bezogen, von dem aus wir das Geschehen mit offenbar launigen Ansprachen (schwer verständlich, da in südfranzösischer Mundart), krachenden Salutschüssen und einem von allen mit viel Leidenschaft gesungenen Lied perfekt beobachten konnten. Höhepunkt war dabei immer wieder der Auftritt der furchteinflößenden Tarasque, des Drachen, dem der Ort der Legende nach seinen Namen verdankt. Die Tarasque wird von einer Gruppe junger Männer mit viel Schwung und großer Geschwindigkeit durch die Gasse der Schaulustigen gezogen, wobei mich ein Einheimischer zur Vorsicht mahnte: „Elle revient, la Tarasque!“ Sie kommt noch einmal zurück – Vorsicht auf die Füße!

Wir hatten auf jeden Fall den Eindruck, dass dieses Fest der Tarasque von den Einheimischen keineswegs nur als Show für die Touristen, sondern ganz wesentlich zu ihrer eigenen Freude gefeiert wird – und damit auch sehr zu unserer Freude.

Dessert im Sanglier Paresseux

Zwar liefern die südfranzösischen Märkte mit Brot, Tomaten, Käse, Salami, Tapenade und vielen anderen Köstlichkeiten eine reichliche Auswahl für viele Picknicks und Abendessen, aber natürlich haben wir gelegentlich auch das eine oder andere Restaurant besucht. In Caseneuve, einem hoch gelegenen, winzigen Dorf mit rund 500 Einwohnern hatten wir schon 2018 ein außergewöhnliches Restaurant entdeckt: Le Sanglier Paresseux, das „faule Wildschwein“. Auf dessen Terrasse mit wundervollem Ausblick verbrachten wir auch diesmal wieder einen großartigen Abend mit kulinarischen Überraschungen.

Die Eisbecher bei Art Glacier sind Augenweide und Gaumenschmaus zugleich.

Schon Monate vor unserer Reise hatte mein Mann Franz einen Fernsehbeitrag über das Eiscafé Art Glacier in Ansouis gesehen und dieses Lokal auf die Ausflugsliste gesetzt. Mit Recht: Die Eisbecher dort sind eine Augenweide und ein Gaumenschmaus (wenngleich ich auch mit etwas weniger Schlagrahm zufrieden gewesen wäre), und die Aussicht von der Terrasse aus ist wieder einmal grandios.

Flamingos im Parc ornithologique du Pont de Gau

Ein weiterer Tagesausflug hat uns in die Camargue geführt, wo wir unter anderem durch den weitläufigen Vogelpark, den Parc ornithologique du Pont de Gau gestreift sind und unzählige Flamingos beobachtet haben.

So viele Erlebnisse in zwei Wochen! Ich selbst habe nach unserer Rückkehr nur einen kurzen Zwischenstopp zu Hause eingelegt, weil ich zwei Tage danach schon wieder zu einer Kurswoche im Ballenbergzentrum in der Schweiz aufgebrochen bin (davon im nächsten Beitrag mehr). Bleibt uns die Freude auf den Winter, denn wie immer, wenn wir in die Provence reisen, hat uns ein winziges Tonfigürchen nach Violau begleitet, das an Weihnachten in unserer provençalischen Santon-Krippe stehen wird.

Segelfalter am Lavendel

Einstweilen schnuppern wir an den mitgebrachten (redlich erworbenen, nicht vom Feld gestohlenen!) Lavendelsträußen, genießen die letzten Gläschen Tapenade auf der Terrasse und träumen schon jetzt von unserer nächsten Reise in die Provence.

[Alle Links in diesem Beitrag sollen nur der weiteren Information dienen. Ich bin weder dazu beauftragt worden, noch werde ich dafür bezahlt.]

Knopfkurs de Luxe

19. Mai 2022

Außergewöhnliche Orte und Räume für meine Workshops bin ich ja schon einigermaßen gewöhnt: einen ehemaligen Bauernhof in Brandenburg, eine Reithalle im niederländischen Brabant, ein Weingut in Oppenheim oder das Ballenbergzentrum hoch im Berner Oberland, von spontanen Schnupperkursen im Zug zwischen Augsburg und Frankfurt oder an einem Regentag in der Stube eines Südtiroler Ferienbauernhofs ganz zu schweigen. Kurse im Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg bei Aachen sind trotzdem immer etwas ganz Besonderes.

Das Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg

Das Atelier in einem separaten Gebäude, ein paar Schritte vom Wohnhaus entfernt, liegt in einem weitläufigen Garten, in dem es an jeder Ecke Kunst zu entdecken gibt. Sogar auf der Vogeltränke haben es sich drei Bronzefigürchen gemütlich gemacht.

Im weitläufigen Garten gibt es allerlei zu entdecken.

Doch nicht nur dieses einzigartige Ambiente macht jedes Kurswochenende zu einem Erlebnis, sondern vor allem die herzliche Gastfreundschaft, mit der Elvira und Heinz Altdorf die ganze Gruppe nach Strich und Faden verwöhnen. Da steht an jedem Arbeitsplatz eine Flasche Wasser, Schokolade und Cookies liegen zur Stärkung bereit, und mittags wartet schon eine köstliche Mahlzeit mit Gemüse und Salat sowie Kaffee und Kuchen zum Nachtisch auf die hungrigen Gäste. All das ist keineswegs selbstverständlich, und entsprechend haben wir’s genossen.

Im Kursraum selbst hatten die sieben Teilnehmerinnen an U-förmig aufgestellten Tischen reichlich Platz und gute Sicht auf die Leinwand, auf die ich per Kamera meine Hände bei der Arbeit projiziere. Die Technik hat die überdimensionalen Holzscheiben und Ringe abgelöst, an denen ich die Wickel- und Webtechniken bis vor zwei Jahren demonstriert habe. Auf einem großen Filztisch konnte ich eine Auswahl fertiger Knöpfe, alte Trachtenteile und neue Projekte mit Zwirn- und Posamentenknöpfen präsentieren und das Material bereitlegen.

Der Einsatz von Kamera, Laptop, Beamer und Leinwand hat sich inzwischen bei vielen Kursen bewährt.
Die alte Schwälmer Trolljacke, mein Hut und meine Uhr mit neuen Knöpfen in alter Technik sollen die Teilnehmerinnen zu eigenen Anwendungsideen inspirieren.
Garne, Garnkärtchen und Rohlinge für viele, viele bunte Knöpfe

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Garnfarben die Teilnehmerinnen für ihre eigenen Knöpfe wählen und kombinieren. Mein Faible für Türkis, Petrol, Teal, Mint und alle anderen Schattierungen des blaugrünen Spektrums hat sich inzwischen herumgesprochen. Neulich hatte sogar eine Teilnehmerin eine ganze Kiste voller Garne in Rottönen dabei, weil sie fürchtete, ich würde nur Garne in Blau, Grün und Türkis anbieten. Aber keine Sorge: Ich bringe immer eine breite Palette an Farben mit.

Die kreative Gruppe meines dritten Kurses im Atelier von Elvira Altdorf (links)

Am Samstagnachmittag beschäftigten wir uns erst einmal mit den elementaren Techniken der Posamentenknopfmacherei, legten ein Grundgerüst an und wickelten den Sternknopf und den Glatten Knopf. Wie immer gab’s beim Sichern und Vernähen des Grundgerüstes ein Gedenken an die strengen Handarbeitslehrerinnen meiner Grundschulzeit, Schwester Laurentia und Schwester Ambrosia, die jede Handarbeit erst einmal auf links drehten, um die Verarbeitung der Rückseite zu begutachten.

Am Sonntag übertrugen wir die Erfahrungen vom Vortag dann vom Holzrohling auf den Aluminiumring und fertigten erst kleinere Zwirnsterne und später große Zwirnsterne mit integriertem Kronkorken an. Ich bin mir sicher, dass die frischgebackenen Knopfmacherinnen künftig mit ganz neuen Augen durch den Getränkemarkt streifen werden …

Sternknöpfe, Glatte Knöpfe sowie Zwirnsterne mit und ohne integrierten Kronkorken entstanden in eineinhalb Kurstagen.

Eine Überraschung gab’s zum Schluss: Petra Müller, Reisebuchautorin und Videobloggerin, hat während des Kurses fotografiert und gefilmt und ihr Material anschließend innerhalb weniger Stunden zu einem Film verarbeitet. So konnte ich schon auf der Heimfahrt die Erinnerungen an das gelungene Wochenende Revue passieren lassen. Schaut gerne auch mal rein – hier geht’s zum Video: https://youtu.be/_Hlogj4YsgY.

Ich packe derweil schon wieder meine Kisten, denn nächste Woche geht’s wieder an einen besonderen Ort: ins Franziskanerkloster Ehingen.

Die Knopfwerkstatt unterwegs

Knopfwerkstatt on tour
So sieht es aus, wenn die Knopfwerkstatt auf Reisen geht.

Eine ganze Weile war es hier im Blog ziemlich ruhig. Das lag aber nicht etwa daran, dass die Knopfwerkstatt Winterschlaf gehalten hätte – im Gegenteil! In den vergangenen Wochen war ich ziemlich oft auf Achse, um in der Schweiz, Niedersachsen und Schwaben Kurse zu geben. Nach der langen pandemiebedingten Pause hat es viel Freude gemacht, an schönen und außergewöhnlichen Orten kreativen Menschen zu begegnen und sie für die Knopfmacherei zu begeistern.

Zwirn- und Posamentenknöpfe im Berner Oberland

Ballenbergzentrum im Berner Oberland
Das Ballenbergzentrum im Berner Oberland: Hier wird altes Handwerk gepflegt und weitergegeben.

Im Februar wurde endlich mein langgehegter Traum wahr, Kurse im Ballenbergzentrum im Berner Oberland zu geben. Das Konzept des Kurszentrums, das dem Freilichtmuseum Ballenberg angegliedert ist, fasziniert mich seit vielen Jahren, denn dort werden viele fast vergessene Handwerkstechniken weitergegeben und am Leben erhalten, beispielsweise der Bogenbau, der Bau von Holzbrunnen, Sgraffitotechniken – und nun eben auch die Knopfmacherei.

Jeweils zwei Tage unterrichtete ich Zwirn- und Posamentenknopftechniken in einem wunderbar hellen und großen Seminarraum, immer unterstützt von Geschäftsführer Philipp Kuntze und Techniker Lukas Wanner, wenn es beispielsweise darum ging, einen Steckdosenadapter zu organisieren. Die Kursteilnehmerinnen waren mit viel Elan und Talent bei der Sache, wie unsere Abschlussfotos zeigen:

Vom Sternknopf bis zum Pfeilspitzenknopf: die Ergebnisse des Posamentenknopfkurses im Ballenbergzentrum
Der bescheidene Zwirnknopf wird zum Schmuckstück: die Ergebnisse des Zwirnknopfkurses im Ballenbergzentrum

Nach Kursende habe ich in der Abenddämmerung die Gelegenheit genutzt, mich ein bisschen in Brienz und im noch geschlossenen Freilichtmuseum umzusehen, und freue mich umso mehr darauf, Anfang Juli und im Oktober wieder ins Berner Oberland zu reisen und dort zu unterrichten. (Wer sich für die Kurse interessiert, findet hier alle Informationen zu Programm und Anmeldung.)

Der Brienzer See im Februar in der Abenddämmerung
Hofstetten, der Ort zu dem das Ballenbergzentrum gehört, ist auch Sitz der Firma Trauffer, die Holztiere herstellt. Deren rotbunten Kühe haben mich zu diesem Schweiz-Stillleben inspiriert.

Knopfmachertage online

Die Knopfmachertage der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben fanden wegen der Corona-Einschränkungen online statt, was einerseits schade war, andererseits aber auch Interessentinnen die Teilnahme ermöglichte, die nicht aus großer Entfernung hätten anreisen können.

Drei Themen standen auf dem Programm: Sandra-Janine Müller machte den Anfang mit „Vier Ecken hat mein Knopf“. Ich hatte eigentlich in meinem Redaktionsbüro so viel Arbeit, dass ich „nur mal eine Stunde“ online vorbeischauen wollte, habe mich aber dann doch fasziniert quasi festgewickelt und war am Ende an allen drei Tagen von Anfang bis Ende dabei. In den sieben Stunden mit Sandra entstand eine ganze Kollektion von Knöpfen mit spannenden grafischen Mustern.

Meine Ergebnisse aus Sandra-Janine Müllers Online-Kurs „Vier Ecken hat mein Knopf“

Am zweiten Knopfmachertag waren auch wir erfahreneren Knopfmacherinnen stark gefordert, als Trachtenberaterin Monika Hoede uns in die Kunst des „figurierten Knopfes mit Lahnringen“ einführte. Das Gorldrehen, also die Gestaltung plastischer, kordelartig wirkender Muster auf der Knopfoberfläche, ist eine Technik, die viel Übung erfordert und mir schon bei der Vorbereitung aufs Knopfmacherzertifikat einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, aber wir alle haben die Herausforderung gemeistert.

Figurierte Knöpfe mit Lahnringen: meine Übungsstücke vom zweiten Knopfmachertag

Am dritten Knopfmachertag ging es entspannter zu: Ich durfte unter dem Motto „Souvenirs, Souvenirs“ zeigen, wie sich Kronkorken, Münzen, Teile alter Metallknöpfe oder andere Elemente in Zwirnknöpfe einarbeiten lassen. Wer wollte, konnte unter dem Kronkorken auch einen Magneten verstecken und den fertigen Knopf als Nadelhalter für den Knopfmachertisch verwenden.

Meine Beispiele vom Knopfmachertag Nummer drei: Zwirnknöpfe mit eingearbeiteten Elementen

Knopfpassion in der Kunststätte Bossard

Zu meiner großen Freude kam Anfang April endlich auch ein weiterer Kurs zustande, der schon mehrmals hatte verschoben werden müssen: Ein Wochenende lang gestaltete ich mit Frauen aus dem hohen Norden Knöpfe in der Kunststätte Bossard bei Jesteburg in der Lüneburger Heide. Ein außergewöhnlicher, inspirierender Ort!

Die Kunststätte Bossard wurde zwischen 1911 und 1950 vom Künstlerpaar Johann Michael Bossard und seiner Frau Jutta Bossard-Krull im Norden der Lüneburger Heide als Gesamtkunstwerk angelegt.

Im sogenannten Schweizer Schuppen, der einst als Holzlager diente und jetzt zu einem attraktiven Seminarraum umgebaut ist, beschäftigten wir uns zwei Tage lang mit den Grundlagen der Knopfmacherei – vom Sternknopf und dem Glatten Knopf bis zum gewebten Sternknopf und dem Augsburger Knopf. Am zweiten Tag war dann auch noch ein Exkurs in Richtung Zwirnknöpfe drin. Über den Bildschirm, auf dem sonst ein Info-Video über die Kunststätte gezeigt wird, konnte ich bequem per Kamera und Laptop alle Arbeitsschritte und Bilder fertiger Knöpfe mit coronakonformem Abstand zeigen.

Den Bildschirm mit dem Bossard-Video durften wir für den Kurs nutzen.
Der Schweizer Schuppen, das ehemalige Holzlager der Bossards, dient heute als schöner Seminarraum.

Eine vielfältige Kollektion an Knöpfen ist in der Kunststätte Bossard entstanden – besonders beachtlich, weil fast alle Teilnehmerinnen komplette Neulinge in Sachen Knopfmacherei waren.

Das Knopfmacherhandwerk im Ries

Gleich zweimal führte mich der Weg in diesem Frühjahr ins Ries. Dort zeigte das zauberhafte Museum KulturLand Ries in Maihingen sieben Wochen lang die Sonderausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“, zu der ich meinen Beistelltisch aus einem historischen Setzkasten mit über hundert Knöpfen und meine Knopfuhr als Leihgaben beitragen durfte.

So könnte das Wohnzimmer einer Knopfmacherin aussehen: Exponate verschiedener Leihgeberinnen in der Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ im Museum KulturLand Ries in Maihingen.

So unternahm ich mit meinem Mann Franz einen Ausflug zur Ausstellungseröffnung Anfang März, bei der wir nicht nur die vielen Kleidungsstücke, Werkzeuge, Knöpfe und Dokumente aus dem Archiv der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben und die Neuinterpretationen moderner Knopfmacherinnen bewunderten, sondern auch einige gute Bekannte trafen – ein wichtiger Aspekt jeder Vernissage!

Probieren geht bekanntlich über Studieren! Wer durch die Ausstellung Lust bekommen hatte, sich selbst in der Knopfmacherei zu versuchen, bekam die Möglichkeit dazu Anfang April. Eigentlich war nur ein Nachmittagskurs geplant, aber weil das Interesse erfreulich groß und die Warteliste bald lang war, entschlossen die Museumsleitung und ich uns dazu, vormittags einen zweiten Kurs anzubieten. Wie immer in solchen Basis-Workshops war es faszinierend zu erleben, wie sich die Finger und die Köpfe nach der ersten Stunde angestrengten Haltens und Wickelns entspannten und die Ideen für neue Kreationen sprudelten. Außerdem staune ich immer wieder darüber, welche Farbkombinationen die Teilnehmer:innen aus dem Angebot an Garnfarben zusammenstellen, die ich mitbringe.

Zwei dreistündige Grundkurse bot das Museum KulturLand Ries im Begleitprogramm zur Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ an. Ich finde, die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen!

Zwirnknopf trifft Nadelkissen

Eine kleine, aber sehr motivierte Runde traf sich Mitte März im Landauer-Haus in Krumbach, dem Sitz der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben, um Nadelkissen mit Zwirnknöpfen anzufertigen. Wer wollte, konnte einen Magneten einarbeiten, auf dem die Nadeln haften bleiben – sehr praktisch zum Beispiel für Nähnadeln, die sonst gelegentlich auf Nimmerwiedersehen (aber manchmal bis zum Wiederpieksen) in der Füllung eines Nadelkissens verschwinden.

Nadelkissen in Kürbis- und Sternform und eine Auswahl bunter Zwirnknöpfe aus dem Kurs im Landauer-Haus

Sechs Tage im Knopfrausch: die Trachtenwerkwoche

Die Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben bot optimale Voraussetzungen für die Trachtenwerkwoche.

Nach Ostern folgte schließlich ein weiterer Höhepunkt in diesem Kursjahr: die Trachtenwerkwoche in Babenhausen, organisiert von Monika Hoede, der Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben. Welch eine Chance und zugleich Herausforderung, eine höchst interessierte Gruppe von fünf Frauen und zwei Männern in rund 24 Kursstunden vom ersten achtzackigen Sternknopf bis zu anspruchsvollen Wickel- und Webtechniken zu führen! Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Die Sonne schien, vor unserem großzügigen Seminarraum in der Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben, kurz Jubi, stand ein Kirschbaum in voller Blüte, die Küche verwöhnte uns mit ausgezeichneten vegetarischen Mahlzeiten, und die Gruppe harmonierte hervorragend.

So konnten wir bei der abschließenden Werkschau ein köstliches Knopfmenü als Augenschmaus präsentieren:
Entré: Salatkomposition von Sternknopf und Glattem Knopf
Zwischengang: Augsburger Knöpfle mit scharf angestickten Flügelchen
Hauptgericht: Filetierter Viereckknopf nach Ottobeurer Art im Languettenmantel
Für Vegetarier: Frühlingsblüten vom Knöpflesbaum
Dessert: Magnetisierte Zwirnknöpfe mit Biertopping

Als Menü präsentierte der Knopfmacherkurs seine Resultate am Ende der Trachtenwerkwoche.

Endlich hatten wir auch die Gelegenheit, die Sattelröcke, Werktagsgewänder, Strunztäschchen, Spenzer und Stoffdrucke zu bewundern, die in den Kursen von Gertrud Agricola-Straßer, Maria Tyroller, Ute Palmer-Wagner, Monika Hoede und Thea Baur entstanden waren. Gerade am letzten Abend waren die Nähmaschinen noch bis tief in die Nacht heißgelaufen, damit die Projekte auch wirklich fertig wurden.

Immerhin blieb zwischendurch noch ein wenig Zeit, mir von Monika Hoede endlich den Brezelknoten zeigen zu lassen, bei dem die Verknüpfung der Hirnhälften ganz bestimmt stark gefördert wird. Die Technik interessiert mich schon lange!

Der Brezelknoten (auch Bretzel- oder Brätzelknoten) ist ein traditioneller Posamentenbesatz.

Ausblick auf die nächsten Wochen

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, stehen die gepackten Kurskisten schon wieder fertig zum Verladen in der Werkstatt: Ende der Woche geht es in Richtung Aachen zu Elvira Altdorf, in deren Filzatelier ich schon zwei Wochenendkurse gegeben habe. Ich freue mich sehr darauf, wieder bei ihr zu unterrichten, denn sie und ihr Mann Heinz kümmern sich ganz großartig um das Wohl von Teilnehmerinnen und Dozentin.

Ende Mai gehe ich ins Kloster – wenn auch nur für ein Wochenende: Dann bin ich mit einem Knopfkurs der VHS Ehingen im dortigen Franziskanerkloster zu Gast. Anfang Juli stehen die nächsten Kurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz auf dem Programm, und am letzten Juli-Wochenende verbringe ich ein Wochenende im Paradies – genauer gesagt im Wampendobler Paradies von Petra und Marc Herrmann in Niederbayern, die mich eingeladen haben, einen Workshop in ihren Räumen zu geben. Zwischen Schweiz und Niederbayern trefft ihr mich noch beim ersten Markt nach langer Pause: auf dem Nordendorfer Handwerkermarkt am Sonntag, 17. Juli.

Weitere Kurse in Brandenburg und in den Niederlanden folgen im Spätsommer. Wenn ihr Lust habt, dabei zu sein, findet ihr alle Termine und Informationen zur Anmeldung hier. Ich freue mich jedenfalls darauf, viele Knopffans wiederzusehen oder neu kennenzulernen!

Frühling in der Knopfwerkstatt

20. April 2020

Freiluftwerkstatt unterm Apfelbaum

War das ein schönes Frühlingswochenende! Hier in Violau stehen die Apfelbäume in voller Blüte. Da hält es mich nicht in meiner Werkstatt. Zum Glück haben liebe Freunde mir einen edlen alten Thonet-Tisch zu einem transportablen Knopfmachertisch umgebaut, sodass ich meinen Arbeitsplatz kurzfristig ins Freie verlegen kann. Den passenden Stuhl hab ich selber aufgetrieben und eigenhändig knopfwerkstattfarben gestrichen.

Der Stuhl muss zum Tisch passen!

Und weil das Wetter so schön und ich so in Schwung war, hab ich gleich noch einige weitere Accessoires für die Knopfwerkstatt abgeschliffen und bemalt: ein Tablett mit Halterungen für Garnknäuel und ein paar Kästchen für Material und Werkzeug. An den verschiedenen Blaugrün-, Petrol- und Türkistönen kann ich mich nicht sattsehen. Wer genau hinsieht, erkennt, dass sogar meine Kaffeetasse ins Farbschema passt.

Stillleben in Blaugrün: Meine Lieblingsfarbe? Fifty Shades of Teal. 🙂

Diese Woche geht’s dann mit neuen Anleitungsblättern weiter. Die Schritt-für-Schritt-Fotos sind gemacht, jetzt werde ich die Texte schreiben und die Dateien an die Grafikerin weitergeben. Irgendwann werde ich ja hoffentlich wieder Kurse und Workshops geben können.
Ich freue mich darauf, euch dann wieder im analogen Leben zu treffen!