Knopfkurs de Luxe

Außergewöhnliche Orte und Räume für meine Workshops bin ich ja schon einigermaßen gewöhnt: einen ehemaligen Bauernhof in Brandenburg, eine Reithalle im niederländischen Brabant, ein Weingut in Oppenheim oder das Ballenbergzentrum hoch im Berner Oberland, von spontanen Schnupperkursen im Zug zwischen Augsburg und Frankfurt oder an einem Regentag in der Stube eines Südtiroler Ferienbauernhofs ganz zu schweigen. Kurse im Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg bei Aachen sind trotzdem immer etwas ganz Besonderes.

Das Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg

Das Atelier in einem separaten Gebäude, ein paar Schritte vom Wohnhaus entfernt, liegt in einem weitläufigen Garten, in dem es an jeder Ecke Kunst zu entdecken gibt. Sogar auf der Vogeltränke haben es sich drei Bronzefigürchen gemütlich gemacht.

Im weitläufigen Garten gibt es allerlei zu entdecken.

Doch nicht nur dieses einzigartige Ambiente macht jedes Kurswochenende zu einem Erlebnis, sondern vor allem die herzliche Gastfreundschaft, mit der Elvira und Heinz Altdorf die ganze Gruppe nach Strich und Faden verwöhnen. Da steht an jedem Arbeitsplatz eine Flasche Wasser, Schokolade und Cookies liegen zur Stärkung bereit, und mittags wartet schon eine köstliche Mahlzeit mit Gemüse und Salat sowie Kaffee und Kuchen zum Nachtisch auf die hungrigen Gäste. All das ist keineswegs selbstverständlich, und entsprechend haben wir’s genossen.

Im Kursraum selbst hatten die sieben Teilnehmerinnen an U-förmig aufgestellten Tischen reichlich Platz und gute Sicht auf die Leinwand, auf die ich per Kamera meine Hände bei der Arbeit projiziere. Die Technik hat die überdimensionalen Holzscheiben und Ringe abgelöst, an denen ich die Wickel- und Webtechniken bis vor zwei Jahren demonstriert habe. Auf einem großen Filztisch konnte ich eine Auswahl fertiger Knöpfe, alte Trachtenteile und neue Projekte mit Zwirn- und Posamentenknöpfen präsentieren und das Material bereitlegen.

Der Einsatz von Kamera, Laptop, Beamer und Leinwand hat sich inzwischen bei vielen Kursen bewährt.
Die alte Schwälmer Trolljacke, mein Hut und meine Uhr mit neuen Knöpfen in alter Technik sollen die Teilnehmerinnen zu eigenen Anwendungsideen inspirieren.
Garne, Garnkärtchen und Rohlinge für viele, viele bunte Knöpfe

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Garnfarben die Teilnehmerinnen für ihre eigenen Knöpfe wählen und kombinieren. Mein Faible für Türkis, Petrol, Teal, Mint und alle anderen Schattierungen des blaugrünen Spektrums hat sich inzwischen herumgesprochen. Neulich hatte sogar eine Teilnehmerin eine ganze Kiste voller Garne in Rottönen dabei, weil sie fürchtete, ich würde nur Garne in Blau, Grün und Türkis anbieten. Aber keine Sorge: Ich bringe immer eine breite Palette an Farben mit.

Die kreative Gruppe meines dritten Kurses im Atelier von Elvira Altdorf (links)

Am Samstagnachmittag beschäftigten wir uns erst einmal mit den elementaren Techniken der Posamentenknopfmacherei, legten ein Grundgerüst an und wickelten den Sternknopf und den Glatten Knopf. Wie immer gab’s beim Sichern und Vernähen des Grundgerüstes ein Gedenken an die strengen Handarbeitslehrerinnen meiner Grundschulzeit, Schwester Laurentia und Schwester Ambrosia, die jede Handarbeit erst einmal auf links drehten, um die Verarbeitung der Rückseite zu begutachten.

Am Sonntag übertrugen wir die Erfahrungen vom Vortag dann vom Holzrohling auf den Aluminiumring und fertigten erst kleinere Zwirnsterne und später große Zwirnsterne mit integriertem Kronkorken an. Ich bin mir sicher, dass die frischgebackenen Knopfmacherinnen künftig mit ganz neuen Augen durch den Getränkemarkt streifen werden …

Sternknöpfe, Glatte Knöpfe sowie Zwirnsterne mit und ohne integrierten Kronkorken entstanden in eineinhalb Kurstagen.

Eine Überraschung gab’s zum Schluss: Petra Müller, Reisebuchautorin und Videobloggerin, hat während des Kurses fotografiert und gefilmt und ihr Material anschließend innerhalb weniger Stunden zu einem Film verarbeitet. So konnte ich schon auf der Heimfahrt die Erinnerungen an das gelungene Wochenende Revue passieren lassen. Schaut gerne auch mal rein – hier geht’s zum Video: https://youtu.be/_Hlogj4YsgY.

Ich packe derweil schon wieder meine Kisten, denn nächste Woche geht’s wieder an einen besonderen Ort: ins Franziskanerkloster Ehingen.

Die Knopfwerkstatt unterwegs

Knopfwerkstatt on tour
So sieht es aus, wenn die Knopfwerkstatt auf Reisen geht.

Eine ganze Weile war es hier im Blog ziemlich ruhig. Das lag aber nicht etwa daran, dass die Knopfwerkstatt Winterschlaf gehalten hätte – im Gegenteil! In den vergangenen Wochen war ich ziemlich oft auf Achse, um in der Schweiz, Niedersachsen und Schwaben Kurse zu geben. Nach der langen pandemiebedingten Pause hat es viel Freude gemacht, an schönen und außergewöhnlichen Orten kreativen Menschen zu begegnen und sie für die Knopfmacherei zu begeistern.

Zwirn- und Posamentenknöpfe im Berner Oberland

Ballenbergzentrum im Berner Oberland
Das Ballenbergzentrum im Berner Oberland: Hier wird altes Handwerk gepflegt und weitergegeben.

Im Februar wurde endlich mein langgehegter Traum wahr, Kurse im Ballenbergzentrum im Berner Oberland zu geben. Das Konzept des Kurszentrums, das dem Freilichtmuseum Ballenberg angegliedert ist, fasziniert mich seit vielen Jahren, denn dort werden viele fast vergessene Handwerkstechniken weitergegeben und am Leben erhalten, beispielsweise der Bogenbau, der Bau von Holzbrunnen, Sgraffitotechniken – und nun eben auch die Knopfmacherei.

Jeweils zwei Tage unterrichtete ich Zwirn- und Posamentenknopftechniken in einem wunderbar hellen und großen Seminarraum, immer unterstützt von Geschäftsführer Philipp Kuntze und Techniker Lukas Wanner, wenn es beispielsweise darum ging, einen Steckdosenadapter zu organisieren. Die Kursteilnehmerinnen waren mit viel Elan und Talent bei der Sache, wie unsere Abschlussfotos zeigen:

Vom Sternknopf bis zum Pfeilspitzenknopf: die Ergebnisse des Posamentenknopfkurses im Ballenbergzentrum
Der bescheidene Zwirnknopf wird zum Schmuckstück: die Ergebnisse des Zwirnknopfkurses im Ballenbergzentrum

Nach Kursende habe ich in der Abenddämmerung die Gelegenheit genutzt, mich ein bisschen in Brienz und im noch geschlossenen Freilichtmuseum umzusehen, und freue mich umso mehr darauf, Anfang Juli und im Oktober wieder ins Berner Oberland zu reisen und dort zu unterrichten. (Wer sich für die Kurse interessiert, findet hier alle Informationen zu Programm und Anmeldung.)

Der Brienzer See im Februar in der Abenddämmerung
Hofstetten, der Ort zu dem das Ballenbergzentrum gehört, ist auch Sitz der Firma Trauffer, die Holztiere herstellt. Deren rotbunten Kühe haben mich zu diesem Schweiz-Stillleben inspiriert.

Knopfmachertage online

Die Knopfmachertage der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben fanden wegen der Corona-Einschränkungen online statt, was einerseits schade war, andererseits aber auch Interessentinnen die Teilnahme ermöglichte, die nicht aus großer Entfernung hätten anreisen können.

Drei Themen standen auf dem Programm: Sandra-Janine Müller machte den Anfang mit „Vier Ecken hat mein Knopf“. Ich hatte eigentlich in meinem Redaktionsbüro so viel Arbeit, dass ich „nur mal eine Stunde“ online vorbeischauen wollte, habe mich aber dann doch fasziniert quasi festgewickelt und war am Ende an allen drei Tagen von Anfang bis Ende dabei. In den sieben Stunden mit Sandra entstand eine ganze Kollektion von Knöpfen mit spannenden grafischen Mustern.

Meine Ergebnisse aus Sandra-Janine Müllers Online-Kurs „Vier Ecken hat mein Knopf“

Am zweiten Knopfmachertag waren auch wir erfahreneren Knopfmacherinnen stark gefordert, als Trachtenberaterin Monika Hoede uns in die Kunst des „figurierten Knopfes mit Lahnringen“ einführte. Das Gorldrehen, also die Gestaltung plastischer, kordelartig wirkender Muster auf der Knopfoberfläche, ist eine Technik, die viel Übung erfordert und mir schon bei der Vorbereitung aufs Knopfmacherzertifikat einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, aber wir alle haben die Herausforderung gemeistert.

Figurierte Knöpfe mit Lahnringen: meine Übungsstücke vom zweiten Knopfmachertag

Am dritten Knopfmachertag ging es entspannter zu: Ich durfte unter dem Motto „Souvenirs, Souvenirs“ zeigen, wie sich Kronkorken, Münzen, Teile alter Metallknöpfe oder andere Elemente in Zwirnknöpfe einarbeiten lassen. Wer wollte, konnte unter dem Kronkorken auch einen Magneten verstecken und den fertigen Knopf als Nadelhalter für den Knopfmachertisch verwenden.

Meine Beispiele vom Knopfmachertag Nummer drei: Zwirnknöpfe mit eingearbeiteten Elementen

Knopfpassion in der Kunststätte Bossard

Zu meiner großen Freude kam Anfang April endlich auch ein weiterer Kurs zustande, der schon mehrmals hatte verschoben werden müssen: Ein Wochenende lang gestaltete ich mit Frauen aus dem hohen Norden Knöpfe in der Kunststätte Bossard bei Jesteburg in der Lüneburger Heide. Ein außergewöhnlicher, inspirierender Ort!

Die Kunststätte Bossard wurde zwischen 1911 und 1950 vom Künstlerpaar Johann Michael Bossard und seiner Frau Jutta Bossard-Krull im Norden der Lüneburger Heide als Gesamtkunstwerk angelegt.

Im sogenannten Schweizer Schuppen, der einst als Holzlager diente und jetzt zu einem attraktiven Seminarraum umgebaut ist, beschäftigten wir uns zwei Tage lang mit den Grundlagen der Knopfmacherei – vom Sternknopf und dem Glatten Knopf bis zum gewebten Sternknopf und dem Augsburger Knopf. Am zweiten Tag war dann auch noch ein Exkurs in Richtung Zwirnknöpfe drin. Über den Bildschirm, auf dem sonst ein Info-Video über die Kunststätte gezeigt wird, konnte ich bequem per Kamera und Laptop alle Arbeitsschritte und Bilder fertiger Knöpfe mit coronakonformem Abstand zeigen.

Den Bildschirm mit dem Bossard-Video durften wir für den Kurs nutzen.
Der Schweizer Schuppen, das ehemalige Holzlager der Bossards, dient heute als schöner Seminarraum.

Eine vielfältige Kollektion an Knöpfen ist in der Kunststätte Bossard entstanden – besonders beachtlich, weil fast alle Teilnehmerinnen komplette Neulinge in Sachen Knopfmacherei waren.

Das Knopfmacherhandwerk im Ries

Gleich zweimal führte mich der Weg in diesem Frühjahr ins Ries. Dort zeigte das zauberhafte Museum KulturLand Ries in Maihingen sieben Wochen lang die Sonderausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“, zu der ich meinen Beistelltisch aus einem historischen Setzkasten mit über hundert Knöpfen und meine Knopfuhr als Leihgaben beitragen durfte.

So könnte das Wohnzimmer einer Knopfmacherin aussehen: Exponate verschiedener Leihgeberinnen in der Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ im Museum KulturLand Ries in Maihingen.

So unternahm ich mit meinem Mann Franz einen Ausflug zur Ausstellungseröffnung Anfang März, bei der wir nicht nur die vielen Kleidungsstücke, Werkzeuge, Knöpfe und Dokumente aus dem Archiv der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben und die Neuinterpretationen moderner Knopfmacherinnen bewunderten, sondern auch einige gute Bekannte trafen – ein wichtiger Aspekt jeder Vernissage!

Probieren geht bekanntlich über Studieren! Wer durch die Ausstellung Lust bekommen hatte, sich selbst in der Knopfmacherei zu versuchen, bekam die Möglichkeit dazu Anfang April. Eigentlich war nur ein Nachmittagskurs geplant, aber weil das Interesse erfreulich groß und die Warteliste bald lang war, entschlossen die Museumsleitung und ich uns dazu, vormittags einen zweiten Kurs anzubieten. Wie immer in solchen Basis-Workshops war es faszinierend zu erleben, wie sich die Finger und die Köpfe nach der ersten Stunde angestrengten Haltens und Wickelns entspannten und die Ideen für neue Kreationen sprudelten. Außerdem staune ich immer wieder darüber, welche Farbkombinationen die Teilnehmer:innen aus dem Angebot an Garnfarben zusammenstellen, die ich mitbringe.

Zwei dreistündige Grundkurse bot das Museum KulturLand Ries im Begleitprogramm zur Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ an. Ich finde, die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen!

Zwirnknopf trifft Nadelkissen

Eine kleine, aber sehr motivierte Runde traf sich Mitte März im Landauer-Haus in Krumbach, dem Sitz der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben, um Nadelkissen mit Zwirnknöpfen anzufertigen. Wer wollte, konnte einen Magneten einarbeiten, auf dem die Nadeln haften bleiben – sehr praktisch zum Beispiel für Nähnadeln, die sonst gelegentlich auf Nimmerwiedersehen (aber manchmal bis zum Wiederpieksen) in der Füllung eines Nadelkissens verschwinden.

Nadelkissen in Kürbis- und Sternform und eine Auswahl bunter Zwirnknöpfe aus dem Kurs im Landauer-Haus

Sechs Tage im Knopfrausch: die Trachtenwerkwoche

Die Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben bot optimale Voraussetzungen für die Trachtenwerkwoche.

Nach Ostern folgte schließlich ein weiterer Höhepunkt in diesem Kursjahr: die Trachtenwerkwoche in Babenhausen, organisiert von Monika Hoede, der Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben. Welch eine Chance und zugleich Herausforderung, eine höchst interessierte Gruppe von fünf Frauen und zwei Männern in rund 24 Kursstunden vom ersten achtzackigen Sternknopf bis zu anspruchsvollen Wickel- und Webtechniken zu führen! Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Die Sonne schien, vor unserem großzügigen Seminarraum in der Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben, kurz Jubi, stand ein Kirschbaum in voller Blüte, die Küche verwöhnte uns mit ausgezeichneten vegetarischen Mahlzeiten, und die Gruppe harmonierte hervorragend.

So konnten wir bei der abschließenden Werkschau ein köstliches Knopfmenü als Augenschmaus präsentieren:
Entré: Salatkomposition von Sternknopf und Glattem Knopf
Zwischengang: Augsburger Knöpfle mit scharf angestickten Flügelchen
Hauptgericht: Filetierter Viereckknopf nach Ottobeurer Art im Languettenmantel
Für Vegetarier: Frühlingsblüten vom Knöpflesbaum
Dessert: Magnetisierte Zwirnknöpfe mit Biertopping

Als Menü präsentierte der Knopfmacherkurs seine Resultate am Ende der Trachtenwerkwoche.

Endlich hatten wir auch die Gelegenheit, die Sattelröcke, Werktagsgewänder, Strunztäschchen, Spenzer und Stoffdrucke zu bewundern, die in den Kursen von Gertrud Agricola-Straßer, Maria Tyroller, Ute Palmer-Wagner, Monika Hoede und Thea Baur entstanden waren. Gerade am letzten Abend waren die Nähmaschinen noch bis tief in die Nacht heißgelaufen, damit die Projekte auch wirklich fertig wurden.

Immerhin blieb zwischendurch noch ein wenig Zeit, mir von Monika Hoede endlich den Brezelknoten zeigen zu lassen, bei dem die Verknüpfung der Hirnhälften ganz bestimmt stark gefördert wird. Die Technik interessiert mich schon lange!

Der Brezelknoten (auch Bretzel- oder Brätzelknoten) ist ein traditioneller Posamentenbesatz.

Ausblick auf die nächsten Wochen

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, stehen die gepackten Kurskisten schon wieder fertig zum Verladen in der Werkstatt: Ende der Woche geht es in Richtung Aachen zu Elvira Altdorf, in deren Filzatelier ich schon zwei Wochenendkurse gegeben habe. Ich freue mich sehr darauf, wieder bei ihr zu unterrichten, denn sie und ihr Mann Heinz kümmern sich ganz großartig um das Wohl von Teilnehmerinnen und Dozentin.

Ende Mai gehe ich ins Kloster – wenn auch nur für ein Wochenende: Dann bin ich mit einem Knopfkurs der VHS Ehingen im dortigen Franziskanerkloster zu Gast. Anfang Juli stehen die nächsten Kurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz auf dem Programm, und am letzten Juli-Wochenende verbringe ich ein Wochenende im Paradies – genauer gesagt im Wampendobler Paradies von Petra und Marc Herrmann in Niederbayern, die mich eingeladen haben, einen Workshop in ihren Räumen zu geben. Zwischen Schweiz und Niederbayern trefft ihr mich noch beim ersten Markt nach langer Pause: auf dem Nordendorfer Handwerkermarkt am Sonntag, 17. Juli.

Weitere Kurse in Brandenburg und in den Niederlanden folgen im Spätsommer. Wenn ihr Lust habt, dabei zu sein, findet ihr alle Termine und Informationen zur Anmeldung hier. Ich freue mich jedenfalls darauf, viele Knopffans wiederzusehen oder neu kennenzulernen!

Knopfkurse 2022

Im Kalender für 2022 steht eine ganze Reihe von Workshops und Kursen, und ich hoffe auf ein Wiedersehen bzw. Kennenlernen an vielen interessanten Orten. Hier findet ihr die bereits geplanten Termine und die Links zu den Veranstalterinnen bzw. den Organisationen, bei denen ihr euch anmelden könnt. Ich freue mich sehr auf euch!

Kurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz (jeweils Zwei-Tages-Kurse)
Zwirnknöpfe: 23./24. Februar, 8./9. Juli bzw. 12./13. Oktober 2022
Posamentenknöpfe: 25./26. Februar, 6./7. Juli bzw. 14./15. Oktober 2022
Information und Anmeldung: http://www.ballenbergkurse.ch

Münzen, Kronkorken, schöne Metallknöpfe und andere Erinnerungsstücke lassen sich effektvoll in Zwirnknöpfe integrieren

Knopfmachertage in Krumbach (online)
2.–4. März 2022 (verschiedene Themen)
Ich bin am Freitag, 4. März, mit dem Thema „Souvenirs, Souvenirs“ dabei und zeige, wie sich schöne Münzen, außergewöhnliche Kronkorken und andere Erinnerungsstücke dekorativ in Zwirnknöpfe einarbeiten lassen. Der Workshop findet online über Zoom statt.
Information und Anmeldung: https://trachten.bezirk-schwaben.de

Vom einfachen Patchworkquadrat bis zum raffinierten Stern: All diese Nadelkissen gewinnen noch durch einen oder zwei handgenähte Zwirnknöpfe – und unter dem Kronkorken lässt sich zusätzlich ein Magnet einarbeiten.

Zwirnknopf trifft Nadelkissen
Sonntag, 13. März 2022, 10–17 Uhr
Wir nähen ein Nadelkissen in der gewünschten Form – einfach quadratisch oder rund, als raffiniertes Biscornu-Kissen oder als plastischer Stern – und verzieren es mit einem oder zwei Zwirnknöpfen. Wer mag, arbeitet einen dekorativen Kronkorken ein und versteckt darunter einen Magneten, der zusätzlich Nadeln fixiert.
Trachtenkulturberatungsstelle des Bezirks Schwaben, Landauer-Haus, Hürbener Str. 15, 86318 Krumbach
Anmeldung bei der Knopfwerkstatt: helene@knopfwerkstatt.de

Knopfmacherei für Neulinge und Fortgeschrittene
Sonntag, 3. April 2022,
Museum Kulturland Ries, Klosterhof, 86747 Maihingen
Information und Anmeldung: https://mklr.bezirk-schwaben.de

Die Knopfwerkstatt: ein Wochenende im Zeichen der Zwirn- und Posamentenknöpfe
Samstag/Sonntag, 9./10. April 2022
Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg
Information und Anmeldung: https://www.bossard.de

Knopfmacherei: Mandala-Malen mit Garn
Samstag/Sonntag, 14./15. Mai 2022
Atelier Elvira Altdorf, Roermonder Str. 248, 52531 Übach-Palenberg
Information und Anmeldung: www.elvira-filz.de

Knopfwerkstatt
Freitag–Sonntag, 27.–29. Mai 2022
VHS Ehingen an der Donau, Franziskanerkloster, 89584 Ehingen
Information und Anmeldung: Waltraud Steeb, E-Mail: w.steeb@gmx.de

Zwirn- und Posamentenknöpfe für eigene Filz-, Strick-, Häkel- und Nähprojekte
Samstag/Sonntag, 30./31. Juli 2022,
bei Petra und Marc Herrmann, Wampendobler Paradies, Wampendobl 1, 84385 Egglham
Info und Anmeldung: http://www.wampendobl.de/Knöpfe_2022.html

Ein Wochenende im Zeichen der Knöpfe
Samstag/Sonntag, 27./28. August 2022
Atelier Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube, Werenzhainer Hauptstr. 62a, 03253 Doberlug-Kirchhain
Information und Anmeldung: http://www.spitzenfilz.de

Die Quadratur des Kreises: Der Viereckknopf bietet mannigfaltige Möglichkeiten für fantasievolle Web- und Stickmuster.

Die Quadratur des Kreises: Weben im Viereckknopf
Sonntag, 20. November 2022, 10–17 Uhr
Trachtenkulturberatungsstelle des Bezirks Schwaben, Landauer-Haus, Hürbener Str. 15, 86318 Krumbach
Anmeldung bei der Knopfwerkstatt: helene@knopfwerkstatt.de


Segensknöpfe: gute Gedanken verschenken

6. Juli 2021

Segensknöpfe mit Motiven für Taufe, Hochzeit, Konfirmation und Abschied (von links oben im Uhrzeigersinn) – und für viele weitere Anlässe.

Segensknöpfe: Was für eine hinreißende und inspirierende Idee! Als die Susann Kachel und Jasmin El-Manhy aus Berlin anriefen, mir von ihrem Projekt eines Segensbüros erzählten und fragten, ob wir nicht gemeinsam Segensknöpfe konzipieren könnten, war ich sofort Feuer und Flamme.

Das Segensbüro, das in der Genezarethkirche am Herrfurthplatz angesiedelt ist, macht Angebote an Menschen, die mit den üblichen kirchlichen Gottesdienstformen nicht (mehr) viel anfangen können, sich aber nach neuen Segensritualen sehnen. Das Segensbüro lädt dazu ein, sich eigene Gedanken darüber zu machen, wie die göttliche Zuwendung erlebbar werden und anderen Menschen zugesprochen werden kann, um sie zu bestärken.

Den Raum dafür bieten keineswegs nur Kirchen. Die beiden Pastorinnen Susann Kachel und Jasmin El-Manhy kommen zu den Menschen, um beispielsweise wichtige Wendepunkte im Leben an einem bedeutsamen Ort mit ihnen zu feiern. „Segen ist einander an die Hand nehmen“, schreiben sie auf ihrer Website: „Die großen Übergänge und Feste des Lebens feiern wir mit Gottes Segen. Wir vom Segensbüro sind davon überzeugt, dass auch alles dazwischen segenswert ist.“

(Hier geht’s direkt zum Segensbüro: www.segensbuero-berlin.de)

Auf der Website des Segensbüros erläutern Susann Kachel und Jasmin El-Manhy ihr Konzept.

Der verbindende Faden als Symbol des Segensbüros führte die beiden Pastorinnen zum Gedanken an Segensknöpfe: Wer einen solchen Knopf für einen anderen Menschen gestaltet, kann während der meditativen Tätigkeit des Wickelns und Nähens viele gute Gedanken mit einarbeiten. Diese Idee sprach mich auf Anhieb an.

Es dauerte nicht lange, bis unser Konzept stand: Materialsets für Zwirnknöpfe aus großen Aluminiumringen, in die exklusive Segensbüro-Kronkorken für unterschiedliche Anlässe eingearbeitet werden können. Zur Wahl stehen ein Bäumchen mit herzförmigen Blättern als Sinnbild für Liebe und Hochzeit, türkisfarbene Fische für die Taufe, Vergissmeinnicht-Blüten für den Abschied und ein Feuerwerk für Feste wie die Konfirmation.

Ich stelle mir vor, dass nicht nur fertige Knöpfe verschenkt werden, sondern auch in Gemeinschaft Segensknöpfe angefertigt werden könnten. Vielleicht würde manche Braut mit ihren Freundinnen lieber auf diese Weise Abschied vom Junggesellinnendasein nehmen als mit einem hochprozentigen Zug durch die Gemeinde … Konfirmationsgruppen könnten Segensknöpfe gestalten, und Trauernde könnten sich beim gemeinsamen Knopfwickeln des oder der Verstorbenen erinnern und ihre Gedanken, ihren Schmerz mit einarbeiten.

Jede Box enthält außer dem Ring mit 49 mm Durchmesser und dem Kronkorken mit dem gewünschten Motiv auch genügend Garn, eine Nadel und eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Fotos, sodass der Knopf ganz sicher gelingt.

In den Boxen für die Segensknöpfe steckt viel Handarbeit: Die Schachtel müssen zusammengesteckt, die Garnkärtchen gestanzt und bewickelt, die Anleitungsblätter gefaltet werden.

Während in Berlin die Boxen gedruckt wurden, fertigte ich in der Knopfwerkstatt die Prototypen der Knöpfe an, legte in Absprache mit Susann Kachel und Jasmin El-Manhy die Garnfarben fest. Die Kärtchen für die Garne stanzte ich aus Recycling-Karton, bewickelte jedes mit 3 x 6 m Garn in den jeweiligen Farben und schickte sie samt den Ringen ans Segensbüro.

Susann Kachel selbst fertigte ihren ersten Zwirnknopf in einem meiner Onlinekurse im Rahmen der Textile Art Berlin an und war vom Ergebnis so begeistert, dass sie anschließend gleich einen der Segensbüro-Kronkorken zu einem weiteren Knopf verarbeitete und auf Instagram präsentierte.

Nach einem Onlinekurs der Knopfwerkstatt hat Susann Kachel gleich einen Segensknopf gestaltet und auf Instagram gepostet.

Wer die eigenen Segenswünsche für einen anderen Menschen auf eine ganz besondere Weise greifbar machen und verschenken möchte, kann die Boxen ab sofort beim Segensbüro für 12 Euro bestellen oder abholen: https://segensbuero-berlin.de/segen-veschenken/. Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, mit meiner Knopfwerkstatt an diesem außergewöhnlichen Projekt mitarbeiten zu dürfen, und fühle mich allein dadurch schon gesegnet.

Jede Box enthält alles, was man für einen Segensknopf braucht – nur die guten Gedanken und Wünsche müssen beim Anfertigen des Knopfes noch hinzugefügt werden.

Knopfmacherei im virtuellen Kursraum

23. Juni 2021

Der Knöpffmacher; Kupferstich aus Christoph Weigels Ständebuch von 1711

Das hätten sich die Knopfmacher, die der Kupferstecher Christoph Weigel in seinem Ständebuch von 1711 in ihrer pittoresken Werkstatt zeigt, wohl nicht vorstellen können: Frauen, die Hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind, fertigen gemeinsam Posamenten- und Zwirnknöpfe an, sehen einander und plaudern über die Entfernung hinweg. Doch auch die Knopfmacherinnen – inzwischen sind die Frauen in diesem einstigen Männerberuf ja weit in der Überzahl – gehen mit der Zeit, und so waren am Wochenende 19./20. Juni Kursteilnehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz virtuell zu Gast in der Knopfwerkstatt, um mit mir zusammen im Rahmen der digitalen Textile Art Berlin Viereckknöpfe, Yubinuki und Zwirnknöpfe zu gestalten.

Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende in Berlin-Mitte im Schulgebäude auf dem Phorms Campus Workshops geben wie schon 2018 und 2019, aber das Organisationsteam der Textile Art Berlin hatte vorausschauend schon frühzeitig entschieden, die Textilkunstmesse mit vielen Präsentationen, Workshops, Modenschauen und Ausstellungen ins Internet zu verlegen. Um all jene, die sich zum Teil bereits im Januar für meine Kurse angemeldet hatten, nicht zu enttäuschen, nahm ich die digitale Messe zum Anlass, endlich das Thema Online-Workshops anzugehen, über das ich schon seit Monaten nachdenke. Allein unsere 6-MBit-Datenleitung hatte mich bisher zögern lassen. Unser Netzanbieter machte es spannend, aber drei Tage vor dem ersten Kurs stand endlich die Verbindung mit 50 MBit – hurra.

Die Themen der vier Onlinekurse (von oben links im Uhrzeigersinn): Blütenbaum im Zwirnknopf; Zwirnknopf mit Inhalt (Kronkorken, Münze o.Ä.); Yubinuki – japanische Fingerhutringe; Posamentenknöpfe – die Quadratur des Kreises

Vier Workshops hatte ich für das Programm der Textile Art Berlin angekündigt, und nach Rücksprache mit Nathalie Wolters boten wir die Kurse kurzerhand mit denselben Themen und zu den geplanten Zeiten online an. Wer wollte, konnte das Material für den gebuchten Workshop vorab bestellen. Die Nachfrage war höchst erfreulich: Schon zwei Wochen vor der Textile Art Berlin waren alle Kurse mit jeweils zehn Plätzen ausgebucht. Zum Glück erklärte sich meine Tochter Eva bereit, einige freie Tage zu opfern, um Garnkärtchen zu stanzen, Garne zuzuschneiden und aufzuwickeln und Materialsets in Tütchen zu verpacken.

Das Video-Studio der Knopfwerkstatt

Das Video-Studio für die Kurse entstand auf der Galerie der Knopfwerkstatt, und einige Nachbarn und Freunde ließen sich zu Test-Meetings einladen, die reibungslos funktionierten: Stream ohne Unterbrechungen, problemloses Umschalten zwischen den Kameras, ordentliches Bild – große Erleichterung! 😅

Während der Kurse zeigte sich dann, wo noch Verbesserungen möglich sind: Das Bild der Dokumentkamera, die meine Hände bei der Arbeit oder Details der Knöpfe zeigen, dürfte beispielsweise noch heller ausgeleuchtet werden, und die Garne für die verschiedenen Arbeitsschritte sollten sich im Helligkeitswert stärker unterscheiden. Insgesamt herrschte in allen vier Kursen eine höchst kreative, konzentrierte Atmosphäre.

In den insgesamt zehn Onlinestunden erwiesen sich denn auch die Vor- und Nachteile der digitalen Workshops im Vergleich zu Kursen vor Ort: Während ich in Präsenzkursen von einer Teilnehmerin zur anderen gehen und deren Werkstück auch einmal in die Hand nehmen kann, um ein Problem zu begutachten oder einen Tipp zu geben, kann ich mich online nur am Bild auf dem Monitor orientieren, das je nach den technischen Voraussetzungen und den Lichtverhältnissen manchmal nicht jedes Detail erkennen lässt. Dafür sehen alle Teilnehmerinnen gleichzeitig jeden Arbeitsschritt genau (sofern ich nicht gerade vor lauter Eifer die Hände aus dem Kamerawinkel entferne 🙈). Außerdem hätten manche der knopfbegeisterten Kursteilnehmerinnen gar nicht nach Berlin reisen können und haben die Möglichkeit, virtuell zusammenzukommen, sehr gern wahrgenommen.

Susann Kachel, die beim letzten Kurs „Zwirnknopf mit Inhalt“ dabei war, hätte keinen weiten Weg zur Textile Art Berlin auf dem Phorms Campus gehabt. Die Pastorin baut gerade mit ihrer Kollegin Jasmin El-Manhy das Segensbüro auf, das bei der Genezarethkirche am Herrfurthplatz in Berlin angesiedelt ist. Es bietet neue, moderne Formen von Segensritualen für Menschen an, die mit den traditionellen Gottesdiensten der Kirchen wenig anfangen können. Unter anderem gibt es künftig beim Segensbüro Boxen mit Material für Segensknöpfe zu Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Trauer, die wir gemeinsam konzipiert haben. (Mehr über dieses spannende Projekt demnächst in diesem Blog.)

Auf Instagram hat Susann Kachel ihren ersten eigenen Zwirnknopf aus dem Kurs gepostet und gleich einen der Segensbüro-Kronkorken in einen weiteren Knopf eingearbeitet:

Ein höchst gelungenes Erstlingswerk: der Zwirnknopf mit eingearbeitetem Kronkorken von Susann Kachel
In ihren zweiten Zwirnknopf hat Susann Kachel bereits einen der Kronkorken des Segensbüros integriert.

Aber auch alle anderen Ergebnisse können sich sehen lassen. Hier eine kleine Auswahl an Bildern der Kursteilnehmerinnen:

Monika Balschun aus der Schweiz hat an allen vier Kursen teilgenommen: Großen Respekt vor so viel Durchhaltevermögen bei tropischen Temperaturen und Glückwunsch zu den gelungenen Ergebnissen!
Ulla Schenkel vom Filzgarten Tirol hat das Prinzip der gewebten Viereckknöpfe kreativ umgesetzt.
Martina Schuh hat das Yubinuki-Fieber gepackt.
Eveline Groß liebt die knorrigen Stämme und Wurzeln der Bäumchen im Zwirnknopf, …
… und deshalb hat sie der Obstblüte im Frühling gleich noch die Apfelernte im Herbst hinterhergeschickt.
Dieses Blütenbäumchen hat Heike Biedermann im Kurs gestaltet.
Sabine Stock von der Kreativwerkstatt Hof Stock Kalletal meint zu ihrem Bäumchen: „Da werden meine Waldpädagogen sicher grün vor Neid!“
Petra Spreen hat ein Weilchen mit dem Faden gerungen, aber schließlich doch die Oberhand behalten und freut sich umso mehr über diesen zauberhaften Knopf, der sie künftig als Glücksbringer begleiten wird.

Wir in Bayern: Abenteuer Livesendung

22. Mai 2021

Im Gespräch über Knöpfe mit Michael Sporer, dem Moderator des BR-Magazins „Wir in Bayern“

Es passiert ja nicht so oft, dass es mir die Sprache verschlägt. Eher bin ich dafür bekannt, selbst dem Teufel ein Ohr abzuquatschen, und als Redakteurin mit einigen Jahrzehnten Berufserfahrung sind Interviews für mich Alltag. Aber erstens bin normalerweise ich diejenige, die Fragen stellt, zweitens bin ich in den guten alten Printmedien zu Hause, und live im Fernsehen locker zu plaudern – das ist auch für mich eine Herausforderung. Aber die Chance, das alte Handwerk der Knopfmacherei einem breiten Publikum zu präsentieren, habe ich gern angenommen, als mich der BR-Redakteur Markus Kampp in die Sendung „Wir in Bayern“ des Bayerischen Fernsehens einlud. Zum Glück lagen zwischen seinem Anruf und der Sendung nur ein paar Tage, sodass ich nicht allzu viel Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Was am Ende dabei herausgekommen ist, seht ihr hier:

Schon die Tage vor der Sendung waren spannend, denn ich musste Fotos an die BR-Redaktion schicken, in einem Telefoninterview vorab einige Informationen über die Knopfmacherei und über meine Arbeit liefern, Knöpfe und Material fürs Studio zusammenstellen und mir ein Outfit zurechtlegen. Alles, was ich mitnehmen wollte, musste in eine große Tasche passen. Außerdem wollte ich die einzelnen Arbeitsschritte des Augsburger Knopfes vorbereiten, den ich während der Sendung anfertigen sollte, um den Werdegang eines solchen Knopfes zu demonstrieren.

Zum Glück erklärte sich mein unvergleichlicher Mann Franz bereit, mich nach München-Fröttmaning zu chauffieren und wieder abzuholen, obwohl er wegen der Corona-Einschränkungen nicht mit aufs BR-Gelände und ins Studio durfte.

Auf geht’s nach München! (Symbolbild: In Wirklichkeit ist Franz gefahren.)

Beim BR begleitete mich Kian, ein junger Mitarbeiter, als Erstes zum Corona-Schnelltest, wo wir auch Deborah Ferrini Kreitmair trafen, die in der Sendung kochen sollte. Mit negativem Testergebnis, aber immer mit FFP2-Maske ging es weiter in Richtung Studio.

Auch wenn es in der Sendung aussieht, als sei die Pandemie schon vorbei – auf dem BR-Gelände herrschen strenge Hygieneregeln.

Um mir einen Kaffee zu servieren, focht Kian anschließend einen heldenhaften Kampf gegen den Vollautomaten im Gästeraum neben dem Studio aus: „Ich bin zwar Ingenieur, aber warum die Maschine jetzt zickt, weiß ich auch nicht …“ Am Ende kapitulierte das Gerät doch vor dem Ingenieur, und ich wartete bei Kaffee und Plätzchen, bis der Redakteur Thomas Köck mich samt meinen Knopfkisten, Garnen und Kleidungsstücken ins Studio eskortierte.

Zwei Schneiderpuppen standen schon bereit. Der einen zog ich ein traditionelles Hemd mit handgearbeiteten Zwirnknöpfen über, das ich vor Jahren in einem Kurs von Ute Palmer-Wagner genäht hatte. Für die zweite Puppe hatte ich eine meiner historischen Schwälmer Trolljacken mit gewebten Sternknöpfen mitgebracht.

Mein Hemd aus lauter rechteckigen Stoffteilen mit handbedruckten Borten und passenden Zwirnknöpfen

Die Schaukästen mit Posamenten- und Zwirnknöpfen und einige Kärtchen mit alten und neuen Zwirnknöpfen arrangierten wir auf den Tischchen vor dem Gästesofa. Weil die Glasdeckel spiegelten, wurde der eine kurzerhand abgeschraubt und der andere aufgeklappt und abgestützt – alles unglaublich effizient und professionell. Ich hatte noch kurz Zeit, um die Knöpfe in den Fächern dekorativ anzuordnen – beim Transport waren einige verrutscht oder lagen mit der Rückseite nach oben –, dann ging es in die Maske.

Wie schon bei der Ankunft an der Pforte, beim Schnelltest, im Studio und später beim Verkabeln des Mikrofons galten auch dort strenge Regeln. Die Mitarbeiterin reichte mir einen eigens desinfizierten Pinsel, mit dem ich mein Gesicht selbst abpuderte. Bei aufgesetzter FFP2-Maske half sie mir anschließend beim Schminken der Augen. Ihr Kollege in der Technik ließ mich das Mikrofon selbst am Ausschnitt meiner Bluse anklipsen, fixierte es aber zur Sicherheit mit einem Stückchen Leukoplast und ermahnte mich, in den Einspielerpausen während der Live-Sendung immer wieder darauf zu achten, dass das Mikrofon nicht vom Revers der Jacke verdeckt würde.

Im Gästezimmer traf ich schließlich den Moderator Michael Sporer und den Redakteur Thomas Köck zu einem letzten Vorgespräch. Allzu viel wollten die beiden nicht im Voraus absprechen, lediglich die erste Frage an mich: „Wer braucht heutzutage überhaupt noch Knöpfe?“ Wunderbar – dann konnte ich mich darauf ja schon einstellen!

Inzwischen waren fast zwei Stunden seit meiner Ankunft in Fröttmaning vergangen, aber für Nervosität war keine Zeit geblieben. Kurz vor 16 Uhr fanden sich alle an der Sendung Beteiligten im Studio mit den drei Bereichen Wintergarten, Küche und Gästesofa ein. Statt der üblichen drei Kameras durften wegen der Corona-Bestimmungen nur zwei drehen. Michael Sporer probte mit dem Livehack-Experten Nico Hilebrand im Wintergarten das Intro zur Sendung, während Deborah Ferrini Kreitmair und ich unsere Plätze einnahmen, auf den Monitoren die letzten Minuten der Rundschau zu sehen waren und Aufnahmeleiterin Petra Kyriss die verbleibende Zeit bis zum Beginn von „Wir in Bayern“ herunterzählte: „Noch dreißig Sekunden … noch zehn Sekunden, und Ruhe!“

Nach dem etwas holperigen Start läuft’s zunehmend besser.

Tja, und dann ging es tatsächlich los. „Wer braucht heute überhaupt noch Knöpfe?“ Knöpfe? Hä? Obwohl ich mir allerlei mehr oder weniger geistreiche Antworten auf diese Frage zurechtgelegt hatte, war mein Kopf für einen Moment praktisch leer. Freies Assoziieren also über Knöpfe, individuelle Gestaltung und Aufwertung handgearbeiteter Modelle und – klick! – die „Generation Klettverschluss“. Hurra! Jetzt hatte ich meinen Faden wieder, und nach der nächsten Einspielerpause ging’s deutlich lockerer weiter. Ich erzählte von den Anfängen meiner Leidenschaft für die Knopfmacherei, von besonderen Knöpfen und vom Knopfmacherzertifikat.

Mit diesem Sternknopf hat vor mehr als acht Jahren alles angefangen – und deshalb musste mein Erstlingswerk natürlich mit ins Studio.
Während ich über die Knopfmacherei erzählte, bereitete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini vor.

Ursprünglich war mir eine Sendezeit von 75 Minuten, in denen ich immer an derselben Stelle sitzen sollte, sehr lang vorgekommen. Zwei Gesprächsblöcke waren geplant, und dazwischen sollte ich an meinem Augsburger Knopf arbeiten, während Filmbeiträge über Modellautorennen, Sebastian Kneipp und fränkische Turmhügel gezeigt wurde, Michael Sporer mit den Zuschauern „Host mi“ und „Kennst mi“ spielte, sich von Nico Hilebrand Sandwichtoast mit Schokoladenfüllung servieren und von Deborah Ferrini Kreitmair in die Kunst des Tortellini-Formens einführen ließ.

Die Tortellini – ach ja! 🤤
Schnelltest, FFP2-Maske, Abstände im Studio, all das war ein Klacks gegen die Tatsache, dass wegen der Corona-Bestimmungen niemand von den Köstlichkeiten aus der Wir-in-Bayern-Küche probieren durfte. In diesem Fall aß das Auge nicht mit, sondern es aß ganz alleine …

Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat – in Corona-Zeiten leider nur zum Anschauen

Einen Augsburger Knopf vom blanken Holzrohling bis zu den fertig abgenähten Flügelchen innerhalb der Sendezeit anzufertigen stellte sich als allzu ambitioniertes Projekt heraus. Aber immerhin konnte ich am Ende den gewebten Stern mit der begonnenen Messerspitzen-Stickerei vorweisen. Den kompletten Werdegang zeigten die einzelnen Arbeitsschritte, die ich vorbereitet und auf einem Kissen arrangiert hatte.

Während der Livesendung ist dieser gewebte Sternknopf entstanden. Messerspitzen und „Flügelchen“ für den Augsburger Knopf wurden während der Sendezeit nicht ganz fertig.
Der Werdegang eines Augsburger Knopfes in mehreren Schritten

Außerdem hatte ich einen Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen als Mitbringsel dabei und wollte ihn Michael Sporer kurz vor Ende der Sendung überreichen, aber auch hier gab es Corona-Regeln zu beachten: Um die vorgeschriebenen Abstände zu wahren, musste ich den Knopf auf der Armlehne des Sofas platzieren, wo er ihn aufnahm und mit den Worten „Ein echter Weinold!“ in die Kamera hielt. Nun ja – eher ein echter Weinold für Arme, denn unter „echten Weinolds“ verstehen die meisten die Werke meines Bruders Felix Weinold. 😄

Michael Sporer mit dem eigens für die Sendung angefertigten Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen
Mein Wir-in-Bayern-Zwirnknopf

Schließlich richtete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat fotogen an, Nico Hilebrand nahm auf dem Sessel neben dem Sofa Platz, und Michael Sporer verabschiedete sich von uns allen. Punkt halb sechs wurden die Kameras abgeschaltet, und das Studio leerte sich innerhalb von Minuten. Kurz darauf war der Deckel wieder auf meinen Schaukasten geschraubt. Ich verstaute all mein Hab und Gut in meiner Riesentasche und saß neun Minuten nach Ende der Sendung bereits im Auto.

Schon auf der Heimfahrt erreichten mich einige WhatsApp-Nachrichten von Freundinnen und Bekannten, die die Sendung gesehen hatten. Danke euch allen fürs Zuschauen, fürs Daumenhalten und für euer freundliches Feedback!

Überrascht und gefreut haben mich einige Anrufe an den folgenden Tagen, in denen mir Frauen aus allen Teilen Deutschlands von ihrer Begeisterung für die Zwirn- und Posamentenknöpfe berichteten. Eine alte Dame aus Norddeutschland, mit der es das Schicksal in jüngster Zeit nicht gut gemeint hat, sagte mir, sie habe die Sendung „wie einen Sonnenstrahl“ empfunden. Wie schön, wenn meine kleinen Knöpfe hier und da solche Freude ausgelöst haben!

Schon vorbei: Abspann der Sendung mit Debora Ferrini Kreitmair, Michael Sporer und Nico Hilebrand (von rechts)

Online-Kurse zur digitalen Textile Art Berlin

Meine Workshops zur Textile Art Berlin 2021 finden in diesem Jahr online statt.

Eigentlich wollte ich am 19. und 20. Juni wieder einmal bei der Textile Art Berlin auf dem Phorms Campus Berlin Mitte meine Knöpfe präsentieren und Workshops geben. Wegen der Corona-Pandemie ist das leider auch in diesem Jahr nicht möglich. Die gute Nachricht: Die Textile Art Berlin 2021 findet digital vom 19. bis zum 21. Juni statt – und an meinen Kursen könnt ihr online teilnehmen. Die Termine bleiben wie geplant, aber wir treffen uns via Zoom-Konferenz in meiner Knopfwerkstatt.

Folgende Workshops biete ich an:

Posamentenknöpfe – die Quadratur des Kreises
Samstag, 19. Juni 2021, 11.30–13.30 Uhr
20 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Yubinuki – japanische Fingerhutringe
Samstag, 19. Juni 2021, 14.30–17.30 Uhr
30 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Blütenbaum im Zwirnknopf
Sonntag, 20. Juni 2021, 10.30–13.30 Uhr
30 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Zwirnknopf mit Inhalt (Kronkorken, Münze …)
Sonntag, 20. Juni 2021, 14–16 Uhr
20 € (ggf. + 6 € für das Material inkl. Versandkosten)

Wenn du teilnehmen möchtest, schick mir eine E-Mail an helene@knopfwerkstatt.de und lass mich wissen, ob du das Material bestellen möchtest. (Dann brauche ich bitte auch die Postanschrift.)

Ich hoffe sehr, dass ich im nächsten Jahr wieder nach Berlin kommen kann, freue mich aber sehr darauf, die eine oder den anderen von euch bei meinen Online-Kursen zu treffen.

1000 Teile und 1000 Fans

Knopfpuzzle mit 1000 Teilen

Puzzeln liegt in Lockdown-Zeiten im Trend, lese ich. Und weil just in diesen Tagen die Facebook-Seite der Knopfwerkstatt die 1000-Fan-Marke überschritten hat, habe ich ein Foto mit vielen, vielen Knöpfen zu einem 1000-Teile-Puzzle verarbeiten lassen – quasi für jeden meiner Facebook-Fans ein Teil.
Jetzt fehlt mir nur noch die Zeit, um dieses Puzzle zusammenzusetzen … 😀

Vielleicht habt ihr ja Zeit und Lust, euch an einem Knopfpuzzle zu versuchen? Nun, weil wir uns ja nicht gemeinsam um einen Tisch setzen und knobeln können, habe ich auf der Seite jigsawplanet.com zwei virtuelle Puzzles online gestellt. Keine Sorge: Sie haben viel weniger als 1000 Teile, sodass ihr sie relativ zügig fertigbekommen könnt.

Online-Puzzle „Button Clutter“ – noch in Arbeit
Online-Puzzle „1000 Fans“

Nicht nur beim Puzzeln, auch beim Memo-Spielen kommt es darauf an, sich die Knöpfe genau anzusehen und die Details einzuprägen. Ich freue mich schon drauf, das Memo-Spiel mit meiner Familie zu spielen, denn ich finde, die Knopf-Fotos eignen sich dafür ausgezeichnet. Vielleicht habt ihr ja auch Lust, eigene Fotos zu einem Puzzle oder einem Memo-Spiel zu verarbeiten – zum Beispiel als Geschenk zu einer Hochzeit oder einem runden Geburtstag. Es gibt verschiedene Anbieter für solche individuellen Spiele. Meine stammen von fotopuzzle.de, aber ich habe weder in dieser noch in den anderen derartigen Firmen irgendwelche Aktien und werde auch nicht von ihnen gesponsert.

Memo-Spiel mit Knopfbildern

Und schließlich wollte ich euch noch eine ganz außergewöhnliche Idee zeigen: Michaela Sch. hat mich gefragt, ob sie ein Knopffoto verwenden dürfe, um damit ihre Küchenwand zu folieren. Hier ist das Ergebnis:

Ein Foto aus der Knopfwerkstatt an der Küchenwand von Michaela Sch.

Das Fernsehen in der Knopfwerkstatt …

a.tv in der Knopfwerkstatt

… und die Knopfwerkstatt im Fernsehen. Bei einem vierstündigen Besuch in Violau hat Anna Singer vom Augsburger Fernsehsender a.tv für einen Beitrag gedreht, der am Dienstag, 19. Januar, in der Sendung „Land & Leute“ ausgestrahlt wurde. Hier könnt ihr ihn euch anschauen:



Der Drehtermin war eine spannende Sache für mich, denn als Redakteurin befrage und fotografiere ich ja normalerweise selbst andere Menschen. Außerdem bin ich es gewohnt, am Rechner meine Texte überarbeiten zu können, bevor ich sie abliefere. Mit Mikro am Rollkragen auf Anhieb sendereif zu sprechen wird nicht oft von mir verlangt. Außerdem erfordert es einige Konzentration, die Messerspitzen an einem Augsburger Knopf zu sticken und gleichzeitig Fragen zu beantworten. Der Knopf dürfte höchstens als B-Ware durchgehen, weil ich mich bestimmt hier und da um einen Faden vertan habe. 😀

Anna Singer filmt mich bei der Arbeit an einem Augsburger Knopf.

Mit im Bild ist mein geliebter Knopfmachertisch, den Jenny und Martin Traumüller für mich aus einem alten Thonet-Tisch gebaut und knopfwerkstattfarben gestrichen haben, und vielleicht wird ja auch mein „Mini-Me“, die kleine Knopfmacherin Helene der Nadelfilzkünstlerin Silke Sordyl aus Illinois, im Film zu sehen sein. Sie trägt unabhängig von den coronabedingt geschlossenen Friseursalons immer eine wilde Mähne, während ich mich morgens bemüht habe, meinen Corona-Schopf mit Schaum und Spray ein bisschen zu zähmen.

Mein "Mini-Me", die kleine Knopfmacherin Helene der Filzkünstlerin Silke Sordyl aus Illinois

Immer mit Corona-Frisur: die kleine Knopfmacherin Helene der Filzkünstlerin Silke Sordyl

Für die Filmaufnahmen haben sich auch unsere Katzen interessiert. Sogar Socke, unsere kleine Diva, hat sich ans Set gewagt und Anna Singer vorsichtig begrüßt.

Unsere Katze Socke will auch ins Fernsehen und schmeichelt sich bei Anna Singer ein.

Kein Dreh ohne Catering! In der Knopfwerkstatt gab’s natürlich passend zum Thema Knopfplätzchen. Ja, ich weiß: Die sehen aus wie ganz gewöhnliche Spitzbuben. Das Besondere daran sind die gemahlenen Mandeln und die abgeriebene Orangenschale im Teig. Falls ihr sie selber ausprobieren wollt, findet ihr das Rezept in einem früheren Blogbeitrag.

Spitzbuben im Knopfwerkstatt-Style

Beim Herrichten von Knöpfen, alten Trachten, Rohlingen und anderen Motiven für die Schnittbilder im Film habe ich mich an alte Zeiten erinnert, in denen ich für die Bilder für zahllose Handarbeitsbücher und Sammler-Editionen stunden- und tagelang zusammen mit dem Fotografen Klaus Lipa in dessen Studio gestanden bin. Auf jeden Fall waren Anna Singers Besuch, das Interview und der Dreh eine interessante Erfahrung – auch wenn ich jetzt wieder genau weiß, warum ich normalerweise lieber auf der anderen Seite der Kamera stehe.