Woolinale und Wiedersehensfreude

Schon vor dem Südeingang zur Messe Köln wurden die Besucherinnen und Besucher von Yarnbombing-Werken begrüßt.

Köln steht seit Jahrzehnten alljährlich im Frühjahr auf meinem Reiseplan: Dann nämlich findet dort die h+h cologne, die größte internationale Fachmesse für Handarbeit und Hobby, statt, bei der ich als Redakteurin für Textilthemen Kolleginnen und Kollegen, Ansprechpartnerinnen bei Firmen und Auftraggeberinnen bei Verlagen treffe. Corona hat diese Routine abrupt unterbrochen: Für 2020 hatte ich schon die Zugfahrten und das Hotel gebucht, als die Messe pandemiebedingt abgesagt wurde. Nach drei Jahren Messepause kam ich nun also zum ersten Mal wieder an den Rhein und freute mich nicht nur darauf, viele Bekannte wiederzusehen, sondern war auch gespannt auf die Woolinale, das 1. Internationale Yarnbombing Festival, im Rahmen der Messe.

Ich wurde nicht enttäuscht: Elke Hahn (Gassenmaschen) und ihr Woolinale-Team hatten Exponate von Textilkünstlerinnen und -künstlern aus aller Welt zu einer beeindruckenden Ausstellung am und im Südeingang der Koelnmesse arrangiert. Dort konnten übrigens alle Interessierten sich die überwiegend gestrickten und gehäkelten Werke ansehen, während die Messe selbst Fachbesucherinnen und -besuchern vorbehalten war. (Allen, denen der Zutritt verwehrt blieb, sei zum Trost gesagt: Anders als bei Verbrauchermessen wie der Creative in Dortmund und der Nadelwelt in Karlsruhe oder Friedrichshafen gibt es auf der h+h cologne fast nichts zu kaufen. Dort werden Kontakte geknüpft und gepflegt, Neuheiten präsentiert und vor allem Bestellungen aufgegeben.)

Fantasievoll umhäkelte Masten vor dem Eingang der Messe Köln waren Teil der Woolinale.

Wer vom Bahnhof Deutz aus die Treppen zur Messe hinaufstieg, wurde bereits auf dem Vorplatz von fantasievoll umhäkelten und umstrickten Masten empfangen: Laternengeistern von der Maschengilde, „A Rose to Hug“ von Yarn Vandalette Gaby Schreyer, einem Feenbaum von Flinkenadel Alena Becker und den monochrom in Beige und Wollweiß gearbeiteten „Corals“ von Marianne Seimann, um nur einige zu nennen.

Eine ganze Wand voller Friedenssymbole von Handarbeitsfans aus aller Welt

Hunderte individuell mit Garn und Nadeln gestalteter Peace-Symbole an einem Bauzaun links neben dem Eingang richteten einen eindringlichen Friedensappell an die internationalen Gäste der Messe.

Gegenüber, auf der rechten Seite des Eingangs lud der Selfie-Schmetterling der Yarn Gang aus vielen hundert Granny-Squares zum Fotografieren ein:

Der Granny-Square-Schmetterling der Yarn Gang wurde hunderte Male fotografiert.

Was sich alles aus Strick- und Häkelmaschen kreieren lässt, war dann in der Eingangshalle zu bestaunen. Lebensgroß gehäkelte Vögel, eine Gruppe von Kängurus im Lace-Look („Mel’s Mob“ von Nini & Wink), Mitmachaktionen wie der „Weg zum Frieden“ von Annett Neßmann, das riesige Diorama „Kölsche Korallen“, witzige Textilskulpturen und politische Statements …

Besonders gefreut habe ich mich, endlich Elke Hahn kennenzulernen, die ich schon zu filzfun-Zeiten für ein Interview über ihre Ausstellung gehäkelter Schriftsteller in diversen öffentlichen Büchereien hatte gewinnen wollen. (Leider hat sich damals keine der beteiligten Bibliotheken auf meine Mails hin gemeldet.) Zusammen mit Heike Unger und David Wasser bildete sie in Köln das Woolinale-Team, das gut gelaunt Auskunft gab und die Aufmerksamkeit für die Yarnbombing-Ausstellung verdientermaßen genoss.

Eine erstaunliche Vielfalt an textilen Werken war bei der Woolinale zu sehen.
„Mel’s Mob“ von Nini & Wink gehört zu meinen persönlichen Woolinale-Favoriten.
Mit ihrem Werk „Homelessness“ gewann Elena Biancardi aus der Schweiz den ersten Preis der Woolinale 2023.
Den zweiten Platz belegte „Wind of change“ von Une Tarlabasi.
Am „Weg zum Frieden“ von Annett Neßmann konnte jede Besucherin und jeder Besucher der Woolinale ein paar Zentimeter weiterhäkeln oder -stricken.

Es war nicht ganz einfach, mich von der Ausstellung im Foyer loszureißen, aber schließlich war ich nach Köln gereist, um Menschen zu treffen, mit denen mich die gemeinsame Liebe zu Handarbeit, Stoffen, Garn und Nadeln, aber auch zu Zeitschriften und Büchern zu textilen Themen verbindet.

Zuallererst führte mich mein Weg zum Stand von MEZ zu Stefanie Biendel, mit der zusammen ich vor fast dreißig Jahren das allererste Buch zum Thema Sockenstricken auf dem deutschen Markt bei Augustus im Weltbild Verlag herausgebracht habe. Seither haben wir einander nie aus den Augen verloren und viele Projekte gemeinsam gestemmt. Bei ihr gab es ein Wiedersehen mit Lutz Staacke von Maleknitting und Kerstin Gruber von Landherzen, mit denen zusammen ich vor Jahren auf Einladung von Schachenmayr bei einem Workshop im tim Augsburg Wolle gefärbt habe. Außerdem gab’s ein kurzes, aber herzliches Hallo mit Arne und Carlos, deren Bücher ich für den frechverlag lektoriert habe.

Freude übers Wiedersehen mit Stefanie Biendel von Schachenmayr, Lutz Staacke von Maleknitting (Bild links), meiner Kollegin Janne Graf von THE KNITTER D (rechts oben) und Frau Feinmotorik Julia Hegenbart (rechts unten).

Der Versuch, die Messehallen mit System zu durchwandern, um auch wirklich alles zu sehen, scheitert bei mir spätestens nach dem zweiten Gang, weil ich dann regelmäßig die Orientierung verliere oder unterwegs zu einem Gespräch stehenbleibe und anschließend nicht mehr weiß, in welcher Richtung ich weitergehen wollte. Aber wie ein Staubsaugerroboter, der scheinbar wirr durchs Zimmer surrt und am Ende doch (hoffentlich) jede Stelle des Bodens mindestens einmal gesaugt hat, habe ich in zwei Tagen alle Stände gesehen, alle vereinbarten Termine wahrgenommen (auch wenn mir der Kölner Nahverkehr am zweiten Morgen durch Ausfälle und Verspätungen fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte) und mir eine Fülle an Neuheiten zeigen lassen. Sensationen waren zwar nicht dabei, aber einige hübsche und nützliche Hilfsmittel wie ein zierlicher Silberring bei addi zum Führen der Fäden beim Jacquardstricken, der den Finger aber auch ohne Garn schmückt, oder ein Tool zum leichten Einsetzen von Ösen und Druckknöpfen bei Prym.

Meiner Lieblingsfarbe bin ich an vielen Messeständen begegnet.
Flowerpower auf vier Rädern

Auf meinen erratischen Wegen über die drei Ebenen der Halle 11 bin ich auch immer wieder am etwa zehn Meter langen Yarnbombing-Fries vorbeigekommen, an dem David Wasser vom Woolinale-Team neben seinem zauberhaften roten Strickkraken Rede und Antwort stand.

Der gestrickte Krake von David Wasser wirkt geradezu lebendig.

Die Woolinale-Crew hatte vor der bunten Wand einen umstrickten Rahmen bereitgelegt, der während der gesamten Messetage unentwegt für Fotos im Einsatz war. Irgendwann konnte ich der Versuchung auch nicht mehr widerstehen und ließ mich von Heike Unger damit fotografieren.

Eines von vielen hundert Fotos, die während der Messe mit dem Woolinale-Rahmen aufgenommen wurden.

Als festen Termin hatte ich mir schließlich noch den Anstrick für den TahitiKAL bei Schachenmayr eingetragen: Frau Feinmotorik Julia Hegenbart hat wie schon dreimal vorher ein Tuch aus dem Baumwoll-Mischgarn Tahiti entworfen, das in einem Mystery-Knit-along (KAL) über mehrere Wochen gestrickt wird. Den ersten Teil der Anleitung und den ersten Knäuel Garn gab’s um zwölf Uhr Mittag am Stand. Die Stricknadeln sollte jede und jeder selbst mitbringen – und ich hatte meine morgens im Hotel liegenlassen. 🤦🏻‍♀️ Zum Glück hatten die Mitarbeiterinnen bei addi Nadeln ein Herz und überließen mir eine Rundstricknadel – sogar eine aus der neuen Unicorn-Serie mit einhornartig gedrehten Nadelspitzen und rosafarbenem Seil. 🦄 So konnte ich zusammen mit einer ganzen Schar von Fachhändlerinnen, Bloggerinnen und Redakteurinnen den Garter-Tab-Anschlag und die ersten Reihen des Tuchs „Maluhia“ stricken, das wiederum einen Bogen zur Peace-Wand der Woolinale schlägt: „Maluhia“ heißt auf Hawaiianisch „Frieden“, wie Schachenmayr auf der Website für den TahitiKAL erklärt.

Eine selten gespielte Verdi-Oper in einer begeisternden Inszenierung an der Kölner Oper

Am Abend machte ich mich von der Innenstadt dann noch einmal im strömenden Regen auf zur „schäl Sick“ nach Deutz, wo die Kölner Oper während der Bauarbeiten am Opernhaus im Staatenhaus residiert. Dort wurde zum letzten Mal die Oper „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi in der Inszenierung von Christoph Loy für das Glyndebourne Festival gezeigt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von dieser Oper, die auf Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ basiert, meiner Lebtag noch nichts gehört hatte. Was bin ich froh, noch eine Karte für die Dernière ergattert zu haben! So habe ich einen Abend mit wunderbarer Musik (Dirigent: Roberto Rizzi Brignoli) und berührendem Spiel erlebt. Die Oper „Luisa Miller“ werde ich auf jeden Fall nicht vergessen.

Zu meiner Überraschung und Freude hat am Sonntag dann auch die Heimfahrt reibungslos geklappt. (Auf der Hinfahrt hatte der Zug schon in Ulm gut eine halbe Stunde Verspätung. Bis Köln wurden dann 70 Minuten draus, unter anderem, weil zwischendurch eine Scheibe neu verklebt werden musste.) Die Fahrtzeit hat gereicht, um den ersten Teil des Maluhia-Tuchs fertigzustricken. Jetzt heißt es warten, bis Teil zwei in einer Woche veröffentlicht wird.

Im Zug von Köln nach Ulm habe ich den ersten Teil des Tuchs Maluhia fertiggestrickt.

Knopfmachertage: ein Wochenende im Flow

Wer hätte vor einigen Jahren geahnt, dass eines Tages erfahrene Knopfmacherinnen aus ganz Süddeutschland nach Krumbach reisen würden, um ein Wochenende lang an raffinierten Techniken zu tüfteln, voneinander zu lernen und Erfahrungen auszutauschen! Vergangenes Jahr mussten die Knopfmachertage der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben noch online stattfinden, diesmal kam rund ein Dutzend kreativer Frauen im wunderschönen Landauer-Haus zusammen und verbrachte je nach verfügbarer Zeit zwei bis drei Tage im Knopf-Flow.

Drei Tages-Workshops standen auf dem Programm:
– Languetten-Facetten mit Sandra-Janine Müller
– Garne kleben, annähen, umlegen mit Monika Hoede
– Schneckenknöpfe mit mir

Quasi zum Aufwärmen ließ Sandra uns am ersten Tag mit dem Staphorster Knopf auf der Basis des Glatten Knopfes beginnen, bei dem nach dem Einweben der Fäden das Sternmotiv in der Hintergrundfarbe erscheint. Die kontrastfarbenen Fäden, mit denen wir die Wicklungen für den Glatten Knopf oder Klassiker beendeten, dienten dabei nicht nur als Orientierung für den Beginn der Weberei, sondern ergeben auch noch einen zusätzlichen dekorativen Effekt.

Die Ergebnisse unserer Fingerübung am Beginn der Knopfmachertage: eine farbenfrohe Kollektion an Staphorster Knöpfen.

Doch schließlich hieß der Workshop am Freitag „Languetten-Facetten“. Deshalb schloss sich an den Staphorster Knopf der Krumbacher Westenknopf an: Auch hier bleibt das Sternmotiv negativ ausgespart, wird aber nicht von eingewebten Spannstichen, sondern von Languettenstichen eingerahmt.

Meine Staphorster Knöpfe und Krumbacher Westenknöpfe, die in den ersten Stunden der Knopfmachertage entstanden sind.

Wer meine Vorliebe für „Fifty Shades of Teal“, also alle Blaugrün-Schattierungen von Mint über Türkis bis Petrol kennt, wird sich vielleicht über meine Farbwahl für die Workshop-Knöpfe wundern. Natürlich hatte ich Garn in meinen Lieblingsfarben dabei, aber ich habe die Möglichkeit genutzt, kurz vor Ende des Monats noch ein paar Knöpfe in den von Eveline Groß in der Facebook-Gruppe „Knöpfe“ für März vorgeschlagenen Farben Grün, Lila und Gelb zu gestalten. Die Herausforderung „Farbe des Monats“ ist eine willkommene Gelegenheit, Farbkombinationen auszuprobieren, die man sonst eher nicht wählen würde. (Aber natürlich hoffe ich zuversichtlich darauf, dass Evi im Laufe des Jahres irgendwann die Farben des Wassers aufruft. 😉)

Auf den Fotos im Programm der Trachtenkultur-Beratung hatte Sandra schon den eigentlichen Clou des Tages präsentiert: den Dresdener Seestern. Dessen historisches Vorbild hat Monika Hoede im Museum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden entdeckt. Sandra hat den Knopf rekonstruiert und mit uns im Workshop einem ersten Praxistest unterzogen. Beim Languettieren der Sternkontur wird gleichzeitig ein Netz nach Art eines Wiener Stuhlgeflechts über die Mitte des Knopfes gewebt – ein außergewöhnlicher Effekt, der uns alle sofort begeisterte.

Meine ersten beiden Dresdener Seesterne – und bestimmt nicht meine letzten!

Am zweiten Knopfmachertag brachte Monika Hoede uns mit ungewohnten Materialien ziemlich ins Schwitzen: Kördelchen, Gimpe und Soutache tragen auf der Rückseite des Knopfes zu stark auf, wenn man wie gewohnt wickelt. Deshalb werden diese Materialien „umgelegt“, also auf der Rückseite von einem starken Nähfaden erfasst und sofort wieder zur Vorderseite geführt.

Erste Versuche im Umlegen von Gimpe und Soutache (Rückseite während der Arbeit und fertige Vorderseite)

Für alle, die es gewohnt sind, im kleinen Maßstab mit feinen Garnen zu arbeiten, war der Umgang mit den dicken Materialien gewöhnungsbedürftig. Das Ergebnis meines Experiments mit Kordeln unterschiedlicher Stärke wirkt ein bisschen wie ein Törtchen – fanden zumindest meine Kurskameradinnen, und Alexander Smit, der Wissenschaftliche Volontär der Trachtenkultur-Beratung, setzte den voluminösen Knopf folgerichtig in ein Muffinförmchen:

Das Ergebnis meines Experiments mit Kordeln unterschiedlicher Stärke

Quasi die Kirsche auf dem Törtchen ist ein Glatter Knopf im Miniaturformat über einem 12-mm-Rohling. Eine interessante Erfahrung, aber ich ziehe weiterhin die feineren Fäden vor.

Nach einem Vorbild von Monika Hoede ist schließlich ein weiterer Knopf aus verschiedenen Gimpen entstanden, dessen Machart auf der des Ottobeurer Knopfes basiert:

Bei diesem Knopf finde ich die zweifarbigen Bögen aus Gimpe in Beige und Orange sehr attraktiv.

Neben dem Gestalten von Knöpfen mit Gimpe, Soutache und Kordeln zeigte uns Monika, wie sich Fäden nachhaltig auf Röllchen aus Altpapier aufwickeln lassen (mit einem historischen Garnwickler, der eigentlich für die Spulen von Weberschiffchen vorgesehen ist), wie man einen sogenannten Schweif aus mehreren Einzelfäden anfertigt und zum Überziehen einer Großlochperle (z.B. für eine Quaste) verwendet und wie man Holzrohlinge mit einer Kordel als Grundlage für eine Tortenschnürung beklebt. Eigentlich wäre um 17 Uhr Feierabend gewesen, aber angesichts der Fülle an Information und Inspiration verließen wir das Landauer-Haus erst kurz vor 19 Uhr ziemlich erschöpft, aber auch voller Stolz auf das Geleistete.

Nach den Herausforderungen des vorhergehenden Tages war mein Thema „Schneckenknöpfe“ am Sonntag dann die reine Erholung. Leider hatten einige Teilnehmerinnen schon am Samstagabend abreisen müssen. So war die Gruppe – mit stark oberpfälzisch-niederbayerischem Schwerpunkt – klein, was wiederum ein intensives Üben und Arbeiten ermöglichte.

Wir begannen mit einem einfachen Schneckenknopf, bei dem spiralförmige Runden in ein Grundgerüst aus relativ dichten Speichen eingestickt werden. Das ist im Grunde eine reine Geduldsarbeit, aber das Ergebnis wirkt ausgesprochen reizvoll.

Beim Schneckenknopf sollte das kontrastfarbene Grundgerüst zwischen den spiralförmig eingestickten Runden hervorblitzen.

Für eine Variante dieses Grundtyps überzogen wir einen Rohling oder eine Großlochperle dicht mit Sticktwist und stickten flügelartige Motive ein.

Wenn man einen Kuppelrohling mit Sticktwist überzieht und mit Perl- oder Häkelgarn bestickt, entstehen solche propellerartigen Formen.

Ich hätte mit den Workshopteilnehmerinnen sehr gerne noch weitere Knopfarten ausprobiert, bei denen eine Grundlage in Spiralrunden bestickt wird, aber der letzte der drei Knopfmachertage war so schnell vorbei, dass wir nur noch mit dem Knopf schließen konnten, mit dem wir am Freitag begonnen hatten: mit dem Staphorster Knopf. Schon zur Kaffeezeit mussten die Ersten zu ihrer mehrstündigen Heimfahrt aufbrechen – nicht ohne dass wir zuvor die Ergebnisse dieses Tages auf einem Abschlussfoto dokumentiert hätten:

In meinem Workshop „Schneckenknöpfe“ wurde immer rundherum gestickt.

Angesichts der Arbeitsberge in Büro und Werkstatt hatte ich ursprünglich vorgehabt, nur zu meinem eigenen Kurs nach Krumbach zu reisen, dann aber doch einige Nachtschichten eingelegt, um an allen drei Tagen dabei sein zu können. Ich habe es nicht bereut! Drei Tage im Knopf-Flow mit neuen Anregungen und Herausforderungen haben sich sehr gelohnt – und nicht zuletzt hat der abendliche Gedankenaustausch mit anderen beim Wein viel Freude gemacht.

Mein kleines Alter Ego, die Knopfmacherin Helene der deutsch-amerikanischen Filzkünstlerin Silke Sordyl, war als stille Beobacherin bei den Knopfmachertagen dabei.

Viele neue Inspirationen

Seit einigen Tagen ist der große Arbeitstisch in der Knopfwerkstatt belegt: Die Druckerei hat elf Kartons mit den neuen Anleitungsblättern angeliefert – das ist immer ein Festtag nach vielen Wochen intensiver Arbeit an Fotos, Texten und Layout. Marion Waldmann, die das komplette Erscheinungsbild der Knopfwerkstatt einschließlich des Logos entworfen und alle Anleitungsblätter und den Ordner im Knopfwerkstatt-Design gestaltet hat, ist es zu verdanken, dass nun zehn neue Blätter zu interessanten und attraktiven Knöpfen die bisherige Sammlung ergänzen und auf inzwischen 36 Anleitungsblätter erweitern.

Große Freude in der Knopfwerkstatt: Die neuen Anleitungsblätter sind da!
Das sind die Themen der neuen Anleitungsblätter.

Einige Blätter sind Themen gewidmet, die ich in nächster Zeit in Kursen behandle – den Schneckenknopf und den Staphorster beispielsweise schon am kommenden Sonntag, 26. März, bei den Knopfmachertagen der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben, die viktorianischen Knöpfe zwei Wochen später bei der Trachtenwerkwoche in Babenhausen. Es sind aber auch einige attraktive Knöpfe dabei, an denen in der Knopfmacherei-Szene großes Interesse herrscht.

Der Harlekinknopf bietet viele interessante Möglichkeiten.

Auf einem privaten Knopfmacherinnentreffen Anfang des Jahres habe ich bei Linda Emmerling aus Nürnberg den Harlekinknopf gesehen und war sofort begeistert. Das Rhombenmuster auf einem sechseckigen Rohling bietet viele Gestaltungsmöglichkeiten: mit kleinen oder größeren Rhomben, quietschbunt oder Ton in Ton, mit bayerischen Rauten in Weiß und Blau oder in einem klassischen Argyle-Muster.

Beim meinem Posamentenknopfkurs im Schweizer Ballenbergzentrum waren die Teilnehmerinnen vom Harlekinknopf begeistert und entwickelten ganz persönliche Farbkombinationen.

Im Februar habe ich den Harlekinknopf zum ersten Mal in einem Kurs vorgestellt: bei meinem Posamentenknopfkurs im Schweizer Ballenbergzentrum. Dort haben die Teilnehmerinnen das Muster auf Anhieb geliebt und mit Begeisterung eigene Farbkombinationen ausprobiert. Ich freue mich sehr, dass Linda mir erlaubt hat, die Schritt-für-Schritt-Anleitung zu diesem Knopf zu erarbeiten und auf einem Faltblatt zu veröffentlichen.

Das Motiv des Coburger Knopfes erinnert an einen Strohstern.

Der Coburger Knopf geistert schon seit einiger Zeit durch die diversen Knöpfegruppen in den sozialen Medien. Gudrun Jansen hat ihn an einem Kinderfrack im Museum auf der Veste Coburg entdeckt, entschlüsselt und ihre Erkenntnisse weitergegeben. Dass sie mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung einverstanden ist, dürfte viele Knopfbegeisterte freuen.

Immer rundherum wird beim Schneckenknopf, aber auch beim Staphorster und seinen Varianten gestickt.

Viel weniger auffällig als Harlekinknopf und Coburger ist der Schneckenknopf, bei dem ein speichenartiges Grundgerüst spiralförmig umstickt wird. Ähnlich entstehen Motive wie der Stern beim Staphorster oder beim Weißenburger Knopf, bei denen ein Glatter Knopf als Grundlage dient. Diese Techniken erforschen wir im Kurs „Schneckenknöpfe – immer rundherum“ am Sonntag, 26. März, im Rahmen der Knopfmachertage in Krumbach und in einem Online-Kurs am Mittwoch, 22. November.

Zu all diesen Knöpfen gibt es jetzt Schritt-für-Schritt-Anleitungen.

Doch das sind nur einige der Knopfthemen, zu denen ich seit Beginn des Jahres Anleitungsblätter erarbeitet habe. Einen wichtigen Part spielen auch die viktorianischen Knöpfe, bei denen eine Tortenschnürung, ein Grundgerüst aus Fadenspeichen, kunstvoll umstickt wird, beispielsweise Snowflake, Empire und Pinwheel. Weil für all diese Knöpfe der Holzrohling erst einmal mit Garn oder Stoff überzogen werden muss, habe ich auch dazu eine Anleitung verfasst.

Darüber, dass das Interesse an den neuen Faltblättern – jeweils vier Seiten im DIN-A4-Format mit vielen Step-Fotos – groß ist, freue ich mich sehr. Viele Knopfmacherinnen (bisher kamen tatsächlich nur Bestellungen von Frauen) legen offensichtlich Wert auf eine vollständige Sammlung. Deswegen gibt’s jetzt die zehn neuen Anleitungsblätter in meinem Online-Shop bei kasuwa zum Komplettpreis von 18 Euro zzgl. Versandkosten.

Zum Ottobeurer Knopf gibt es jetzt ein neues Anleitungsblatt.

Und weil Marion Waldmann und ich schon im Flow waren, haben wir auch gleich das Blatt zum Ottobeurer Knopf von Grund auf überarbeitet. Die Vorgängerversion stammt aus der Zeit, als die Anleitungsblätter nur als Handreichung in Kursen gedacht waren, und auf Seite 4 war noch das Buch „Die ganze Welt der Knöpfe“ abgebildet, das leider seit Jahren vergriffen ist und nicht neu aufgelegt wird. Kurzum: Jetzt gibt es ein neues Anleitungsblatt zum Ottobeurer Knopf, auf dem auch das Grundgerüst genau beschrieben wird (früher habe ich da auf den Glatten Knopf verwiesen). Dieses Blatt lege ich dem Zehnerpack gratis bei, damit eure Anleitungssammlung auf dem neuesten Stand ist.

Das Lernen nach gedruckten Schritt-für-Schritt-Anleitungen ist eine Sache – aber noch mehr Spaß macht das gemeinsame Gestalten von Knöpfen in einem Kurs. Deswegen freue ich mich schon jetzt auf die nächsten Termine in Krumbach und Babenhausen, bei der VHS in Wertingen und bei Wollknoll in Oberrot, um nur einige zu nennen. Alle anstehenden Termine findet ihr hier auf meiner Website und auf einem Extra-Faltblatt, das ich euch ebenfalls mit den Anleitungsblättern mitschicke. Wir sehen uns hoffentlich bei der einen oder anderen Gelegenheit!

Rückschau und Ausblick

Zu diesem Weihnachtsknopf hat mich ein Vorbild der japanischen Knopfmacherin Minako Ono inspiriert.

Kaum zu glauben, dass dieses Jahr schon zu Ende ist! Im Wohnzimmer steht der Weihnachtsbaum und wartet darauf, geschmückt zu werden – bei uns traditionell mit Glasornamenten in den skurrilsten Formen vom Hamburger bis zum Hummer. Das beantwortet auch Emma Thompsons erstaunte Frage in dem Film „Tatsächlich Liebe“: „Bei Jesu Geburt waren Hummer anwesend?“ Was unseren Christbaum angeht, ja!

Kennt ihr den Brauch des Christbaumlobens? Hier im Zusamtal stattet man in der Weihnachtszeit Nachbarn und Freunden einen Besuch ab, um den jeweiligen Christbaum zu besichtigen, nach einer im Grün versteckten gläsernen Gurke zu fahnden und sowohl das Gesamtbild als auch die Details ausgiebig zu würdigen. Das Urteil über unseren Baum fällt dabei je nach ästhetischer Prägung ganz unterschiedlich aus. Während viele sich über Sardinendose, Roquefort-Ecke, Leuchtturm, Faultier und Arche Noah aus feinstem Glas begeistern, müssen Puristinnen und Fans klassischer Bäume mit nichts als roten Kugeln, Strohsternen und Wachskerzen oder Gäste der Teams „Weiß & Silber“ oder „Ganz in Pink“ sich unseren Baum schöntrinken. Denn eins steht fest: Egal, ob man den Baum großartig oder grässlich findet – man erhebt gemeinsam ein Stamperl Schnaps auf ihn.

Egal, ob man unsere Sammlung skurriler Glasanhänger schön oder scheußlich findet – den Schnaps beim Christbaumloben ist das Gesamtkunstwerk allemal wert.

Auch unsere Krippe wird keineswegs nur von der heiligen Familie, Hirten, Königen und Engeln bevölkert. Weil wir Südfrankreich lieben und schon seit einem Vierteljahrhundert provençalische Tonfigürchen, die sogenannten Santons, sammeln, geben sich rund um den Stall ein Fischer, ein Imker, ein einsamer Boulespieler, ein Müller, ein Bäcker, ein Arzt, der Maler Cezanne, ein Stierhirt aus der Camargue, eine Lavendelschnitterin, eine Strickerin und viele andere Personen ein Stelldichein zwischen Windmühle und Borie. In diesem Jahr gesellen sich unter anderem ein Zeitungsleser und eine Krankenschwester dazu. Die Damen und Herren werden noch ein wenig mehr zusammenrücken müssen als schon in den vergangenen Jahren – besonders, wenn an Dreikönig auch noch die Könige samt Dromedar, Elefant und Kamelführer zur Krippe ziehen.

Unsere provençalische Santon-Krippe umfasst inzwischen mehr als 70 Figuren.

In diesen Tagen blicke ich aber auch zurück auf ein ereignisreiches Jahr, in dem ich viel unterwegs war, um Menschen für die Knopfmacherei zu begeistern – darunter allein viermal in der Schweiz. Bei den Oktoberkursen am Ballenbergzentrum in Hofstetten hat die Teilnehmerin Susanne Granzow nicht nur Zwirn- und Posamentenknöpfe gestaltet, sondern auch fotografiert und mir ihre Bilder zur Verfügung gestellt – eine große Freude, denn während des Unterrichtens komme ich meistens nicht dazu, Bilder zu machen. Hier also eine kleine Auswahl ihrer Fotos:

Die Teilnehmerinnen am Zwirnknopfkurs im Ballenbergzentrum haben schnell eigene kreative Ideen entwickelt und beispielsweise Perlkappen und Rocailles eingearbeitet. (Foto: Susanne Granzow)
Mein Arbeitsplatz im Kurszentrum Ballenberg in der Schweiz (Foto: Susanne Granzow)
All diese fantastisch gelungenen Knöpfe sind an zwei Tagen im Posamentenknopfkurs entstanden. (Foto: Susanne Granzow)

Der Vollständigkeit halber hier noch die beiden Ergebnisfotos der Oktoberkurse in der Schweiz:

Zwirnknopfkurs am 12./13. Oktober 2022 am Ballenbergzentrum/Schweiz
Posamentenknopfkurs am 14./15. Oktober 2022 am Ballenbergzentrum/Schweiz

Fürs nächste Jahr sind drei Kursblöcke mit jeweils zwei Zwei-Tages-Kursen (Zwirnknöpfe bzw. Posamentenknöpfe) am Ballenbergzentrum für Februar, Juli und Oktober geplant.

Außer den Terminen in der Schweiz stehen auch einige weitere Kurstermine für 2023 im Kalender: in Roggenburg bei Ulm und in der Kunststätte Bossard in Niedersachsen, bei Wollknoll in Oberrot und bei der Volkshochschule Zusamtal, um nur einige zu nennen. Vom Drei-Stunden-Kurs am Abend bis zur kreativen Woche ist alles dabei. Hier findet ihr die komplette Liste, die ich immer wieder aktualisieren werde.

Wer ab und zu Informationen aus der Knopfwerkstatt bekommen möchte (nicht zu oft, denn dazu fehlt mir schlichtweg die Zeit), abonniert am besten den Newsletter. Aber auch auf Facebook und Instagram poste ich immer wieder Bilder und Neuigkeiten zu Kursen & Knöpfen.

In den nächsten Tagen werde ich erst einmal eine schöpferische Pause einlegen, bevor ich mich im neuen Jahr an neue Anleitungsblätter mache, zum Beispiel zu den viktorianischen Knöpfen und den Schneckenknöpfen, denn die sind Thema in der Trachtenwerkwoche in Babenhausen und bei den Knopfmachertagen in Krumbach.

Ich freue mich auf ein Kennenlernen oder Wiedersehen im neuen Jahr. Einstweilen wünsche ich euch und uns allen ein frohes, harmonisches und gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start in ein neues Jahr voller Gesundheit und Frieden.

Kurstermine 2023

Für 2023 steht eine ganze Reihe von Kursterminen in meinem Kalender: Vom dreistündigen Abendkurs in Wertingen – quasi ein Heimspiel – bis zum Wochenendkurs in Niedersachsen, mehrtägigen Workshops in der Schweiz und zur kompletten Kreativwoche in Babenhausen ist alles dabei. Scrollt euch durch und meldet euch bei Interesse möglichst frühzeitig an, damit die Veranstaltenden planen können. Die Links findet ihr bei den Kursangeboten.

Souvenirs, Souvenirs: In einen Zwirnknopf lassen sich Münzen, dekorative Kronkorken oder Teile alter Metallknöpfe effektvoll integrieren.

Souvenirs, Souvenirs – Erinnerungen im Zwirnknopf

Samstag, 18. Februar 2023, 13–18 Uhr
Bildungszentrum Roggenburg
kloster-roggenburg.de

Knopfmachen: Zwirnknöpfe

Mittwoch–Donnerstag, 22.–23. Februar 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch/de/kursangebot/kurse/knopfmachen-zwirnknoepfe/

Knopfmachen: Posamentenknöpfe

Freitag–Samstag, 24.–25. Februar 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch/de/kursangebot/kurse/knopfmachen-posamentenknoepfe/

Achtung: Weitere Knopfmachereikurse im Schweizer Ballenbergzentrum sind für Juli und Oktober geplant (siehe Termine unten).

Souvenirs, Souvenirs: Zwirnknopf mit Inhalt

Montag, 13. März 2023, 18.30–21.30 Uhr
vhs DonauZusam, Gymnasium Wertingen, 86637 Wertingen
vhs DonauZusam

Schneckenknöpfe: Bei all diesen Modellen wird das Muster in spiralförmigen Runden eingewebt.

Schneckenknöpfe: immer rundherum!

Sonntag, 26. März 2023, 10–17 Uhr im Rahmen der Knopfmachertage
Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben, 86381 Krumbach
trachten.bezirk-schwaben.de

Posamentenknöpfe in viktorianischem Stil entstehen in der Trachtenwerkwoche in Babenhausen.

Viktorianische Posamentenknöpfe

Dienstag, 11., bis Sonntag, 16. April 2023
Trachtenwerkwoche der Trachtenkultur-Beratung Bezirk Schwaben
Schwäbischen Jugendbildungs- und Begegnungsstätte, 87727 Babenhausen
trachten.bezirk-schwaben.de

Die Quadratur des Kreises: In den Viereckknopf lassen sich grafische oder figürliche Muster einweben.

Viereckknopf mit gewebtem Muster: die Quadratur des Kreises

Montag, 24. April 2023, 18.30–21.30 Uhr
vhs DonauZusam, Gymnasium Wertingen, 86637 Wertingen
vhs DonauZusam

Zwirnknöpfe: vom Gebrauchsknopf zum Collier

Montag–Dienstag, 8.–9. Mai 2023
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Posamentenknöpfe: Mandala-Malen mit Garn

Mittwoch–Donnerstag, 10.–11. Mai 2023
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Yubinuki: japanische Fingerhutringe

Freitag, 12. Mai 2023
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Knopfwerkstatt

Zusatzkurs, da der Wochenendkurs bereits ausgebucht ist:
Mittwoch, 17., bis Freitag, 19. Mai 2023
Grundlegende Techniken der Posamenten- und Zwirnknopfmacherei
Volkshochschule im Franziskanerkloster, 89584 Ehingen/Donau
Anmeldung bei Waltraud Steeb, E-Mail w.steeb@gmx.de

Freitag, 19., bis Sonntag, 21. Mai 2023 (AUSGEBUCHT!)
Fortgeschrittene Techniken der Knopfmacherei und Yubinuki (japanische Fingerhutringe)
Volkshochschule im Franziskanerkloster, 89584 Ehingen/Donau
Anmeldung bei Waltraud Steeb, E-Mail w.steeb@gmx.de

Die Verwandtschaft mit den traditionellen Wäscheknöpfen ist bei diesen Zwirnknöpfen mit Bäumchenmotiven kaum noch erkennbar.

Blütenbaum oder Rosenstrauß im Zwirnknopf

Montag, 22. Mai 2023, 18.30–21.30 Uhr
vhs DonauZusam, Gymnasium Wertingen, 86637 Wertingen
vhs DonauZusam

Knopfmachen: Posamentenknöpfe

Mittwoch–Donnerstag, 12.–13. Juli 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Zwirnknöpfe

Freitag–Samstag, 14.–15. Juli 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Posamentenknöpfe: Mandala-Malen mit Garn

Samstag–Sonntag, 29.–30. Juli 2023
Wollwerk, 72525 Münsingen
wollwerk-imbt.de

Knopfwerkstatt

Samstag–Sonntag, 26.–27. August 2023
Kunststätte Bossard, 21266 Jesteburg
bossard.de

Knopfmachen: Posamentenknöpfe

Donnerstag–Freitag, 12.–13. Oktober 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Zwirnknöpfe

Samstag–Sonntag, 14.–15. Oktober 2023
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Stand: April 2023 (Änderungen vorbehalten)

Von Brandenburg ins Berner Oberland

18. September 2022

Mal die weiten Ebenen Brandenburgs, mal das bergige Berner Oberland: Auch in den vergangenen Wochen bin ich mit meiner Knopfwerkstatt weit herumgekommen, um Menschen für die Knopfmacherei zu begeistern.

Knöpfe, Kühe und Tomaten:
Kurswochenende auf dem Werenziahof

Sabine Reichert-Kassube macht aus ihrem Werenziahof im brandenburgischen Werenzhain ein Kunstprojekt.

Bei der Filzkünstlerin Sabine Reichert-Kassube war ich schon zum vierten Mal zu Gast: Zweimal habe ich in ihrem früheren Atelier in Berlin-Friedrichshagen Workshops gegeben. 2020 sollte mein Kurs der letzte dort vor dem Umzug nach Werenzhain sein, doch der fiel schon coronabedingt aus. So lernte ich das Kunstprojekt Werenziahof im vergangenen Jahr kennen und kam nun sehr gerne zurück, um wieder zwei Tage lang dort zu unterrichten.

Sabine Reichert-Kassube mit einer ihrer Laufenten

Seit meinem Besuch im August 2021 hatte sich einiges verändert: Der auf einer Seite offene Durchgang, in dem damals die Schwalben genistet hatten, ist nun auf beiden Seiten durch große Glasfronten geschlossen und mit einem fantasievollen Mosaikboden gepflastert, sodass ein lichter Wintergarten als Ausstellungs- und Aufenthaltsraum entstanden ist. Am Tag vor dem Workshop waren außerdem drei junge Laufenten auf dem Hof eingezogen, und im Waschhaus gab es eine kleine Ausstellung zum Thema „Kuh“ zu sehen.

Einige der Exponate in der Ausstellung zum Thema „Kuh“

Ihr Filzatelier hatte unsere Gastgeberin fast vollständig für den Knopfworkshop ausgeräumt, an dessen erstem Tag auch zwei Männer teilnahmen: Vater und Sohn einer vierköpfigen Familie aus Berlin, die immer wieder gemeinsam Kreativkurse besucht – vor einiger Zeit einen über das Drehen von Glasperlen, nun eben einen über Posamentenknopfmacherei. Eine Teilnehmerin hatte mich im vergangenen Jahr im Bayerischen Fernsehen entdeckt und sofort eine Freundin überredet, mit ihr gemeinsam den Workshop in Werenzhain zu buchen. Eine andere hatte bereits einen Knopfmachereikurs in der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach absolviert und freute sich, ihre Kenntnisse näher an ihrem Wohnort Dresden erweitern zu können. Und Sabine Reichert-Kassubes Schwester Birgit verzichtete sogar einige Stunden lang auf das Programm des Sängerfestes in Finsterwalde, um ihre ersten Knöpfe zu gestalten. Begeistert nähte sie ihre Werke sofort an, sodass wir fürs Abschlussfoto ihre Jacke mit ins Bild drapieren mussten.

Wie immer übten wir die Grundtechniken am Sternknopf. Einige ambitionierte Teilnehmerinnen wagten sich dabei schon bald an zweifarbige Grundgerüste oder arbeiteten Folienspiegel ein. (Die sind immer eine willkommene Ausrede dafür, zwischendurch ein bisschen süße Nervennahrung zu naschen, um an gold- oder silberglänzende Folienstückchen zu kommen.)

Weil nicht alle am zweiten Tag dabei sein konnten, aber großes Interesse an der Zwirnknopftechnik äußerten, änderten wir das Programm kurzfristig und gestalteten Zwirnsterne, zum Teil schon mit integriertem Kronkorken.

Am Folgetag kehrten wir dann wieder zu den Variationen des Sternknopfs zurück und befassten uns mit meinem Lieblingsmodell, dem Augsburger Knopf, der nicht nur außerordentlich dekorativ ist, sondern sich wegen der dicht verwebten und überstickten Fäden auch sehr gut als Gebrauchsknopf eignet. Ich bin wirklich stolz darauf, welch schöne Exemplare im Kurs entstanden sind.

Die Ergebnisse der beiden Kurstage in Werenzhain

Zwischendurch haben wir uns ein wenig die Füße vertreten und einen ebenso begeisterten wie erfolgreichen Hobbygärtner in der Nachbarschaft besucht, der uns eingeladen hatte, seine mehr als dreißig Tomatensorten zu besichtigen und zu verkosten: Kaum zu glauben, wie unterschiedlich Tomaten schmecken können. Fasziniert haben uns auch die Bohnenpflanzen, die am Balkon hinauf ranken und große Mengen an dicken Bohnen in allen Größen und Farben liefern – fast so bunt wie unsere Knöpfe.

Besuch in der Tomatenausstellung (mit Exkurs zu dicken Bohnen): eine überwältigende Vielfalt!

Fazit: Der Wochenendkurs auf dem Werenziahof war über die Knopfmacherei hinaus bereichernd und überaus spannend. Ich komme gerne wieder.

Wir freuen uns über den gelungenen Wochenendkurs: Helene (links) und Sabine.

Bei den Textil-Profis in der Abegg-Stiftung

Kurz nach dem Wochenende in Brandenburg hat mich der Weg in die andere Richtung geführt: zur Abegg-Stiftung in Riggisberg in der Schweiz. Die Stiftung betreibt in der Nähe von Bern ein sehr sehenswertes Museum mit textilen Schätzen und anderen Kunstwerken aus mehreren Jahrtausenden sowie ein Atelier für Textilkonservierung und -restaurierung, in dem auch Studierende ausgebildet werden.

Das Museumsgebäude der Abegg-Stiftung in Riggisberg

Das Kollegium des Textil-Ateliers wollte der Restauratorin Corinna H. zum Übertritt in den Ruhestand ein außergewöhnliches Geschenk machen: einen gemeinsamen Knopfkurs. Eine wunderbare Idee, wie ich finde, und eine echte Herausforderung für mich, denn die Mitarbeiterinnen des Ateliers sind allesamt Koryphäen in diversen textilen Techniken.

Eine Herausforderung war der Kurs aber auch in anderer Hinsicht: Während ich sonst die Teilnehmerzahl auf acht bis zehn begrenze, ließ ich mich in Riggisberg wegen der textilen Expertise und des Abschieds-Events auf rund zwanzig ein, die zudem zwölf Nationen repräsentierten. Aber wie erwartet, waren alle mit großer Fertigkeit und Kompetenz bei der Sache, sodass weder die Klassengröße noch die unterschiedlichen Muttersprachen (alle verstanden und sprachen sehr gut Deutsch) ein Problem darstellten und wir zügig vorankamen.

Einige Impressionen aus dem Knopfmachereikurs an der Abegg-Stiftung

Wir begannen wieder mit dem Sternknopf und dem Glatten Knopf und gingen nach dem Mittagessen (einer köstlichen Bohnenquiche in der hauseigenen Cafeteria) direkt zum Viereckknopf mit gewebtem Muster über, weil einige Teilnehmerinnen Motive in ihren Knopf einweben wollten.

Völlig sprachlos war ich am Ende, als eine von ihnen ohne Anleitung einen gewebten Sternknopf allein nach einem Foto anfertigte und fand: „Das ist doch ganz logisch.“ Lakonischer Kommentar ihrer Nachbarin: „Sie kann das, schließlich ist sie Weberin.“ Ja dann … Leider wurde dieses erstaunliche Werk erst nach dem Abschlussfoto fertig.

Ergebnisse des Tageskurses an der Abegg-Stiftung

Nach knapp acht Stunden waren sage und schreibe 95 Knöpfe entstanden – auch bei der großen Teilnehmerzahl ein beachtliches Ergebnis. Freilich ist ein Kurs vor so vielen Menschen anstrengend, aber die Organisatorinnen haben alles dafür getan, dass ich mich rundherum wohlfühlen konnte. Falls sich eine Kollegin beispielsweise einen Zwirnknopfkurs zum Ausstand wünschen würde – ich wäre dazu gern bereit.

Am Tag nach dem erfolgreichen Kurs habe ich etwas wehmütig von der gastfreundlichen Abegg-Stiftung Abschied genommen und auf dem Heimweg noch einen Abstecher nach Bern gemacht. Dort wurde nämlich im Kunstmuseum just an dem Tag die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ über den Nachlass von Cornelius Gurlitt bzw. seinem Vater, dem Kunsthändler und Sammler Hildebrand Gurlitt, eröffnet. Ich hatte auf der Fahrt in die Schweiz einen Radiobeitrag über dieses Legat, die extrem aufwendige Provenienzforschung (Stichwort: Raubkunst) und die daraus entstandene Ausstellung gehört und spontan einer kunstsinnigen Freundin aus Zürich ein Treffen in Bern vorgeschlagen. Wir haben es nicht bereut! Wer bis Mitte Januar nach Bern kommt, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen.

Sehr empfehlenswert: die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ im Kunstmuseum Bern

Ausblick auf die nächsten Wochen

Inzwischen stehen die Kisten mit Kursmaterial, Anschauungsobjekten und Technik wieder in der Knopfwerkstatt. In den nächsten Tagen müssen einige Projekte im Redaktionsbüro fertig werden.

Aber schon Anfang Oktober geht die Knopfwerkstatt wieder auf Tour: Am Mittwoch, 5. Oktober, zeige ich in einem Workshop bei MEZ in Herbolzheim am Sternknopf die Grundlagen der Posamentenknopfmacherei. Und sozusagen als Bonus-Track fertigen wir einen Yorkshire Button an, der sich zu einem niedlichen Teddykopf weiterverarbeiten lässt.

Aus einem Yorkshire Button lässt sich ein hübscher Teddykopf zaubern.

Am darauf folgenden Wochenende 8./9. Oktober präsentiere ich meine Knöpfe auf dem 22. Schwäbischen Trachtenmarkt der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach.

Das Maut-Pickerl für die Schweiz rentiert sich in diesem Jahr, denn am 11. Oktober zieht es mich wieder in die Schweiz: zum Ballenbergzentrum, wo ich vom 12. bis zum 15. Oktober zwei Knopfmachereikurse gebe.

Anfang November schließlich rollt die Knopfwerkstatt zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder nach Wien: Dort gebe ich am Mittwoch/Donnerstag, 2./3. November, einen Knopfkurs im Atelier von Sawatou Mouratidou und nehme am Wochenende 5./6. November am Markt „Kunst im Handwerk“ in Perchtoldsdorf teil.

Reichlich Gelegenheit also, einander (wieder) zu sehen! Ich freu mich drauf!

Knopfkurse mit Bergpanorama

10. August 2022

Seit Kurzem steht eine lebensgroße Holzkuh vor dem Eingang zum Ballenbergzentrum.

Schon zwei Tage nach unserer Rückkehr aus der Provence (siehe Blog-Eintrag „Knöpfe und Lavendelduft“) habe ich meinen kleinen roten Knopfwerkstatt-Flitzer wieder bis unters Dach vollgepackt und bin in Richtung Schweiz aufgebrochen. Im Ballenbergzentrum im Berner Oberland hatte ich schon im Februar zwei Kurse gegeben und freute mich darauf, wieder an diesem ganz besonderen Ort zu unterrichten.

Ich war auch sehr gespannt darauf, das Freilichtmuseum Ballenberg im Sommer zu erleben, denn im Februar war ich nur einmal in der Abenddämmerung eine Stunde lang durch das weitläufige Gelände gewandert und hatte dabei die Bekanntschaft eines einsamen Alphornbläsers gemacht, der unter dem Vordach einer Scheune übte: ein magisches Erlebnis, im abendlichen Dunst von Alphornklängen begleitet zu werden.

Die Voraussetzungen für die Kurse waren wie im Winter erstklassig: ein großer Raum im kühlen Untergeschoss (direkt neben der Cafeteria!) mit viel Platz für alle Teilnehmerinnen, Licht, Kabeltrommeln und (danke, Lukas!) zwei nagelneuen Adaptern für die Schweizer Steckdosen.

Eine kleine Ausstellung fertiger Knöpfe soll die Teilnehmerinnen inspirieren.
Hier lässt sich sehr angenehm unterrichten.

Wie sich herausstellte, hatten die Teilnehmerinnen an beiden Zwei-Tages-Kursen (Posamentenknöpfe und Zwirnknöpfe) ausgezeichnete Vorkenntnisse in textilen Techniken, sodass wir vom Sternknopf bzw. dem Zwirnstern zügig zu anspruchsvolleren Techniken übergehen konnten.

Patricia, von Beruf Handarbeitslehrerin, war volle vier Tage in beiden Kursen dabei und hat ihre Knöpfe ganz besonders sorgfältig dokumentiert und abends sogar noch in ihrer Pension Überstunden gemacht, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn genau dafür habe ich dieses Notizbuch „Meine Knöpfe“ entwickelt – und so akkurat hat es wohl noch nie jemand geführt.

Eine Doppelseite aus Patricias Knopf-Journal: Danke, dass ich das zeigen darf!

Die gewebten Herzknöpfe waren im Posamentenknopfkurs besonders beliebt, aber es sind auch viele andere schöne Knöpfe in den zwei Tagen entstanden. Wir hatten mit einem gewickelten Sternknopf und einem Glatten Knopf angefangen und uns über den Augsburger Knopf zum Viereckknopf und zum Schwälmer Hutknopf vorgearbeitet.

Ein beeindruckendes Bouquet an Posamentenknöpfen aus zwei Kurstagen.

Die Teilnehmerinnen im Zwirnknopfkurs waren überhaupt nicht zu bremsen. Die Grundtechnik hatten wir am Zwirnstern geübt und darauf aufbauend Kronkorken eingearbeitet und Blüten ins Grundgerüst eingestickt. Auf vielfachen Wunsch haben wir uns am Schluss noch einen Exkurs zum Yorkshire Button gegönnt.

Das Einarbeiten von Kronkorken in einen großen Zwirnknopf hat allen viel Spaß gemacht.
Auf diese Ergebnisse können die Teilnehmerinnen meines Zwirnknopfkurses wirklich stolz sein.

Eine besondere Freude war es für mich, am Abend nach einem Kurstag Gerda, eine Knopfmacherin aus der Gegend, persönlich zu treffen, die ich bisher nur über die Knöpfe-Gruppe auf Facebook und über Online-Kurse kennengelernt hatte. War das schön, gemeinsam zu Abend zu essen und anschließend durch das abendlich ruhige Freilichtmuseum zu wandern!

Überhaupt – das Freilichtmuseum! Es war ein außerordentliches Vergnügen, morgens und abends durch das Gelände zu streifen, wenn das Museum noch nicht oder nicht mehr geöffnet hatte. Ich habe die Gelegenheit täglich genutzt und sogar mein Frühstück auf meine ein- bis zweistündige Runde mitgenommen. Zwar waren zu diesen Zeiten die Häuser geschlossen, aber es war allein schon ein Genuss, von der Zentralschweiz ins Tessin und vom Wallis nach Graubünden zu wandern, vorbei an Weiden mit Ziegen, Pferden oder Kühen, Bauerngärten, Weinreben und durch Waldstücke.

Am ersten und am letzten Tag konnte ich zu den Öffnungszeiten auch einen Blick in die Häuser, in die Werkstätten und in die Sellerie werfen, und auch das hat sich wirklich gelohnt. Hier ein paar Impressionen:

Freilichtmuseum Ballenberg: Blick in die Berge
Strohgedecktes Haus im Freilichtmuseum Ballenberg
Freilichtmuseum Ballenberg: Küche
Freilichtmuseum Ballenberg: Schlafzimmer
Freilichtmuseum Ballenberg: Edelschweine
Freilichtmuseum Ballenberg: Hutmacherwerkstatt

Der Posamentenknopfkurs hat sogar am ersten Tag nach dem Mittagessen eine Exkursion ins Museum unternommen, um den Posamentenband-Webstuhl in Aktion zu erleben. Was für eine beeindruckende Maschine, auf der aus feinsten Fäden – einst Seide, heute Viskose – gleichzeitig viele schmale Bändchen entstehen! Die Technik ist wirklich ausgeklügelt, denn die winzigen Schiffchen dürfen ja nicht über die komplette Breite des Webstuhls geschossen werden, sondern müssen immer bereits nach der Kette für das jeweilige Bändchen wenden.

Der Posamentenband-Webstuhl des Freilichtmuseums Ballenberg
Aus feinsten Fäden entstehen die schmalen Bänder.

Natürlich habe ich auch den berühmten Trauffer-Kühen einen Besuch abgestattet, die in der Schweiz offenbar jedes Kind kennt und die in Hofstetten, ein paar hundert Meter vom Ballenbergzentrum entfernt, hergestellt werden. Seit Juli gibt es dort die Trauffer Erlebniswelt, in der man unter anderem den Werdegang einer solchen Kult-Kuh in vielen Arbeitsschritten verfolgen kann. Ein netter Gag ist das Spiegelkabinett, in dem Hunderte von Holzkühen durch die Spiegelungen zu einer schier unübersehbaren Herde werden. Und sogar ein paar knopfwerkstattfarbene Exemplare sind dabei.

Trauffer-Kuh im Knopfwerkstatt-Look

Einen Ausflug an den Brienzer See habe ich mir nur am letzten Abend gegönnt – nach Kursende und vor einem weiteren Highlight im Museum, das mir wirklich ans Herz gewachsen ist: einer Theateraufführung in der Abenddämmerung (siehe unten).

In Brienz hatte die ganze Woche über ein Holzbildhauer-Symposium am Seeufer stattgefunden, dessen Ergebnisse am Samstagabend präsentiert wurden.

Blick über den Brienzer See in Richtung Brienz
Holzbildhauer-Symposium am Brienzer See
Holzbildhauer-Symposium am Brienzer See

Für den späteren Abend hatte ich ein Ticket für die Inszenierung „Brandboden oder Wie Melk die Kohle aus dem Feuer holt“ des Landschaftstheaters Ballenberg gebucht und wurde nicht enttäuscht. Die Adaptation des Märchens „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff als Wandertheater mit mehreren Stationen im Freilichtmuseum war ausgesprochen eindrucksvoll – bis hin zu den im Wald rot flackernden gestohlenen Herzen, die über verborgene Lautsprecher pochten.

„Brandboden oder Wie Melk die Kohle aus dem Feuer holt“, Landschaftstheater Ballenberg 2022

Am Sonntagmorgen habe ich dann noch eine Runde durchs Museum gedreht, um mir vor der fünfstündigen Heimfahrt die Füße zu vertreten. Leicht ist mir der Abschied nicht gefallen – aber ich freue mich schon jetzt darauf, im Oktober wieder im Ballenbergzentrum zu unterrichten. Zuvor geht’s Ende August erst einmal in die entgegengesetzte Richtung: zu einem Wochenendkurs nach Brandenburg auf den Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube.

Auf Wiedersehen auf dem Ballenberg im Oktober!

[Alle Links dienen nur der Information und sind weder beauftragt noch bezahlt.]
Alle aktuellen Kurstermine findet ihr unter „Termine“ auf dieser Website.

Knöpfe und Lavendelduft

14. Juli 2022

Wenn Knopfmacherinnen auf Reisen gehen, ist zumindest eine Grundausstattung an Material und Werkzeug immer mit dabei – so auch, als ich mit meinem Mann und guten Freunden für zwei Wochen in die Provence aufbrach. Dorthin zieht es uns seit Jahrzehnten immer wieder. Nur die Lavendelblüte hatten wir noch nie erlebt, weil wir immer erst im Spätsommer nach Südfrankreich gefahren waren. Das sollte diesmal anders werden! Deshalb legten wir unseren Urlaub auf Ende Juni/Anfang Juli und nahmen Temperaturen bis zu 37 Grad in Kauf. Es hat sich gelohnt!

Weil ich selber mich noch mit leichtem Schauder an die stundenlangen Diavorträge von einst erinnere, habe ich hier eine Art Urlaubstagebuch in Knöpfen zusammengestellt, die ich zu bestimmten Erlebnissen und Orten gestaltet habe.

Blick auf Saignon im Luberon

Los geht’s natürlich mit dem Lavendel, dem wir auf unseren Ausflügen ständig begegnet sind – ebenso wie den Touristinnen, die sich offensichtlich mit großer Sorgfalt auf Fotoshootings in den Lavendelfeldern vorbereitet hatten: weißes, weites Kleid, Sonnenhut, gegebenenfalls die Kinder im passenden Outfit, mal Smartphone, mal mehrere Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven und Stativ. Die ultimative Kulisse ist natürlich die Abbaye de Sénanque, vor der neben all den vorsorglich mit Elektrozäunen eingefriedeten Lavendelfeldern eine Art Spielplatz-Feld angelegt ist, in dem sich die Fotofans vergnügen können.

Die Auswahl an köstlichen Tomaten auf den südfranzösischen Märkten ist überwältigend.

Kein Provence-Urlaub ohne Märkte! Wir lieben besonders den Samstagsmarkt in Apt (was wirklich kein Geheimtipp ist, denn dorthin pilgern alle Reisenden), aber auch in Reillanne und in Forcalquier haben wir allerlei fürs Abendessen in unserem Quartier bei Saignon eingekauft. Vor allem die unglaubliche Fülle an Tomatensorten, die alle umwerfend schmecken, begeistert uns jedes Mal wieder.

Ich komme an den Ständen mit den provençalischen Stoffen, Tischsets und Servietten nie vorbei und bedaure stets, dass die Auswahl an den typischen Baumwolldrucken, den Indiennes, immer geringer wird. Offensichtlich sind die Muster, die ich so liebe, aus der Mode gekommen. Immerhin habe ich diesmal noch einige Meter ergattert und aus einem winzigen Eckchen einen Singleton-Knopf angefertigt.

Fort von Buoux

Mindestens jeden zweiten Tag haben wir die Wanderschuhe geschnürt, um atemberaubende Schluchten und Hänge mit fantastischen Ausblicken zu erkunden. Während sich an den bekannten Hotspots die Touristen drängen, waren wir auf diesen Wegen fast für uns, zum Beispiel auf dem eindrucksvollen Fort von Buoux oder auf dem Weg zwischen der Abbaye de Sénanque und Gordes.

Aussichtspunkt im Forêt des Cèdres

Auch die Wege im Forêt des Cèdres, dem Zedernwald bei Bonnieux, waren keineswegs überlaufen, und der Blick vom Aussichtspunkt ist einfach großartig.

Ockerfelsen in Roussillon

Keine Reise in den Luberon ohne einen Abstecher zu den Ockerfelsen in Roussillon! Ich liebe es, wie diese Felsen im Abendlicht glühen und freue mich jedes Mal wieder auf diesen Anblick.

Alter Hafen in Marseille mit Blick auf Notre Dame de la Garde

Auch die Stadt Marseille, mit der mich seit meiner Geburt freundschaftliche Beziehungen verbinden, steht immer auf unserer Ausflugsliste. Diesmal haben wir zum ersten Mal mucem, das vor neun Jahren eröffnete Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers, besucht und waren beeindruckt.

Aber natürlich durften auch ein Bummel am Vieux Port, dem alten Hafen, und durch das Viertel Panier nicht fehlen. Savon de Marseille, der traditionellen Marseiller Seife und sicher vielen Nachahmungen, begegnet man nicht nur dort auf Schritt und Tritt.

Tartarin de Tarascon – eine Romanfigur von Alphonse Daudet und einer der Hauptakteure bei den Fêtes de la Tarasque
Die wahrlich furchteinflößende Tarasque

Ein überraschendes Erlebnis waren die Fêtes de la Tarasque in Tarascon. Wir hatten eine Touri-Falle im ganz großen Stil erwartet, weil das Drachenfest als besonderes Highlight im provençalischen Sommer angekündigt worden war. Doch als wir kurz nach elf Uhr durch die fast menschenleere Stadt auf das mit Fahnen geschmückte Rathaus zugingen, glaubten wir schon, uns im Datum geirrt zu haben, bis aus einer Seitenstraße Musik erklang und sich ein Zug von Musikgruppen, Schützen und historisch kostümierten Menschen auf genau diesen Platz zubewegte. Innerhalb von einer Viertelstunde versammelte sich eine große, fröhliche Menge Einheimischer vor dem Rathaus. Dort hatten wir bereits einen Logenplatz unter einem Granatapfelbaum bezogen, von dem aus wir das Geschehen mit offenbar launigen Ansprachen (schwer verständlich, da in südfranzösischer Mundart), krachenden Salutschüssen und einem von allen mit viel Leidenschaft gesungenen Lied perfekt beobachten konnten. Höhepunkt war dabei immer wieder der Auftritt der furchteinflößenden Tarasque, des Drachen, dem der Ort der Legende nach seinen Namen verdankt. Die Tarasque wird von einer Gruppe junger Männer mit viel Schwung und großer Geschwindigkeit durch die Gasse der Schaulustigen gezogen, wobei mich ein Einheimischer zur Vorsicht mahnte: „Elle revient, la Tarasque!“ Sie kommt noch einmal zurück – Vorsicht auf die Füße!

Wir hatten auf jeden Fall den Eindruck, dass dieses Fest der Tarasque von den Einheimischen keineswegs nur als Show für die Touristen, sondern ganz wesentlich zu ihrer eigenen Freude gefeiert wird – und damit auch sehr zu unserer Freude.

Dessert im Sanglier Paresseux

Zwar liefern die südfranzösischen Märkte mit Brot, Tomaten, Käse, Salami, Tapenade und vielen anderen Köstlichkeiten eine reichliche Auswahl für viele Picknicks und Abendessen, aber natürlich haben wir gelegentlich auch das eine oder andere Restaurant besucht. In Caseneuve, einem hoch gelegenen, winzigen Dorf mit rund 500 Einwohnern hatten wir schon 2018 ein außergewöhnliches Restaurant entdeckt: Le Sanglier Paresseux, das „faule Wildschwein“. Auf dessen Terrasse mit wundervollem Ausblick verbrachten wir auch diesmal wieder einen großartigen Abend mit kulinarischen Überraschungen.

Die Eisbecher bei Art Glacier sind Augenweide und Gaumenschmaus zugleich.

Schon Monate vor unserer Reise hatte mein Mann Franz einen Fernsehbeitrag über das Eiscafé Art Glacier in Ansouis gesehen und dieses Lokal auf die Ausflugsliste gesetzt. Mit Recht: Die Eisbecher dort sind eine Augenweide und ein Gaumenschmaus (wenngleich ich auch mit etwas weniger Schlagrahm zufrieden gewesen wäre), und die Aussicht von der Terrasse aus ist wieder einmal grandios.

Flamingos im Parc ornithologique du Pont de Gau

Ein weiterer Tagesausflug hat uns in die Camargue geführt, wo wir unter anderem durch den weitläufigen Vogelpark, den Parc ornithologique du Pont de Gau gestreift sind und unzählige Flamingos beobachtet haben.

So viele Erlebnisse in zwei Wochen! Ich selbst habe nach unserer Rückkehr nur einen kurzen Zwischenstopp zu Hause eingelegt, weil ich zwei Tage danach schon wieder zu einer Kurswoche im Ballenbergzentrum in der Schweiz aufgebrochen bin (davon im nächsten Beitrag mehr). Bleibt uns die Freude auf den Winter, denn wie immer, wenn wir in die Provence reisen, hat uns ein winziges Tonfigürchen nach Violau begleitet, das an Weihnachten in unserer provençalischen Santon-Krippe stehen wird.

Segelfalter am Lavendel

Einstweilen schnuppern wir an den mitgebrachten (redlich erworbenen, nicht vom Feld gestohlenen!) Lavendelsträußen, genießen die letzten Gläschen Tapenade auf der Terrasse und träumen schon jetzt von unserer nächsten Reise in die Provence.

[Alle Links in diesem Beitrag sollen nur der weiteren Information dienen. Ich bin weder dazu beauftragt worden, noch werde ich dafür bezahlt.]

Knöpfe statt Spitze und das Geheimnis der Jatte

Franziskanerkloster Ehingen: Sitz der Volkshochschule

30. Mai 2022

Einer der schönen Aspekte am Beruf als Knopfmacherin ist, dass mich meine Kurse immer wieder an interessante Orte führen und jedesmal mit anderen Menschen zusammenbringen. Diesmal durfte ich eine eingeschworene Gruppe von Klöpplerinnen um die rührige Waltraud Steeb bei der Volkshochschule Ehingen an die Knopfmacherei heranführen. Der Kontakt war auf einem Umweg über die Schweiz entstanden, und so kamen nicht nur Klöpplerinnen aus dem näheren Umkreis zum Kurs, sondern auch zwei Teilnehmerinnen aus der Schweiz und eine aus Köln, die sechs Stunden mit Zug und Bus unterwegs war.

Große Freude schon bei der Ankunft: Das ehemalige Franziskanerkloster, in dem die VHS Ehingen ihren Sitz hat, ist eine malerische Anlage, und der Seminarraum im zweiten Stock lässt buchstäblich keine Wünsche offen. Kisten und Kästen mit Material, Anschauungsobjekten und technischem Equipment lassen sich mit Rollwägen vom Eingang im Erdgeschoss per Aufzug nach oben und direkt in den Raum befördern, es gibt einen Abstellraum und – tadaaaa! – ein riesiges Smartboard, das sich erstaunlich einfach mit meinem Laptop verbinden ließ, sodass ich alle Arbeitsschritte für alle gut sichtbar auf dem Bildschirm zeigen konnte, ohne Leinwand und Beamer aufbauen zu müssen. Ein wirklicher Gewinn für den Kurs!

Das Smartboard hat bei der VHS Ehingen die alte Kreidetafel abgelöst und leistet bei Kursen gute Dienste.

Die begeisterten Klöpplerinnen, die sich in Chainette- und Hohlspitze ebenso auskennen wie im Klöppeln von Jugendstilmustern oder plastischen Blüten, sind sehr vielseitig an diversen Textilkunstthemen interessiert, die selbst mir nach 30 Jahren als Redakteurin von Kreativthemen noch neu waren. So fiel mir in Waltraud Steebs Kursprogramm das Wort „Jatte“ auf: „Schmuck aus Rosshaar auf der Jatte“.

Rosshaar? Jatte? Schmuck aus Menschen- oder Rosshaar ist mir im Laufe der Jahre immer wieder in Museen begegnet, beispielsweise Uhrketten, die junge Frauen im 19. Jahrhundert aus ihren eigenen Haaren für den Liebsten geflochten hatten. Aber darüber, wie solche kleinen Kunstwerke entstanden sind, hatte ich mir nie große Gedanken gemacht – bis zu diesem Wochenende.

Auf der Jatte klöppelt Waltraud Steeb kunstvollen Schmuck aus Rosshaar. Hier sind 32 Klöppel in Arbeit.

Am Abend nach den ersten Knopfworkshopstunden, in denen wir uns mit dem Grundgerüst und den einfachen Wickeltechniken beschäftigten, lud Waltraud Steeb uns zu sich nach Hause ein und demonstrierte mir an der von ihrem Mann gebauten und immer wieder verbesserten Jatte, wie sie aus Rosshaar kunstvolle Hohlgeflechte klöppelt.

Die Methode erinnert an die japanische Kumihimo-Technik zum Flechten von Kordeln, allerdings arbeitet Waltraud Steeb mit wesentlich mehr und wesentlich dünneren Fäden aus einem bis drei Rosshaaren. Über ihre Halsketten und Ringe mit filigranen eingelegten Flechtbändern habe ich sehr gestaunt und mich gefreut, eine Wissenslücke geschlossen zu haben.

Flechtschmuck aus Rosshaar – von Waltraud Steeb auf der Jatte gearbeitet

Die Wissbegier der Kursteilnehmerinnen und ihre Begeisterung für die Kopfmacherei waren so groß, dass manchmal fast (aber wirklich nur fast!) die in dieser Gruppe traditionellen Kaffeepausen am Vormittag und am Nachmittag vergessen worden wären: Augsburger Knopf, Zwirnstern, Zwirnstern mit integriertem Kronkorken und schließlich der Viereckknopf – erst nur gewickelt, dann mit eingewebten Mustern – entstanden und regten die Kreativität der Klöpplerinnen an. Bettina aus Köln webte beispielsweise den Kölner Dom in ihren Viereckknopf ein, Jolanda aus der Schweiz gestaltete ihr Monogramm, und Tina verzierte über Nacht rasch zwei ihrer Zwirnknöpfe mit Perlen.

Kreative Ideen für Webmuster in Viereckknöpfen

Entsprechend eindrucksvoll fiel dann am Sonntagmittag das Abschlussfoto aus:

Ergebnisse des Knopfmacherei-Kurses an der VHS Ehingen

Auch wenn sie nicht geklöppelt sind: Diese Knöpfe sind Spitze, finde ich. Und die Klöpplerinnen sind der Knopfmacherei offensichtlich noch lange nicht überdrüssig, denn wir haben schon einen neuen Termin fürs Himmelfahrtswochenende 2023 ins Auge gefasst. Dann wollen sie nicht nur Knöpfe gestalten, sondern auch Yubinuki, japanische Fingerhutringe, die sie auf einem meiner Anleitungsblätter gesehen haben und mit ihrem Rosshaarschmuck kombinieren wollen. Ein bisschen Klöppelspitze gab’s am Ende doch noch: Edeltraud überreichte mir eine Dankeskarte mit handgeklöppeltem Herz. Den Dank gebe ich gern zurück!

Ein geklöppeltes Herz als außergewöhnliches Dankeschön

Wer jetzt Lust bekommt, die Knopfmacherei selbst einmal auszuprobieren, hat im Juli und August in ganz unterschiedlichen Gegenden die Möglichkeit dazu: Vom 6. bis zum 9. Juli gebe ich zwei Zweitageskurse im Kurszentrum Ballenberg im Berner Oberland, am 30./31. Juli mache ich mit meiner Knopfwerkstatt im Wampendobler Paradies in Niederbayern Station, und am 27./28. Juli komme ich schon zum zweiten Mal auf den Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube in Brandenburg.

Knopfkurs de Luxe

19. Mai 2022

Außergewöhnliche Orte und Räume für meine Workshops bin ich ja schon einigermaßen gewöhnt: einen ehemaligen Bauernhof in Brandenburg, eine Reithalle im niederländischen Brabant, ein Weingut in Oppenheim oder das Ballenbergzentrum hoch im Berner Oberland, von spontanen Schnupperkursen im Zug zwischen Augsburg und Frankfurt oder an einem Regentag in der Stube eines Südtiroler Ferienbauernhofs ganz zu schweigen. Kurse im Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg bei Aachen sind trotzdem immer etwas ganz Besonderes.

Das Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg

Das Atelier in einem separaten Gebäude, ein paar Schritte vom Wohnhaus entfernt, liegt in einem weitläufigen Garten, in dem es an jeder Ecke Kunst zu entdecken gibt. Sogar auf der Vogeltränke haben es sich drei Bronzefigürchen gemütlich gemacht.

Im weitläufigen Garten gibt es allerlei zu entdecken.

Doch nicht nur dieses einzigartige Ambiente macht jedes Kurswochenende zu einem Erlebnis, sondern vor allem die herzliche Gastfreundschaft, mit der Elvira und Heinz Altdorf die ganze Gruppe nach Strich und Faden verwöhnen. Da steht an jedem Arbeitsplatz eine Flasche Wasser, Schokolade und Cookies liegen zur Stärkung bereit, und mittags wartet schon eine köstliche Mahlzeit mit Gemüse und Salat sowie Kaffee und Kuchen zum Nachtisch auf die hungrigen Gäste. All das ist keineswegs selbstverständlich, und entsprechend haben wir’s genossen.

Im Kursraum selbst hatten die sieben Teilnehmerinnen an U-förmig aufgestellten Tischen reichlich Platz und gute Sicht auf die Leinwand, auf die ich per Kamera meine Hände bei der Arbeit projiziere. Die Technik hat die überdimensionalen Holzscheiben und Ringe abgelöst, an denen ich die Wickel- und Webtechniken bis vor zwei Jahren demonstriert habe. Auf einem großen Filztisch konnte ich eine Auswahl fertiger Knöpfe, alte Trachtenteile und neue Projekte mit Zwirn- und Posamentenknöpfen präsentieren und das Material bereitlegen.

Der Einsatz von Kamera, Laptop, Beamer und Leinwand hat sich inzwischen bei vielen Kursen bewährt.
Die alte Schwälmer Trolljacke, mein Hut und meine Uhr mit neuen Knöpfen in alter Technik sollen die Teilnehmerinnen zu eigenen Anwendungsideen inspirieren.
Garne, Garnkärtchen und Rohlinge für viele, viele bunte Knöpfe

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Garnfarben die Teilnehmerinnen für ihre eigenen Knöpfe wählen und kombinieren. Mein Faible für Türkis, Petrol, Teal, Mint und alle anderen Schattierungen des blaugrünen Spektrums hat sich inzwischen herumgesprochen. Neulich hatte sogar eine Teilnehmerin eine ganze Kiste voller Garne in Rottönen dabei, weil sie fürchtete, ich würde nur Garne in Blau, Grün und Türkis anbieten. Aber keine Sorge: Ich bringe immer eine breite Palette an Farben mit.

Die kreative Gruppe meines dritten Kurses im Atelier von Elvira Altdorf (links)

Am Samstagnachmittag beschäftigten wir uns erst einmal mit den elementaren Techniken der Posamentenknopfmacherei, legten ein Grundgerüst an und wickelten den Sternknopf und den Glatten Knopf. Wie immer gab’s beim Sichern und Vernähen des Grundgerüstes ein Gedenken an die strengen Handarbeitslehrerinnen meiner Grundschulzeit, Schwester Laurentia und Schwester Ambrosia, die jede Handarbeit erst einmal auf links drehten, um die Verarbeitung der Rückseite zu begutachten.

Am Sonntag übertrugen wir die Erfahrungen vom Vortag dann vom Holzrohling auf den Aluminiumring und fertigten erst kleinere Zwirnsterne und später große Zwirnsterne mit integriertem Kronkorken an. Ich bin mir sicher, dass die frischgebackenen Knopfmacherinnen künftig mit ganz neuen Augen durch den Getränkemarkt streifen werden …

Sternknöpfe, Glatte Knöpfe sowie Zwirnsterne mit und ohne integrierten Kronkorken entstanden in eineinhalb Kurstagen.

Eine Überraschung gab’s zum Schluss: Petra Müller, Reisebuchautorin und Videobloggerin, hat während des Kurses fotografiert und gefilmt und ihr Material anschließend innerhalb weniger Stunden zu einem Film verarbeitet. So konnte ich schon auf der Heimfahrt die Erinnerungen an das gelungene Wochenende Revue passieren lassen. Schaut gerne auch mal rein – hier geht’s zum Video: https://youtu.be/_Hlogj4YsgY.

Ich packe derweil schon wieder meine Kisten, denn nächste Woche geht’s wieder an einen besonderen Ort: ins Franziskanerkloster Ehingen.