Von Brandenburg ins Berner Oberland

18. September 2022

Mal die weiten Ebenen Brandenburgs, mal das bergige Berner Oberland: Auch in den vergangenen Wochen bin ich mit meiner Knopfwerkstatt weit herumgekommen, um Menschen für die Knopfmacherei zu begeistern.

Knöpfe, Kühe und Tomaten:
Kurswochenende auf dem Werenziahof

Sabine Reichert-Kassube macht aus ihrem Werenziahof im brandenburgischen Werenzhain ein Kunstprojekt.

Bei der Filzkünstlerin Sabine Reichert-Kassube war ich schon zum vierten Mal zu Gast: Zweimal habe ich in ihrem früheren Atelier in Berlin-Friedrichshagen Workshops gegeben. 2020 sollte mein Kurs der letzte dort vor dem Umzug nach Werenzhain sein, doch der fiel schon coronabedingt aus. So lernte ich das Kunstprojekt Werenziahof im vergangenen Jahr kennen und kam nun sehr gerne zurück, um wieder zwei Tage lang dort zu unterrichten.

Sabine Reichert-Kassube mit einer ihrer Laufenten

Seit meinem Besuch im August 2021 hatte sich einiges verändert: Der auf einer Seite offene Durchgang, in dem damals die Schwalben genistet hatten, ist nun auf beiden Seiten durch große Glasfronten geschlossen und mit einem fantasievollen Mosaikboden gepflastert, sodass ein lichter Wintergarten als Ausstellungs- und Aufenthaltsraum entstanden ist. Am Tag vor dem Workshop waren außerdem drei junge Laufenten auf dem Hof eingezogen, und im Waschhaus gab es eine kleine Ausstellung zum Thema „Kuh“ zu sehen.

Einige der Exponate in der Ausstellung zum Thema „Kuh“

Ihr Filzatelier hatte unsere Gastgeberin fast vollständig für den Knopfworkshop ausgeräumt, an dessen erstem Tag auch zwei Männer teilnahmen: Vater und Sohn einer vierköpfigen Familie aus Berlin, die immer wieder gemeinsam Kreativkurse besucht – vor einiger Zeit einen über das Drehen von Glasperlen, nun eben einen über Posamentenknopfmacherei. Eine Teilnehmerin hatte mich im vergangenen Jahr im Bayerischen Fernsehen entdeckt und sofort eine Freundin überredet, mit ihr gemeinsam den Workshop in Werenzhain zu buchen. Eine andere hatte bereits einen Knopfmachereikurs in der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach absolviert und freute sich, ihre Kenntnisse näher an ihrem Wohnort Dresden erweitern zu können. Und Sabine Reichert-Kassubes Schwester Birgit verzichtete sogar einige Stunden lang auf das Programm des Sängerfestes in Finsterwalde, um ihre ersten Knöpfe zu gestalten. Begeistert nähte sie ihre Werke sofort an, sodass wir fürs Abschlussfoto ihre Jacke mit ins Bild drapieren mussten.

Wie immer übten wir die Grundtechniken am Sternknopf. Einige ambitionierte Teilnehmerinnen wagten sich dabei schon bald an zweifarbige Grundgerüste oder arbeiteten Folienspiegel ein. (Die sind immer eine willkommene Ausrede dafür, zwischendurch ein bisschen süße Nervennahrung zu naschen, um an gold- oder silberglänzende Folienstückchen zu kommen.)

Weil nicht alle am zweiten Tag dabei sein konnten, aber großes Interesse an der Zwirnknopftechnik äußerten, änderten wir das Programm kurzfristig und gestalteten Zwirnsterne, zum Teil schon mit integriertem Kronkorken.

Am Folgetag kehrten wir dann wieder zu den Variationen des Sternknopfs zurück und befassten uns mit meinem Lieblingsmodell, dem Augsburger Knopf, der nicht nur außerordentlich dekorativ ist, sondern sich wegen der dicht verwebten und überstickten Fäden auch sehr gut als Gebrauchsknopf eignet. Ich bin wirklich stolz darauf, welch schöne Exemplare im Kurs entstanden sind.

Die Ergebnisse der beiden Kurstage in Werenzhain

Zwischendurch haben wir uns ein wenig die Füße vertreten und einen ebenso begeisterten wie erfolgreichen Hobbygärtner in der Nachbarschaft besucht, der uns eingeladen hatte, seine mehr als dreißig Tomatensorten zu besichtigen und zu verkosten: Kaum zu glauben, wie unterschiedlich Tomaten schmecken können. Fasziniert haben uns auch die Bohnenpflanzen, die am Balkon hinauf ranken und große Mengen an dicken Bohnen in allen Größen und Farben liefern – fast so bunt wie unsere Knöpfe.

Besuch in der Tomatenausstellung (mit Exkurs zu dicken Bohnen): eine überwältigende Vielfalt!

Fazit: Der Wochenendkurs auf dem Werenziahof war über die Knopfmacherei hinaus bereichernd und überaus spannend. Ich komme gerne wieder.

Wir freuen uns über den gelungenen Wochenendkurs: Helene (links) und Sabine.

Bei den Textil-Profis in der Abegg-Stiftung

Kurz nach dem Wochenende in Brandenburg hat mich der Weg in die andere Richtung geführt: zur Abegg-Stiftung in Riggisberg in der Schweiz. Die Stiftung betreibt in der Nähe von Bern ein sehr sehenswertes Museum mit textilen Schätzen und anderen Kunstwerken aus mehreren Jahrtausenden sowie ein Atelier für Textilkonservierung und -restaurierung, in dem auch Studierende ausgebildet werden.

Das Museumsgebäude der Abegg-Stiftung in Riggisberg

Das Kollegium des Textil-Ateliers wollte der Restauratorin Corinna H. zum Übertritt in den Ruhestand ein außergewöhnliches Geschenk machen: einen gemeinsamen Knopfkurs. Eine wunderbare Idee, wie ich finde, und eine echte Herausforderung für mich, denn die Mitarbeiterinnen des Ateliers sind allesamt Koryphäen in diversen textilen Techniken.

Eine Herausforderung war der Kurs aber auch in anderer Hinsicht: Während ich sonst die Teilnehmerzahl auf acht bis zehn begrenze, ließ ich mich in Riggisberg wegen der textilen Expertise und des Abschieds-Events auf rund zwanzig ein, die zudem zwölf Nationen repräsentierten. Aber wie erwartet, waren alle mit großer Fertigkeit und Kompetenz bei der Sache, sodass weder die Klassengröße noch die unterschiedlichen Muttersprachen (alle verstanden und sprachen sehr gut Deutsch) ein Problem darstellten und wir zügig vorankamen.

Einige Impressionen aus dem Knopfmachereikurs an der Abegg-Stiftung

Wir begannen wieder mit dem Sternknopf und dem Glatten Knopf und gingen nach dem Mittagessen (einer köstlichen Bohnenquiche in der hauseigenen Cafeteria) direkt zum Viereckknopf mit gewebtem Muster über, weil einige Teilnehmerinnen Motive in ihren Knopf einweben wollten.

Völlig sprachlos war ich am Ende, als eine von ihnen ohne Anleitung einen gewebten Sternknopf allein nach einem Foto anfertigte und fand: „Das ist doch ganz logisch.“ Lakonischer Kommentar ihrer Nachbarin: „Sie kann das, schließlich ist sie Weberin.“ Ja dann … Leider wurde dieses erstaunliche Werk erst nach dem Abschlussfoto fertig.

Ergebnisse des Tageskurses an der Abegg-Stiftung

Nach knapp acht Stunden waren sage und schreibe 95 Knöpfe entstanden – auch bei der großen Teilnehmerzahl ein beachtliches Ergebnis. Freilich ist ein Kurs vor so vielen Menschen anstrengend, aber die Organisatorinnen haben alles dafür getan, dass ich mich rundherum wohlfühlen konnte. Falls sich eine Kollegin beispielsweise einen Zwirnknopfkurs zum Ausstand wünschen würde – ich wäre dazu gern bereit.

Am Tag nach dem erfolgreichen Kurs habe ich etwas wehmütig von der gastfreundlichen Abegg-Stiftung Abschied genommen und auf dem Heimweg noch einen Abstecher nach Bern gemacht. Dort wurde nämlich im Kunstmuseum just an dem Tag die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ über den Nachlass von Cornelius Gurlitt bzw. seinem Vater, dem Kunsthändler und Sammler Hildebrand Gurlitt, eröffnet. Ich hatte auf der Fahrt in die Schweiz einen Radiobeitrag über dieses Legat, die extrem aufwendige Provenienzforschung (Stichwort: Raubkunst) und die daraus entstandene Ausstellung gehört und spontan einer kunstsinnigen Freundin aus Zürich ein Treffen in Bern vorgeschlagen. Wir haben es nicht bereut! Wer bis Mitte Januar nach Bern kommt, sollte sich die Ausstellung nicht entgehen lassen.

Sehr empfehlenswert: die Ausstellung „Gurlitt. Eine Bilanz“ im Kunstmuseum Bern

Ausblick auf die nächsten Wochen

Inzwischen stehen die Kisten mit Kursmaterial, Anschauungsobjekten und Technik wieder in der Knopfwerkstatt. In den nächsten Tagen müssen einige Projekte im Redaktionsbüro fertig werden.

Aber schon Anfang Oktober geht die Knopfwerkstatt wieder auf Tour: Am Mittwoch, 5. Oktober, zeige ich in einem Workshop bei MEZ in Herbolzheim am Sternknopf die Grundlagen der Posamentenknopfmacherei. Und sozusagen als Bonus-Track fertigen wir einen Yorkshire Button an, der sich zu einem niedlichen Teddykopf weiterverarbeiten lässt.

Aus einem Yorkshire Button lässt sich ein hübscher Teddykopf zaubern.

Am darauf folgenden Wochenende 8./9. Oktober präsentiere ich meine Knöpfe auf dem 22. Schwäbischen Trachtenmarkt der Trachtenkultur-Beratung in Krumbach.

Das Maut-Pickerl für die Schweiz rentiert sich in diesem Jahr, denn am 11. Oktober zieht es mich wieder in die Schweiz: zum Ballenbergzentrum, wo ich vom 12. bis zum 15. Oktober zwei Knopfmachereikurse gebe.

Anfang November schließlich rollt die Knopfwerkstatt zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder nach Wien: Dort gebe ich am Mittwoch/Donnerstag, 2./3. November, einen Knopfkurs im Atelier von Sawatou Mouratidou und nehme am Wochenende 5./6. November am Markt „Kunst im Handwerk“ in Perchtoldsdorf teil.

Reichlich Gelegenheit also, einander (wieder) zu sehen! Ich freu mich drauf!

Knopfkurse mit Bergpanorama

10. August 2022

Seit Kurzem steht eine lebensgroße Holzkuh vor dem Eingang zum Ballenbergzentrum.

Schon zwei Tage nach unserer Rückkehr aus der Provence (siehe Blog-Eintrag „Knöpfe und Lavendelduft“) habe ich meinen kleinen roten Knopfwerkstatt-Flitzer wieder bis unters Dach vollgepackt und bin in Richtung Schweiz aufgebrochen. Im Ballenbergzentrum im Berner Oberland hatte ich schon im Februar zwei Kurse gegeben und freute mich darauf, wieder an diesem ganz besonderen Ort zu unterrichten.

Ich war auch sehr gespannt darauf, das Freilichtmuseum Ballenberg im Sommer zu erleben, denn im Februar war ich nur einmal in der Abenddämmerung eine Stunde lang durch das weitläufige Gelände gewandert und hatte dabei die Bekanntschaft eines einsamen Alphornbläsers gemacht, der unter dem Vordach einer Scheune übte: ein magisches Erlebnis, im abendlichen Dunst von Alphornklängen begleitet zu werden.

Die Voraussetzungen für die Kurse waren wie im Winter erstklassig: ein großer Raum im kühlen Untergeschoss (direkt neben der Cafeteria!) mit viel Platz für alle Teilnehmerinnen, Licht, Kabeltrommeln und (danke, Lukas!) zwei nagelneuen Adaptern für die Schweizer Steckdosen.

Eine kleine Ausstellung fertiger Knöpfe soll die Teilnehmerinnen inspirieren.
Hier lässt sich sehr angenehm unterrichten.

Wie sich herausstellte, hatten die Teilnehmerinnen an beiden Zwei-Tages-Kursen (Posamentenknöpfe und Zwirnknöpfe) ausgezeichnete Vorkenntnisse in textilen Techniken, sodass wir vom Sternknopf bzw. dem Zwirnstern zügig zu anspruchsvolleren Techniken übergehen konnten.

Patricia, von Beruf Handarbeitslehrerin, war volle vier Tage in beiden Kursen dabei und hat ihre Knöpfe ganz besonders sorgfältig dokumentiert und abends sogar noch in ihrer Pension Überstunden gemacht, um immer auf dem aktuellen Stand zu sein. Ich habe mich sehr darüber gefreut, denn genau dafür habe ich dieses Notizbuch „Meine Knöpfe“ entwickelt – und so akkurat hat es wohl noch nie jemand geführt.

Eine Doppelseite aus Patricias Knopf-Journal: Danke, dass ich das zeigen darf!

Die gewebten Herzknöpfe waren im Posamentenknopfkurs besonders beliebt, aber es sind auch viele andere schöne Knöpfe in den zwei Tagen entstanden. Wir hatten mit einem gewickelten Sternknopf und einem Glatten Knopf angefangen und uns über den Augsburger Knopf zum Viereckknopf und zum Schwälmer Hutknopf vorgearbeitet.

Ein beeindruckendes Bouquet an Posamentenknöpfen aus zwei Kurstagen.

Die Teilnehmerinnen im Zwirnknopfkurs waren überhaupt nicht zu bremsen. Die Grundtechnik hatten wir am Zwirnstern geübt und darauf aufbauend Kronkorken eingearbeitet und Blüten ins Grundgerüst eingestickt. Auf vielfachen Wunsch haben wir uns am Schluss noch einen Exkurs zum Yorkshire Button gegönnt.

Das Einarbeiten von Kronkorken in einen großen Zwirnknopf hat allen viel Spaß gemacht.
Auf diese Ergebnisse können die Teilnehmerinnen meines Zwirnknopfkurses wirklich stolz sein.

Eine besondere Freude war es für mich, am Abend nach einem Kurstag Gerda, eine Knopfmacherin aus der Gegend, persönlich zu treffen, die ich bisher nur über die Knöpfe-Gruppe auf Facebook und über Online-Kurse kennengelernt hatte. War das schön, gemeinsam zu Abend zu essen und anschließend durch das abendlich ruhige Freilichtmuseum zu wandern!

Überhaupt – das Freilichtmuseum! Es war ein außerordentliches Vergnügen, morgens und abends durch das Gelände zu streifen, wenn das Museum noch nicht oder nicht mehr geöffnet hatte. Ich habe die Gelegenheit täglich genutzt und sogar mein Frühstück auf meine ein- bis zweistündige Runde mitgenommen. Zwar waren zu diesen Zeiten die Häuser geschlossen, aber es war allein schon ein Genuss, von der Zentralschweiz ins Tessin und vom Wallis nach Graubünden zu wandern, vorbei an Weiden mit Ziegen, Pferden oder Kühen, Bauerngärten, Weinreben und durch Waldstücke.

Am ersten und am letzten Tag konnte ich zu den Öffnungszeiten auch einen Blick in die Häuser, in die Werkstätten und in die Sellerie werfen, und auch das hat sich wirklich gelohnt. Hier ein paar Impressionen:

Freilichtmuseum Ballenberg: Blick in die Berge
Strohgedecktes Haus im Freilichtmuseum Ballenberg
Freilichtmuseum Ballenberg: Küche
Freilichtmuseum Ballenberg: Schlafzimmer
Freilichtmuseum Ballenberg: Edelschweine
Freilichtmuseum Ballenberg: Hutmacherwerkstatt

Der Posamentenknopfkurs hat sogar am ersten Tag nach dem Mittagessen eine Exkursion ins Museum unternommen, um den Posamentenband-Webstuhl in Aktion zu erleben. Was für eine beeindruckende Maschine, auf der aus feinsten Fäden – einst Seide, heute Viskose – gleichzeitig viele schmale Bändchen entstehen! Die Technik ist wirklich ausgeklügelt, denn die winzigen Schiffchen dürfen ja nicht über die komplette Breite des Webstuhls geschossen werden, sondern müssen immer bereits nach der Kette für das jeweilige Bändchen wenden.

Der Posamentenband-Webstuhl des Freilichtmuseums Ballenberg
Aus feinsten Fäden entstehen die schmalen Bänder.

Natürlich habe ich auch den berühmten Trauffer-Kühen einen Besuch abgestattet, die in der Schweiz offenbar jedes Kind kennt und die in Hofstetten, ein paar hundert Meter vom Ballenbergzentrum entfernt, hergestellt werden. Seit Juli gibt es dort die Trauffer Erlebniswelt, in der man unter anderem den Werdegang einer solchen Kult-Kuh in vielen Arbeitsschritten verfolgen kann. Ein netter Gag ist das Spiegelkabinett, in dem Hunderte von Holzkühen durch die Spiegelungen zu einer schier unübersehbaren Herde werden. Und sogar ein paar knopfwerkstattfarbene Exemplare sind dabei.

Trauffer-Kuh im Knopfwerkstatt-Look

Einen Ausflug an den Brienzer See habe ich mir nur am letzten Abend gegönnt – nach Kursende und vor einem weiteren Highlight im Museum, das mir wirklich ans Herz gewachsen ist: einer Theateraufführung in der Abenddämmerung (siehe unten).

In Brienz hatte die ganze Woche über ein Holzbildhauer-Symposium am Seeufer stattgefunden, dessen Ergebnisse am Samstagabend präsentiert wurden.

Blick über den Brienzer See in Richtung Brienz
Holzbildhauer-Symposium am Brienzer See
Holzbildhauer-Symposium am Brienzer See

Für den späteren Abend hatte ich ein Ticket für die Inszenierung „Brandboden oder Wie Melk die Kohle aus dem Feuer holt“ des Landschaftstheaters Ballenberg gebucht und wurde nicht enttäuscht. Die Adaptation des Märchens „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff als Wandertheater mit mehreren Stationen im Freilichtmuseum war ausgesprochen eindrucksvoll – bis hin zu den im Wald rot flackernden gestohlenen Herzen, die über verborgene Lautsprecher pochten.

„Brandboden oder Wie Melk die Kohle aus dem Feuer holt“, Landschaftstheater Ballenberg 2022

Am Sonntagmorgen habe ich dann noch eine Runde durchs Museum gedreht, um mir vor der fünfstündigen Heimfahrt die Füße zu vertreten. Leicht ist mir der Abschied nicht gefallen – aber ich freue mich schon jetzt darauf, im Oktober wieder im Ballenbergzentrum zu unterrichten. Zuvor geht’s Ende August erst einmal in die entgegengesetzte Richtung: zu einem Wochenendkurs nach Brandenburg auf den Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube.

Auf Wiedersehen auf dem Ballenberg im Oktober!

[Alle Links dienen nur der Information und sind weder beauftragt noch bezahlt.]
Alle aktuellen Kurstermine findet ihr unter „Termine“ auf dieser Website.

Knöpfe und Lavendelduft

14. Juli 2022

Wenn Knopfmacherinnen auf Reisen gehen, ist zumindest eine Grundausstattung an Material und Werkzeug immer mit dabei – so auch, als ich mit meinem Mann und guten Freunden für zwei Wochen in die Provence aufbrach. Dorthin zieht es uns seit Jahrzehnten immer wieder. Nur die Lavendelblüte hatten wir noch nie erlebt, weil wir immer erst im Spätsommer nach Südfrankreich gefahren waren. Das sollte diesmal anders werden! Deshalb legten wir unseren Urlaub auf Ende Juni/Anfang Juli und nahmen Temperaturen bis zu 37 Grad in Kauf. Es hat sich gelohnt!

Weil ich selber mich noch mit leichtem Schauder an die stundenlangen Diavorträge von einst erinnere, habe ich hier eine Art Urlaubstagebuch in Knöpfen zusammengestellt, die ich zu bestimmten Erlebnissen und Orten gestaltet habe.

Blick auf Saignon im Luberon

Los geht’s natürlich mit dem Lavendel, dem wir auf unseren Ausflügen ständig begegnet sind – ebenso wie den Touristinnen, die sich offensichtlich mit großer Sorgfalt auf Fotoshootings in den Lavendelfeldern vorbereitet hatten: weißes, weites Kleid, Sonnenhut, gegebenenfalls die Kinder im passenden Outfit, mal Smartphone, mal mehrere Spiegelreflexkameras mit Wechselobjektiven und Stativ. Die ultimative Kulisse ist natürlich die Abbaye de Sénanque, vor der neben all den vorsorglich mit Elektrozäunen eingefriedeten Lavendelfeldern eine Art Spielplatz-Feld angelegt ist, in dem sich die Fotofans vergnügen können.

Die Auswahl an köstlichen Tomaten auf den südfranzösischen Märkten ist überwältigend.

Kein Provence-Urlaub ohne Märkte! Wir lieben besonders den Samstagsmarkt in Apt (was wirklich kein Geheimtipp ist, denn dorthin pilgern alle Reisenden), aber auch in Reillanne und in Forcalquier haben wir allerlei fürs Abendessen in unserem Quartier bei Saignon eingekauft. Vor allem die unglaubliche Fülle an Tomatensorten, die alle umwerfend schmecken, begeistert uns jedes Mal wieder.

Ich komme an den Ständen mit den provençalischen Stoffen, Tischsets und Servietten nie vorbei und bedaure stets, dass die Auswahl an den typischen Baumwolldrucken, den Indiennes, immer geringer wird. Offensichtlich sind die Muster, die ich so liebe, aus der Mode gekommen. Immerhin habe ich diesmal noch einige Meter ergattert und aus einem winzigen Eckchen einen Singleton-Knopf angefertigt.

Fort von Buoux

Mindestens jeden zweiten Tag haben wir die Wanderschuhe geschnürt, um atemberaubende Schluchten und Hänge mit fantastischen Ausblicken zu erkunden. Während sich an den bekannten Hotspots die Touristen drängen, waren wir auf diesen Wegen fast für uns, zum Beispiel auf dem eindrucksvollen Fort von Buoux oder auf dem Weg zwischen der Abbaye de Sénanque und Gordes.

Aussichtspunkt im Forêt des Cèdres

Auch die Wege im Forêt des Cèdres, dem Zedernwald bei Bonnieux, waren keineswegs überlaufen, und der Blick vom Aussichtspunkt ist einfach großartig.

Ockerfelsen in Roussillon

Keine Reise in den Luberon ohne einen Abstecher zu den Ockerfelsen in Roussillon! Ich liebe es, wie diese Felsen im Abendlicht glühen und freue mich jedes Mal wieder auf diesen Anblick.

Alter Hafen in Marseille mit Blick auf Notre Dame de la Garde

Auch die Stadt Marseille, mit der mich seit meiner Geburt freundschaftliche Beziehungen verbinden, steht immer auf unserer Ausflugsliste. Diesmal haben wir zum ersten Mal mucem, das vor neun Jahren eröffnete Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers, besucht und waren beeindruckt.

Aber natürlich durften auch ein Bummel am Vieux Port, dem alten Hafen, und durch das Viertel Panier nicht fehlen. Savon de Marseille, der traditionellen Marseiller Seife und sicher vielen Nachahmungen, begegnet man nicht nur dort auf Schritt und Tritt.

Tartarin de Tarascon – eine Romanfigur von Alphonse Daudet und einer der Hauptakteure bei den Fêtes de la Tarasque
Die wahrlich furchteinflößende Tarasque

Ein überraschendes Erlebnis waren die Fêtes de la Tarasque in Tarascon. Wir hatten eine Touri-Falle im ganz großen Stil erwartet, weil das Drachenfest als besonderes Highlight im provençalischen Sommer angekündigt worden war. Doch als wir kurz nach elf Uhr durch die fast menschenleere Stadt auf das mit Fahnen geschmückte Rathaus zugingen, glaubten wir schon, uns im Datum geirrt zu haben, bis aus einer Seitenstraße Musik erklang und sich ein Zug von Musikgruppen, Schützen und historisch kostümierten Menschen auf genau diesen Platz zubewegte. Innerhalb von einer Viertelstunde versammelte sich eine große, fröhliche Menge Einheimischer vor dem Rathaus. Dort hatten wir bereits einen Logenplatz unter einem Granatapfelbaum bezogen, von dem aus wir das Geschehen mit offenbar launigen Ansprachen (schwer verständlich, da in südfranzösischer Mundart), krachenden Salutschüssen und einem von allen mit viel Leidenschaft gesungenen Lied perfekt beobachten konnten. Höhepunkt war dabei immer wieder der Auftritt der furchteinflößenden Tarasque, des Drachen, dem der Ort der Legende nach seinen Namen verdankt. Die Tarasque wird von einer Gruppe junger Männer mit viel Schwung und großer Geschwindigkeit durch die Gasse der Schaulustigen gezogen, wobei mich ein Einheimischer zur Vorsicht mahnte: „Elle revient, la Tarasque!“ Sie kommt noch einmal zurück – Vorsicht auf die Füße!

Wir hatten auf jeden Fall den Eindruck, dass dieses Fest der Tarasque von den Einheimischen keineswegs nur als Show für die Touristen, sondern ganz wesentlich zu ihrer eigenen Freude gefeiert wird – und damit auch sehr zu unserer Freude.

Dessert im Sanglier Paresseux

Zwar liefern die südfranzösischen Märkte mit Brot, Tomaten, Käse, Salami, Tapenade und vielen anderen Köstlichkeiten eine reichliche Auswahl für viele Picknicks und Abendessen, aber natürlich haben wir gelegentlich auch das eine oder andere Restaurant besucht. In Caseneuve, einem hoch gelegenen, winzigen Dorf mit rund 500 Einwohnern hatten wir schon 2018 ein außergewöhnliches Restaurant entdeckt: Le Sanglier Paresseux, das „faule Wildschwein“. Auf dessen Terrasse mit wundervollem Ausblick verbrachten wir auch diesmal wieder einen großartigen Abend mit kulinarischen Überraschungen.

Die Eisbecher bei Art Glacier sind Augenweide und Gaumenschmaus zugleich.

Schon Monate vor unserer Reise hatte mein Mann Franz einen Fernsehbeitrag über das Eiscafé Art Glacier in Ansouis gesehen und dieses Lokal auf die Ausflugsliste gesetzt. Mit Recht: Die Eisbecher dort sind eine Augenweide und ein Gaumenschmaus (wenngleich ich auch mit etwas weniger Schlagrahm zufrieden gewesen wäre), und die Aussicht von der Terrasse aus ist wieder einmal grandios.

Flamingos im Parc ornithologique du Pont de Gau

Ein weiterer Tagesausflug hat uns in die Camargue geführt, wo wir unter anderem durch den weitläufigen Vogelpark, den Parc ornithologique du Pont de Gau gestreift sind und unzählige Flamingos beobachtet haben.

So viele Erlebnisse in zwei Wochen! Ich selbst habe nach unserer Rückkehr nur einen kurzen Zwischenstopp zu Hause eingelegt, weil ich zwei Tage danach schon wieder zu einer Kurswoche im Ballenbergzentrum in der Schweiz aufgebrochen bin (davon im nächsten Beitrag mehr). Bleibt uns die Freude auf den Winter, denn wie immer, wenn wir in die Provence reisen, hat uns ein winziges Tonfigürchen nach Violau begleitet, das an Weihnachten in unserer provençalischen Santon-Krippe stehen wird.

Segelfalter am Lavendel

Einstweilen schnuppern wir an den mitgebrachten (redlich erworbenen, nicht vom Feld gestohlenen!) Lavendelsträußen, genießen die letzten Gläschen Tapenade auf der Terrasse und träumen schon jetzt von unserer nächsten Reise in die Provence.

[Alle Links in diesem Beitrag sollen nur der weiteren Information dienen. Ich bin weder dazu beauftragt worden, noch werde ich dafür bezahlt.]

Knöpfe statt Spitze und das Geheimnis der Jatte

Franziskanerkloster Ehingen: Sitz der Volkshochschule

30. Mai 2022

Einer der schönen Aspekte am Beruf als Knopfmacherin ist, dass mich meine Kurse immer wieder an interessante Orte führen und jedesmal mit anderen Menschen zusammenbringen. Diesmal durfte ich eine eingeschworene Gruppe von Klöpplerinnen um die rührige Waltraud Steeb bei der Volkshochschule Ehingen an die Knopfmacherei heranführen. Der Kontakt war auf einem Umweg über die Schweiz entstanden, und so kamen nicht nur Klöpplerinnen aus dem näheren Umkreis zum Kurs, sondern auch zwei Teilnehmerinnen aus der Schweiz und eine aus Köln, die sechs Stunden mit Zug und Bus unterwegs war.

Große Freude schon bei der Ankunft: Das ehemalige Franziskanerkloster, in dem die VHS Ehingen ihren Sitz hat, ist eine malerische Anlage, und der Seminarraum im zweiten Stock lässt buchstäblich keine Wünsche offen. Kisten und Kästen mit Material, Anschauungsobjekten und technischem Equipment lassen sich mit Rollwägen vom Eingang im Erdgeschoss per Aufzug nach oben und direkt in den Raum befördern, es gibt einen Abstellraum und – tadaaaa! – ein riesiges Smartboard, das sich erstaunlich einfach mit meinem Laptop verbinden ließ, sodass ich alle Arbeitsschritte für alle gut sichtbar auf dem Bildschirm zeigen konnte, ohne Leinwand und Beamer aufbauen zu müssen. Ein wirklicher Gewinn für den Kurs!

Das Smartboard hat bei der VHS Ehingen die alte Kreidetafel abgelöst und leistet bei Kursen gute Dienste.

Die begeisterten Klöpplerinnen, die sich in Chainette- und Hohlspitze ebenso auskennen wie im Klöppeln von Jugendstilmustern oder plastischen Blüten, sind sehr vielseitig an diversen Textilkunstthemen interessiert, die selbst mir nach 30 Jahren als Redakteurin von Kreativthemen noch neu waren. So fiel mir in Waltraud Steebs Kursprogramm das Wort „Jatte“ auf: „Schmuck aus Rosshaar auf der Jatte“.

Rosshaar? Jatte? Schmuck aus Menschen- oder Rosshaar ist mir im Laufe der Jahre immer wieder in Museen begegnet, beispielsweise Uhrketten, die junge Frauen im 19. Jahrhundert aus ihren eigenen Haaren für den Liebsten geflochten hatten. Aber darüber, wie solche kleinen Kunstwerke entstanden sind, hatte ich mir nie große Gedanken gemacht – bis zu diesem Wochenende.

Auf der Jatte klöppelt Waltraud Steeb kunstvollen Schmuck aus Rosshaar. Hier sind 32 Klöppel in Arbeit.

Am Abend nach den ersten Knopfworkshopstunden, in denen wir uns mit dem Grundgerüst und den einfachen Wickeltechniken beschäftigten, lud Waltraud Steeb uns zu sich nach Hause ein und demonstrierte mir an der von ihrem Mann gebauten und immer wieder verbesserten Jatte, wie sie aus Rosshaar kunstvolle Hohlgeflechte klöppelt.

Die Methode erinnert an die japanische Kumihimo-Technik zum Flechten von Kordeln, allerdings arbeitet Waltraud Steeb mit wesentlich mehr und wesentlich dünneren Fäden aus einem bis drei Rosshaaren. Über ihre Halsketten und Ringe mit filigranen eingelegten Flechtbändern habe ich sehr gestaunt und mich gefreut, eine Wissenslücke geschlossen zu haben.

Flechtschmuck aus Rosshaar – von Waltraud Steeb auf der Jatte gearbeitet

Die Wissbegier der Kursteilnehmerinnen und ihre Begeisterung für die Kopfmacherei waren so groß, dass manchmal fast (aber wirklich nur fast!) die in dieser Gruppe traditionellen Kaffeepausen am Vormittag und am Nachmittag vergessen worden wären: Augsburger Knopf, Zwirnstern, Zwirnstern mit integriertem Kronkorken und schließlich der Viereckknopf – erst nur gewickelt, dann mit eingewebten Mustern – entstanden und regten die Kreativität der Klöpplerinnen an. Bettina aus Köln webte beispielsweise den Kölner Dom in ihren Viereckknopf ein, Jolanda aus der Schweiz gestaltete ihr Monogramm, und Tina verzierte über Nacht rasch zwei ihrer Zwirnknöpfe mit Perlen.

Kreative Ideen für Webmuster in Viereckknöpfen

Entsprechend eindrucksvoll fiel dann am Sonntagmittag das Abschlussfoto aus:

Ergebnisse des Knopfmacherei-Kurses an der VHS Ehingen

Auch wenn sie nicht geklöppelt sind: Diese Knöpfe sind Spitze, finde ich. Und die Klöpplerinnen sind der Knopfmacherei offensichtlich noch lange nicht überdrüssig, denn wir haben schon einen neuen Termin fürs Himmelfahrtswochenende 2023 ins Auge gefasst. Dann wollen sie nicht nur Knöpfe gestalten, sondern auch Yubinuki, japanische Fingerhutringe, die sie auf einem meiner Anleitungsblätter gesehen haben und mit ihrem Rosshaarschmuck kombinieren wollen. Ein bisschen Klöppelspitze gab’s am Ende doch noch: Edeltraud überreichte mir eine Dankeskarte mit handgeklöppeltem Herz. Den Dank gebe ich gern zurück!

Ein geklöppeltes Herz als außergewöhnliches Dankeschön

Wer jetzt Lust bekommt, die Knopfmacherei selbst einmal auszuprobieren, hat im Juli und August in ganz unterschiedlichen Gegenden die Möglichkeit dazu: Vom 6. bis zum 9. Juli gebe ich zwei Zweitageskurse im Kurszentrum Ballenberg im Berner Oberland, am 30./31. Juli mache ich mit meiner Knopfwerkstatt im Wampendobler Paradies in Niederbayern Station, und am 27./28. Juli komme ich schon zum zweiten Mal auf den Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube in Brandenburg.

Knopfkurs de Luxe

19. Mai 2022

Außergewöhnliche Orte und Räume für meine Workshops bin ich ja schon einigermaßen gewöhnt: einen ehemaligen Bauernhof in Brandenburg, eine Reithalle im niederländischen Brabant, ein Weingut in Oppenheim oder das Ballenbergzentrum hoch im Berner Oberland, von spontanen Schnupperkursen im Zug zwischen Augsburg und Frankfurt oder an einem Regentag in der Stube eines Südtiroler Ferienbauernhofs ganz zu schweigen. Kurse im Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg bei Aachen sind trotzdem immer etwas ganz Besonderes.

Das Atelier von Elvira Altdorf in Übach-Palenberg

Das Atelier in einem separaten Gebäude, ein paar Schritte vom Wohnhaus entfernt, liegt in einem weitläufigen Garten, in dem es an jeder Ecke Kunst zu entdecken gibt. Sogar auf der Vogeltränke haben es sich drei Bronzefigürchen gemütlich gemacht.

Im weitläufigen Garten gibt es allerlei zu entdecken.

Doch nicht nur dieses einzigartige Ambiente macht jedes Kurswochenende zu einem Erlebnis, sondern vor allem die herzliche Gastfreundschaft, mit der Elvira und Heinz Altdorf die ganze Gruppe nach Strich und Faden verwöhnen. Da steht an jedem Arbeitsplatz eine Flasche Wasser, Schokolade und Cookies liegen zur Stärkung bereit, und mittags wartet schon eine köstliche Mahlzeit mit Gemüse und Salat sowie Kaffee und Kuchen zum Nachtisch auf die hungrigen Gäste. All das ist keineswegs selbstverständlich, und entsprechend haben wir’s genossen.

Im Kursraum selbst hatten die sieben Teilnehmerinnen an U-förmig aufgestellten Tischen reichlich Platz und gute Sicht auf die Leinwand, auf die ich per Kamera meine Hände bei der Arbeit projiziere. Die Technik hat die überdimensionalen Holzscheiben und Ringe abgelöst, an denen ich die Wickel- und Webtechniken bis vor zwei Jahren demonstriert habe. Auf einem großen Filztisch konnte ich eine Auswahl fertiger Knöpfe, alte Trachtenteile und neue Projekte mit Zwirn- und Posamentenknöpfen präsentieren und das Material bereitlegen.

Der Einsatz von Kamera, Laptop, Beamer und Leinwand hat sich inzwischen bei vielen Kursen bewährt.
Die alte Schwälmer Trolljacke, mein Hut und meine Uhr mit neuen Knöpfen in alter Technik sollen die Teilnehmerinnen zu eigenen Anwendungsideen inspirieren.
Garne, Garnkärtchen und Rohlinge für viele, viele bunte Knöpfe

Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, welche Garnfarben die Teilnehmerinnen für ihre eigenen Knöpfe wählen und kombinieren. Mein Faible für Türkis, Petrol, Teal, Mint und alle anderen Schattierungen des blaugrünen Spektrums hat sich inzwischen herumgesprochen. Neulich hatte sogar eine Teilnehmerin eine ganze Kiste voller Garne in Rottönen dabei, weil sie fürchtete, ich würde nur Garne in Blau, Grün und Türkis anbieten. Aber keine Sorge: Ich bringe immer eine breite Palette an Farben mit.

Die kreative Gruppe meines dritten Kurses im Atelier von Elvira Altdorf (links)

Am Samstagnachmittag beschäftigten wir uns erst einmal mit den elementaren Techniken der Posamentenknopfmacherei, legten ein Grundgerüst an und wickelten den Sternknopf und den Glatten Knopf. Wie immer gab’s beim Sichern und Vernähen des Grundgerüstes ein Gedenken an die strengen Handarbeitslehrerinnen meiner Grundschulzeit, Schwester Laurentia und Schwester Ambrosia, die jede Handarbeit erst einmal auf links drehten, um die Verarbeitung der Rückseite zu begutachten.

Am Sonntag übertrugen wir die Erfahrungen vom Vortag dann vom Holzrohling auf den Aluminiumring und fertigten erst kleinere Zwirnsterne und später große Zwirnsterne mit integriertem Kronkorken an. Ich bin mir sicher, dass die frischgebackenen Knopfmacherinnen künftig mit ganz neuen Augen durch den Getränkemarkt streifen werden …

Sternknöpfe, Glatte Knöpfe sowie Zwirnsterne mit und ohne integrierten Kronkorken entstanden in eineinhalb Kurstagen.

Eine Überraschung gab’s zum Schluss: Petra Müller, Reisebuchautorin und Videobloggerin, hat während des Kurses fotografiert und gefilmt und ihr Material anschließend innerhalb weniger Stunden zu einem Film verarbeitet. So konnte ich schon auf der Heimfahrt die Erinnerungen an das gelungene Wochenende Revue passieren lassen. Schaut gerne auch mal rein – hier geht’s zum Video: https://youtu.be/_Hlogj4YsgY.

Ich packe derweil schon wieder meine Kisten, denn nächste Woche geht’s wieder an einen besonderen Ort: ins Franziskanerkloster Ehingen.

Die Knopfwerkstatt unterwegs

Knopfwerkstatt on tour
So sieht es aus, wenn die Knopfwerkstatt auf Reisen geht.

Eine ganze Weile war es hier im Blog ziemlich ruhig. Das lag aber nicht etwa daran, dass die Knopfwerkstatt Winterschlaf gehalten hätte – im Gegenteil! In den vergangenen Wochen war ich ziemlich oft auf Achse, um in der Schweiz, Niedersachsen und Schwaben Kurse zu geben. Nach der langen pandemiebedingten Pause hat es viel Freude gemacht, an schönen und außergewöhnlichen Orten kreativen Menschen zu begegnen und sie für die Knopfmacherei zu begeistern.

Zwirn- und Posamentenknöpfe im Berner Oberland

Ballenbergzentrum im Berner Oberland
Das Ballenbergzentrum im Berner Oberland: Hier wird altes Handwerk gepflegt und weitergegeben.

Im Februar wurde endlich mein langgehegter Traum wahr, Kurse im Ballenbergzentrum im Berner Oberland zu geben. Das Konzept des Kurszentrums, das dem Freilichtmuseum Ballenberg angegliedert ist, fasziniert mich seit vielen Jahren, denn dort werden viele fast vergessene Handwerkstechniken weitergegeben und am Leben erhalten, beispielsweise der Bogenbau, der Bau von Holzbrunnen, Sgraffitotechniken – und nun eben auch die Knopfmacherei.

Jeweils zwei Tage unterrichtete ich Zwirn- und Posamentenknopftechniken in einem wunderbar hellen und großen Seminarraum, immer unterstützt von Geschäftsführer Philipp Kuntze und Techniker Lukas Wanner, wenn es beispielsweise darum ging, einen Steckdosenadapter zu organisieren. Die Kursteilnehmerinnen waren mit viel Elan und Talent bei der Sache, wie unsere Abschlussfotos zeigen:

Vom Sternknopf bis zum Pfeilspitzenknopf: die Ergebnisse des Posamentenknopfkurses im Ballenbergzentrum
Der bescheidene Zwirnknopf wird zum Schmuckstück: die Ergebnisse des Zwirnknopfkurses im Ballenbergzentrum

Nach Kursende habe ich in der Abenddämmerung die Gelegenheit genutzt, mich ein bisschen in Brienz und im noch geschlossenen Freilichtmuseum umzusehen, und freue mich umso mehr darauf, Anfang Juli und im Oktober wieder ins Berner Oberland zu reisen und dort zu unterrichten. (Wer sich für die Kurse interessiert, findet hier alle Informationen zu Programm und Anmeldung.)

Der Brienzer See im Februar in der Abenddämmerung
Hofstetten, der Ort zu dem das Ballenbergzentrum gehört, ist auch Sitz der Firma Trauffer, die Holztiere herstellt. Deren rotbunten Kühe haben mich zu diesem Schweiz-Stillleben inspiriert.

Knopfmachertage online

Die Knopfmachertage der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben fanden wegen der Corona-Einschränkungen online statt, was einerseits schade war, andererseits aber auch Interessentinnen die Teilnahme ermöglichte, die nicht aus großer Entfernung hätten anreisen können.

Drei Themen standen auf dem Programm: Sandra-Janine Müller machte den Anfang mit „Vier Ecken hat mein Knopf“. Ich hatte eigentlich in meinem Redaktionsbüro so viel Arbeit, dass ich „nur mal eine Stunde“ online vorbeischauen wollte, habe mich aber dann doch fasziniert quasi festgewickelt und war am Ende an allen drei Tagen von Anfang bis Ende dabei. In den sieben Stunden mit Sandra entstand eine ganze Kollektion von Knöpfen mit spannenden grafischen Mustern.

Meine Ergebnisse aus Sandra-Janine Müllers Online-Kurs „Vier Ecken hat mein Knopf“

Am zweiten Knopfmachertag waren auch wir erfahreneren Knopfmacherinnen stark gefordert, als Trachtenberaterin Monika Hoede uns in die Kunst des „figurierten Knopfes mit Lahnringen“ einführte. Das Gorldrehen, also die Gestaltung plastischer, kordelartig wirkender Muster auf der Knopfoberfläche, ist eine Technik, die viel Übung erfordert und mir schon bei der Vorbereitung aufs Knopfmacherzertifikat einiges Kopfzerbrechen bereitet hat, aber wir alle haben die Herausforderung gemeistert.

Figurierte Knöpfe mit Lahnringen: meine Übungsstücke vom zweiten Knopfmachertag

Am dritten Knopfmachertag ging es entspannter zu: Ich durfte unter dem Motto „Souvenirs, Souvenirs“ zeigen, wie sich Kronkorken, Münzen, Teile alter Metallknöpfe oder andere Elemente in Zwirnknöpfe einarbeiten lassen. Wer wollte, konnte unter dem Kronkorken auch einen Magneten verstecken und den fertigen Knopf als Nadelhalter für den Knopfmachertisch verwenden.

Meine Beispiele vom Knopfmachertag Nummer drei: Zwirnknöpfe mit eingearbeiteten Elementen

Knopfpassion in der Kunststätte Bossard

Zu meiner großen Freude kam Anfang April endlich auch ein weiterer Kurs zustande, der schon mehrmals hatte verschoben werden müssen: Ein Wochenende lang gestaltete ich mit Frauen aus dem hohen Norden Knöpfe in der Kunststätte Bossard bei Jesteburg in der Lüneburger Heide. Ein außergewöhnlicher, inspirierender Ort!

Die Kunststätte Bossard wurde zwischen 1911 und 1950 vom Künstlerpaar Johann Michael Bossard und seiner Frau Jutta Bossard-Krull im Norden der Lüneburger Heide als Gesamtkunstwerk angelegt.

Im sogenannten Schweizer Schuppen, der einst als Holzlager diente und jetzt zu einem attraktiven Seminarraum umgebaut ist, beschäftigten wir uns zwei Tage lang mit den Grundlagen der Knopfmacherei – vom Sternknopf und dem Glatten Knopf bis zum gewebten Sternknopf und dem Augsburger Knopf. Am zweiten Tag war dann auch noch ein Exkurs in Richtung Zwirnknöpfe drin. Über den Bildschirm, auf dem sonst ein Info-Video über die Kunststätte gezeigt wird, konnte ich bequem per Kamera und Laptop alle Arbeitsschritte und Bilder fertiger Knöpfe mit coronakonformem Abstand zeigen.

Den Bildschirm mit dem Bossard-Video durften wir für den Kurs nutzen.
Der Schweizer Schuppen, das ehemalige Holzlager der Bossards, dient heute als schöner Seminarraum.

Eine vielfältige Kollektion an Knöpfen ist in der Kunststätte Bossard entstanden – besonders beachtlich, weil fast alle Teilnehmerinnen komplette Neulinge in Sachen Knopfmacherei waren.

Das Knopfmacherhandwerk im Ries

Gleich zweimal führte mich der Weg in diesem Frühjahr ins Ries. Dort zeigte das zauberhafte Museum KulturLand Ries in Maihingen sieben Wochen lang die Sonderausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“, zu der ich meinen Beistelltisch aus einem historischen Setzkasten mit über hundert Knöpfen und meine Knopfuhr als Leihgaben beitragen durfte.

So könnte das Wohnzimmer einer Knopfmacherin aussehen: Exponate verschiedener Leihgeberinnen in der Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ im Museum KulturLand Ries in Maihingen.

So unternahm ich mit meinem Mann Franz einen Ausflug zur Ausstellungseröffnung Anfang März, bei der wir nicht nur die vielen Kleidungsstücke, Werkzeuge, Knöpfe und Dokumente aus dem Archiv der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben und die Neuinterpretationen moderner Knopfmacherinnen bewunderten, sondern auch einige gute Bekannte trafen – ein wichtiger Aspekt jeder Vernissage!

Probieren geht bekanntlich über Studieren! Wer durch die Ausstellung Lust bekommen hatte, sich selbst in der Knopfmacherei zu versuchen, bekam die Möglichkeit dazu Anfang April. Eigentlich war nur ein Nachmittagskurs geplant, aber weil das Interesse erfreulich groß und die Warteliste bald lang war, entschlossen die Museumsleitung und ich uns dazu, vormittags einen zweiten Kurs anzubieten. Wie immer in solchen Basis-Workshops war es faszinierend zu erleben, wie sich die Finger und die Köpfe nach der ersten Stunde angestrengten Haltens und Wickelns entspannten und die Ideen für neue Kreationen sprudelten. Außerdem staune ich immer wieder darüber, welche Farbkombinationen die Teilnehmer:innen aus dem Angebot an Garnfarben zusammenstellen, die ich mitbringe.

Zwei dreistündige Grundkurse bot das Museum KulturLand Ries im Begleitprogramm zur Ausstellung „Das Knopfmacherhandwerk im Ries“ an. Ich finde, die Ergebnisse können sich wirklich sehen lassen!

Zwirnknopf trifft Nadelkissen

Eine kleine, aber sehr motivierte Runde traf sich Mitte März im Landauer-Haus in Krumbach, dem Sitz der Trachtenkulturberatung des Bezirks Schwaben, um Nadelkissen mit Zwirnknöpfen anzufertigen. Wer wollte, konnte einen Magneten einarbeiten, auf dem die Nadeln haften bleiben – sehr praktisch zum Beispiel für Nähnadeln, die sonst gelegentlich auf Nimmerwiedersehen (aber manchmal bis zum Wiederpieksen) in der Füllung eines Nadelkissens verschwinden.

Nadelkissen in Kürbis- und Sternform und eine Auswahl bunter Zwirnknöpfe aus dem Kurs im Landauer-Haus

Sechs Tage im Knopfrausch: die Trachtenwerkwoche

Die Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben bot optimale Voraussetzungen für die Trachtenwerkwoche.

Nach Ostern folgte schließlich ein weiterer Höhepunkt in diesem Kursjahr: die Trachtenwerkwoche in Babenhausen, organisiert von Monika Hoede, der Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben. Welch eine Chance und zugleich Herausforderung, eine höchst interessierte Gruppe von fünf Frauen und zwei Männern in rund 24 Kursstunden vom ersten achtzackigen Sternknopf bis zu anspruchsvollen Wickel- und Webtechniken zu führen! Die Voraussetzungen hätten besser nicht sein können: Die Sonne schien, vor unserem großzügigen Seminarraum in der Jugendbildungsstätte des Bezirks Schwaben, kurz Jubi, stand ein Kirschbaum in voller Blüte, die Küche verwöhnte uns mit ausgezeichneten vegetarischen Mahlzeiten, und die Gruppe harmonierte hervorragend.

So konnten wir bei der abschließenden Werkschau ein köstliches Knopfmenü als Augenschmaus präsentieren:
Entré: Salatkomposition von Sternknopf und Glattem Knopf
Zwischengang: Augsburger Knöpfle mit scharf angestickten Flügelchen
Hauptgericht: Filetierter Viereckknopf nach Ottobeurer Art im Languettenmantel
Für Vegetarier: Frühlingsblüten vom Knöpflesbaum
Dessert: Magnetisierte Zwirnknöpfe mit Biertopping

Als Menü präsentierte der Knopfmacherkurs seine Resultate am Ende der Trachtenwerkwoche.

Endlich hatten wir auch die Gelegenheit, die Sattelröcke, Werktagsgewänder, Strunztäschchen, Spenzer und Stoffdrucke zu bewundern, die in den Kursen von Gertrud Agricola-Straßer, Maria Tyroller, Ute Palmer-Wagner, Monika Hoede und Thea Baur entstanden waren. Gerade am letzten Abend waren die Nähmaschinen noch bis tief in die Nacht heißgelaufen, damit die Projekte auch wirklich fertig wurden.

Immerhin blieb zwischendurch noch ein wenig Zeit, mir von Monika Hoede endlich den Brezelknoten zeigen zu lassen, bei dem die Verknüpfung der Hirnhälften ganz bestimmt stark gefördert wird. Die Technik interessiert mich schon lange!

Der Brezelknoten (auch Bretzel- oder Brätzelknoten) ist ein traditioneller Posamentenbesatz.

Ausblick auf die nächsten Wochen

Während ich diesen Blogbeitrag schreibe, stehen die gepackten Kurskisten schon wieder fertig zum Verladen in der Werkstatt: Ende der Woche geht es in Richtung Aachen zu Elvira Altdorf, in deren Filzatelier ich schon zwei Wochenendkurse gegeben habe. Ich freue mich sehr darauf, wieder bei ihr zu unterrichten, denn sie und ihr Mann Heinz kümmern sich ganz großartig um das Wohl von Teilnehmerinnen und Dozentin.

Ende Mai gehe ich ins Kloster – wenn auch nur für ein Wochenende: Dann bin ich mit einem Knopfkurs der VHS Ehingen im dortigen Franziskanerkloster zu Gast. Anfang Juli stehen die nächsten Kurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz auf dem Programm, und am letzten Juli-Wochenende verbringe ich ein Wochenende im Paradies – genauer gesagt im Wampendobler Paradies von Petra und Marc Herrmann in Niederbayern, die mich eingeladen haben, einen Workshop in ihren Räumen zu geben. Zwischen Schweiz und Niederbayern trefft ihr mich noch beim ersten Markt nach langer Pause: auf dem Nordendorfer Handwerkermarkt am Sonntag, 17. Juli.

Weitere Kurse in Brandenburg und in den Niederlanden folgen im Spätsommer. Wenn ihr Lust habt, dabei zu sein, findet ihr alle Termine und Informationen zur Anmeldung hier. Ich freue mich jedenfalls darauf, viele Knopffans wiederzusehen oder neu kennenzulernen!

Knopfkurse 2022

Im Kalender für 2022 steht eine ganze Reihe von Workshops und Kursen, und ich hoffe auf ein Wiedersehen bzw. Kennenlernen an vielen interessanten Orten. Hier findet ihr die bereits geplanten Termine und die Links zu den Veranstalterinnen bzw. den Organisationen, bei denen ihr euch anmelden könnt. Ich freue mich sehr auf euch!

Kurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz (jeweils Zwei-Tages-Kurse)
Zwirnknöpfe: 23./24. Februar, 8./9. Juli bzw. 12./13. Oktober 2022
Posamentenknöpfe: 25./26. Februar, 6./7. Juli bzw. 14./15. Oktober 2022
Information und Anmeldung: http://www.ballenbergkurse.ch

Münzen, Kronkorken, schöne Metallknöpfe und andere Erinnerungsstücke lassen sich effektvoll in Zwirnknöpfe integrieren.

Knopfmachertage in Krumbach (online)
2.–4. März 2022 (verschiedene Themen)
Ich bin am Freitag, 4. März, mit dem Thema „Souvenirs, Souvenirs“ dabei und zeige, wie sich schöne Münzen, außergewöhnliche Kronkorken und andere Erinnerungsstücke dekorativ in Zwirnknöpfe einarbeiten lassen. Der Workshop findet online über Zoom statt.
Information und Anmeldung: https://trachten.bezirk-schwaben.de

Vom einfachen Patchworkquadrat bis zum raffinierten Stern: All diese Nadelkissen gewinnen noch durch einen oder zwei handgenähte Zwirnknöpfe – und unter dem Kronkorken lässt sich zusätzlich ein Magnet einarbeiten.

Zwirnknopf trifft Nadelkissen
Sonntag, 13. März 2022, 10–17 Uhr
Wir nähen ein Nadelkissen in der gewünschten Form – einfach quadratisch oder rund, als raffiniertes Biscornu-Kissen oder als plastischer Stern – und verzieren es mit einem oder zwei Zwirnknöpfen. Wer mag, arbeitet einen dekorativen Kronkorken ein und versteckt darunter einen Magneten, der zusätzlich Nadeln fixiert.
Trachtenkulturberatungsstelle des Bezirks Schwaben, Landauer-Haus, Hürbener Str. 15, 86318 Krumbach
Anmeldung bei der Knopfwerkstatt: helene@knopfwerkstatt.de

Knopfmacherei für Neulinge und Fortgeschrittene
Sonntag, 3. April 2022,
Museum Kulturland Ries, Klosterhof, 86747 Maihingen
Information und Anmeldung: https://mklr.bezirk-schwaben.de

Die Knopfwerkstatt: ein Wochenende im Zeichen der Zwirn- und Posamentenknöpfe
Samstag/Sonntag, 9./10. April 2022
Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg
Information und Anmeldung: https://www.bossard.de

Knopfmacherei: Mandala-Malen mit Garn
Samstag/Sonntag, 14./15. Mai 2022
Atelier Elvira Altdorf, Roermonder Str. 248, 52531 Übach-Palenberg
Information und Anmeldung: www.elvira-filz.de

Knopfwerkstatt
Freitag–Sonntag, 27.–29. Mai 2022
VHS Ehingen an der Donau, Franziskanerkloster, 89584 Ehingen
Information und Anmeldung: Waltraud Steeb, E-Mail: w.steeb@gmx.de

Zwirn- und Posamentenknöpfe für eigene Filz-, Strick-, Häkel- und Nähprojekte
Samstag/Sonntag, 30./31. Juli 2022,
bei Petra und Marc Herrmann, Wampendobler Paradies, Wampendobl 1, 84385 Egglham
Info und Anmeldung: http://www.wampendobl.de/Knöpfe_2022.html

Ein Wochenende im Zeichen der Knöpfe
Samstag/Sonntag, 27./28. August 2022
Atelier Werenziahof von Sabine Reichert-Kassube, Werenzhainer Hauptstr. 62a, 03253 Doberlug-Kirchhain
Information und Anmeldung: http://www.spitzenfilz.de

Beim Workshop in der MEZ Creativ-Welt fertigen wir einen Yorkshire Button an,
der sich zu einem niedlichen Teddykopf weiterverarbeiten lässt.

Knopf-Workshop: Sternknopf und Yorkshire Button
Mittwoch, 5. Oktober, 14–18 Uhr
MEZ Creativ-Welt, Hauptstraße 78, 79336 Herbolzheim
Information und Anmeldung: MEZ Creativ-Welt, E-Mail: mez.creativ-welt@mezcrafts.com

Bringen wir Farbe in den grauen November: mit zwei Tagen im bunten Knopfrausch in Wien!

Knopfrausch – Mandala-Malen mit Garn
Mittwoch/Donnerstag, 2./3. November 2022
Atelier Sawatou Wien, A-1130 Wien
Information und Anmeldung bei Sawatou Mouratidou, sawatou.com

Die Quadratur des Kreises: Der Viereckknopf bietet mannigfaltige Möglichkeiten für fantasievolle Web- und Stickmuster.

Die Quadratur des Kreises: Weben im Viereckknopf
Sonntag, 20. November 2022, 10–17 Uhr
Trachtenkulturberatungsstelle des Bezirks Schwaben, Landauer-Haus, Hürbener Str. 15, 86318 Krumbach
Anmeldung bei der Knopfwerkstatt: helene@knopfwerkstatt.de


Segensknöpfe: gute Gedanken verschenken

6. Juli 2021

Segensknöpfe mit Motiven für Taufe, Hochzeit, Konfirmation und Abschied (von links oben im Uhrzeigersinn) – und für viele weitere Anlässe.

Segensknöpfe: Was für eine hinreißende und inspirierende Idee! Als die Susann Kachel und Jasmin El-Manhy aus Berlin anriefen, mir von ihrem Projekt eines Segensbüros erzählten und fragten, ob wir nicht gemeinsam Segensknöpfe konzipieren könnten, war ich sofort Feuer und Flamme.

Das Segensbüro, das in der Genezarethkirche am Herrfurthplatz angesiedelt ist, macht Angebote an Menschen, die mit den üblichen kirchlichen Gottesdienstformen nicht (mehr) viel anfangen können, sich aber nach neuen Segensritualen sehnen. Das Segensbüro lädt dazu ein, sich eigene Gedanken darüber zu machen, wie die göttliche Zuwendung erlebbar werden und anderen Menschen zugesprochen werden kann, um sie zu bestärken.

Den Raum dafür bieten keineswegs nur Kirchen. Die beiden Pastorinnen Susann Kachel und Jasmin El-Manhy kommen zu den Menschen, um beispielsweise wichtige Wendepunkte im Leben an einem bedeutsamen Ort mit ihnen zu feiern. „Segen ist einander an die Hand nehmen“, schreiben sie auf ihrer Website: „Die großen Übergänge und Feste des Lebens feiern wir mit Gottes Segen. Wir vom Segensbüro sind davon überzeugt, dass auch alles dazwischen segenswert ist.“

(Hier geht’s direkt zum Segensbüro: www.segensbuero-berlin.de)

Auf der Website des Segensbüros erläutern Susann Kachel und Jasmin El-Manhy ihr Konzept.

Der verbindende Faden als Symbol des Segensbüros führte die beiden Pastorinnen zum Gedanken an Segensknöpfe: Wer einen solchen Knopf für einen anderen Menschen gestaltet, kann während der meditativen Tätigkeit des Wickelns und Nähens viele gute Gedanken mit einarbeiten. Diese Idee sprach mich auf Anhieb an.

Es dauerte nicht lange, bis unser Konzept stand: Materialsets für Zwirnknöpfe aus großen Aluminiumringen, in die exklusive Segensbüro-Kronkorken für unterschiedliche Anlässe eingearbeitet werden können. Zur Wahl stehen ein Bäumchen mit herzförmigen Blättern als Sinnbild für Liebe und Hochzeit, türkisfarbene Fische für die Taufe, Vergissmeinnicht-Blüten für den Abschied und ein Feuerwerk für Feste wie die Konfirmation.

Ich stelle mir vor, dass nicht nur fertige Knöpfe verschenkt werden, sondern auch in Gemeinschaft Segensknöpfe angefertigt werden könnten. Vielleicht würde manche Braut mit ihren Freundinnen lieber auf diese Weise Abschied vom Junggesellinnendasein nehmen als mit einem hochprozentigen Zug durch die Gemeinde … Konfirmationsgruppen könnten Segensknöpfe gestalten, und Trauernde könnten sich beim gemeinsamen Knopfwickeln des oder der Verstorbenen erinnern und ihre Gedanken, ihren Schmerz mit einarbeiten.

Jede Box enthält außer dem Ring mit 49 mm Durchmesser und dem Kronkorken mit dem gewünschten Motiv auch genügend Garn, eine Nadel und eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung mit vielen Fotos, sodass der Knopf ganz sicher gelingt.

In den Boxen für die Segensknöpfe steckt viel Handarbeit: Die Schachtel müssen zusammengesteckt, die Garnkärtchen gestanzt und bewickelt, die Anleitungsblätter gefaltet werden.

Während in Berlin die Boxen gedruckt wurden, fertigte ich in der Knopfwerkstatt die Prototypen der Knöpfe an, legte in Absprache mit Susann Kachel und Jasmin El-Manhy die Garnfarben fest. Die Kärtchen für die Garne stanzte ich aus Recycling-Karton, bewickelte jedes mit 3 x 6 m Garn in den jeweiligen Farben und schickte sie samt den Ringen ans Segensbüro.

Susann Kachel selbst fertigte ihren ersten Zwirnknopf in einem meiner Onlinekurse im Rahmen der Textile Art Berlin an und war vom Ergebnis so begeistert, dass sie anschließend gleich einen der Segensbüro-Kronkorken zu einem weiteren Knopf verarbeitete und auf Instagram präsentierte.

Nach einem Onlinekurs der Knopfwerkstatt hat Susann Kachel gleich einen Segensknopf gestaltet und auf Instagram gepostet.

Wer die eigenen Segenswünsche für einen anderen Menschen auf eine ganz besondere Weise greifbar machen und verschenken möchte, kann die Boxen ab sofort beim Segensbüro für 12 Euro bestellen oder abholen: https://segensbuero-berlin.de/segen-veschenken/. Ich freue mich jedenfalls sehr darüber, mit meiner Knopfwerkstatt an diesem außergewöhnlichen Projekt mitarbeiten zu dürfen, und fühle mich allein dadurch schon gesegnet.

Jede Box enthält alles, was man für einen Segensknopf braucht – nur die guten Gedanken und Wünsche müssen beim Anfertigen des Knopfes noch hinzugefügt werden.

Knopfmacherei im virtuellen Kursraum

23. Juni 2021

Der Knöpffmacher; Kupferstich aus Christoph Weigels Ständebuch von 1711

Das hätten sich die Knopfmacher, die der Kupferstecher Christoph Weigel in seinem Ständebuch von 1711 in ihrer pittoresken Werkstatt zeigt, wohl nicht vorstellen können: Frauen, die Hunderte von Kilometern voneinander entfernt sind, fertigen gemeinsam Posamenten- und Zwirnknöpfe an, sehen einander und plaudern über die Entfernung hinweg. Doch auch die Knopfmacherinnen – inzwischen sind die Frauen in diesem einstigen Männerberuf ja weit in der Überzahl – gehen mit der Zeit, und so waren am Wochenende 19./20. Juni Kursteilnehmerinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz virtuell zu Gast in der Knopfwerkstatt, um mit mir zusammen im Rahmen der digitalen Textile Art Berlin Viereckknöpfe, Yubinuki und Zwirnknöpfe zu gestalten.

Eigentlich wollte ich an diesem Wochenende in Berlin-Mitte im Schulgebäude auf dem Phorms Campus Workshops geben wie schon 2018 und 2019, aber das Organisationsteam der Textile Art Berlin hatte vorausschauend schon frühzeitig entschieden, die Textilkunstmesse mit vielen Präsentationen, Workshops, Modenschauen und Ausstellungen ins Internet zu verlegen. Um all jene, die sich zum Teil bereits im Januar für meine Kurse angemeldet hatten, nicht zu enttäuschen, nahm ich die digitale Messe zum Anlass, endlich das Thema Online-Workshops anzugehen, über das ich schon seit Monaten nachdenke. Allein unsere 6-MBit-Datenleitung hatte mich bisher zögern lassen. Unser Netzanbieter machte es spannend, aber drei Tage vor dem ersten Kurs stand endlich die Verbindung mit 50 MBit – hurra.

Die Themen der vier Onlinekurse (von oben links im Uhrzeigersinn): Blütenbaum im Zwirnknopf; Zwirnknopf mit Inhalt (Kronkorken, Münze o.Ä.); Yubinuki – japanische Fingerhutringe; Posamentenknöpfe – die Quadratur des Kreises

Vier Workshops hatte ich für das Programm der Textile Art Berlin angekündigt, und nach Rücksprache mit Nathalie Wolters boten wir die Kurse kurzerhand mit denselben Themen und zu den geplanten Zeiten online an. Wer wollte, konnte das Material für den gebuchten Workshop vorab bestellen. Die Nachfrage war höchst erfreulich: Schon zwei Wochen vor der Textile Art Berlin waren alle Kurse mit jeweils zehn Plätzen ausgebucht. Zum Glück erklärte sich meine Tochter Eva bereit, einige freie Tage zu opfern, um Garnkärtchen zu stanzen, Garne zuzuschneiden und aufzuwickeln und Materialsets in Tütchen zu verpacken.

Das Video-Studio der Knopfwerkstatt

Das Video-Studio für die Kurse entstand auf der Galerie der Knopfwerkstatt, und einige Nachbarn und Freunde ließen sich zu Test-Meetings einladen, die reibungslos funktionierten: Stream ohne Unterbrechungen, problemloses Umschalten zwischen den Kameras, ordentliches Bild – große Erleichterung! 😅

Während der Kurse zeigte sich dann, wo noch Verbesserungen möglich sind: Das Bild der Dokumentkamera, die meine Hände bei der Arbeit oder Details der Knöpfe zeigen, dürfte beispielsweise noch heller ausgeleuchtet werden, und die Garne für die verschiedenen Arbeitsschritte sollten sich im Helligkeitswert stärker unterscheiden. Insgesamt herrschte in allen vier Kursen eine höchst kreative, konzentrierte Atmosphäre.

In den insgesamt zehn Onlinestunden erwiesen sich denn auch die Vor- und Nachteile der digitalen Workshops im Vergleich zu Kursen vor Ort: Während ich in Präsenzkursen von einer Teilnehmerin zur anderen gehen und deren Werkstück auch einmal in die Hand nehmen kann, um ein Problem zu begutachten oder einen Tipp zu geben, kann ich mich online nur am Bild auf dem Monitor orientieren, das je nach den technischen Voraussetzungen und den Lichtverhältnissen manchmal nicht jedes Detail erkennen lässt. Dafür sehen alle Teilnehmerinnen gleichzeitig jeden Arbeitsschritt genau (sofern ich nicht gerade vor lauter Eifer die Hände aus dem Kamerawinkel entferne 🙈). Außerdem hätten manche der knopfbegeisterten Kursteilnehmerinnen gar nicht nach Berlin reisen können und haben die Möglichkeit, virtuell zusammenzukommen, sehr gern wahrgenommen.

Susann Kachel, die beim letzten Kurs „Zwirnknopf mit Inhalt“ dabei war, hätte keinen weiten Weg zur Textile Art Berlin auf dem Phorms Campus gehabt. Die Pastorin baut gerade mit ihrer Kollegin Jasmin El-Manhy das Segensbüro auf, das bei der Genezarethkirche am Herrfurthplatz in Berlin angesiedelt ist. Es bietet neue, moderne Formen von Segensritualen für Menschen an, die mit den traditionellen Gottesdiensten der Kirchen wenig anfangen können. Unter anderem gibt es künftig beim Segensbüro Boxen mit Material für Segensknöpfe zu Taufe, Konfirmation, Hochzeit und Trauer, die wir gemeinsam konzipiert haben. (Mehr über dieses spannende Projekt demnächst in diesem Blog.)

Auf Instagram hat Susann Kachel ihren ersten eigenen Zwirnknopf aus dem Kurs gepostet und gleich einen der Segensbüro-Kronkorken in einen weiteren Knopf eingearbeitet:

Ein höchst gelungenes Erstlingswerk: der Zwirnknopf mit eingearbeitetem Kronkorken von Susann Kachel
In ihren zweiten Zwirnknopf hat Susann Kachel bereits einen der Kronkorken des Segensbüros integriert.

Aber auch alle anderen Ergebnisse können sich sehen lassen. Hier eine kleine Auswahl an Bildern der Kursteilnehmerinnen:

Monika Balschun aus der Schweiz hat an allen vier Kursen teilgenommen: Großen Respekt vor so viel Durchhaltevermögen bei tropischen Temperaturen und Glückwunsch zu den gelungenen Ergebnissen!
Ulla Schenkel vom Filzgarten Tirol hat das Prinzip der gewebten Viereckknöpfe kreativ umgesetzt.
Martina Schuh hat das Yubinuki-Fieber gepackt.
Eveline Groß liebt die knorrigen Stämme und Wurzeln der Bäumchen im Zwirnknopf, …
… und deshalb hat sie der Obstblüte im Frühling gleich noch die Apfelernte im Herbst hinterhergeschickt.
Dieses Blütenbäumchen hat Heike Biedermann im Kurs gestaltet.
Sabine Stock von der Kreativwerkstatt Hof Stock Kalletal meint zu ihrem Bäumchen: „Da werden meine Waldpädagogen sicher grün vor Neid!“
Petra Spreen hat ein Weilchen mit dem Faden gerungen, aber schließlich doch die Oberhand behalten und freut sich umso mehr über diesen zauberhaften Knopf, der sie künftig als Glücksbringer begleiten wird.

Wir in Bayern: Abenteuer Livesendung

22. Mai 2021

Im Gespräch über Knöpfe mit Michael Sporer, dem Moderator des BR-Magazins „Wir in Bayern“

Es passiert ja nicht so oft, dass es mir die Sprache verschlägt. Eher bin ich dafür bekannt, selbst dem Teufel ein Ohr abzuquatschen, und als Redakteurin mit einigen Jahrzehnten Berufserfahrung sind Interviews für mich Alltag. Aber erstens bin normalerweise ich diejenige, die Fragen stellt, zweitens bin ich in den guten alten Printmedien zu Hause, und live im Fernsehen locker zu plaudern – das ist auch für mich eine Herausforderung. Aber die Chance, das alte Handwerk der Knopfmacherei einem breiten Publikum zu präsentieren, habe ich gern angenommen, als mich der BR-Redakteur Markus Kampp in die Sendung „Wir in Bayern“ des Bayerischen Fernsehens einlud. Zum Glück lagen zwischen seinem Anruf und der Sendung nur ein paar Tage, sodass ich nicht allzu viel Zeit hatte, mir Gedanken zu machen.

Was am Ende dabei herausgekommen ist, seht ihr hier:

Schon die Tage vor der Sendung waren spannend, denn ich musste Fotos an die BR-Redaktion schicken, in einem Telefoninterview vorab einige Informationen über die Knopfmacherei und über meine Arbeit liefern, Knöpfe und Material fürs Studio zusammenstellen und mir ein Outfit zurechtlegen. Alles, was ich mitnehmen wollte, musste in eine große Tasche passen. Außerdem wollte ich die einzelnen Arbeitsschritte des Augsburger Knopfes vorbereiten, den ich während der Sendung anfertigen sollte, um den Werdegang eines solchen Knopfes zu demonstrieren.

Zum Glück erklärte sich mein unvergleichlicher Mann Franz bereit, mich nach München-Fröttmaning zu chauffieren und wieder abzuholen, obwohl er wegen der Corona-Einschränkungen nicht mit aufs BR-Gelände und ins Studio durfte.

Auf geht’s nach München! (Symbolbild: In Wirklichkeit ist Franz gefahren.)

Beim BR begleitete mich Kian, ein junger Mitarbeiter, als Erstes zum Corona-Schnelltest, wo wir auch Deborah Ferrini Kreitmair trafen, die in der Sendung kochen sollte. Mit negativem Testergebnis, aber immer mit FFP2-Maske ging es weiter in Richtung Studio.

Auch wenn es in der Sendung aussieht, als sei die Pandemie schon vorbei – auf dem BR-Gelände herrschen strenge Hygieneregeln.

Um mir einen Kaffee zu servieren, focht Kian anschließend einen heldenhaften Kampf gegen den Vollautomaten im Gästeraum neben dem Studio aus: „Ich bin zwar Ingenieur, aber warum die Maschine jetzt zickt, weiß ich auch nicht …“ Am Ende kapitulierte das Gerät doch vor dem Ingenieur, und ich wartete bei Kaffee und Plätzchen, bis der Redakteur Thomas Köck mich samt meinen Knopfkisten, Garnen und Kleidungsstücken ins Studio eskortierte.

Zwei Schneiderpuppen standen schon bereit. Der einen zog ich ein traditionelles Hemd mit handgearbeiteten Zwirnknöpfen über, das ich vor Jahren in einem Kurs von Ute Palmer-Wagner genäht hatte. Für die zweite Puppe hatte ich eine meiner historischen Schwälmer Trolljacken mit gewebten Sternknöpfen mitgebracht.

Mein Hemd aus lauter rechteckigen Stoffteilen mit handbedruckten Borten und passenden Zwirnknöpfen

Die Schaukästen mit Posamenten- und Zwirnknöpfen und einige Kärtchen mit alten und neuen Zwirnknöpfen arrangierten wir auf den Tischchen vor dem Gästesofa. Weil die Glasdeckel spiegelten, wurde der eine kurzerhand abgeschraubt und der andere aufgeklappt und abgestützt – alles unglaublich effizient und professionell. Ich hatte noch kurz Zeit, um die Knöpfe in den Fächern dekorativ anzuordnen – beim Transport waren einige verrutscht oder lagen mit der Rückseite nach oben –, dann ging es in die Maske.

Wie schon bei der Ankunft an der Pforte, beim Schnelltest, im Studio und später beim Verkabeln des Mikrofons galten auch dort strenge Regeln. Die Mitarbeiterin reichte mir einen eigens desinfizierten Pinsel, mit dem ich mein Gesicht selbst abpuderte. Bei aufgesetzter FFP2-Maske half sie mir anschließend beim Schminken der Augen. Ihr Kollege in der Technik ließ mich das Mikrofon selbst am Ausschnitt meiner Bluse anklipsen, fixierte es aber zur Sicherheit mit einem Stückchen Leukoplast und ermahnte mich, in den Einspielerpausen während der Live-Sendung immer wieder darauf zu achten, dass das Mikrofon nicht vom Revers der Jacke verdeckt würde.

Im Gästezimmer traf ich schließlich den Moderator Michael Sporer und den Redakteur Thomas Köck zu einem letzten Vorgespräch. Allzu viel wollten die beiden nicht im Voraus absprechen, lediglich die erste Frage an mich: „Wer braucht heutzutage überhaupt noch Knöpfe?“ Wunderbar – dann konnte ich mich darauf ja schon einstellen!

Inzwischen waren fast zwei Stunden seit meiner Ankunft in Fröttmaning vergangen, aber für Nervosität war keine Zeit geblieben. Kurz vor 16 Uhr fanden sich alle an der Sendung Beteiligten im Studio mit den drei Bereichen Wintergarten, Küche und Gästesofa ein. Statt der üblichen drei Kameras durften wegen der Corona-Bestimmungen nur zwei drehen. Michael Sporer probte mit dem Livehack-Experten Nico Hilebrand im Wintergarten das Intro zur Sendung, während Deborah Ferrini Kreitmair und ich unsere Plätze einnahmen, auf den Monitoren die letzten Minuten der Rundschau zu sehen waren und Aufnahmeleiterin Petra Kyriss die verbleibende Zeit bis zum Beginn von „Wir in Bayern“ herunterzählte: „Noch dreißig Sekunden … noch zehn Sekunden, und Ruhe!“

Nach dem etwas holperigen Start läuft’s zunehmend besser.

Tja, und dann ging es tatsächlich los. „Wer braucht heute überhaupt noch Knöpfe?“ Knöpfe? Hä? Obwohl ich mir allerlei mehr oder weniger geistreiche Antworten auf diese Frage zurechtgelegt hatte, war mein Kopf für einen Moment praktisch leer. Freies Assoziieren also über Knöpfe, individuelle Gestaltung und Aufwertung handgearbeiteter Modelle und – klick! – die „Generation Klettverschluss“. Hurra! Jetzt hatte ich meinen Faden wieder, und nach der nächsten Einspielerpause ging’s deutlich lockerer weiter. Ich erzählte von den Anfängen meiner Leidenschaft für die Knopfmacherei, von besonderen Knöpfen und vom Knopfmacherzertifikat.

Mit diesem Sternknopf hat vor mehr als acht Jahren alles angefangen – und deshalb musste mein Erstlingswerk natürlich mit ins Studio.
Während ich über die Knopfmacherei erzählte, bereitete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini vor.

Ursprünglich war mir eine Sendezeit von 75 Minuten, in denen ich immer an derselben Stelle sitzen sollte, sehr lang vorgekommen. Zwei Gesprächsblöcke waren geplant, und dazwischen sollte ich an meinem Augsburger Knopf arbeiten, während Filmbeiträge über Modellautorennen, Sebastian Kneipp und fränkische Turmhügel gezeigt wurde, Michael Sporer mit den Zuschauern „Host mi“ und „Kennst mi“ spielte, sich von Nico Hilebrand Sandwichtoast mit Schokoladenfüllung servieren und von Deborah Ferrini Kreitmair in die Kunst des Tortellini-Formens einführen ließ.

Die Tortellini – ach ja! 🤤
Schnelltest, FFP2-Maske, Abstände im Studio, all das war ein Klacks gegen die Tatsache, dass wegen der Corona-Bestimmungen niemand von den Köstlichkeiten aus der Wir-in-Bayern-Küche probieren durfte. In diesem Fall aß das Auge nicht mit, sondern es aß ganz alleine …

Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat – in Corona-Zeiten leider nur zum Anschauen

Einen Augsburger Knopf vom blanken Holzrohling bis zu den fertig abgenähten Flügelchen innerhalb der Sendezeit anzufertigen stellte sich als allzu ambitioniertes Projekt heraus. Aber immerhin konnte ich am Ende den gewebten Stern mit der begonnenen Messerspitzen-Stickerei vorweisen. Den kompletten Werdegang zeigten die einzelnen Arbeitsschritte, die ich vorbereitet und auf einem Kissen arrangiert hatte.

Während der Livesendung ist dieser gewebte Sternknopf entstanden. Messerspitzen und „Flügelchen“ für den Augsburger Knopf wurden während der Sendezeit nicht ganz fertig.
Der Werdegang eines Augsburger Knopfes in mehreren Schritten

Außerdem hatte ich einen Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen als Mitbringsel dabei und wollte ihn Michael Sporer kurz vor Ende der Sendung überreichen, aber auch hier gab es Corona-Regeln zu beachten: Um die vorgeschriebenen Abstände zu wahren, musste ich den Knopf auf der Armlehne des Sofas platzieren, wo er ihn aufnahm und mit den Worten „Ein echter Weinold!“ in die Kamera hielt. Nun ja – eher ein echter Weinold für Arme, denn unter „echten Weinolds“ verstehen die meisten die Werke meines Bruders Felix Weinold. 😄

Michael Sporer mit dem eigens für die Sendung angefertigten Zwirnknopf in Wir-in-Bayern-Grüntönen
Mein Wir-in-Bayern-Zwirnknopf

Schließlich richtete Deborah Ferrini Kreitmair ihre Tortellini mit Salsiccia-Füllung, Salbeibutter und buntem Salat fotogen an, Nico Hilebrand nahm auf dem Sessel neben dem Sofa Platz, und Michael Sporer verabschiedete sich von uns allen. Punkt halb sechs wurden die Kameras abgeschaltet, und das Studio leerte sich innerhalb von Minuten. Kurz darauf war der Deckel wieder auf meinen Schaukasten geschraubt. Ich verstaute all mein Hab und Gut in meiner Riesentasche und saß neun Minuten nach Ende der Sendung bereits im Auto.

Schon auf der Heimfahrt erreichten mich einige WhatsApp-Nachrichten von Freundinnen und Bekannten, die die Sendung gesehen hatten. Danke euch allen fürs Zuschauen, fürs Daumenhalten und für euer freundliches Feedback!

Überrascht und gefreut haben mich einige Anrufe an den folgenden Tagen, in denen mir Frauen aus allen Teilen Deutschlands von ihrer Begeisterung für die Zwirn- und Posamentenknöpfe berichteten. Eine alte Dame aus Norddeutschland, mit der es das Schicksal in jüngster Zeit nicht gut gemeint hat, sagte mir, sie habe die Sendung „wie einen Sonnenstrahl“ empfunden. Wie schön, wenn meine kleinen Knöpfe hier und da solche Freude ausgelöst haben!

Schon vorbei: Abspann der Sendung mit Debora Ferrini Kreitmair, Michael Sporer und Nico Hilebrand (von rechts)