Erinnerung an eine glänzende Vergangenheit

Historische Perlmuttknöpfe aus Bärnauer Produktion, eine Muschelschale, aus der Knöpfe ausgestanzt wurden, und zwei Eintrittsknöpfe für das Deutsche Knopfmuseum in Bärnau

3. Mai 2024

Das Deutsche Knopfmuseum widmet sich schwerpunktmäßig den Perlmutterknöpfen, die einst in Bärnau produziert wurden, zeigt aber auch eine Fülle anderer dekorativer Knöpfe aus verschiedenen Epochen.

Eigentlich ist ein Besuch im Deutschen Knopfmuseum ja ein Muss für jede Knopfmacherin, und gebitzelt hat mich das seit Jahren immer wieder, zum Beispiel als meine Kollegin Jutta Kohlbeck dort ihre unverwechselbaren Knopfkreationen in einer Sonderausstellung zeigte. Vor einigen Wochen hat auch noch Hans Dill, der Geschäftsführer der gleichnamigen Knopffabrik in Bärnau, mir auf der Fachmesse h+h cologne von dem Museum vorgeschwärmt und seinen Tipp mit einem Marzipanknopf bekräftigt. Aber leider liegt Bärnau in der Oberpfalz in Rufweite zur tschechischen Grenze auf den wenigsten Strecken am Weg, und für einen Tagesausflug sind knapp 300 km bzw. drei Stunden einfache Fahrtzeit ein bisschen weit.

Die lang erhoffte Gelegenheit bot sich jetzt auf der Rückfahrt aus Prag, wo wir einen viertägigen Kurzurlaub verbracht hatten. Mein rotes Knopfmobil wurde quasi vom böhmischen Wind samt Schnee nach Bärnau geweht. Dort wurden mein Mann und ich im Museum sehr herzlich empfangen und freundlich informiert. Dass wir anstelle von Eintrittskarten je einen Knopf bekamen, versteht sich fast von selbst.

Perlmuttknöpfe aus Bärnauer Produktion

In Bärnau, einer der ältesten und zugleich wohl kleinsten Städte Bayerns, werden seit rund 130 Jahren Knöpfe hergestellt. Den Grundstein für diese zeitweilig blühende Industrie legte Johann Müller, der im Jahre 1895 die erste Perlmutterknopffabrik gründete. Ihren Höhepunkt erreichte die Herstellung von Perlmutterknöpfen in Bärnau in den 1950er-Jahren, bevor billigere Verfahren die Massenproduktion von Knöpfen aus Kunststoff und Metall ermöglichten. Von einst mehreren Dutzend Betrieben (auf der Website des Museums ist von 32, auf Wikipedia sogar von 70 die Rede) ist nur noch die oben erwähnte Knopffabrik Dill geblieben. Im 1975 gegründeten Museum lässt ein Film, zum Teil in historischen Aufnahmen, die buchstäblich (perlmutter-)glänzende Vergangenheit der Knopfstadt Revue passieren.

Auch die Dauerausstellung widmet sich schwerpunktmäßig den Knöpfen aus Perlmutter sowie den Muscheln und Schnecken, deren Schalen dieses einzigartige Material liefern.

Die schimmernden Schalen von Muscheln und Schnecken aus den wärmeren Meeren in Äquatornähe liefern das Material für Perlmutterknöpfe.

Mindestens zehn Arbeitsschritte sind nach Informationen des Museums nötig, bis ein Perlmutterknopf fertig ist. Dabei entsteht auch eine große Menge an Abfall: Für ein Kilo fertige Knöpfe sind drei Kilo Muschelschalen und Meeresschneckengehäuse erforderlich.

Auch bei materialsparender Technik bleibt bei der Herstellung von Knöpfen aus Perlmutterschalen viel Abfall übrig.

Die verschiedenen Arbeitsgänge werden in einem großen Raum im Erdgeschoss des Museums anhand alter Maschinen dokumentiert.

Blick in den Maschinenraum des Knopfmuseums
Die Knopfrohlinge wurden aus den Muschelschalen herausgebohrt.

Nach dem Ausbohren der Rohlinge, die zunächst noch rau, matt und unscheinbar wirken, und vielen weiteren Arbeitsschritten bis hin zum Polieren der Scheiben und dem Bohren der Löcher mussten die Knöpfe – oft in Heimarbeit – sortiert, gezählt und auf Karten aufgenäht werden. Ein solcher Arbeitsplatz ist im Museum dargestellt:

Oft in Heimarbeit wurden die Knöpfe sortiert und für den Verkauf auf Kärtchen aufgenäht.

Doch nicht nur Knöpfe entstanden aus dem irisierend schillernden Material, sondern auch allerlei andere kunsthandwerkliche Arbeiten. Eine Fülle an Schenkungen und Leihgaben, darunter dekorative Dosen, Schmuck und ein Schachspiel, zeigt, wie Perlmutter die Menschen einst inspiriert hat und noch heute inspiriert, denn im Museumsshop gibt es neu angefertigte Anhänger und andere Schmuckstücke aus sorgsam ausgewählten und aufeinandergenähten (nicht geklebten!) historischen Perlmuttknöpfen zu kaufen.

Mich als Zwirn- und Posamentenknopfmacherin hat natürlich der große Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss besonders angezogen, denn dort sind Hunderte Knöpfe aus unterschiedlichen Epochen und Materialien zu bestaunen: bescheidene Wäscheknöpfe, die Metallknöpfe vom Jackett eines Lufthansa-Piloten, elegante Knöpfe von Kleidern aus vergangenen Epochen – und nicht zuletzt auch einige textile Knöpfe.

In der Dauerausstellung des Knopfmuseums sind unzählige Knöpfe aus verschiedenen Epochen zu sehen, darunter metallene Buckelknöpfe aus dem 14.–17. Jahrhundert, sogenannte „Schwabenscheiben“ (links), und ein Häkelknopf aus dem 18. Jahrhundert (rechts).
In einer Vitrine sind die bescheidenen Wäscheknöpfe ausgestellt.
Ein Perlmutterknopf und ein handgearbeiteter Zwirnknopf am selben Hemd.
Alte Bekannte gab es auch zu entdecken: Posamentenknöpfe in viktorianischer Technik von einem Damen-Abendmantel aus dem Jugendstil (links) und einen Schwälmer Knopf mit dem charakteristischen gewebten Stern, Messerspitzen und Languetten-Einfassung.

Über die Knöpfe und die interessante Dokumentation zur Perlmuttknopfherstellung hinaus bietet das Museum in Bärnau noch einiges mehr an Sehenswertem und bisweilen Skurrilem: Redewendungen und Aberglauben rund um den Knopf, Wandbehänge mit Mustern aus Hunderten von Knöpfen, ein Paar in Kleid und Anzug aus mehr als 18500 Knöpfen und sogar ein Knopfporträt des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, das ihm 2015 als damaligem Heimatminister des Freistaats überreicht worden war (und das er unverzüglich dem Museum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt hat).

Omas berühmte Knopfschachtel dürfte nicht ausreichen, um einen solchen Wandbehang zu gestalten. Das Knopfmuseum zeigt gleich mehrere solcher Arbeiten.
Glänzender Auftritt: Kleid und Anzug bestehen aus mehr als 18500 Perlmuttknöpfen und dürften ein ziemliches Gewicht auf die Waage (und die Trägerin bzw. den Träger) bringen.
Zum Jubiläum „800 Jahre Hofmark Thanhausen“ der Stadt Bärnau überraschte das Knopfmuseum den Ehrenschirmherrn und damaligen Heimatminister Markus Söder 2015 mit diesem Knopfporträt. Der solchermaßen Geehrte bedankte sich artig und schrieb in einem Brief: „[Das Bild] macht für mich auf amüsante Weise anschaulich, was auch unsere Politik und Gesellschaft ausmacht: Das Zusammenspiel vieler Einzelner lässt erst das bunte Gesamtbild entstehen.“ Das Werk selbst blieb als Dauerleihgabe in Bärnau.

Das oberste Stockwerk des ehemaligen Kommunbrauhauses, in dem das Knopfmuseum seit 1998 untergebracht ist, wird für Sonderausstellungen genutzt. Noch bis zum 16. Juni 2024 wird dort unter dem Titel „Winke, winke – ein kleines Tuch verabschiedet sich!“ des guten alten Stofftaschentuchs gedacht, das (außer in den Hosentaschen meines Ehemannes, der auf Stoff schwört) allenthalben vom Papiertaschentuch verdrängt wird. Katinka Matthiessen hat eine beachtliche Sammlung von Taschentüchern aus verschiedenen Ländern zusammengetragen: umhäkelt, bestickt, mit Klöppel- oder Occhispitze verziert.

Noch bis zum 16. Juni dauert die Sonderausstellung „Winke, winke – ein kleines Tuch verabschiedet sich!“ mit Exponaten aus der Sammlung von Katinka Matthiessen.

Fazit: Der Abstecher nach Bärnau hat sich gelohnt, auch wenn die textilen Knöpfe im Museum nur eine Nebenrolle spielen, was angesichts der Perlmutter-Vergangenheit der örtlichen Knopfindustrie nicht anders zu erwarten ist. Die mit Liebe zum Detail gestaltete Ausstellung, der freundliche Empfang und die entspannte Atmosphäre haben den Museumsbesuch zu einem großen Vergnügen gemacht. Schade, dass es über einige Faltblätter mit Informationen über Perlmutter, die Herstellung verschiedener Knopftypen sowie Aberglauben und Redensarten hinaus offenbar keinen Katalog des Museums mit farbigen Abbildungen oder eine Chronik der Bärnauer Knopfgeschichte gibt! Das ist sicher eine Frage des Budgets, aber ich hätte eine solche Publikation sehr gerne meiner Knopfbibliothek hinzugefügt. (Falls es sie doch gibt und ich sie nur übersehen haben sollte, bin ich für einen Hinweis dankbar.)

Für alle, die auch Lust auf einen Ausflug in die Welt der (Perlmutter-)Knöpfe bekommen haben, hier die Kontaktdaten:

Deutsches Knopfmuseum
Tachauer Straße 2, 95671 Bärnau
Telefon (0 96 35) 18 30 oder 3 45 00 28
E-Mail info@deutsches-knopfmuseum.de
Öffnungszeiten: April bis Oktober, Donnerstag bis Sonntag (und an Feiertagen) 13 bis 17 Uhr
deutsches-knopfmuseum.de

Ein Wochenende für Knopf-Verrückte

15. April 2024

Vor dem Landauer-Haus in Krumbach stimmte schon ein Banner auf die Knopfmachertage ein.

Der April steht dieses Jahr eindeutig im Zeichen der Knöpfe: Nur wenige Tage nach meiner Rückkehr von der Trachtenwerkwoche in Babenhausen habe ich mein rotes Knopfmobil wieder beladen und bin nach Krumbach zu den Knopfmachertagen gereist. Drei Tage intensives Lehren und Lernen zusammen mit anderen erfahrenen Knopfmacherinnen im Landauer-Haus, dem Sitz der Trachtenkultur-Beratungsstelle des Bezirks Schwaben standen an: Am Freitag stellte ich selbst die Muster und Möglichkeiten der viktorianischen Knöpfe vor; am Samstag präsentierte Sandra-Janine Müller neue Languetten-Facetten, und am Sonntag griff Trachtenberaterin Monika Hoede ihr Thema vom Vorjahr, das materialsparende Umlegen von Gimpe und Soutache wieder auf.

Blick die Kammel entlang zur Krumbacher St.-Michaels-Kirche
Konzentration und Genauigkeit waren an allen drei Kurstagen gefragt – hier beim Workshop „Viktorianische Knöpfe“. (Foto: Alexander Smit)

Tag 1: Viktorianische Knöpfe

Unter den Posamentenknöpfen aus Holzrohlingen und Garn nehmen die viktorianischen Knöpfe eine besondere Stellung ein. Sie schmückten beispielsweise aufwendige Kleider mit Krinolinen und Turnüren, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode waren. Anders als bei den früheren „umsponnenen“ Posamentenknöpfen werden die Rohlinge normalerweise einfarbig mit Garnwicklungen bedeckt, über die dann ein Speichengerüst aus Garn, die sogenannte Tortenschnürung als Grundlage für kunstvolle Stickereien gespannt wird.

Folglich begannen wir unseren Streifzug durch die Welt der Knöpfe im viktorianischen Stil, indem wir Rohlinge mit Garnwicklungen oder Stoff überzogen. Außerdem hatte ich zu Hause schon Kugeln aus Merinowollvlies nassgefilzt, von denen wir kumpelförmige Segmente abschnitten und ebenfalls als Grundlage für viktorianische Stickereien verwendeten – historisch nicht korrekt, aber sehr praktisch, weil sich im Filz die Stiche beispielsweise für Umrandungen gut verankern und die Fadenenden unsichtbar verstehen lassen.

Angefangen bei Stern und Blüte, bei denen Rück- oder Stielstichrunden rund um die Knopfmitte gearbeitet und anschließend zusammengezogen werden, arbeiteten wir uns über den Schwälmer Hutknopf, bei dem dekorative schräge Stichgruppen das Zentrum säumen, bis zu Empire und Snowflake vor, deren raffinierte, spitzenartige Randborten sich auch für viele andere Knopfarten abwandeln lassen.

Viel Stoff für einen einzigen Tag! Umso mehr habe ich mich über das Interesse, die Geduld und die Bereitschaft der Kursteilnehmerinnen gefreut, sich auf diesen scharfen Ritt durch das Thema einzulassen, für das ich bei der Trachtenwerkwoche 2023 immerhin fast eine volle Woche Zeit gehabt hatte.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Entstanden sind viele schöne Knöpfe, die nun hoffentlich zu vielen weiteren Stick-Ideen in der Tortenschnürung inspirieren.

Die Ergebnisse des Workshops „Viktorianische Knöpfe“

Tag 2: Neue Languetten-Facetten

Mit Languetten-Facetten, vor allem mit dem „Dresdener Seestern“, hatten wir uns schon bei den Knopfmachertagen 2023 beschäftigt. Diesmal brachte Sandra-Janine Müller weitere Bildbeispiele historischer Knöpfe aus Dresden mit.

Sandra-Janine Müller

Anders als beispielsweise der Krumbacher Westenknopf basieren sie nicht auf dem Glatten Knopf, sondern auf dem Sternknopf, wobei das Zentrum mal mit einem entzückenden Blümchen, mal mit einer oder mehreren Rückstichrunden und mal mit einer Blüte aus Spannstichen oder Gorl gestaltet wird.

Die Ergebnisse des Workshops „Neue Languetten-Facetten“ von Sandra-Janine Müller

Ich habe alle drei Beispiele in meiner Lieblingsfarbe Petrol als Basis und leuchtendem Apfelgrün als Kontrastfarbe für die Stickerei gestaltet. Und natürlich hat mich der Ehrgeiz gepackt, die Gorltechnik, die ich in der Woche zuvor im Kurs von Jürgen Sturma geübt hatte, beim besonders herausfordernden letzten Knopf des Tages anzuwenden. Wie beim Augsburger Knopf werden dabei nämlich nicht nur die Flächen zwischen den Sternzacken, sondern auch die Sternzacken selbst mit Languettenstichen überstickt. Die umwerfende Wirkung lohnt die Mühe beim Sticken aber auf jeden Fall. „Ein Augenpulver“ würde meine Mutter diese fitzelige Arbeit vermutlich nennen.

Meine Knöpfe sind unschwer an der Farbauswahl zu erkennen.

Tag 3: Umlegen und Auflegen

Am dritten und letzten der drei Knopfmachertage hat Monika Hoede unsere Köpfe und Finger zum Qualmen gebracht: Bei der Technik des Umlegens können verhältnismäßig dicke Materialien wie Gimpe oder Soutache materialsparend verarbeitet werden. Dabei wird der Gimpe- oder Soutachefaden nur ein kleines Stück über die Kante des Knopfrohlings zur Rückseite geführt, dort durch Umschlingen mit Nähgarn oder Zwirn gesichert und sofort wieder auf die Vorderseite gelegt. Auf diese Weise wird erstens kostbares Material gespart, und zweitens bleibt die Rückseite erfreulich flach, während sich bei der üblichen Wickeltechnik ein dicker Hügel auf der Unterseite des Rohlings auftürmen würde.

Trachtenberaterin Monika Hoede, die das Knopfthema seit gut zwanzig Jahren erforscht und weitervermittelt (Archivbild aus dem Jahr 2023)

Wir lernten, die Spule mit der Gimpe oder den Knäuel des dicken Garns so zu beschweren oder umzuleiten, dass der Faden unter Spannung stand, mit einer Hand den Rohling zu halten und mit der anderen den Nähfaden zu führen und um die Gimpe zu legen und den Knopf stets in der richtigen Richtung zu drehen – auch für geübte Knopfmacherinnen keine leichte Aufgabe. Mit einigem Training (und etwas Glück) gelangen uns dann saubere Grundgerüste auf der Vorderseite und zierliche Dreiecke auf der Rückseite.

Bei der Umlegetechnik – hier für einen Glatten Knopf – bildet der Arbeitsfaden saubere Dreiecke auf der Rückseite des Rohlings.

Diese Grundgerüste durften wir anschließend mit gewickelten, eingewebten oder aufgestickten Verzierungen aus andersfarbiger Gimpe oder Soutache ausgestalten.

Die Ergebnisse des Workshops „Um- und Auflegen“ von Monika Hoede

Ich hatte mich schon bei den Knopfmachertagen 2023 mit der Umlegetechnik beschäftigt, aber übers Jahr viel zu wenig geübt und deshalb das meiste wieder vergessen. Jetzt haben mir einige Hinweise von Monika geholfen, die Methode endlich zu verstehen:
– Gimpe unter Spannung halten.
– Nur den Rohling, nicht aber die Gimpe festhalten.
– Beim Umlegen den Rohling zum Körper her drehen.
– Den Rohling beim Umschlingen der Gimpe mit dem Nähfaden immer in die gleiche Richtung drehen.
Am Abend waren mir neben vier fertigen Knöpfen noch einige Grundgerüste gelungen, an denen ich weiterüben kann (und muss!). Schwierigkeiten bereitet mir noch das Wickeln eines Glatten Knopfes allein in Umlegetechnik: Da muss ich erst noch herausfinden, wo ich wohin abbiegen muss. Aber auch das wird irgendwann klappen.

Meine vier Knöpfe in Umlegetechnik: Alles Weitere muss die Übung bringen!

Das Fazit der Knopfmachertage mit drei Intensiv-Workshops lautet ebenso trivial wie zutreffend: Man lernt nie aus! Auch nach Jahren als Knopfmacherin begeistert es mich, außergewöhnliche Techniken von Kolleginnen und Kollegen kennenzulernen, meine eigenen Erfahrungen weiterzugeben und mich mit anderen Knopfverrückten auszutauschen.

Der April war in dieser Hinsicht besonders ergiebig – und so freue ich mich schon jetzt auf die Trachtenwerkwoche und die Knopfmachertage 2025.

Stillleben aus dem Workshop „Viktorianische Knöpfe“ (Foto: Alexander Smit)

Ausblick auf die nächsten Wochen

Nach ein paar Urlaubstagen steht demnächst ein ganz besonderer Workshop im Knopfwerkstatt-Kalender: ein Junggesellinnenabschied, bei dem die Brautjungfern Knöpfe für das Brautkleid im Hobo-Stil anfertigen wollen. Ich bin sehr gespannt und freue mich drauf!

Ab Mai geht es dann wieder mit Märkten und Kursen weiter. Ich hoffe, wir treffen uns bei der einen oder anderen Gelegenheit!

Schaf- und Handarbeitstag
Pfingstmontag, 20. Mai 2024 (mit Knopfmacherei-Vorführung)
Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben, 88364 Wolfegg
bauernhaus-museum.de

Knopfwerkstatt: Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 25.–26. Mai 2024
Kunststätte Bossard, 21266 Jesteburg
bossard.de

Spitzen-Vielfalt 2024: HandwerksKunst ist Spitze
Samstag–Sonntag, 15.–16. Juni 2024 (Marktstand mit Schnupperkursen)
Tagunghaus Regina Pacis, 88299 Leutkirch
spitzengilde.de

Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 13.–14. Juli 2024
Wollwerk, 72525 Münsingen
wollwerk.shop

Knopfmachen: Zwirnknöpfe 🇨🇭
Donnerstag–Freitag, 18.–19. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Posamentenknöpfe 🇨🇭
Samstag–Sonntag, 20.–21. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Weitere Zwirn- und Posamentenknopfkurse im Ballenbergzentrum in der Schweiz sind für 17./18. Oktober (Zwirnknöpfe) und 19./20. Oktober (Posamentenknöpfe) geplant.
ballenbergkurse.ch

Im Gorl-Rausch

Verschiedene Posamentenknöpfe mit Gorl

11. April 2024

Hurra! Endlich habe ich meinen Endgegner unter den Posamentenknopftechniken bezwungen: den Gorl. Dabei handelt es sich um eine kordelartige Verzierung, die nicht etwa aufgenäht, sondern während der Arbeit am Knopf aus Garn gedreht wird – eine ziemlich knifflige Angelegenheit, aber das Ergebnis lohnt die Mühe reichlich.

Meine ersten beiden Gorlknöpfe habe ich 2016 fürs Knopfmacher-Zertifikat mehr schlecht als recht zusammengefriemelt und bin Monika Hoede, der Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben, noch heute dankbar, dass sie diese eher stümperhaften Versuche akzeptiert hat. Es folgten einige weitere Versuche und etwas bessere Ergebnisse, aber so recht zufrieden war ich mit meinen Gorlknöpfen nie, und das fuchst mich jetzt seit Jahren.

Mit großem Interesse bestaune ich seit jeher in unserer Facebook-Gruppe „Knöpfe“ die Fotos, wann immer Jürgen Sturma, Trachtenspezialist und Stadtheimatpfleger in Minden/Westfalen, Beispiele seiner perfekten Repliken historischer Gorlknöpfe aus dem Minden-Schaumburger Land zeigt, von denen er schon mal 36 Stück für einen Mantel (plus ein paar Probeknöpfe vorab) anfertigt. Er hat die Gorltechnik über zwei Jahrzehnte hinweg perfektioniert und ist in meinen Augen der ungekrönte „King of Gorl“, auch wenn er selbst augenzwinkernd behauptet, „allenfalls Herzog“ zu sein. Als Monika Hoede vergangenes Jahr ankündigte, ihn als Referenten zur 7. Trachtenwerkwoche nach Babenhausen einzuladen, sah ich meine Chance gekommen, die leidige Wissenslücke endlich zu schließen.

Die Trachtenwerkwoche der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben findet traditionell in der Jugendbildungs- und Begegnungsstätte – kurz „Jubi“ – in Babenhausen statt.

So kam ich diesmal nicht wie in den vergangenen Jahren als Dozentin, sondern diesmal als wissbegierige Teilnehmerin in die Jugendbildungs- und Begegnungsstätte Babenhausen und hatte neben meinen Holzrohlingen einen ganzen Korb voller Garne im Gepäck, die ich sonst selten verwende: Perlgarn Nr. 8, das ich üblicherweise für Bäumchenknöpfe einsetze, und dünne Baumwollhäkelgarne der Stärken 20 und 30. Außerdem mit dabei: ein Kästchen Birnenbleie mit Wirbel aus meinem Angelkoffer. Auf diese Weise kommt zumindest ein Teil meiner Angelausrüstung doch endlich auch wieder zum Einsatz, wenn ich mir schon allenfalls einen einzigen Tag am Wasser pro Jahr freischaufeln kann.

Jürgen Sturma in einer Weste mit zwei Reihen des kleinen Lindhorster Knopfes

Jürgen Sturma, der 600 km weit angereist war, kam jeden Tag in einer anderen exquisiten Weste mit aufwendigen Knöpfen in den Kursraum und hatte weitere ungewöhnliche Werkzeuge mitgebracht: Zahnsonden. Sie ersetzen bei ihm die geflochtene Kordel, die Knopfmacher einst auf der Rückseite des Knopfes angenäht haben, um damit den Knopf zu drehen, sodass sich der Gorlfaden gleichmäßig um den Arbeitsfaden, die „Seele“, legt. Das Bleigewicht auf dem Gorlfaden verhindert dabei, dass das Garn zu schnell und ohne Widerstand abläuft. Wie schwer es sein musste, fand ich durch Experimentieren mit verschiedenen Gewichten heraus und landete schließlich bei einem kleinen Blei von weniger als zehn Gramm.

Zahnsonde und Angelblei als Hilfsmittel beim Gorldrehen

Wir sieben Teilnehmerinnen hatten anfangs unsere liebe Mühe, die Sonde immer an ihrem Platz zu halten und mit Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Wicklungen sauber zusammenzuschieben, aber mit der Zeit lernten wir das Hilfsmittel schätzen. Alle Knöpfe, mit denen wir uns im Laufe der Woche beschäftigten, basieren auf dem klassischen Sternknopf, unterscheiden sich aber in der Art der Hilfsstrukturen, an denen die Gorlstege fixiert werden.

Isenstedter Knöpfe

Bei unserem ersten Übungsprojekt, dem Isenstedter Knopf mit einer relativ bescheidenen Gorlverzierung, gerieten viele Gorlstrecken noch krumm und schief, aber nach und nach fand jede von uns zu ihrem Arbeitsrhythmus, zum richtigen Abstand zwischen dem Garnknäuel, den wir in einer Schale tanzen ließen, und zum (mehr oder weniger) perfekten Winkel zwischen Arbeits- und Gorlfaden.

Dass ausgerechnet die altvertraute Umrandung mit Languettenstichen mich vor neue Probleme stellen würde, hatte ich nicht erwartet: Jürgen Sturma arbeitet eine erste Runde aus sehr dichten Languettenstichen um den Hilfsfaden, sticht in der zweiten Runde nur noch in jede zweite Schlinge ein und zieht die Umrandung anschließend bereits auf die Rückseite, wo er sie in einer selbst entwickelten Methode dekorativ und fest annäht. Bei seinen Knöpfen sieht das großartig aus, bei meinen wirkte die Umrandung löchrig wie ein altes Fischernetz, sodass ich zu meiner langwierigeren Methode mehrerer Languettenrunden zurückkehrte.

Jürgen Sturma bei der Arbeit: Gerade bei Schwarz in Schwarz gestalteten Knöpfen ist eine beleuchtete Lupe von großem Nutzen.

Die Herausforderungen im Kurs nahmen von Tag zu Tag zu: Beim Friller Knopf galt es zum Beispiel, statt der doppelten Gorlstege beim Isenstedter nun kleine Rosen oder Bäckchen aus vier kurzen Gorlstrecken zu arbeiten, an denen ich bisher immer gescheitert war. Nun gelangen mir die Röschen fast mühelos, sodass ich vor lauter Begeisterung gleich mehrere Friller nacheinander produzierte.

Friller Knöpfe (beim schwarzen Knopf rechts oben fehlt noch die Einfassung)

Den Lindhorster Knopf gibt es gleich zweimal: in einer kleinen und einer großen Variante, beide ohne Einfassung, aber mit besonders üppiger Gorlverzierung. Beim kleinen Lindhorster mit seinem doppelten Stern aus Gorlstegen und über die Kante herabgezogenen Spitzen besteht die größte Schwierigkeit darin, die richtige Reihenfolge beim Gorlen einzuhalten, ähnlich wie beim berühmten „Haus vom Nikolaus“, bei dem man ja auch nicht erst die komplette Außenkontur schließen darf, weil man sonst die Linien im Inneren nicht mehr in einem Zug zeichnen kann. Manchmal mussten wir ein bisschen schummeln, aber am Ende hatten wir alle den Bogen raus. Außerdem waren wir geradezu zum Naschen von Schoko-Ostereiern gezwungen, um Material für die glitzernden Folienspiegel im Zentrum zu gewinnen.

Kleine Lindhorster Knöpfe, zum Teil mit Folienspiegel in der Mitte

Den großen Lindhorster Rockknopf hatte Jürgen Sturma für den krönenden Abschluss vorgesehen. Hätten wir in seinem Handout gleich am Anfang bis dorthin weitergeblättert, wäre uns vermutlich angesichts dreireihiger Gorlstege schwindlig geworden. Doch nach einigen Tagen Übung erschien uns die Aufgabe lösbar. Lediglich die Wickelstiche um die Hilfsstruktur-Fäden im Zentrum waren ein wenig kompliziert, weil sich die Fäden ständig übereinanderschoben. Schließlich gelangen uns einige recht ansehnliche Exemplare. Hier seht ihr meine beiden Werkstücke:

Große Lindhorster Rockknöpfe

Am Ende der Woche hatte ich mein Gorl-Trauma definitiv überwunden und mich in einen regelrechten Rausch gegorlt, sodass ich mir noch vor dem Feierabendbier am letzten Abend eine besondere Aufgabe stellte: Weil mir Jürgens elegante, rein schwarze Gorlknöpfe besonders gut gefallen, fertigte ich je einen Isenstedter und einen Friller aus Seiden- und Baumwollgarn in Schwarz an. Den Rest muss die Übung bringen!

Bei der abschließenden Werkschau am Sonntagvormittag trug jede von uns Kursteilnehmerinnen gleich mehrere gelungene Gorlknöpfe zu unserer gemeinsamen Präsentation bei, die Jürgen durch seine Exponate ergänzte. Er beantwortete auch mehr als eine Stunde lang alle Fragen aus den anderen Kursen zur Knopfmacherei im Allgemeinen und zur Gorltechnik und den Knöpfen aus dem Minden-Schaumburger Land im Besonderen.

Selbstverständlich wurde während der Trachtenwerkwoche nicht ausschließlich in den Werkgruppen gearbeitet, die bei Gertrud Agricola-Straßer Mieder, bei Margit Hummel Röhrlhosen oder einen schmalen Rock und bei Ute Palmer-Wagner Gollerblusen und geknöpfte Oberteile nähten. Zwischendurch hatten wir die Gelegenheit, zusammen mit Thea Baur Stoffe oder fertige Tischdecken mit wunderschönen alten Modeln zu bedrucken.

Dieses Rosenmuster ziert jetzt eine Mitteldecke für unseren Gartentisch.
Ein schöner Streifenschal aus Halbleinen bekam durch die Rankenborte eine verspielte Note.

Am Schnuppernachmittag entschied ich mich unter verschiedenen Angeboten für den Rüschenkurs bei Gertrud Agricola-Straßer, wo ich endlich die Rosenrüsche, die Dachrüsche und – mit mäßigem Erfolg – die Herzrüsche in der Praxis kennenlernte, die mir beim Lektorat des Rüschenbuches der Trachtenkultur-Beratung bereits begegnet waren. Währenddessen wickelte Jürgen mit seiner Schnuppertruppe Pfeilspitzenknöpfe und Knöpfe auf sternförmigen Rohlingen.

Wenn die Falten eingelegt und gesteckt sind, wird die Rosenrüsche mittig mit der Nähmaschine abgesteppt.
Anschließend werden die Röschen einzeln von Hand genäht.
Die Kreisheimatstube Stoffenried
Weiher und Kirche in Stoffenried

Ein abendlicher Ausflug führte uns nach Stoffenried, wo Kreisheimatpflegerin Bärbel Mettenleiter-Strobel uns durch die Museumsgebäude der Kreisheimatstube führte und uns unterhaltsam und kundig allerlei über die einstigen Lebensverhältnisse auf dem Lande erzählte. Vor der Rückfahrt nach Babenhausen durften wir dann noch das hausgebraute Bier probieren.

Das Vergissmeinnicht soll mich daran erinnern, die Technik des Gorlens zu üben und nicht in Vergessenheit geraten zu lassen.

Die Tage nach der Trachtenwerkwoche sind im Flug vergangen, denn in meinem Redaktionsbüro war über die Kurstage einiges an Arbeit liegen geblieben, und am kommenden Wochenende steht schon das nächste Knopf-Event an: die Knopfmachertage der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben im Landauer-Haus in Krumbach, bei denen ich einen Tag lang Sticktechniken für Knöpfe im viktorianischen Stil zeigen darf. An den beiden anderen Tagen freue ich mich darauf, von Sandra-Janine Müller und Monika Hoede zu lernen.

Eine Überraschung gab es am Montag: Durch den Anruf einer Frau aus Niederbayern erfuhr ich, dass das Bayerische Fernsehen am Nachmittag in „Wir in Bayern“ die „Homestory“ aus der Knopfwerkstatt wiederholt hatte, die Julia Seidl vor zwei Jahren in Violau gedreht hat. Wer den Beitrag damals versäumt hat oder noch einmal sehen will, hat jetzt hier in der Mediathek die Gelegenheit dazu (ca. ab Minute 31:30):

„Wir in Bayern“, Sendung von Montag, 8. April 2024

Knöpfe, Knoten und Termine

Eigentlich wollte ich diesen Blog-Eintrag schon vor ein, zwei Wochen verfassen und veröffentlichen, aber ihr wisst ja: Selten ist mehr zu tun, verfliegen die Tage schneller und müssen mehr Erwartungen erfüllt werden als in den ebenso romantisierend wie irreführend als „stade Zeit“ bezeichneten Wochen vor Weihnachten.

Dafür löse ich heute einige Versprechen ein, die ich unvorsichtigerweise im Laufe des Jahres gegeben habe: Ihr bekommt hier eine Kurzanleitung für den Viereckknopf mit dem eingewebten Herz samt Zählvorlage, ich zeige euch in zwei Videos praktische Knoten und stelle euch die raffinierte Faltverpackung im Knopfwerkstatt-Design vor. Außerdem gibt es schon eine ganze Reihe von Kursterminen für 2024.

Kreative Herausforderungen

Zunächst aber eine Rückschau auf die beiden Kreativ-Challenges, an denen ich mich in diesem Jahr beteiligt habe. Zwischendurch habe ich hier schon einmal von diesen inspirierenden Aufgaben berichtet, die wir Knopfmacherinnen uns immer wieder gegenseitig stellen. Im Jahr 2015 war ich mit meinem Projekt „One Button a Day“ noch ganz alleine und habe mich sehr gefreut, als meine hoch geschätzte englische Kollegin Gina Barrett die Idee später aufgriff und sogar zwei Jahre durchhielt – eine bewundernswerte Leistung!

2023 hat Gina Barrett in ihrer Facebook-Gruppe Gina B. Silkworks Group nun dazu eingeladen, jeden Monat ein Textilwerk zu zwei Begriffen zu schaffen, die sie ausgelost hat, von #red und #creature im Januar bis zu #vintage und #yellow im Dezember. Manchmal habe ich mich mit den Vorgaben ein bisschen schwer getan, öfters war der betreffende Monat schon ein Weilchen vorbei, aber ich habe durchgehalten bis zum Ende. Für die deftigen Kraftausdrücke, mit denen ich das elend glatte, schlüpfrige Vintage-Viskose-Garn für den Dezemberknopf bedacht habe, werde ich mir den Mund wohl mit Kernseife auswaschen oder ein Stündchen auf Holzscheiten knien müssen … 🙈

Hier sind meine zwölf Beiträge zu Ginas Challenge #monthlymake2023:

Auch in der deutschen Facebook-Gruppe „Knöpfe“, der inzwischen mehr als 500 Knopfbegeisterte angehören, gab es ein Jahresprojekt, das Eveline Groß aus Österreich angestoßen und betreut hat. Sie schlug jeden Monat eine Farbkombination für Knopfkreationen vor, von Grau und Schwarz im Januar bis zur allgemeinen Vorgabe „Glitzer“ im Dezember. Ich habe in meinen Kursen oft die jeweiligen Farben des Monats für meine Beispielknöpfe verwendet und deshalb in manchen Monaten eine Vielfalt an Knöpfen zum Thema zustande gebracht, während ich in anderen ziemlich hinterherhinkte.

Hier ist eine Auswahl meiner Beiträge zu Evis Vorgaben für #farbedesmonats2023:

Raffiniert verpackt

Ein Problem, das mich beschäftigt, seit ich die Knopfmacherei zum Beruf gemacht habe, ist seit Kurzem gelöst: die Verpackung einzelner Knöpfe. Ganz zu Beginn hatte ich Organzasäckchen verwendet, die zwar hübsch aussehen, aber aus reiner Kunstfaser bestehen und aus Fernost importiert werden müssen. Pergamentpapiertüten mit Knopfwerkstatt-Aufkleber sind eine für mich akzeptable Verpackung (vor allem, seit auch die Aufkleber aus Papier und nicht mehr aus Folie bestehen), aber erst das Geburtstagsgeschenk einer Freundin hat mich auf die ultimative Idee gebracht: Sie hatte dekorative Kronkorken einzeln in raffiniert gefaltete Kuverts aus Kalenderblättern verpackt.

Als Origami-Fan habe ich diese Verpackungen mehrere Male auseinander- und wieder zusammengefaltet, aus Kopierpapier nachgearbeitet, mit Buntstiften bemalt und schließlich einen Prototyp an meine großartige Grafikerin (und nebenbei wunderbare Schwägerin) Marion Waldmann geschickt, die meine hemdsärmeligen Versuche in eine professionelle Druckdatei umsetzte. Vom Ergebnis bin ich wirklich begeistert, auch wenn beim fertig gefalteten Kuvert das Sternchen in der Mitte des Logos nicht ganz genau zusammenpasst, weil es sich durch die Papierstärke ein wenig verschiebt.

Außenseite und Innenseite (oben von links), Kuvert nach dem ersten Faltschritt, fertig gefaltetes Kuvert (unten von links)
Auf Instagram habe ich das neue Faltkuvert für meinen Weihnachtsgruß genutzt.

Viereckknopf mit eingewebtem Herzmotiv

Vor einiger Zeit habe ich in einer Instagram-Story ein paar Viereckknöpfe mit eingewebtem Herzmotiv gezeigt, die im Oktoberkurs im Ballenbergzentrum entstanden sind, und gefragt, ob ihr Interesse an der Vorlage habt. Die Resonanz war überwältigend, und voilà: Hier sind Schritt-für-Schritt-Fotos und ein Zählmuster. Wer schon einmal einen Viereckknopf gewickelt und gewebt hat, müsste damit gut zurechtkommen. (Für alle anderen gibt’s ausführliche Anleitungsblätter für den einfachen und den gewebten Viereckknopf.)

Viereckknopf mit eingewebtem Herzmotiv: Wir beginnen auf einem flachen Rohling mit 40 mm Durchmesser mit zwei schmalen Touren im 90-Grad-Winkel für die Eckanker, legen darüber eine vertikale breite Tour aus 15 Fäden und weben die zweite breite Tour aus ebenfalls 15 Fäden im 90-Grad-Winkel dazu nach dem Zählmuster ein (obere Reihe von links). Es folgen nach Belieben zwei Runden Viereckwicklung in einer Kontrastfarbe (Mitte links), dann werden die weiteren Touren nach dem Zählmuster in die Grundgerüsttouren eingewebt (unten links). Zuletzt habe ich noch eine Runde in Orange gewickelt (und dabei unter den Grundgerüsttouren eingewebt) und in der letzten Runde in Orange den Faden unter den Eckankern gesichert.
Zählmuster für den Viereckknopf mit eingewebtem Herzmotiv. (Beim oben abgebildeten Knopf habe ich statt dreier Abschlussrunden in Orange nur zwei Runden gearbeitet.)

Praktische Knoten

Am Beginn vieler Arbeitsschritte bei der Knopfmacherei muss der Faden verknotet werden – sei es, um eine Anfangsschlinge zu bilden oder um den Faden auf der Rückseite des Knopfes zu sichern. Natürlich eignet sich dazu meist der Hausfrauen- oder Überhandknoten, aber einfacher und schneller funktioniert der Quilter- oder Patchworkknoten, den ich in jedem Kurs zeige, weil ich ihn nahezu ständig einsetze. Meine Schweizer Schülerinnen kennen ihn übrigens oft aus der Schule, wo er als „Raketenknoten“ gelehrt wird. Viele Schülerinnen haben mir in späteren Kursen berichtet, dass sie inzwischen auch Fäden bei allerlei Näh- und Flickarbeiten auf diese Weise verknoten. So wird’s gemacht:

Der Quilter-, Patchwork- oder Raketenknoten ist praktisch, vor allem wenn man viele Fadenenden verknoten muss.

Der Raketenknoten ist das Mittel der Wahl, wenn man den Faden auf der Rückseite eines Knopfes unter vorhandenen Wicklungen vernähen kann. Was aber, wenn man nur einen blanken Rohling vor sich hat? Oft ist nicht von Anfang an klar, wie lang der Arbeitsfaden für das vorgesehene Grundgerüst sein muss. Grobe Schätzungen können dazu führen, dass der Faden entweder nicht für das komplette Grundgerüst reicht oder ein langes Fadenstück als Verschnitt übrig bleibt, was besonders bei kostspieligen Garnen sehr ärgerlich ist.

Die Fadenlänge lässt sich bestimmen, indem man den Faden so oft wie nötig um den Rohling wickelt, etwas Garnlänge zum Verknoten und Vernähen zugibt und den Faden vom Knäuel abschneidet. Dann kann man den Faden in die Nadel einfädeln, das Ende mit dem Raketenknoten verknoten und den Faden vor dem Knoten durchstechen, um ein „Lasso“ zu bilden, das sich als Anfangsschlinge um den Rohling legen lässt.

Noch eleganter ist aber folgende Methode, mit der direkt vom Knäuel weg gearbeitet werden kann, sodass wirklich nur die erforderliche Fadenlänge abgeschnitten wird. Dazu muss eine stabile, aber an den Rohling anpassbare Anfangsschlinge aus dem freien Fadenende gearbeitet werden. Das ist viel einfacher, als es zunächst scheint:

Eine Anfangsschlinge aus dem Fadenende: So kann man das Grundgerüst für einen Knopf direkt vom Knäuel arbeiten, ohne zuvor die erforderliche Fadenlänge zu ermitteln. Die Schlinge lässt sich um den Rohling passgenau festziehen.

Kurstermine für 2024

Noch im Januar geht es wieder mit Knopfkursen los, auf die ich mich schon jetzt sehr freue. Folgende Termine stehen bereits im Knopfwerkstatt-Kalender (die Liste unter dem Tab Termine auf dieser Website wird regelmäßig aktualisiert):

Knopfmacherei: Mandala-Malen mit Garn
Samstag–Sonntag, 20.–21. Januar 2024
VHS am Münsterplatz, 73525 Schwäbisch Gmünd
gmünder-vhs.de

Zwirnknopf als Rahmung – Souvenirs, Souvenirs …
Samstag, 27. Januar 2024
Museum KulturLand Ries, 86747 Maihingen
mklr.bezirk-schwaben.de

Der Zwirnknopf macht Karriere
Montag–Dienstag, 5.–6. Februar 2024
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Viktorianische Posamentenknöpfe
Mittwoch–Freitag, 7.–9. Februar 2024
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Viktorianische Knöpfe – Best of …
(Schwälmer Hutknopf, Snowflake, Rohlinge mit Stoff beziehen)
Workshop im Rahmen der Knopfmachertage 
der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben (12.–14. April 2014)

Freitag, 12. April 2024, 10–17 Uhr
Trachtenkultur-Beratung, 86381 Krumbach
trachten.bezirk-schwaben.de

Knopfwerkstatt: Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 25.–26. Mai 2024
Kunstatätte Bossard, 21266 Jesteburg
bossard.de

Knopfwerkstatt (2 Kurse)
Posamenten- und Zwirnknöpfe (Programm wird auf die Teilnehmenden abgestimmt)
1. Kurs (Einsteiger): Mittwoch–Freitag, 5.–7. Juni 2024
2. Kurs (Fortgeschrittene): Freitag–Sonntag, 7.–9. Juni 2024
Volkshochschule im Franziskanerkloster, 89584 Ehingen/Donau
Anmeldung bei Waltraud Steeb, E-Mail w.steeb@gmx.de

Spitzen-Vielfalt 2024: HandwerksKunst ist Spitze
Samstag–Sonntag, 15.–16. Juni 2024 (Marktstand mit Vorführung)
Tagungshaus Regina Pacis, 88299 Leutkirch
spitzengilde.de

Viktorianische Posamentenknöpfe: Kurs im Wollwerk Münsingen am 13./14. Juli 2024

Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 13.–14. Juli 2024
Wollwerk, 72525 Münsingen
wollwerk-imbt.de

Knopfmachen: Zwirnknöpfe 🇨🇭
Donnerstag–Freitag, 18.–19. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Posamentenknöpfe 🇨🇭
Samstag–Sonntag, 20.–21. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Zwirnknöpfe 🇨🇭
Donnerstag–Freitag, 17.–18. Oktober 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Posamentenknöpfe 🇨🇭
Samstag–Sonntag, 19.–20. Oktober 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Die Knopfwerkstatt auf Zeitreise ins Mittelalter

Die Knopfwerkstatt im Schatten des Lichtenberger Bergfrieds.

Manchmal ist es kaum zu glauben, wie abwechslungsreich und bisweilen sogar abenteuerlich die Arbeit in der Knopfwerkstatt ist. Im Januar erreichte mich eine Mail von den Burgfreunden Lichtenberg mit der Einladung zum Mittelaltermarkt im Rahmen des Burgfestes Anfang September: „Mittelalterlicher Stand wäre Voraussetzung. Könnten wir dir aber stellen … Viele Grüße, Stefan“.

Kurz gegoogelt: Lichtenberg – nein, nicht der gleichnamige Stadtteil Berlins, sondern eine der kleinsten Städte Deutschlands und zweitkleinste Stadt Bayerns, liegt in Oberfranken im Landkreis Hof an der Grenze zu Thüringen. Nun, für jemanden, der in Violau mit rund 120 Einwohnern lebt, erscheint Lichtenberg mit knapp zehnmal so vielen Einwohnern fast schon wie eine Großstadt.

Die Knopfwerkstatt war zwar schon auf diversen Kunsthandwerker- und Trachtenmärkten zu Gast, aber noch nie bei einem Mittelaltermarkt. Freilich haben die sogenannten umsponnenen Knöpfe, also die Posamentenknöpfe, und die Zwirnknöpfe nur bei äußerst großzügiger Auslegung etwas mit dem Mittelalter zu tun, aber die Gelegenheit, mein immerhin einige Jahrhunderte altes Handwerk beim Lichtenberger Burgfest zu präsentieren, war äußerst verlockend. Mein (fränkischer!) Mann Franz und ich überlegten nicht lang, sagten zu und bekamen im Frühjahr alle Informationen und den Vertrag für Marktkaufleute.

Was aber trägt man bei einem Mittelaltermarkt? Ganz sicher nicht meine geliebten grauen Knopfwerkstatt-Polohemden mit aufgesticktem Logo. In unseren Kleiderschränken fand sich nichts, was auch nur annähernd als mittelalterlich durchgehen konnte. Also stöberte ich online bei Ritterladen.de und erstand Rock, Leibchen, Bluse und Haube für mich und eine braune Bundhose für Franz. Die Haube schmückte ich mit drei Zwirnknöpfen als Markenzeichen.

Um den Stand mussten wir uns zum Glück keine Gedanken machen, freuten wir uns. Stoffe könnten uns zur Verfügung gestellt werden hatte Stefan Eckardt, der Vorsitzende der Burgfreunde geschrieben – wunderbar! Fehlte nur noch ein stilvolles Schild für den Stand. Ich erinnerte mich an die legendäre 680-Jahr-Feier unseres Nachbardorfes Unterschöneberg im Jahr 2007, für die ganze Lastwagenladungen von Schwartenbrettern zu Schildern, Ständen und zum Verkleiden von Abfallkörben verarbeitet worden waren. Aber ein neues Brett aus dem Sägewerk in der Nähe kam uns zu wenig malerisch vor. Die Lösung fand sich auf einem Altholzstapel unseres Freundes Martin, der gerade ein ruinöses Haus auf einem Baugrundstück abriss: ein pittoresk verwitterter Fensterladen in ausgeblichenem Grün mit zwei rostigen Scharnieren als perfekten Aufhängern für das künftige Schild, auf dem „Knopfmacherey“ stehen sollte, denn jedes Kind weiß ja, dass bei mittelalterlichem Tanderadey Endungen auf ei mit y geschrieben werden müssen. So will es das Gesetz! 😅

Vom Laden zum Ladenschild: Aus einem alten, verwitterten Fensterladen wurde das Schild für die Knopfmacherey.

Am Computer (also höchst unmittelalterlich 🙈) setzte ich das Wort in einigermaßen historisch anmutenden Lettern, vergrößerte es am Kopierer und übertrug es mit Kohlepapier (zum Glück hatte unser Nachbar Josef noch welches) auf den grob abgebürsteten Fensterladen. Dann malte ich die Buchstaben mit Acrylfarbe in fast schwarzem Petrol aus – fertig!

Mit unserem Zafira voller Kisten, einigen Metern Rupfen und anderen Stoffen für den Stand, unserer mittelalterlichen Gewandung und Hunderten von Knöpfen machten wir uns schließlich am Tag vor dem Festwochenende auf den Weg in den Frankenwald. Vor dem Lichtenberger Rathaus wurden wir von Kerstin Eckardt sehr freundlich empfangen und von Max aus dem Organisationsteam zum Burgplatz begleitet, wo schon Dutzende anderer Marktkaufleute ihre Stände aufbauten: eindrucksvolle Pavillons und Zelte aus Holz und naturfarbener Leinwand mit Spannseilen aus Hanf und dekorativen Wimpelketten oder Zinnenbehängen an der Front. Als wir unseren eigenen Stand sahen, wurde uns klar, dass wir hätten ausführlicher kommunizieren sollen: Der war bis dahin nämlich nur ein Gestell aus Bodenleisten, vier Eckstützen und einigen Dachsparren. Wir hatten schlichtweg keine Ahnung vom Auf und Zu bei einem Mittelaltermarkt gehabt und nicht gewusst, dass wir hätten Planen und Tische mitbringen sollen. In meiner Einfalt hatte ich vor meinem geistigen Auge eine Art Christkindlmarkt-Bude vor mir gesehen und nicht weiter nachgefragt. Wieder was gelernt!

Aber das ungeheuer freundliche und hilfsbereite Burgfreunde-Team stand uns sofort zur Seite. Günther, der uns am nächsten Tag in der Kutte der Bibamus-Mönche wiederbegegnen sollte, schleppte zusammen mit Franz einen riesigen Ballen Möbelstoff herbei, der zu meiner Freude auch noch knopfwerkstattfarben war. (Etwa die Farbe, die neuerdings als Cadenabbia-Blau bezeichnet wird.) Mit seiner Unterstützung, einer Elektroschere und einem Akkuschrauber zauberten wir gemeinsam innerhalb von einer Stunde einen höchst ansehnlichen Stand mit Seitenwänden und Dach, bevor ein anderer Trupp mit Traktor und Anhänger uns einige Bierzelttische und -bänke anlieferte. Unser unermüdlicher Helfer Günther konnte es sich nicht verkneifen, augenzwinkernd anzumerken: „Jetzt muss ich schon mal blöd fragen: Was habt ihr eigentlich überhaupt dabei?“

Das Knopfmacherey-Schild hängt!

Eine weitere Stunde später war die Bude möbliert, mit Stoffen dekoriert und mit Ware ausgestattet. Das Tüpfelchen auf dem i (oder besser: auf dem y) war unser Knopfmacherey-Schild, das wir mit Sisalstricken an einer der Dachleisten befestigten.

Bereit für den Mittelaltermarkt!

Tags darauf stärkten wir uns beim gemeinsamen Frühstück mit den anderen Marktleuten vor der örtlichen Sporthalle am Burgplatz. Die Burgfreunde sorgten nämlich ausgezeichnet für ihr mittelalterliches Völkchen. Den ganzen Tag über hielt Melli im Gesindekeller Getränke und einen Imbiss für die historische Schar bereit. Bevor das Fest mit Böllerschüssen und einer gereimten Begrüßung offiziell begann, hatte ich Gelegenheit, mich ein bisschen umzuschauen, beispielsweise bei dem jungen Schildmacher und seiner Freundin, die sogar ihr Schlafzelt mit Bausatz-Bett auf dem Markt aufgeschlagen hatten – nicht ohne allerlei Kraftausdrücke, weil sich die Häringe nicht in den steinharten Boden schlagen ließen. Zum Glück half der Schmied, ein paar Stände weiter, mit massiven, handgeschmiedeten Pflöcken aus.

Unsere Standnachbarin Paula aus der Nähe von Prag fertigt hinreißende Hüte aus Kaninchenhaar-Filz an.

Händler, die Edelsteine, Messer aus Damaszenerstahl, Lederartikel, Räucherwerk und Gewürze aus dem Orient oder irdenes Geschirr feilboten, waren ebenso vertreten wie eine Badstube und ein Feldlager. Unsere Standnachbarin Paula aus Tschechien bot sehr schöne Hüte aus Kaninchenhaar-Filz an, und an einem Stand wanden drei bis vier Frauen von früh bis spät zauberhafte Kränze aus Blüten und Zweigen, die dann Köpfe und Buden schmückten.

Den ganzen Tag über, besonders aber bei den täglichen Umzügen der teilnehmenden Gruppen bot sich ein buntes, fröhliches Bild. Auf den beiden Bühnen beim Rathaus und im Schatten des Bergfrieds, aber auch den ganzen Marktplatz hinauf bis zur Burg unterhielten Musikgruppen wie die Amici Musicae Antiquae, Musica Vagantium, Arcus und Irregang die Besucher, die Ritterschaft Equitatus Monocerotis und der Schwarzenberger Ritterorden lieferten sich viel bejubelte Schaukämpfe, und hinter dem Turm gab das Puppentheater Knuth mehrmals täglich Vorstellungen. Zwischendurch zogen die Bibamus-Mönche (Nomen est Omen!) singend an unserem Stand vorbei, ein Kamel stattete uns einen Kurzbesuch ab, und sechs historisch gewandete junge Trommler präsentierten quasi mittelalterliche Sambarhythmen. Hier ein paar optische und akustische Impressionen der beiden Tage:

Sambarhythmen? Nein, hier wird mittelalterlich getrommelt.
Die Amici Musicae Antiquae waren eine der Musikgruppen, die das Volk beim 21. Burgfest zu Lichtenberg unterhielten.

Zwirn- und Posamentenknöpfe hatte bis dato kaum jemand gekannt, der an unserem Stand vorbeikam. Deshalb schauten mir viele der Besucherinnen und Besucher bei der Arbeit über die Schulter, und einige von ihnen nahmen sich sogar eine gute Stunde Zeit, um mit mir zusammen ihren ersten Sternknopf zu wickeln. Einer davon fand sofort seinen Platz am historischen Gewand.

Ein selbst gefertigter Sternknopf ziert das Gewand einer Burgfreundin.

Mit von der Partie war natürlich auch mein Alter Ego, die kleine Knopfmacherin Helene, die mit ihrem Outfit perfekt ins mittelalterliche Ambiente passte. Die Nadelfilz-Figur ist ein Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin Silke Sordyl und begleitet mich zu vielen Kursen und Märkten, wo sie immer sehr bewundert wird. Natürlich hat sie stets ihre Knopfmacherinnen-Ausrüstung dabei: Mini-Rohlinge, Garnröllchen, Schere, Nadel und einige winzige Knöpfchen.

Meine kleine Kollegin, die Knopfmacherin Helene, passte mit ihrem Outfit gut ins mittelalterliche Ambiente. Die Nadelfilzfigur ist ein Werk der deutsch-amerikanischen Künstlerin Silke Sordyl aus Illinois.

Am Sonntagabend endete das 21. Burgfest zu Lichtenberg so, wie es tags zuvor begonnen hatte: mit Böllerschüssen. Zugegeben: Finanziell hielt sich der Erfolg der Knopfwerkstatt durchaus in engen Grenzen, aber wir kehrten reich an Eindrücken und Erfahrung zurück. Es war eine Freude, von den sympathischen und hilfsbereiten Burgfreunden unterstützt zu werden und einen Beitrag zu diesem fröhlichen Fest bei Kaiserwetter zu leisten. Auf jeden Fall sind wir für kommende Mittelalterspektakel vorbereitet – nicht nur mit dem passenden Gewand. Jubel, Jubel, Jubel für das Organisationsteam der Burgfreunde Lichtenberg und vielleicht bis zum Mittelaltermarkt im kommenden Jahr!

Inzwischen sind wir wieder im ganz und gar modernen Alltag in Violau angekommen, wo ich die Veranstaltungen der nächsten Zeit vorbereite: Ich freue mich schon darauf, am Wochenende 7./8. Oktober beim Trachtenmarkt in Krumbach dabei zu sein, und in der darauffolgenden Woche geht’s wieder in die Schweiz, wo ich zwei Zwei-Tages-Kurse am Ballenbergzentrum gebe, die erfreulicherweise sehr gut gebucht sind. Alle Termine für die nächsten Wochen und bereits einige fürs neue Jahr findet ihr hier auf der Website. Wer immer auf dem Laufenden bleiben will, kann gern den Newsletter abonnieren. Keine Sorge: Ich werde euch nicht wöchentlich zuspammen, sondern informiere euch etwa alle sechs bis acht Wochen über neue Blogeinträge und anstehende Termine.

Neue Kurse und Markttermine

Noch bevor das Jahr 2024 begonnen hat, stehen schon einige Termine im Kalender der Knopfwerkstatt. Merkt sie euch vor und meldet euch möglichst frühzeitig an, damit die Veranstaltenden planen können. Den Link zum Anklicken findet ihr direkt unter dem jeweiligen Termin. Ich freue mich schon jetzt aufs Kennenlernen bzw. aufs Wiedersehen!

Knopfmacherei: Mandala-Malen mit Garn
Samstag–Sonntag, 20.–21. Januar 2024
VHS am Münsterplatz, 73525 Schwäbisch Gmünd
gmuender-vhs.de

Zwirnknopf als Rahmung: Kurs am Samstag, 27. Januar 2024, im Museum KulturLand Ries, Maihingen

Zwirnknopf als Rahmung – Souvenirs, Souvenirs …
Samstag, 27. Januar 2024
Museum KulturLand Ries, 86747 Maihingen
mklr.bezirk-schwaben.de

Der Zwirnknopf macht Karriere
Montag–Dienstag, 5.–6. Februar 2024
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Viktorianische Posamentenknöpfe
Mittwoch–Freitag, 7.–9. Februar 2024
Wollknoll, 74420 Oberrot
wollknoll.de

Wie Posamentenknöpfe in viktorianischer Tradition bezogen und kunstvoll bestickt werden, ist Thema bei verschiedenen Kursen im Jahr 2024.

Viktorianische Knöpfe – Best of …
(Schwälmer Hutknopf, Snowflake, Rohlinge mit Stoff beziehen)
Workshop im Rahmen der Knopfmachertage 
der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben (12.–14. April 2014)

Freitag, 12. April 2024, 10–17 Uhr
Trachtenkultur-Beratung, 86381 Krumbach
trachten.bezirk-schwaben.de

Schaf- und Handarbeitstag
Pfingstmontag, 20. Mai 2024 (mit Vorführung des Knopfmacherhandwerks)
Bauernhaus-Museum Allgäu-Oberschwaben, 88364 Wolfegg
bauernhaus-museum.de

Am Wochenende 25./26. Mai bin ich hoch im Norden: in der Kunststätte Bossard in Jesteburg.

Knopfwerkstatt: Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 25.–26. Mai 2024
Kunststätte Bossard, 21266 Jesteburg
bossard.de

Knopfwerkstatt (2 Kurse)
Posamenten- und Zwirnknöpfe (Programm wird auf die Teilnehmenden abgestimmt)
1. Kurs (Einsteiger): Mittwoch–Freitag, 5.–7. Juni 2024
2. Kurs (Fortgeschrittene): Freitag–Sonntag, 7.–9. Juni 2024
Volkshochschule im Franziskanerkloster, 89584 Ehingen/Donau
Anmeldung bei Waltraud Steeb, E-Mail w.steeb@gmx.de

Spitzen-Vielfalt 2024: HandwerksKunst ist Spitze
Samstag–Sonntag, 15.–16. Juni 2024 (Marktstand mit Vorführung)
Tagungshaus Regina Pacis, 88299 Leutkirch
spitzengilde.de

Viktorianische Posamentenknöpfe: Kurs im Wollwerk Münsingen am 13./14. Juli 2024

Viktorianische Posamentenknöpfe
Samstag–Sonntag, 13.–14. Juli 2024
Wollwerk, 72525 Münsingen
wollwerk.shop

Knopfmachen: Zwirnknöpfe 🇨🇭
Donnerstag–Freitag, 18.–19. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Posamentenknöpfe 🇨🇭
Samstag–Sonntag, 20.–21. Juli 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Zwirnknöpfe 🇨🇭
Donnerstag–Freitag, 17.–18. Oktober 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Knopfmachen: Posamentenknöpfe 🇨🇭
Samstag–Sonntag, 19.–20. Oktober 2024
Kurszentrum Ballenberg, CH-3858 Hofstetten bei Brienz
ballenbergkurse.ch

Stand: Januar 2024


Knöpfe für die Krone

Rund zweihundert Viereckknöpfe wurden für die Polstermöbel im Hotel Krone gebraucht.

Ein äußerst spannendes Projekt hat mich in den vergangenen Wochen stark auf Trab gehalten: Ich habe rund zweihundert Knöpfe für die Polstermöbel in den neuen Gästezimmern des historischen Hotels Krone in Oettingen angefertigt, das zurzeit mit hohem Aufwand instand gesetzt, umgebaut und erweitert wird. Das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert, vermutlich eines der ältesten der Stadt, wird durch einen schlichten, modernen Holzmodulbau ergänzt, in dem eine Lounge, Tagungsräume, ein Wellnessbereich und Hotelzimmer Platz finden.

Ich war sofort begeistert, als mir Manuel Schleier vom Architekturbüro Feulner & Häffner von der Idee berichtete, den Sofas und Betthäuptern in den Gästezimmern mit handgefertigten Posamentenknöpfen eine dezente besondere Note zu verleihen. So wie der neue Holzbau sich mit dem traditionsreichen Gebäude verbindet, sollten auch die traditionellen Knöpfe eine Brücke zur Vergangenheit schlagen. Was für eine wundervolle Gelegenheit zu zeigen, wie effektvoll Posamentenknöpfe in einem modernen Ambiente wirken können!

Erste Farb- und Knopfmuster auf dem Original-Polsterstoff

Als Polsterstoff hatte das Architekturbüro ein Gewebe aus 95 Prozent Wolle und fünf Prozent Polyacryl gewählt – zu meiner Freude in einer Melange aus Ecru und verschiedenen kühlen Grüntönen, zu denen ich die Garne für die Knöpfe anhand vorgegebener RAL-Farben zusammenstellen sollte. Ich wurde in der Farbkarte von Anchor Freccia 12 fündig und fertigte einige Musterknöpfe als Vorschläge an, bei denen ich nach Herzenslust in meinen Lieblingsfarben schwelgen konnte.

Dieser Posamentenknopf an einer Rieser Männerweste aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lieferte die Inspiration für die Oettinger Knöpfe. Foto: Alexander Smit/Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben

Die Wahl des Planungsbüros fiel am Ende auf einen Viereckknopf in Anlehnung an den Rieser Westenknopf; eine gute Wahl, denn Oettingen liegt am Rand des Nördlinger Rieses. Der Originalknopf findet sich an einer Männerweste aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Weste gehört zum Bestand der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben, deren Leiterin Monika Hoede die historischen Knopfmachertechniken erforscht und inzwischen an viele Knopfmacherinnen weitergegeben hat. Der Historiker Alexander Smit hat den Rieser Westenknopf auf Instagram ausführlich beschrieben.
Zu meiner großen Erleichterung sollte bei den Knöpfen für das Hotel Krone jedoch die traditionelle Umrandung mit Languettenstichen wegfallen, denn bei insgesamt rund zweihundert Knöpfen hätte das den Zeitaufwand mindestens verdoppelt. Anhand meiner Musterknöpfe erarbeitete das Team des Architekturbüros acht Farbvarianten, von denen sieben umgesetzt werden sollten – mal nur acht oder 16, mal 32 Knöpfe in einem Farbschema.

Die Oettinger Variante des Rieser Westenknopfes gibt es in acht Farbvarianten.

In der Zwischenzeit hatte die Polsterfirma Haapo 1910 aus Achenkirch in Österreich bereits ein Mustersofa mit verschiedenen Gestaltungsvarianten produziert, beispielsweise mit und ohne Keder um die Kanten der Sitzkissen und mit festerer oder weicherer Polsterung. Ins Rückenpolster waren bereits die ersten Musterknöpfe eingearbeitet: ein Anblick, der mich für meine weitere Arbeit an dem Projekt stark motivierte.

Und diese Motivation war auch dringend nötig, denn die Zeit drängte. Der neue Hoteltrakt entstand parallel in der Zimmerei Stark in Auhausen – und zwar Zimmer für Zimmer als einzelne Module, die ab Ende Juli fertig eingerichtet mit dem Kran zum Gebäude zusammengesetzt werden sollten. Die Sofas und Betthäupter mussten bis dahin also komplett vor Ort sein.

So arbeitete ich jeden Tag viele Stunden in der Knopfwerkstatt und auf der Terrasse. Als die ersten 64 Knöpfe fertig waren, beschlossen mein Mann Franz und ich, sie persönlich nach Tirol zu bringen, denn wenn die Sendung auf dem Postweg verloren gegangen oder verspätet ausgeliefert worden wäre, hätte Haapo den Termin nicht halten können.

Das Knopfmobil bei der Polsterfirma Haapo in Achenkirch, Tirol

Nachdem wir Haapo-Betriebsleiter Daniel Noack die Knöpfe übergeben hatten, durften wir ihn in die Fertigungshallen begleiten und zuschauen, wie Knöpfe – in diesem Fall waren es stoffbezogene – in die Polster eingezogen werden. Und weil wir das ganze Wochenende durchgearbeitet hatten, genehmigten wir uns eine erholsame Wanderung am Achensee quasi als Überstundenausgleich.

Eine Wanderung am Achensee als Belohnung für viele arbeitsreiche Tage

Damit fehlten aber noch gut zwei Drittel der erforderlichen Krone-Knöpfe. Ich stellte längst nicht mehr jeden Knopf einzeln fertig, sondern bereitete zuerst das Grundgerüst für alle Knöpfe einer Serie vor und arbeitete mich dann von Farbe zu Farbe nach außen, um möglichst zügig und effizient voranzukommen. Zwischendurch wagte ich es doch, eine Teillieferung mit der Post zu verschicken, aber die kam, wie befürchtet, um Tage verspätet an. Also machten wir uns schließlich ein zweites Mal auf den Weg, um an die hundert Knöpfe persönlich in Achenkirch abzuliefern, und belohnten uns diesmal mit einer Wanderung am Großen Ahornboden in der Eng.

Überstundenausgleich bei einer Wanderung am Großen Ahornboden in der Eng

Inzwischen sind die Polstermöbel samt der Knöpfe fertig und von Tirol ins Ries gereist. Daniel Noack hat mir freundlicherweise einige Fotos vom Einziehen der Posamentenknöpfe in die Polster geschickt:

Die Posamentenknöpfe werden in die Sofapolster und Betthäupter eingezogen.
Fotos: Daniel Noack/Haapo 1910

Der neue Hoteltrakt in Oettingen hat bereits Gestalt angenommen: Die Zimmermodule wurden per Tieflader angeliefert und mit dem Autokran millimetergenau neben- und übereinander platziert.

Fertig eingerichtet werden die einzelnen Zimmermodule mit dem Autokran zum Hoteltrakt zusammengesetzt.
Fotos: Werner Rensing

Wenn die Zimmer am Kran einschweben, sind sie bereits vollständig eingerichtet – eine faszinierende Vorstellung. Eine Vorstellung von den Räumen liefern einige Bilder der Zimmerei Stark, auf denen zwar keine Sofas, aber immerhin Betthäupter mit Posamentenknöpfen zu sehen sind:

Auf den ersten Fotos der Hotelzimmer erkennt man die Posamentenknöpfe an den gepolsterten Betthäuptern.
Fotos: Zimmerei Stark

Ich kann es kaum erwarten, das fertige Hotel zu sehen und hoffentlich einen Blick in eines der Zimmer zu werfen. Zwar kann ich mich nicht mit dem Titel „königliche Hoflieferantin“ schmücken, aber immerhin behaupten, ich hätte schon „Knöpfe für die Krone“ geliefert. Das wäre nicht mal übertrieben.

Allerlei Herausforderungen

Im Mai waren für die #buttonchallenge2023 Pastelltöne gefordert.

Eigentlich möchte man meinen, das Leben einer Knopfmacherin sei recht beschaulich: Sie macht es sich bei einer Tasse Tee oder Kaffee im Schatten auf der Terrasse gemütlich, wickelt, webt und lauscht dabei einem Hörbuch, oder sie sitzt bei Prosecco oder Aperol Spritz in einer fröhlichen Runde, die gemeinsam neue Muster erkundet.

So ist das tatsächlich bisweilen, allerdings bei weitem nicht immer (vor allem, wenn die Knopfmacherin noch einen zweiten Beruf als Redakteurin hat). Und damit das Knopfmacherinnen-Dasein nicht allzu beschaulich wird, stellen wir uns immer wieder kleinen oder größeren Herausforderungen.

Die erste Knopf-Challenge: mein Projekt „One Button a Day“ im Jahr 2015

Angefangen hat alles 2015 mit meinem Projekt „One Button a Day“. Damals hatte ich gerade das berühmte „graue Buch“ (Monika Hoede et alii, Posamentenknöpfe, Augsburg 2014) lektoriert und war bereits mit dem Knopfvirus infiziert. Um einen Ausgleich zur Redaktionsarbeit am Computer zu schaffen, habe ich mir die Aufgabe gestellt, ein Jahr lang jeden Tag einen Knopf anzufertigen und – um die Herausforderung auch wirklich ernst zu nehmen – auf Facebook zu posten. Mit großer Resonanz habe ich damals nicht gerechnet, allenfalls gehofft, dass ein paar wohlmeinende Freundinnen mein Vorhaben mit erhobenen Däumchen unterstützen würden.

Erinnert sich noch jemand an die Diskussion um den Grexit? Ihm habe ich 2015 einen Knopf des Tages gewidmet.

Oft habe ich für meinen Knopf des Tages ein aktuelles Ereignis gewählt – manchmal von öffentlichem, manchmal von privatem Interesse. So habe ich zum Beispiel der Diskussion um den Grexit (ach, das waren noch Zeiten!), dem Valentinstag oder dem Geburtstag von Freunden Knöpfe gewidmet. Tatsächlich habe ich das ganze Jahr durchgehalten und schon nach wenigen Wochen über das Echo auf Facebook gestaunt. Wenn ich bis zum späten Abend noch kein Foto gepostet hatte, kamen schon mal Nachfragen von mir (damals noch) fremden Menschen, die sich besorgt erkundigten, ob alles in Ordnung sei.

Zu meiner eigenen Überraschung war „One Button a Day“ auch ein Thema für die Medien: Die Augsburger Allgemeine brachte einen großen Beitrag über das Projekt, die (inzwischen leider eingestellte) Zeitschrift „Handmade Kultur“ veröffentlichte eine dreiseitige Strecke, und der Bayerische Rundfunk berichtete in einer einstündigen Musiksendung darüber.

Auch auf Reisen habe ich jeden Tag einen Knopf gestaltet. Dieses Goldstück entstand aus Material, das ich beim Kroatienurlaub in einem Handarbeitsgeschäft in Trogir entdeckt hatte.

Als das Jahr zu Ende ging, trauerten einige Fans des Projekts dem täglichen Knopf nach. Zum Glück übernahm meine großartige Kollegin Gina Barrett aus England die Idee und startete 2016 mit „One Button a Day“. (Inzwischen hat sie sogar schon ein zweites Jahr angehängt.)

Seither sind einige weitere Knopf-Herausforderungen entstanden:

In der deutschsprachigen Facebook-Gruppe Knöpfe, in der seit Jahren mehr als 400 Knopfbegeisterte ihre Werke zeigen und einander bei Fragen zu Knopfthemen unterstützen, hat Karin Gössl 2021 Themen wie „Zwirnknöpfe mit Kronkorken“, „Advent in Rot-Grün“ oder „Herzen und Blumen“ genannt und aus den dazu eingesandten Fotos einen Wochenkalender für 2022 gestaltet.

„Chocolate“ lautete eines der Themen in Gina Barretts Challenge „One Button a Week“ im Jahr 2022. Mir ist dazu ein Schoko-Muffin mit Karamellguss eingefallen.

Gina Barrett hat in ihrer Facebook-Gruppe Gina B. Silkworks Group 2022 zur #52buttonschallenge eingeladen, für die sie jede Woche ein Thema genannt hat. In diesem Jahr zieht Gina jeden Monat aus ihrer persönlichen Lostrommel zwei Begriffe als Inspiration für Knöpfe (oder andere textile Kunstwerke).

Ausnahmsweise mal kein Knopf: Zum Begriffspaar „red | creature“ in Gina Barretts Textilkunst-Projekt 2023 habe ich mein Kreuzstich-Stachelschwein nach einer frühbarocken Vorlage fotografiert. (Vorlage aus Irmgard Gierl, Stick- und Webmuster des Frühbarock, Rosenheim 1983, Seite 63)

Zum Januar-Begriffspaar „red | creature“ ist mir ein Stachelschwein in Kreuzstich wieder eingefallen, das ich nach einer frühbarocken Vorlage gestickt habe. Aber meistens beteilige ich mich doch mit Knöpfen an der Challenge #monthlymake2023, im Mai beispielsweise mit einem Bäumchenknopf zum Thema „cute | multicolour“. Wer Lust hat, auch dabei zu sein, kann jederzeit einsteigen. Aktuell lautet das Begriffspaar „blue | plant“.

Niedlich und mehrfarbig: Ich finde das Bäumchen passt ganz gut zum Mai-Thema „cute | multicolour“.

Aber auch in der oben schon erwähnten deutschsprachigen Gruppe Knöpfe auf Facebook gibt es in diesem Jahr eine Herausforderung, die Eveline Groß aus Österreich ins Leben gerufen hat: Sie nennt jeden Monat eine Farbkombination, in der beliebige Knöpfe gestaltet werden können. Für Menschen wie mich, die sich sehr gern in einem Farbkosmos (bei mir bekanntlich Blaugrün-Petrol-Mint-Türkis) bewegen, ist das die perfekte Gelegenheit, aus dem eigenen Farbtopf herauszukrabbeln und sich ganz bewusst auf neue Farben einzulassen. Im Eingangsfoto zu diesem Beitrag seht ihr beispielsweise meine Kollektion in Pastelltönen für den Monat Mai und unten die grau-gelben Knöpfe für April.

Grau und Gelb waren die Farben, die Eveline Groß im April für die Challenge #colourofthemonth aufgerufen hat.

Zugegeben: Manchmal bin ich mit meinen Beiträgen ziemlich spät dran, aber ich versuche immer, eine Werk zu Gina Barretts Projekt beizusteuern, und arbeite oft die Beispielknöpfe, an denen ich in Kursen die Techniken erkläre, in Evelines Farben des Monats.

Aktuell hänge ich auch ein bisschen hinterher, obwohl im Juni Petrol und Orange an der Reihe sind und ich folglich meiner Blaugrün-Leidenschaft frönen könnte. Viel habe ich noch nicht geschafft, aber ich werde auf jeden Fall noch den einen oder anderen Knopf gestalten.

Petrol und Orange sind die Farben des Monats Juni. Diesen Glatten Knopf habe ich mit den wundervoll lebendig pflanzengefärbten Garnen von Britta Schmidthüsen (Living Colours) gestaltet.

Immerhin ist mir ein Glatter Knopf mit den wundervollen pflanzengefärbten Garnen von Britta Schmidthüsen gelungen, die neulich in meinem Kurs an der VHS Ehingen dabei war. Ihr Firmenname Living Colours ist Programm: Die Farben kommen herrlich lebendig raus.

Ansonsten stecke ich gerade in einem spannenden Projekt, für das ich noch mehr als hundert Knöpfe anfertigen darf: auch das eine echte Herausforderung, die ich gerne annehme. Hier ein Arbeitsfoto – mehr dazu gibt’s in einem der nächsten Blog-Einträge.

Die ersten von mehr als hundert Knöpfen für ein spannendes Projekt.

Viktorianische Variationen

Eine spannende und ereignisreiche Trachtenwerkwoche liegt hinter mir und wird sicher noch eine ganze Weile nachklingen. Nachdem ich im vergangenen Jahr einer Gruppe die Grundlagen der Posamenten- und Zwirnknopfmacherei beibringen durfte, hatte sich Monika Hoede, die Trachtenberaterin des Bezirks Schwaben, diesmal ein ganz besonderes Thema gewünscht: Posamentenknöpfe im viktorianischen Stil, wie sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Mode waren. (Einige Originale kann man online an Kostümen aus dem Fundus des Metropolitan Museum of Art, New York, bewundern.)

Blüte und Stern, Empire, Snowflake und Pinwheel: Die Posamentenknöpfe im viktorianischen Stil waren Thema meines fünftägigen Workshops bei der Trachtenwerkwoche.

Bei dieser Art textiler Knöpfe wird über einem mit Stoff oder Garn bezogenen Rohling ein speichenartiges Grundgerüst aus Fäden, die sogenannte Tortenschnürung, gespannt und kunstvoll bestickt. Je nach Art der Stickerei entstehen Blüte oder Stern, Empire, Snowflake oder Pinwheel, wie die englische Knopfmacherin Gina Barrett die unterschiedlichen Muster in ihrem Buch Buttons – A Passementerie Workshop Manual (Lincolnshire 2013) nennt. Sie hat übrigens eine ganze Reihe interessanter Originale auf Pinterest zusammengetragen.

Über viele Wochen hinweg habe ich mich in dieses interessante Thema vertieft, Musterknöpfe angefertigt, Schritt-für-Schritt-Fotos aufgenommen, Anleitungsblätter und eine Powerpoint-Präsentation erarbeitet und war dann ziemlich enttäuscht, dass der Kurs im Februar wegen geringer Anmeldezahlen auf der Kippe stand. Umso schöner, dass schließlich ein knopfbegeistertes Quartett zusammenkam, das mit mir die Möglichkeiten der historischen Techniken erkundete.

Mit Stoff oder Garn bezogene Holzrohlinge dienen als Grundlage für viktorianische Knöpfe. Nicht historisch korrekt, aber interessant zu bearbeiten sind außerdem Abschnitte von Filzkugeln.

Womöglich wähnte sich meine Gruppe gleich zu Beginn auf dem falschen Dampfer, denn statt Holzrohlingen und Garn gab es erst einmal Vlies- und Kammzugwolle, warmes Wasser in Schüsseln, Seife, Handtücher und genoppte Silikontopflappen. Wir filzten tischtennisballgroße Kugeln, aus denen wir später kuppelförmige Rohlinge schneiden wollten. Und weil die Filzkugeln einige Tage zum Trocknen brauchen, mussten wir sie möglichst früh herstellen.

Anschließend umwickelten wir Holzrohlinge mit Baumwollsticktwist oder überzogen sie mit Stoff. Was für ein Glück, dass in den anderen Workshops genäht wurde! So bekamen wir zusätzlich zu den von mir mitgebrachten Patchworkstoffen wundervolle Reste von Jacquardgeweben, Seiden-, Samt- und sogar Tweedstoffen, mit denen wir experimentieren konnten. Da wurden winzige Rohlinge mit feiner Seide umhüllt und Kreise aus grobem Tweed um Holzkuppeln mit 5 cm Durchmesser gespannt. Jedes neue Stückchen Stoff, das aus einem der anderen Räume in unsere Knopfwerkstatt wanderte, inspirierte uns, sodass am Ende jede und jeder von uns mindestens ein halbes Dutzend vorbereitete Rohlinge vor sich liegen hatte.

Work in progress: Hier entstehen Blütenknöpfe im viktorianischen Stil – und jeder wirkt anders.

An Blüte und Stern erkundeten wir tags darauf die unterschiedliche Wirkung von Rückstichen und Stielstichen in Runden, widmeten uns an den folgenden Tagen der dekorativen Randgestaltung am Empire- und Snowflake-Knopf und schlossen schließlich mit dem Windrad- oder Pinwheel-Knopf ab, bei dem durch geschicktes Sticken ein spitzenartiges Muster auf der Grundlage aus Stoff oder Garn entsteht. Besonders gefreut und beeindruckt haben mich dabei die Fantasie und die Kreativität, mit der die drei Frauen und der Mann in meinem Kurs Stiche und Gestaltungsmöglichkeiten kombinierten oder neue Varianten erfanden. Als wir die Ergebnisse der Kurswoche für das Abschlussfoto arrangierten, staunten wir selbst über die Vielfalt an unterschiedlichen Knöpfen.

Kaum zu glauben, dass eine der Teilnehmerinnen sich noch nie zuvor mit dem Thema Posamentenknöpfe beschäftigt hatte! Ihr gelangen von Anfang an ebenso schöne und kunstvolle Werke wie allen anderen, und in einer Pause holte sie mal eben mit mir die Grundlagen für Sternknopf und Glatten Knopf nach. Chapeau!

Wie schon im vergangenen Jahr war es wunderbar, ein Thema über mehrere Tage hinweg zu entwickeln und dabei – anders als bei Tages- oder Abendkursen – auch die Muße für eigene Gestaltungsvarianten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu haben. Ein großer Luxus, den ich sehr zu schätzen weiß!

Einige Dutzend fantasievoll gestalteter Knöpfe im viktorianischen Stil kamen in der Trachtenwerkwoche zusammen – und zusätzlich einige Harlekinknöpfe aus den Schnupperkursen.

Immer wieder wurden wir durch zusätzliche Angebote aus unseren Workshop-Räumen gelockt, zum Beispiel bei der Stoff- und Garn-Tauschbörse, bei der allerlei Schätze aus den Schränken und Nähstuben der Teilnehmerinnen ans Licht kamen: altes Leinen, Zählstoffe und Stickbänder aus einem aufgelassenen Handarbeitsladen, überzählige Strickgarnknäuel, Bänder, Borten, Knöpfe, historische Nadelmäppchen und Skurrilitäten wie alte Bügeleisen, die sich hervorragend als Gewichte beim Nähen eignen, und eine Pelzstola aus Urgroßmutters Zeiten. Gut eine Stunde lang wurde gesichtet, getauscht und gefeilscht, bis viele der Raritäten eine neue Besitzerin gefunden hatten.

Stoffe, Bänder, Borten, Garne und allerlei Skurriles wie diese historischen Bügeleisen wechselten bei der Tauschbörse die Besitzerinnen.

Am Donnerstagnachmittag und -abend hatten die Teilnehmerinnen aller Workshops die Gelegenheit, in andere Bereiche hineinzuschnuppern. Bei Maria Tyroller wurden Ringtaschen als edle Alternative zur Plastiktüte geschneidert, Monika Hoede zeigte, wie dekorative Schachteln aus Graupappe nach Vorbildern aus dem 19. Jahrhundert genäht werden, Ute Palmer-Wagner erklärte das Sticken von sogenannten Flohfenstern, und ich lud zum Gestalten von Harlekinknöpfen ein.

Harlekinknöpfe, mal knallbunt, mal dezent Ton in Ton, wurden in den beiden Schnupperkursen gewickelt und gewebt.

Zehn Teilnehmerinnen in zwei Gruppen ließen sich auf das Knopf-Abenteuer ein und kreierten sechseckige Knöpfe mit Rhombenmuster – manche in den typischen Harlekinfarben Gelb, Rot, Blau und Grün oder anderen stark kontrastierenden Farbkombinationen, manche in Blau- und Grüntönen mit leuchtend kontrastierenden Rasterlinien in Orange oder zurückhaltend Ton in Ton.

Ein abendlicher Ausflug führte uns alle ins rund 15 Kilometer entfernte Krumbach zum Landauer-Haus, dem Sitz der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben. Dort informierte uns der Historiker Alexander Smit, wissenschaftlicher Volontär der Einrichtung, über die Geschichte des traditionsreichen Hauses, das einst der Familie jüdischer Geschäftsleute gehört hatte, und führte durch die Knopfausstellung mit historischen Originalen und modernen Interpretationen der alten Knöpfe .

Der Historiker Alexander Smit, wissenschaftlicher Volontär der Trachtenkultur-Beratung, führte die Teilnehmerinnen der Trachtenwerkwoche durch die Räume des Landauer-Hauses und zeigte unter anderem die dort ausgestellten Mustertrachten.
Der Knopftisch verbindet meine beiden Berufe: Der alte Setzkasten aus einer Druckerei steht für das Redaktionsbüro, die Knöpfe darin kommen aus der Knopfwerkstatt. Foto: Georg Drexel

Dort gab es auch ein Wiedersehen mit meinem Knopftisch, der schon einige Jahre mit der Ausstellung gewandert ist und nun dauerhaft seinen Platz bei der Trachtenkultur-Beratung gefunden hat, was mich sehr freut.

1 Kugel = 2 viktorianische Knöpfe: Die Filzkugel habe ich wie zwei halbkugelförmige Filzrohlinge mit Blütenmotiven und Snowflake-Borte bestickt.

Während des anschließenden Gedankenaustauschs bei Getränken und Gebäck habe ich eine Idee umgesetzt, die mir am Nachmittag durch den Kopf geschossen war: Wenn man zwei Filzhalbkugeln als Knopfrohlinge verwenden kann, müsste doch eine vollständige Kugel ebenfalls mit einer Tortenschnürung versehen und im viktorianischen Stil bestickt werden können. Also verpasste ich einer Kugel einen provisorischen „Äquator“ aus Garn, überspannte sie mit einer Tortenschnürung und stickte erst zwei Snowflake-Borten ober- und unterhalb der Äquatorlinie und anschließend je eine doppelte Blüte auf die Pole – einmal im Rück- und einmal im Stielstich, bevor ich den Hilfsfaden für den „Äquator“ wieder entfernte. Das Ergebnis ermutigt mich, an diesem Experiment weiterzuarbeiten.

Auch ein anderes Projekt reizt mich schon lange: das sogenannte Strunz- oder Schnorrtäschchen, wie es Monika Hoede schon vor Jahren für unser gemeinsames (und inzwischen leider längst vergriffenes) Buch „Die ganze Welt der Knöpfe“ angefertigt und beschrieben hat. Sie schreibt dazu: „Strunztäschchen dienen als zusätzliche Tasche zur Eingrifftasche im Rock. Die Strunztäschchen wurden unter der Schürze umgebunden; ihre individuelle Schönheit verbarg sich also im Alltag. […] Ein Strunztäschchen mag Taschentücher, Geld und kleine Habseligkeiten enthalten; für den Kirchgang Klingelbeutelgeld und ein Sträußchen zum Dran-Riechen und Wachhalten; für den Besuch bei der Freundin ein Strickzeug als Ausrede, damit man nicht dem Müßiggang verfiel. Die mir aus Hessen und Franken bekannten Taschen kenne ich als Schnorrtaschen; das steht für Müßiggang und hat nichts mit dem Schnorren im Sinne von Betteln […] zu tun.“

Dieses Strunztäschchen hat Monika Hoede aus einer Stickerei von Trudel Hoede angefertigt.

Inzwischen gestaltet Monika Hoede gern als Erinnerung an eine bestimmte Zeit Strunztäschchen, die sie mit allerlei Elementen aus eben dieser Lebensphase versieht. Die Tasche, die während der Trachtenwerkwoche in Babenhausen entstand, ist unter anderem mit Schneckenknöpfen von den Knopfmachertagen vor einigen Wochen und mit einem bunten Harlekinknopf verziert.

Dieses reich mit Bändern, Borten, Quasten und Knöpfen verzierte Strunztäschchen erinnert Monika Hoede an das Frühjahr 2023.

Die Idee fasziniert mich. Und weil ich während der Trachtenwerkwoche einige Stoffreste in hinreißenden Blaugrüntönen geschenkt bekommen oder gegen Knöpfe eingetauscht habe, liegt das Material für mein Strunztäschchen schon bereit. Jetzt fehlt nur noch die Zeit.

Aus diesen zauberhaften Stoffen könnte mein Strunztäschchen entstehen.

Apropos Zeit: Auch wenn am Beginn der Trachtenwerkwoche der Abschied in weiter Ferne zu liegen schien, verflogen die Tage im Nu. Trotzdem habe ich in einer Mittagspause einen kleinen Spaziergang ins Städtchen geschafft und die sehr sehenswerte Pfarrkirche St. Andreas mit einem ungewöhnlichen Kreuzweg-Treppenhaus besucht.

Das Fuggerschloss und die Pfarrkirche St. Andreas prägen die Innenstadt von Babenhausen.

Bei einem gemeinsamen Frühstück im Café Rosa haben wir einander schließlich am Sonntagvormittag gegenseitig die Werke der Woche präsentiert und endlich auch die Spenzer, Röcke und Leibchen als Ganzes gesehen, mit deren Stoffresten wir unsere Knopfrohlinge überzogen hatten. An manch einem der Modelle hat zu unserer Freude auch einer der viktorianischen Knöpfe Platz gefunden.

Bevor wir alle die Heimreise antraten, hat Monika Hoede uns verraten, dass die Planung für die nächste Trachtenwerkwoche schon läuft: Sie wird wieder mit mehreren Workshops in der Woche nach Ostern vom 2. bis zum 7. April 2024 stattfinden. Es lohnt sich, die Tage schon jetzt im neuen Kalender zu blocken und im Urlaubskalender einzutragen!

Mit einem üppigen Frühstück im Café Rosa endete die Trachtenwerkwoche am Sonntag.

Woolinale und Wiedersehensfreude

Schon vor dem Südeingang zur Messe Köln wurden die Besucherinnen und Besucher von Yarnbombing-Werken begrüßt.

Köln steht seit Jahrzehnten alljährlich im Frühjahr auf meinem Reiseplan: Dann nämlich findet dort die h+h cologne, die größte internationale Fachmesse für Handarbeit und Hobby, statt, bei der ich als Redakteurin für Textilthemen Kolleginnen und Kollegen, Ansprechpartnerinnen bei Firmen und Auftraggeberinnen bei Verlagen treffe. Corona hat diese Routine abrupt unterbrochen: Für 2020 hatte ich schon die Zugfahrten und das Hotel gebucht, als die Messe pandemiebedingt abgesagt wurde. Nach drei Jahren Messepause kam ich nun also zum ersten Mal wieder an den Rhein und freute mich nicht nur darauf, viele Bekannte wiederzusehen, sondern war auch gespannt auf die Woolinale, das 1. Internationale Yarnbombing Festival, im Rahmen der Messe.

Ich wurde nicht enttäuscht: Elke Hahn (Gassenmaschen) und ihr Woolinale-Team hatten Exponate von Textilkünstlerinnen und -künstlern aus aller Welt zu einer beeindruckenden Ausstellung am und im Südeingang der Koelnmesse arrangiert. Dort konnten übrigens alle Interessierten sich die überwiegend gestrickten und gehäkelten Werke ansehen, während die Messe selbst Fachbesucherinnen und -besuchern vorbehalten war. (Allen, denen der Zutritt verwehrt blieb, sei zum Trost gesagt: Anders als bei Verbrauchermessen wie der Creative in Dortmund und der Nadelwelt in Karlsruhe oder Friedrichshafen gibt es auf der h+h cologne fast nichts zu kaufen. Dort werden Kontakte geknüpft und gepflegt, Neuheiten präsentiert und vor allem Bestellungen aufgegeben.)

Fantasievoll umhäkelte Masten vor dem Eingang der Messe Köln waren Teil der Woolinale.

Wer vom Bahnhof Deutz aus die Treppen zur Messe hinaufstieg, wurde bereits auf dem Vorplatz von fantasievoll umhäkelten und umstrickten Masten empfangen: Laternengeistern von der Maschengilde, „A Rose to Hug“ von Yarn Vandalette Gaby Schreyer, einem Feenbaum von Flinkenadel Alena Becker und den monochrom in Beige und Wollweiß gearbeiteten „Corals“ von Marianne Seimann, um nur einige zu nennen.

Eine ganze Wand voller Friedenssymbole von Handarbeitsfans aus aller Welt

Hunderte individuell mit Garn und Nadeln gestalteter Peace-Symbole an einem Bauzaun links neben dem Eingang richteten einen eindringlichen Friedensappell an die internationalen Gäste der Messe.

Gegenüber, auf der rechten Seite des Eingangs lud der Selfie-Schmetterling der Yarn Gang aus vielen hundert Granny-Squares zum Fotografieren ein:

Der Granny-Square-Schmetterling der Yarn Gang wurde hunderte Male fotografiert.

Was sich alles aus Strick- und Häkelmaschen kreieren lässt, war dann in der Eingangshalle zu bestaunen. Lebensgroß gehäkelte Vögel, eine Gruppe von Kängurus im Lace-Look („Mel’s Mob“ von Nini & Wink), Mitmachaktionen wie der „Weg zum Frieden“ von Annett Neßmann, das riesige Diorama „Kölsche Korallen“, witzige Textilskulpturen und politische Statements …

Besonders gefreut habe ich mich, endlich Elke Hahn kennenzulernen, die ich schon zu filzfun-Zeiten für ein Interview über ihre Ausstellung gehäkelter Schriftsteller in diversen öffentlichen Büchereien hatte gewinnen wollen. (Leider hat sich damals keine der beteiligten Bibliotheken auf meine Mails hin gemeldet.) Zusammen mit Heike Unger und David Wasser bildete sie in Köln das Woolinale-Team, das gut gelaunt Auskunft gab und die Aufmerksamkeit für die Yarnbombing-Ausstellung verdientermaßen genoss.

Eine erstaunliche Vielfalt an textilen Werken war bei der Woolinale zu sehen.
„Mel’s Mob“ von Nini & Wink gehört zu meinen persönlichen Woolinale-Favoriten.
Mit ihrem Werk „Homelessness“ gewann Elena Biancardi aus der Schweiz den ersten Preis der Woolinale 2023.
Den zweiten Platz belegte „Wind of change“ von Une Tarlabasi.
Am „Weg zum Frieden“ von Annett Neßmann konnte jede Besucherin und jeder Besucher der Woolinale ein paar Zentimeter weiterhäkeln oder -stricken.

Es war nicht ganz einfach, mich von der Ausstellung im Foyer loszureißen, aber schließlich war ich nach Köln gereist, um Menschen zu treffen, mit denen mich die gemeinsame Liebe zu Handarbeit, Stoffen, Garn und Nadeln, aber auch zu Zeitschriften und Büchern zu textilen Themen verbindet.

Zuallererst führte mich mein Weg zum Stand von MEZ zu Stefanie Biendel, mit der zusammen ich vor fast dreißig Jahren das allererste Buch zum Thema Sockenstricken auf dem deutschen Markt bei Augustus im Weltbild Verlag herausgebracht habe. Seither haben wir einander nie aus den Augen verloren und viele Projekte gemeinsam gestemmt. Bei ihr gab es ein Wiedersehen mit Lutz Staacke von Maleknitting und Kerstin Gruber von Landherzen, mit denen zusammen ich vor Jahren auf Einladung von Schachenmayr bei einem Workshop im tim Augsburg Wolle gefärbt habe. Außerdem gab’s ein kurzes, aber herzliches Hallo mit Arne und Carlos, deren Bücher ich für den frechverlag lektoriert habe.

Freude übers Wiedersehen mit Stefanie Biendel von Schachenmayr, Lutz Staacke von Maleknitting (Bild links), meiner Kollegin Janne Graf von THE KNITTER D (rechts oben) und Frau Feinmotorik Julia Hegenbart (rechts unten).

Der Versuch, die Messehallen mit System zu durchwandern, um auch wirklich alles zu sehen, scheitert bei mir spätestens nach dem zweiten Gang, weil ich dann regelmäßig die Orientierung verliere oder unterwegs zu einem Gespräch stehenbleibe und anschließend nicht mehr weiß, in welcher Richtung ich weitergehen wollte. Aber wie ein Staubsaugerroboter, der scheinbar wirr durchs Zimmer surrt und am Ende doch (hoffentlich) jede Stelle des Bodens mindestens einmal gesaugt hat, habe ich in zwei Tagen alle Stände gesehen, alle vereinbarten Termine wahrgenommen (auch wenn mir der Kölner Nahverkehr am zweiten Morgen durch Ausfälle und Verspätungen fast einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte) und mir eine Fülle an Neuheiten zeigen lassen. Sensationen waren zwar nicht dabei, aber einige hübsche und nützliche Hilfsmittel wie ein zierlicher Silberring bei addi zum Führen der Fäden beim Jacquardstricken, der den Finger aber auch ohne Garn schmückt, oder ein Tool zum leichten Einsetzen von Ösen und Druckknöpfen bei Prym.

Meiner Lieblingsfarbe bin ich an vielen Messeständen begegnet.
Flowerpower auf vier Rädern

Auf meinen erratischen Wegen über die drei Ebenen der Halle 11 bin ich auch immer wieder am etwa zehn Meter langen Yarnbombing-Fries vorbeigekommen, an dem David Wasser vom Woolinale-Team neben seinem zauberhaften roten Strickkraken Rede und Antwort stand.

Der gestrickte Krake von David Wasser wirkt geradezu lebendig.

Die Woolinale-Crew hatte vor der bunten Wand einen umstrickten Rahmen bereitgelegt, der während der gesamten Messetage unentwegt für Fotos im Einsatz war. Irgendwann konnte ich der Versuchung auch nicht mehr widerstehen und ließ mich von Heike Unger damit fotografieren.

Eines von vielen hundert Fotos, die während der Messe mit dem Woolinale-Rahmen aufgenommen wurden.

Als festen Termin hatte ich mir schließlich noch den Anstrick für den TahitiKAL bei Schachenmayr eingetragen: Frau Feinmotorik Julia Hegenbart hat wie schon dreimal vorher ein Tuch aus dem Baumwoll-Mischgarn Tahiti entworfen, das in einem Mystery-Knit-along (KAL) über mehrere Wochen gestrickt wird. Den ersten Teil der Anleitung und den ersten Knäuel Garn gab’s um zwölf Uhr Mittag am Stand. Die Stricknadeln sollte jede und jeder selbst mitbringen – und ich hatte meine morgens im Hotel liegenlassen. 🤦🏻‍♀️ Zum Glück hatten die Mitarbeiterinnen bei addi Nadeln ein Herz und überließen mir eine Rundstricknadel – sogar eine aus der neuen Unicorn-Serie mit einhornartig gedrehten Nadelspitzen und rosafarbenem Seil. 🦄 So konnte ich zusammen mit einer ganzen Schar von Fachhändlerinnen, Bloggerinnen und Redakteurinnen den Garter-Tab-Anschlag und die ersten Reihen des Tuchs „Maluhia“ stricken, das wiederum einen Bogen zur Peace-Wand der Woolinale schlägt: „Maluhia“ heißt auf Hawaiianisch „Frieden“, wie Schachenmayr auf der Website für den TahitiKAL erklärt.

Eine selten gespielte Verdi-Oper in einer begeisternden Inszenierung an der Kölner Oper

Am Abend machte ich mich von der Innenstadt dann noch einmal im strömenden Regen auf zur „schäl Sick“ nach Deutz, wo die Kölner Oper während der Bauarbeiten am Opernhaus im Staatenhaus residiert. Dort wurde zum letzten Mal die Oper „Luisa Miller“ von Giuseppe Verdi in der Inszenierung von Christoph Loy für das Glyndebourne Festival gezeigt. Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich von dieser Oper, die auf Friedrich Schillers „Kabale und Liebe“ basiert, meiner Lebtag noch nichts gehört hatte. Was bin ich froh, noch eine Karte für die Dernière ergattert zu haben! So habe ich einen Abend mit wunderbarer Musik (Dirigent: Roberto Rizzi Brignoli) und berührendem Spiel erlebt. Die Oper „Luisa Miller“ werde ich auf jeden Fall nicht vergessen.

Zu meiner Überraschung und Freude hat am Sonntag dann auch die Heimfahrt reibungslos geklappt. (Auf der Hinfahrt hatte der Zug schon in Ulm gut eine halbe Stunde Verspätung. Bis Köln wurden dann 70 Minuten draus, unter anderem, weil zwischendurch eine Scheibe neu verklebt werden musste.) Die Fahrtzeit hat gereicht, um den ersten Teil des Maluhia-Tuchs fertigzustricken. Jetzt heißt es warten, bis Teil zwei in einer Woche veröffentlicht wird.

Im Zug von Köln nach Ulm habe ich den ersten Teil des Tuchs Maluhia fertiggestrickt.